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Thema: Antidepressiva und Selbstmordrisiko bei Kindern


Langzeitstudien bei Medikamenten werden aus rein kommerziellen Gründen unterlassen. Wenn ein Medikament erst einmal zugelassen ist, kann es "ewig" verschrieben werden, wofür auch immer ein Arzt es für geeignet hält. Die Pharmaindustrie verheimlicht aktionärsschädliche Forschungsergebnisse, obwohl gerade beim Einsatz von Antidepressiva bei Kindern die Selbstmordgefahr drastisch ansteigt. In Großbritannien wurden deshalb jetzt die meisten Antidepressiva bei Kindern verboten.
Dies berichtet der uns gut bekannte USA-Arzt Lawrence Diller. Obwohl es um Antidepressiva geht, lässt sich der Mechanismus grundsätzlich auf Ritalin übertragen. Auch hier macht keiner Langzeitkontrollen.
http://www.ads-kritik.de/ADS-Kritik25.htm



Hallo, Herr Schmidt,

wieso sollte auch deshalb ein ernsthaftes Interesse an Langzeitstudien bei Ritalin bestehen, wenn man sich nur mal den Verkaufsrang-Link von Novartis-Produkten anschaut ?

http://www.dooyoo.de/gesundheit/medikamente/novartis_consumer_health/pd/

Immerhin lassen sich mit Gefühlen, Sorgen, Ängsten, Entwicklungsstörungen, Schul- und/oder Verhaltensproblemen bessere Geschäfte machen, als mit Schnupfen. Und den hat ja wohl jeder mal. Grübel.

Liebe Grüße

Mitlesende





Langzeitstudien bei Medikamenten werden aus rein kommerziellen Gründen unterlassen. Wenn ein Medikament erst einmal zugelassen ist, kann es "ewig" verschrieben werden, wofür auch immer ein Arzt es für geeignet hält. Die Pharmaindustrie verheimlicht aktionärsschädliche Forschungsergebnisse(...)


Dieses gilt generell für nahezu jedes Medikament !
Das ist aber nichts neues, hier hat sich seit Contergan nichts aber auch gar nichts getan...
Beispiel :
Seit jahren ist es bekannt, das Acetylsalicylsäure den Magen und den Darm angreifen kann. Einige Forscher vermuten sogar in diesem Zusammenhang sogar das z.B. Aspirin Magen- oder Darmkrebs verursacht.
Langzeitstudien ? Von Bayer gibt es offiziell keine.

Es gibt hier sicher noch mehr Beispiele. Das Problem "nur" auf Antidepressiva oder MPH zu reduzieren ist also eher einseitig, passt aber zum Thema der Seite...

Gruß, Rita





Das Problem wird von Diller keineswegs so reduziert, wie Sie behaupten. Er zeigt vielmehr dieses auch von Ihnen zu Recht als allgemein beschriebene Problem am aktuellen Beispiel "Antidepressiva" auf.



Seit jahren ist es bekannt, das Acetylsalicylsäure den Magen und den Darm angreifen kann. Einige Forscher vermuten sogar in diesem Zusammenhang sogar das z.B. Aspirin Magen- oder Darmkrebs verursacht.

Soweit ich weiß, gibts hier immerhin schon einen Hinweis im Beipackzettel. Ob es schon Forschungsergebnisse gibt zum Krebs bei ASS, glaube ich nicht. Oder werden die auch verheimlicht? Ganz schlimm ist ja, dass bei den Antidepressiva die Selbstmordgefahr belegt ist. Und wenn dann obendrein dazu kommt, dass das Medikament gegen Depressionen gar nicht wirkt, ist es ein ausgemachter Skandal, das zu verheimlichen, nur damit die Kasse stimmt.



Kleiner, aber aufschlussreicher Nachtrag zu Dr. Diller, USA: Er war ja nun fast genau vor einem Jahr in Deutschland auf eine ADHS-Tagung bei Bremen eingeladen. Wie ich von ihm persönlich weiß, hatte er dort das Gefühl, plötzlich ca. 10 Jahre zurückversetzt worden zu sein. Die dortigen deutschen Fachleute hätten über ADHS in einer Weise gesprochen, wie sie in den USA vor 10 Jahren verbreitet gewesen sei. Er habe versucht, warnend darauf hinzuweisen, dass Diagnostik und Wissenschaft wenig mit einem Phänomen zu tun haben, das überwiegend kulturell und ökonomisch (sprich: von pharmazeutischem Interesse) bedingt sei. Die Wissenschaft könne einer massiv beworbenen Pille wenig entgegensetzen.

Das zu erkennen gelingt in Deutschland leider noch nicht. Aber vielleicht in 9 Jahren...?



Hier zwei aktuelle und passende Artikel aus der ZEIT zum Themenbereich:
http://www.zeit.de/2004/18/M-Studien-Register

http://www.zeit.de/2004/18/M-Tricks_der_Pharma

Besonders die Kritik an der sog. evidenzbasierten Medizin ("Die ganze evidenzbasierte Medizin ist Schrott") finde ich wichtig. Viele derzeit sich ganz stolz sehr wissenschaftlich gebende Mediziner, die mit solchen Begriffen um sich werfen, sollten das lesen.



Wie Der Spiegel 40/04 auf S. 90 berichtet, müssen nunmehr Pharmafirmen in den USA in Zukunft Warnhinweise auf die Packungen drucken, nach dem Vorbild der Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Auch in Werbespots etc. müssen die Warnhinweise erscheinen. Auf diese Weise soll vor dem erhöhten Selbstmordrisiko bei Kindern und Jugendlichen gewarnt werden. Man rechnet dadurch allgemein mit einem Umsatzrückgang für Psychopharmaka.



Wie Der Spiegel 40/04 auf S. 90 berichtet, müssen nunmehr Pharmafirmen in den USA in Zukunft Warnhinweise auf die Packungen drucken, nach dem Vorbild der Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Auch in Werbespots etc. müssen die Warnhinweise erscheinen. Auf diese Weise soll vor dem erhöhten Selbstmordrisiko bei Kindern und Jugendlichen gewarnt werden. Man rechnet dadurch allgemein mit einem Umsatzrückgang für Psychopharmaka


Zur besseren Einordnung und Bewertung dieses Artikels, fehlt meines Erachtens nach noch folgende Information :
Viele Psychopharmaka sind in den USA zwar apothekenpflichtig aber nicht unbedingt verschreibungspflichtig und somit quasi frei verkäuflich. Auch besitzen Psychopharmaka dort einen wesentlich anderen gesellschaftlichen Stellenwert. (Nicht unbedingt verwunderlich in einem Land, wo es als "in" gilt für teures Geld zur Psychoanalyse zu gehen. Einige dieser Analytiker genießen gar schon "Kult-Status" und unterhalten eigene TV-Shows...)
Auch können in den meisten Bundesstaaten der USA Psychopharmaka von jedem Arzt verordnet werden. Eine diesbezügliche Qualifikation oder Facharztausbildung ist i.d.R. nicht erforderlich.

Ob die Warnhinweise hier hilfreich sind oder sein könnten, wage ich sehr stark zu bezweifeln. Außerdem dienen diese Hinweise lediglich der Absicherung der Pharmakonzerne im Falle von den in den USA typischen Schadensersatzklagen.
(Die Gesetzes-Initiave zu den Warnhinweisen wurde u.a. durch die amerikanische Pharmaindustrie angeregt !)
Man beachte nur die erfolgreichen Klagen gegen die Zigarettenindustrie oder gegen Mc.Donalds und CocaCola.
Die Eigenverantwortlichkeit des Verbrauchers wird nicht mehr gefragt.
Es ist ja so bequem zu sagen: "Das hat mir aber keiner gesagt, dass Cola dick macht oder Rauchen Krebs erzeugt."





Lieber Herr Nuehm,
ich kann Ihnen da nur voll zustimmen. Die Verhältnisse in USA lassen sich nicht nahtlos auf Deutschland übertragen. Dennoch ist es erfreulich, dass besorgniserregende Forschungsergebnisse dort relativ rasch zu Reaktionen und Abwehrmechanismen führen, während dies bei uns aus meiner Sicht viel zähflüssiger verläuft. Deutsche Pharmafirmen in USA sind offenbar sowieso nicht betroffen, weil sie wohl dort keine Antidepressiva vorhalten. Aber bei uns???



Nora Volkow hat seinerzeit den Weg zur Erkenntnis angedeutet:
Sie hat erstens festgestellt, dass die Wirkung von Methylphenidat im Wesentlichen mit der Wirkung von Kokain gleichgesetzt werden kann.
Sie hat daraufhin umfangreiche Untersuchungen zur Wirkung von Kokain durchgeführt und diese publiziert (siehe NIMH, USA).
Und jetzt hofft sie wohl darauf, dass die Betroffenenen weltweit so intelligent sind, die für Kokain getroffenen Feststellungen grosso modo auf Methylphenidat zu übertragen.

Ein kurzer Rückblick:
Nora Volkow hat vor einigen Jahren umfangreiche PET-Studien zur Wirkung von Ritalin auf die Dopamin-Verfügbarkeit im Gehirn vorgenommen. Die Untersuchten waren alle sogenannte Normalpersonen. Sie hatte damals angekündigt, auch ADS-Patienten in einer Folgestudie darauf hin zu untersuchen und Vergleiche anzustellen.
Die zweite Studie hat bis heute noch nicht stattgefunden.
Oder hat schon jemand davon gehört?

Kassandra



Hallo Kassandra,
danke für diesen Hinweis! Über Volkow kann man hier ein wenig mehr lesen: http://www.ads-kritik.de/ADS-Kritik16.htm. Mir ist bisher auch nicht bekannt, ob sie die Studie mit "ADS"lern inzwischen gemacht hat. Aber ich werde sie einfach mal fragen und dann hier berichten.



Frau Volkow wurde letztes Jahr zur Leiterin von NIDA (National Institute of Drug Abuse, USA) ernannt und hat vielleicht als Folge dieser beruflichen Veränderung diese Studien gar nicht mehr machen können. http://www.nida.nih.gov/



Die neueste Volkow-Studie vom Juli 2004 zu Ritalin - allerdings wiederum nur mit gesunden Personen - ist hier zu finden:

http://www.drugabuse.gov/Newsroom/04/NS-0719.html

Nora Volkow beschreibt hier die Vorgänge im Gehirn genauer, die bei Einnahme von Ritalin auftreten:
Die Erhöhung des Dopamin-Spiegels bewirkt mehr Freude, Motivation und stärkeres Interesse, zum Beispiel bei der Lösung von Mathematik-Aufgaben.

Wohlgemerkt: Ritalin bewirkt keine unmittelbare Intelligenz- oder Leistungssteigerung, sondern nur eine verbesserte Motivation, die dann natürlich zu besseren Leistungen führen kann!

Da liegt es nahe, nach einem nicht-medikamentösen Weg zu suchen, wie man Schülern das Lernen schmackhafter machen kann.

Volkow führt aus:

• WHAT IT MEANS: Stimulant drugs like methylphenidate work to raise levels of extracellular dopamine, a key chemical in motivation, which can enhance interest in performing an academic task.
A better understanding of this mechanism may lead to the development of other medications that have similar chemical effects in the brain, and help people with ADHD improve focus on and motivation for performing academic tasks.
The study findings also support developing educational strategies that make schoolwork more interesting as a nonpharmacologic way to treat ADHD.

Volkow schlägt also zweierlei vor:
1. Andere - wohl mit weniger gefährlichen Nebenwirkungen behaftete - Medikamente zur Unterstützung der Motivation von ADS-Patienten zu entwickeln.
2. Medikation durch interessanten Unterricht überflüssig zu machen.

Kassandra





Ich habe bei Dr. Volkow nachgefragt und die Auskunft erhalten, dass es diese Studie mit Dats und Methylphenidat bei ADHSlern tatsächlich bisher nicht gibt. Es wurde nichts gesagt, ob sie in Arbeit oder geplant sei, woraus ich schließe, dass damit auch bis auf Weiteres nicht zu rechnen ist.

Die von kassandra zitierte Studie scheint also wirklich die derzeit aktuellste zu sein. Aber ihr Ergebnis, dass es um "Motivation" geht, ist ja auch so wirklich sehr interessant, auch die daraus gezogenen Empfehlungen.

Ich werde immer wieder -auch von Fachpersonen- gefragt, wie Ritalin wohl bei "Normalpersonen" wirkt und wundere mich dann, dass die diesbezüglichen Volkow-Ergebnisse bei uns bisher fast gar nicht bekannt sind.


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