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Thema: Epigenetik: Erfahrungen verändern Gene


Results
Adolescents with ADHD had more commonly conduct disorder (P < 0.001), oppositional defiant disorder (P < 0.001), substance abuse (P < 0.001) and mild depression (P < 0.001) than adolescents without ADHD. Adolescents with ADHD and comorbid disorders had more ADHD symptoms (P < 0.001) than those with ADHD alone. Compared to adolescents with ADHD alone those with ADHD and comorbidity lived significantly more commonly in non-intact families, in low-income families, with mothers who were dissatisfied with life and with parents who showed little interest in their adolescents’ activities.
Conclusions
Adolescents who develop externalizing disorders comorbid to ADHD seem to suffer from a severe form of ADHD and live in family environments that may not provide sufficient support for optimal development of an adolescent with ADHD.


http://www.springerlink.com/content/f566j8473r276781/fulltext.html

Und so könnte ich das beliebig fortführen, es gibt unzählige Studien, die soziale Faktoren untersuchen und auch bekräftigen. Die Forschung beleuchtet alle Seiten des Problems gleichberechtigt, nur kann ich einem Neurobiologen auch nicht vorwerfen wenn er sich in seiner Untersuchung hauptsächlich auf den neurobiologischen Aspekt konzentriert und einem Genetiker nicht, wenn er den genetischen Zusammenhang vorwiegend untersucht. Es wird halt in unzählig vielen Einzelstudien Wissen zu einem großen Gesamten zusammengetragen und die psychosozialen Faktoren finden sich in der Therapie wie sie angewandt wird ja auch wieder - wo genau ist jetzt das Problem? Manchmal denke ich, dass weniger darum geht, echte Probleme aufzudecken, sondern vielmehr darum überhaupt irgendwelche zum diskutieren zu haben.

Was den Einfluss der Genetik angeht sind übrigens die Zwillingsstudien sehr ausschlaggebend. Eineiige Zwillinge sind genetisch identisch, der Vergleich mit zweiigien Zwillingen, Geschwistern und nicht Verwandten gibt somit Aufschluss darüber, wie hoch der erbliche Anteil begründet auf Wahrscheinlichkeistrechnung sein sollte. Es gibt mathematische Modelle, den Einfluss der jeweiligen Umweltfaktoren zu berechnen, sowohl welche, die beiden gemeinsam sind als auch die, die den Zwillingen nicht gemeinsam sind. Ein solches Ergebnis sieht dann folgendermaßen aus:

Univariate analyses for wave 1 have already been published (Steffenson et al., 1999). In short, the results showed that there were genetic, shared environmental, and nonshared environmental effects influencing ADHD symptoms in both boys and girls. Genetic effects accounted for 68% for girls and 35% for boys, shared environmental effects explained 12% of the variance for girls and 40% for boys, and nonshared environmental effects accounted for 19% and 25% of the variance for girls and boys, respectively.

The indications of various effects from the pattern of twin similarity from wave 2 were tested, and statistics for different models for ADHD symptoms are presented in Table 3. In model I, we did not account for any sex differences. In model II (scalar model), we tested whether the magnitude of the genetic and environmental effects were the same in boys and girls but the variances differed. This model fitted significantly better than model I (Δ −2 LL = 4.1, df = 1, p < .03). Next, we estimated the genetic and environmental effects separately for boys and girls. Model III fitted significantly better than model II (Δ −2 LL = 7.2, df = 2, p < .03), indicating that the heritability estimates are different for boys and girls. Finally, we fitted a model in which we tested whether different genes were more important in boys than in girls. This model (model IV) did not fit better than model III. Thus, our best fitting model (model III) indicates that the same genes are of importance for boys and girls but that the relative importance of these effects differs. In the best fitting model, genetic effects explained 74% of the variation for boys and 61% for girls. In principle, the remainder of the variation was due to nonshared environmental influences, whereas shared environmental influences seemed to be of little importance for ADHD symptoms in early adolescence.



Zuletzt bearbeitet: 29.04.11 12:21 von di55e


Nein, Deine zitierten Studien sagen nichts aus über die kausale Ursache von ADHS, da kannst Du zitieren, soviel Du willst. Alles lässt sich hiermit zusammenfassen:
Adolescents who develop externalizing disorders comorbid to ADHD seem to suffer from a severe form of ADHD and live in family environments that may not provide sufficient support for optimal development of an adolescent with ADHD.

Es wird eben immer nur von ADHS als körperlich-genetischer, medizinischer Krankheit ausgegangen, Umweltfaktoren sollen die Symptome lediglich verstärken bzw. abschwächen. Wenn es sich z.B. zeigt, dass ADHSler verstärkt in gestörten Familien aufwachsen, dann wird daraus geschlossen, dass solche Familien kaum Unterstützung für den ADHSler bieten können, weshalb das ADHS dann besonders stark ausgeprägt sei. Warum wird daraus nicht geschlossen, dass die gestörten Familienverhältnisse die Ursache für Verhaltensstörungen (á la "ADHS") sind?
Was eben völlig fehlt, sind Studien, die ADHS als psychoreaktive Verhaltensstörung belegen. Solche Studien sind ja ohne Weiteres machbar, werden aber kaum unternommen. Warum wohl?

Im Übrigen kennst Du wahrscheinlich unser Café Holunder noch nicht, denn dort sind wir auf fast alles schon eingegangen, was Du hier verbreitest, das muss man hier nicht wiederholen.





Preiser:
Warum wird daraus nicht geschlossen, dass die gestörten Familienverhältnisse die Ursache für Verhaltensstörungen (á la "ADHS") sind?



Weil es nicht DIE Ursache gibt!!! Wie kleingeistig muss man eigentlich sein, um nicht zu verstehen, dass es nunmal mehrere Ursachen für manche Dinge in der Welt gibt. ADHS ist eine multikausale Krankheit und ja, das soziale Umfeld ist die Ursache! Genetische Faktoren sind die Ursache! Rauchen in der Schwangerschaft ist die Ursache! Aber die Welt ist nunmal nicht so simpel dass es nur genau eine Ursache gibt. Das ist für den einfachen Normalbürger vielleicht angenehm weil man alles dann in schön einfach zu verstehende Schubladen stecken kann und nicht weiter über komplizierte Sachverhalte nachdenken muss und dann kann man sich entweder über etwas aufregen oder damit glücklich sein. Dinge sind gut oder böse und nachweislich macht das kleingeistige, konservative Denken auch glücklicher. Aber in der Wissenschaft kommen wir so nunmal nicht weiter, da sind wir auf mathematische Modelle angewiesen, auf die Betrachtung vieler einzelner Faktoren, auf die Gewichtung verschiedener Dinge und können bei komplexen Sachverhalten nur ein Verständis bekommen, nicht aber eine Ursache. Das ist doch reine, verblendete Engstirnigkeit, weil man sich der Komplexität des Sachverhaltes nicht stellen will. Wenn Sie was sinnvolles zur wissenschaftlichen Erkenntnisfindung beizutragen meinen, dann machen Sie doch einfach mal statistisch valide Studien, verwenden sie keine blödsinnigen Totschlagargumente und nehmen irgendwelche Studien auseinander mit der Argumentation, wieso das denn alles nicht stimmen muss so. Kritik ist ja durchaus erwünscht im wissenschaftlichen Bereich, dann sollte diese aber auch auf vergleichbarem Niveau, das heißt wissenschaftlicher Methodik basieren und nicht so einem stupiden Gequatsche wie hier. Es ist doch in jedem Bereich dasselbe wo es um die Kritik der Wissenschaftstheorie geht. Ob ich nun mit jemandem über die Existens von HIV diskutiere oder die Sinnhaftigkeit von Krebstherapie - wir sind da einfach nicht annähernd auf einem gemeinsamen Niveau, wo sich diskutieren ließe, weil sie mir erst mal eine entsprechende Beweisführung vorlegen müssen um die riesige Anzahl der Erkenntnisse zu widerlegen. Viel Spaß dabei, mehrfache Lebenswerke aufzuarbeiten, das werden sie nämlich schlicht nicht schaffen. Es ist absolut indiskutabel, dass ADHS physiologische Faktoren hat und jegliche gegenteilige Behauptung ist angesichts der Datenlage ein reiner Hohn und Geschwafel von der üblichen Fanatikergemeinde über die ich mich extrem aufregen könnte, vor allem dann, wenn sie konkret Menschen beeinflusst, anderen Hilfestellungen vorzuenthalten. Soviel zu dieser Diskussion, auf so einen Unsinn habe ich keine Lust mehr.



hoijoijoi!

Das nenne ich aber wissenschaftliche Argumentation: "Stupides Gequatsche, kleingeistig.... "

Das hab ich in meinem Biologiestudium anders gelernt, aber das ist ja auch schon 30 Jahre her, da ändert sich so manches.





Soviel zu dieser Diskussion, auf so einen Unsinn habe ich keine Lust mehr.

Na dann weiter alles Gute im Elfenbeinturm, und weiter viel Erfolg mit der Anwendung statistischer Modelle beim Verständnis von "ADHS"! Und bei der Doktorarbeit bitte nicht zuviel abschreiben!
Viele Grüße,
Dörte



Es ist absolut indiskutabel, dass ADHS physiologische Faktoren hat und jegliche gegenteilige Behauptung ist angesichts der Datenlage ein reiner Hohn und Geschwafel von der üblichen Fanatikergemeinde über die ich mich extrem aufregen könnte,

Wer hat das denn so behauptet?
(ansonsten typische ADHSler-Reaktion, genetisch bedingt...)



hallo,
noch ein beispiel für genveränderungen durch umwelteinflüsse:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45904/Telomere_Chromosomen_altern_bei_Heimkindern_frueher.htm

gruss
bertram



Erfahrungen formen das Gehirn schon vorgeburtlich:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-gewalt-schlaegt-auf-das-erbgut-1.1017664



Wichtig, im Prinzip natürlich auch für die Entstehung von "ADHS":
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46682/Epigenetik_Gewalt_an_Schwangeren_hat_Folgen_fuer_Kinder.htm



hallo,
vonwegen vererbung...:

http://www.netdoktor.de/News/Uebergewicht-Praegung-im-Mu-1135481.html

gruss
bertram



hallo,

tröstlich...und ein weiterer hinweis für die epigenetischen effekte:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47668/Herzinfarkt_Gesunde_Ernaehrung_kann_Gene_besiegen.htm

gruss
bertram



So langsam aber sicher wird bekannt, dass es eben doch die Umwelt/Erfahrung ist, die den stärkeren bzw. aussagekräftigeren Beitrag zur Erklärung menschlichen Verhaltens (eben auch ADHS) liefert.
Danke, bertram.



hallo,

ein überaus "modernes thema". hirngrösse und facebook :-)

Bei Menschen mit einem großen virtuellen Freundeskreis habe man in drei Gehirnbereichen mehr graue Substanz gefunden als bei Menschen mit nur wenigen Online-Freunden, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin «Proceedings of the Royal Society B» (DOI:10.1098/rspb.2011.1959)


http://www.netdoktor.de/News/Facebook-Hirn-zeigt-Groesse-1135866.html

mist, ich bin nicht in facebook...meine hirngrösse!!!!

gruss
bertram





hallo,

auch interessant in diesem zusammenhang (wenn auch eher gruselig):

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48952

gruss
bertram



hallo,
auch sport verändert gene:

http://www.netdoktor.de/News/Epigenetik-Sport-veraendert-1136559.html

gruss
bertram

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Zum Café Holunder: