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Thema: Alltagsberichte Erfahrungen von Aussteigern |
Hallo Trude,
das hatte ich anders gemeint.
"ich gehe davon aus, dass in "diesen Runden" wenigstens eine Person sitzt, die eine vorschnelle Medikamentengabe kritisch hinterfragt und eventuell andere Ansätze erkennt."
Das wäre wunderbar, aber wer soll das denn sein? Ebensogut kann eine solche Runde den Druck auf die Eltern noch verstärken. Umgekehrt geraten aber auch die beteiligten Fachleute unter Druck, wenn Eltern glauben ihrem Kind werde eine wichtige Chance vorenthalten.
"Aus meiner Sicht kommt es auf die Einstellung an. Wenn ich das Kind annehme, wie es ist, ist es mir hilfreich, wenn ich über Umstände und Umfeld des Kindes bescheid weiß."
Auch damit hast du völlig recht. Probleme, die sich z.B. auf die Schule auswirken, kann man ja ohnehin nicht verheimlichen. Es ist aber etwas anderes, ob über konkrete Probleme gesprochen wird oder über Diagnosen. Eltern - die im Zweifel mit den Kindern und somit auch mit den Folgen leben müssen - wissen ja nicht im voraus, ob Lehrer und Erzieher das Kind annehmen oder einfach nur in irgendfeine Schublade einordnen wollen.
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besorgte Mutter "ich gehe davon aus, dass in "diesen Runden" wenigstens eine Person sitzt, die eine vorschnelle Medikamentengabe kritisch hinterfragt und eventuell andere Ansätze erkennt."
Das wäre wunderbar, aber wer soll das denn sein?
Hallo besorgte Mutter, Doris und alle anderen,
"ich gehe davon aus, dass in "diesen Runden" wenigstens eine Person sitzt, die eine vorschnelle Medikamentengabe kritisch hinterfragt und eventuell andere Ansätze erkennt."
Das wäre wunderbar, aber wer soll das denn sein?“
Zum Beispiel bin ich das, was aber auch viel Ärger und wie in den ersten Postings von mir beschrieben, einen ständigen Kampf bedeutet. Mal hat man mehr Kraft und manchmal ist die Haut auch bei mir sehr dünn. Es gibt eigentlich zur Thematik so viel zu sagen. Stellt euch nur vor, dass man mit diesen schwierigen Kindern nicht nur in der Pharmaindustrie viel Geld verdienen kann. Ich könnte von Kinderheimen berichten, die davon leben, je schwieriger ein Kind ist, um so mehr Geld bringt es. Da ist es doch nur dienlich, wenn Tabletten fließen um wenigstens in der Einrichtung „Ruhe“ zu haben. Was aber ein Trugschluss ist!!! Meine Erfahrungen sagen, dass bei vielen Kindern aus den Heimen (siehe 15 Jähriger Junge) Bindungs- und Beziehungsstörungen vorliegen. Es wäre dringend Elternarbeit angeraten. Welches Heim macht das? (Würde ich wirklich gerne wissen!) Es könnte ja sein, dass sich ein Problem klärt und Eltern und Kind finden wieder zueinander. Für die Einrichtung heißt das: Ein Platz ist erstmal leer, doch es sind laufende Kosten vorhanden (Erzieher, Gebäude, Versicherung u.s.w..
Ich und meine Kollegen sind in diesem Teufelskreis als die „Hinterfrager“.
Zur Zeit bin ich in einem Tief, weil ich zusehen muss, wie ein Junge nun, nach zig verschiedenen Medikationen gar nicht mehr in seinem Heim klar kommt. Er hatte schwerste Nebenwirkungen und hat geistig total abgebaut. Erst auf unser Drängen, weil wir die Mutter informierten, mussten die Medikamente sofort wegen Herzprobleme abgesetzt werden. Das Heim hatte ihn in die Psychiatrie gebracht, wegen erneuter Einstellung auf Medikamente, und zur Mutter gesagt, dass sie den Jungen ohne Medikamente nicht mehr nehmen. Seine Mutter wollte ihn darauf aus dem Heim nehmen und in ihrer Nähe unterbringen, hatte wegen unserer Schule es bisher nicht gemacht. Das Jugendamt steht zum Heim, beschimpft mich wegen aufhetzen der Mutter. Dafür wäre ich bekannt. Die Mutter kann nicht mehr und gibt nach einigen zermürbenden Gesprächen auf. Das Heim bemüht sich zur Zeit um einen Schulwechsel an die Geistigbehindertenschule. Bis das klar ist bleibt der Junge in der Psychiatrie, nur das er nicht zu uns kommt. Das einzige Gute ist, dass man inzwischen auch von Seiten der Psychiatrie von weiteren Medikamenten absieht. Doch der Junge ist inzwischen „kaputt“.
Ja, und wenn man täglich mit diesen Problemen zu tun hat, dann bekommt man Wut. Es wird noch lange dauern, bis sich grundlegend etwas ändert.
Ich freue mich über eure aufmunternden Worte, doch mal ehrlich, hat das noch mit Schule zu tun? Doch die Kinder sind täglich viele Stunden dort und so wie im Elternhaus treten hier die Probleme auf. Also ist der Ort Schule doch ein guter Ort an dieser Thematik zu arbeiten. Das erfordert ein Umdenken. Es reicht nicht aus, dafür Rahmenbedingungen zu schaffen, sondern man muss auch dieses „gewisse Etwas“ habe, um es zu können.
T.
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Hallo Trude,
ist ja schonmal gut, dass sogar die Psychiatrie - in diesem Fall - die Medikamente absetzt. Just für diesen Vorschlag wurdest Du ja offenbar angegriffen.
Manche Heime stehen auf Drogen, äh Psychopharmaka, um die Kinder in den Griff zu kriegen, andere sehen das gar nicht gerne u. setzen auf (ihre!) pädagogischen Maßnahmen. Immerhin sitzen in den Heimen Psychologen, Erzieher, Sozialpädagogen. Tendenziell sind die Heime eher "psychopharmakaskeptisch". Da muss man das jeweilige Heim kennen, Generalisierungen bringen da wenig.
Letztendlich entscheiden jedoch die Eltern über medizinische Maßnahmen (es sei denn, das Sorgerecht wurde entzogen), die Fachleute können da nur Empfehlungen geben (oder "Druck machen", I know).
Zur Elternarbeit:
Natürlich machen viele Heime Elternarbeit, jedenfalls im Rahmen der turnusmässigen Hilfeplangespräche und oft auch wenn die Eltern die Kinder abholen (viele kommen an Wochenenden nach Hause). Auch das Jugendamt hat ein Interesse an Elternarbeit, denn die Heime kosten eine Stange Geld (ca. 2000 bis 3000 Euro pro Monat und Kind). Manche Jugendämter leisten sich sogar Projekte mit dem Ziel, die Elternarbeit zu intensivieren, um möglichst früh eine Rückkehr ins Elternhaus zu ermöglichen.
Halt die Ohren steif!
Bertram
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