DISKUSSION OHNE ZENSUR
Freies Forum Werra Meissner

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Thema: Werratalsee, Politiker, Gutachter, Lobbyisten...


Vor der Therapie sollte zunächst die Diagnose erfolgen

Die Werra-Rundschau titelte heute "Aluminium könnte den Werratalsee retten". Das ist Unsinn, wie auch der Sachverständige Christian Schuller in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Stadt Eschwege am Montagabend
(02.02.2015) im Eschweger Rathaus ausführte. Eine sogenannte Aluminiumfällung mit Aluminiumhydroxid könnte allenfalls einen geringen Zeitgewinn bedeuten und ein sofortiges "Umkippen" des Sees zeitlich geringfügig verzögern. Um den Zustand des Sees nachhaltig zu verbessern wäre die Zuführung des Phosphateintrags in den See zu stoppen bzw. wesentlich zu reduzieren. Dazu wäre zunächst, ohne politische Rücksichtnahme z.B. auf die Landwirtschaft und die Biogasanlagenbetreiber am Oberlauf der Werra zu klären, woraus der in den letzten 7-8 Jahren erhöhte Eintrag an Phosphat resultiert. Eine saubere Diagnose durch den Sachverständigen Schuller fehlt aber nach wie vor, wie Andreas Hölzel von der FWG zu recht kritisierte. Schuller habe in seinem ersten Gutachten noch ausgeführt, eine Sanierung der defekten Kanalisation in Schwebda werde den See retten. Jetzt stelle sich heraus, dass das nicht der Fall sei. Erstmals wird jetzt im zweiten Gutachten auch die Landwirtschaft und die mögliche Überdüngung der Felder sowie der monokulturelle Maisanbau wegen der Biogasanlagenzunahme als möglicher Verursacher zumindest durch einzelne Politiker (Herr Gassmann, DIE LINKE) und in Ansätzen wohl auch vom Gutachter genannt. Details hierzu aus dem Gutachten sind nicht bekannt. Es lag den Mitgliedern des Umweltausschusses der Stadt Eschwege nicht vor. Allerdings schloss Schuller nach wie vor aus, dass der erhöhte Phosphateintrag aus den landwirtschaftlichen Flächen nördlich des Sees resultiere.
Wie Schuller zu dieser Einschätzung gelangt, bleibt mir unverständlich, allein aufgrund des Umstandes, dass mir nicht nachvollziehbar erscheint, dass die viel geringeren Mengen an
Verunreinigungen durch die defekte Kanalisation in Schwebda sehr wohl eine Ursache darstellen sollen, die viel größere Menge aber an Gülleausbringung auf der großen landwirtschaftlichen Nutzflaäche nördlich und oberhalb des Sees keinerlei Rolle spielen soll. Hier scheint mir die Darstellung des Sachverständigen Schuller unlogisch zu sein.

Unzweifelhaft ist aber wohl, dass der größte Phosphateintrag über die Werra erfolgt. Das verwundert meines Erachtens nicht.
Denn am Oberlauf der Werra in deren Einzugsbereich sind seit 2007 in Thüringen und Hessen 11 Biogasanlagen neu entstanden.
Insgesamt gibt es am Oberlauf der Werra in deren Einzugsgebiet 19 Biogasanlagen. Davon 17 in Thüringen und zwei in Hessen (Heldra und Wanfried). Die Gülle aus diesen Anlagen wird auf den im Einzugsgebiet der Werra liegenden Feldern ausgebracht.

In jeder Biogasanlage mit einer Kapazität von 75 kw/h werden pro Jahr, wenn sie zu 20 % mit Maissilage und zu 80 % mit Rindergülle betrieben wird, bei 80%iger Auslastung ca. 4000 m³ Gülle(Gärreste) produziert. Unterstellt, die 19 Biogasanlagen am Oberlauf der Werra hätten durchschnittlich eine Kapazität von 75 kw/h (Wahrscheinlich liegen die Kapazitäten pro Anlage wesentlich höher), wäre das bei 80%iger Auslastung ein Gülleanfall pro Jahr von 76.000 m³ (19 X 4.000 m³). Diese Güllemenge, die vor dem Bau der Biogasanlagen -die älteste Anlage wurde 1995 gebaut- nicht in dieser Größenordnung -und für den Fall, dass die Anlagen zu 20 % mit Maissilage betrieben wird- überhaupt nicht anfiel, ist erst ab dem Jahr 2007 -11 der 19 Anlagen wurden nach 2007 gebaut- so gigantisch angestiegen. Zu der Menge der produzierten Gärreste im Einzelnen, siehe hier:

http://www.biomasse-nutzung.de/kauf-einer-mini-biogasanlage-kaufen-planung/

Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Menge der Gärreste/Gülle
bei gleicher Menge an produziertem Methangas, welches der Energieerzeugung dient, enorm steigt, wenn man ausschließlich tierisch erzeugte Gülle vergärt, denn der Anteil der in Methangas umwandelbaren Bestandteile beträgt bei tierischer Gülle 8 % TS und bei Maissilage 32 % TS. Der Betreiber einer Biogasanlage muss sich deshalb schon genau überlegen, ob er nur tierische Gülle oder nur Maissilage oder ein Gemisch aus tierischer Gülle und Maissilage in seiner Biogasanlage vergären will, denn wenn er nur tierische Gülle vergärt, benötigt er viel mehr Fläche zur Ausbringung der anfallenden Gärreste, die ihm aber bei ordnungsgemäßer Düngung nach der Düngeverordnung möglicherweise gar nicht zur Verfügung steht. In diesem Fall müßßte er die anfallenden Gärreste über weite Strecken wegtransportieren lassen. Das aber macht möglicherweise den Betrieb der Anlage unrentabel. Dann bringt er doch lieber zuviel Gärreste/Gülle auf den der Anlage näher liegenden Feldern aus und das überschüssige Phosphat und Nitrat, welches durch die Pflanzen nicht aufgenommen wird, gelangt in unsere Oberflächengewässer und in das Grundwasser.

Hier liegen meines Erachtens die wahren Ursachen für den enormen Anstieg der Phosphateinträge in den Werratalsee. Nur sagen darf das niemand -erst recht kein von der Politik beauftragter Gutachter- weil damit der Weg der Energieerzeugung durch nachwachsende Rohstoffe (Mais) sich möglicherweise als hochproblematischer Irrweg erweisen könnte. Denn die Phosphat- und Nitrateinträge in die Oberflächengewässer und in das Grundwasser werden langfristig zu deren Überdüngung und damit zu einer Nichtnutzbarkeit dieser wichtigsten Ressource für unser Leben führen; nämlich sauberes Wasser.


Zuletzt bearbeitet: 01.04.15 11:05 von Michael_Kraemer


Werratalsee: Es ist 5 vor 12!

Bei 80 bis 150 Mikrogramm Phospor pro Liter Wasser droht der Werratalsee "umzukippen". Im Jahre 2006 lag der Phosphorgehalt des Sees bei 35 Mikrogramm pro Liter im Jahre 2014 bei 75 Mikrogramm pro Liter. In den Jahren 2007, 2013 und 2014 hat der Phosphatgehalt besonders stark zugenommen.

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Wann spricht man vom "Umkippen" eines Sees?

Hier können Sie es erfahren:

http://scienceblogs.de/frischer-wind/2009/07/06/wann-spricht-man-vom-umkippen-eines-gewassers/


Zuletzt bearbeitet: 07.02.15 12:19 von Michael_Kraemer


Zuviel Dünger zuviel Regen und selbst große Seen "kippen um":

Zu viel Dünger, zu viel Regen: Forscher haben herausgefunden, wieso sich 2011 ein extrem großer Algenteppich auf dem nordamerikanischen Eriesee ausbreitete. Sie warnen, dass so heftige Algenblüten in Zukunft häufiger vorkommen werden.

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Zuletzt bearbeitet: 07.02.15 13:03 von Michael_Kraemer


Am Mittwoch, 04.02.2015, habe ich mit Herrn Diening vom Umweltministerium Thürigen in Erfurt telefoniert. Herr Diening
arbeitet im Bereich Gewässerschutz.

Ich habe ihm die Problematik "Überdüngung Werratalsee mit Phosphaten" geschildert. Er hat sich daraufhin mit mir bei Google-maps die Situation am Werratalsee angesehen. Ich habe ihm beschrieben, wo im unmittelbaren Einzugsbereich des Sees, einmal nördlich des Sees zwischen Grebendorf und Schwebda, und vom See aus betrachtet am Oberlauf der Werra bis Wanfried und Heldra seit Bau der Biogasanlage in Wanfried im Jahre 2007 entlang der B 249 überwiegend Mais angebaut wird. Herr Diening sagte, dass insbesondere bei Starkregen aus den Maisfeldern durch Erosion Boden und damit Phosphate ausgewaschen würden und auch über Entwässerungsgräben und kleine Nebenflüsse in die Werra gelangten. Dies sei besonders bei Hochwasser der Fall. Es sei davon auszugehen, dass insbesondere wenn die Werra Hochwasser führe und eine intensiver Wasseraustausch zwischen Werra und Werratalsee erfolge, mit dem mitgeführten Sediment in der Werra, auch aus dem gesamten Oberlaufbereich Phosphat aus der Werra in den See gespült werde und sich dort ablagere. Selbstverständlich könne sich dieser Effekt durch vermehrten Maisanbau, bei dem die Erosion des Bodens besonders stark sei, in den letzten Jahren erhöht haben. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Biogasanlagen nicht mit ohnehin anfallender Gülle aus Tierhaltung, sondern ausschließlich mit Maissilage betrieben würden. Wie allerdings die Situation genau bei den, seit 2007 vermehrt, am Oberlauf der Werra errichteten Biogasanlagen aussehe, mit welcher Art von Substrat (Gülle aus Tierbeständen oder Mais) diese betrieben würden, könne er nicht sagen, dazu lägen ihm keine Erkenntnisse vor. Diese müssten aber bei den unteren Wasserbehörden, den Kreisen, abgefragt werden können. Diese müssten auch Messreihen über den Nitrat und Phosphatgehalt der Oberflächengewässer vorliegen haben. Herr Diening erwähnte noch, dass aber nach wie vor auch die Ableitung ungeklärter Abwässer aus Kläranlagen in die Werra, besonders bei Starkregen und Hochwasser ein Problem (Nitrat, Phosphateintrag in Flüsse) sei.




Zuletzt bearbeitet: 01.04.15 09:05 von Michael_Kraemer


Die Betreiber und der Kreisbauernverband Werra-Meißner beschreiben das Biogasanlagenkonzept der Anlage in Wanfried, in der ausschließlich Maissilage vergoren wird, so:

Biogasanlage Wanfried
Biogasanlage© KBV WMK e.V.

Eine der größten Biogasanlagen Nordhessens produziert Strom und Wärme im Werra-Meißner-Kreis

Wanfried liegt im östlichen Teil Nordhessens an der Werra und zählt mit seinen vier Ortsteilen insgesamt 4.400 Einwohnerinnen und Einwohner. Hier wurde am 2. Dezember 2007 eine der damals größten Biogasanlagen Hessens eröffnet. Bereits im November 2007 war sie ans Netz gegangen. Ein Jahr zuvor hatten sich die Ideengeber und zukünftigen Besitzer – drei landwirtschaftliche Betriebe und das Elektrizitätswerk Wanfried von Scharfenberg KG – mit ihrem Biogasanlagenkonzept an dem vom Werra-Meißner-Kreis ausgeschriebenen Biogaswettbewerb beteiligt. Das Anlagenkonzept ging neben drei weiteren Wettbewerbern als eine der besten Standortvorschläge hervor.

Das in der Anlage erzeugte Biomethan (CH4) treibt einen 730 kw Deutz-Motor an. Die 16 Zylinder haben in Ihrer bisherigen Laufzeit (Stand März 2009) 6,6 Mio. kWh Strom und ca. 6 Mio. kWh Wärme erzeugt. Die produzierte Abwärme wird zum Teil zur Fermenter- und Nachgärerheizung genutzt. Der verbleibende Rest wird zur Holztrocknung verwendet. Unter anderem werden Hackschnitzel und Scheitholz für die Biomassehöfe der Werralandwerkstätten aufbereitet.

Die Anlage in Wanfried läuft ausschließlich mit Biomasse und verzichtet auf den Einsatz von Gülle bzw. Mist. Zur Zeit wird ausschließlich Mais in der Anlage vergoren. Die Ernte von ca. 250 ha entspricht dem Jahresbedarf der Biogasanlage. Die Energiepflanzen werden im Unkreis von ca. 8 km um die Anlage herum angebaut. Im Gegensatz zu Windkraft- und Photovoltaikanlagen, aber auch den traditionellen Wasserturbinen produziert eine Biogasanlage immer gleich bleibend Strom. Dadurch kann das örtliche Energieversorgungsunternehmen die produzierte Energiemenge aus nachwachsenden Rohstoffen gut in die Stromproduktion einplanen.

Ökostrom macht Wanfried zur Vorzeigestadt. Es wird hier mehr „grüne Energie“ produziert als verbraucht wird. Einem Bedarf von 6,1 Mio. kWh im Versorgungsgebiet der Scharfenberg KG steht eine Erzeugung von insgesamt 7,8 Mio. kWh gegenüber. Erzeugt wird dieser Strom aus Biogas, Wasserkraft, Photovoltaik und einem Pflanzenölmotor. Dies entspricht einer Deckung von 126 %. Daher ist in Wanfried das politisch formulierte Hessenziel, 20 % der Energie im Jahr 2020 aus erneuerbarer Energie zu gewinnen schon lange erreicht.



Zuletzt bearbeitet: 07.02.15 13:11 von Michael_Kraemer


Ich habe seinerzeit, nach Einweihung der Biogasanlage im Jahre 2007 folgendes hier im Forum geschrieben:

http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2614366&r=threadview&t=3222506&pg=1

und

http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2614366&r=threadview&t=3195798&pg=1




Zuletzt bearbeitet: 07.02.15 14:31 von Michael_Kraemer


Die mit dem monokulturellen Maisanbau verbundene Problematik im Hinblick auf die Überdüngung von Oberflächengewässern und des Grundwassers ist dabei nur ein Problem, wie der nachfolgende Film zeigt:

https://www.youtube.com/watch?v=b5cGc1_T4Zg


Zuletzt bearbeitet: 07.02.15 14:06 von Michael_Kraemer


Die hohe Dichte an Mastbetrieben und Maisfeldern lassen die Stickstoff- und Phosphatwerte in Boden und Grundwasser steigen, vom Acker werden die Düngemittel außerdem in die Flüsse geschwemmt und die Substanzen gelangen dann unter anderem in den Dümmer. Diese Eutrophierung - oder Überdüngung - fördert das Wachstum der giftigen Cyanobakterien, die im Volksmund auch Blaualgen genannt werden. Für die Ökologie des Gewässers ist das eine Katastrophe, für die Anwohner auch.

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Zuletzt bearbeitet: 11.02.15 08:23 von Michael_Kraemer


Welchen Einfluss inzwischen auch die Problematik der Verbringung der Gärreste auf die Äcker hat, wenn es um die Kostenbetrachtung
der Errichtung und Betreibung von Biogasanlagen geht, können Sie dem nachfolgend verlinkten Beitrag entnehmen:

http://www.gil-net.de/Publikationen/23_109.pdf

Und selbstverständlich denken die Landwirte und ihre Lobbyverbände schon wieder darüber nach, wie die Gestaltung von Subventionen für die unterschiedliche Aufbereitung der Gärresten
vorzunehmen wäre, damit es für die Landwirtschaft wirtschaftlich optimal läuft.

Und ich ahne es schon. Wir als Normalbürger werden wieder einmal leer ausgehen. Weder wird der Strom billiger, noch wird unsere Umwelt sauberer. Der Lobby der Landwirte sei Dank.
Und wir Normalbürger werden das alles wieder einmal zu bezahlen haben.



In Düngemitteln enthaltene Phosphate können sich im Boden anreichern und von dort in Gewässer eingetragen werden. Bei der Untersuchung solcher Phosphateinträge spielt die Bestimmung von Redoxpotenzial und pH-Wert eine wichtige Rolle.

Auch in Deutschland gibt es viele Gebiete mit starker landwirtwirtschaftlicher Nutzung und intensiver Düngung. Die in Düngemitteln verwendeten Phosphate werden jedoch nicht zu 100% von den Pflanzen aufgenommen und reichern sich dann im Boden an. Monokulturen wie der Maisanbau fördern sehr häufig die Bodenerosion und damit den Eintrag von Phosphat in die Gewässer.

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Zuletzt bearbeitet: 17.02.15 14:43 von Michael_Kraemer


Die nachfolgend verlinkte Arbeit von Stephanie Herz und Natalie Kunz mit dem Thema: "Überblick über die Stoffeinträge aus diffusen Quellen und deren Auswirkungen im Gewässer und die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU (WRRL) aus Sicht der Landwirtschaft" ist eine interessante aufschlussreiche Ausarbeitung über Nitrat- und Phosphateinträge aus der Landwirtschaft in unsere Oberflächengewässer und in unser Grundwasser:

http://siwawi.bauing.uni-kl.de/downloads/lehre/seminar/2006/T10_T11_Kunz_Herz.pdf

Bitte lesen, insbesondere:

Einleitung Seite 1 und 2

Das Kapitel "Maßnahmen zur Verhinderung der Überdüngung"
insbesondere Seite 20 letzter Absatz, Seiten 21, 22 und 23.




Zuletzt bearbeitet: 18.02.15 15:17 von Michael_Kraemer


Wie man Gülle sinnvoll verwertet:

http://www.dlr.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/ALL/8525855B7ADFDBA6C12571090057F78C/$FILE/G%C3%BClle%20gezielt%20verwerten.pdf



Noch einmal zur Erinnerung:

Die Hochwasser der Werra in:

2011

2013




Zuletzt bearbeitet: 18.02.15 18:26 von Michael_Kraemer


Der Bauernverband betreibt geschickt weiterhin Lobbyarbeit:

http://lokalo24.de/news/werratalsee-landwirte-ergriffen-die-initiative/560832/

Nach mir vorliegenden Informationen wurde jedoch zu der nachfolgend von Herrn Diening vom Thüringer Umweltministerium geschilderten Problematik auf der Lobby-Veranstaltung des Bauernverbandes am 27.03.2015 in Schwebda in keiner Weise Stellung genommen.

Am Mittwoch, 04.02.2015, habe ich mit Herrn Diening vom Umweltministerium Thürigen in Erfurt telefoniert. Herr Diening
arbeitet im Bereich Gewässerschutz.

Ich habe ihm die Problematik "Überdüngung Werratalsee mit Phosphaten" geschildert. Er hat sich daraufhin mit mir bei Google-maps die Situation am Werratalsee angesehen. Ich habe ihm beschrieben, wo im unmittelbaren Einzugsbereich des Sees, einmal nördlich des Sees zwischen Grebendorf und Schwebda, und vom See aus betrachtet am Oberlauf der Werra bis Wanfried und Heldra seit Bau der Biogasanlage in Wanfried im Jahre 2007 entlang der B 249 überwiegend Mais angebaut wird. Herr Diening sagte, dass insbesondere bei Starkregen aus den Maisfeldern durch Erosion Boden und damit Phosphate ausgewaschen würden und auch über Entwässerungsgräben und kleine Nebenflüsse in die Werra gelangten. Dies sei besonders bei Hochwasser der Fall. Es sei davon auszugehen, dass insbesondere wenn die Werra Hochwasser führe und eine intensiver Wasseraustausch zwischen Werra und Werratalsee erfolge, mit dem mitgeführten Sediment in der Werra, auch aus dem gesamten Oberlaufbereich Phosphat aus der Werra in den See gespült werde und sich dort ablagere. Selbstverständlich könne sich dieser Effekt durch vermehrten Maisanbau, bei dem die Erosion des Bodens besonders stark sei, in den letzten Jahren erhöht haben. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Biogasanlagen nicht mit ohnehin anfallender Gülle aus Tierhaltung, sondern ausschließlich mit Maissilage betrieben würden. Wie allerdings die Situation genau bei den, seit 2007 vermehrt, am Oberlauf der Werra errichteten Biogasanlagen aussehe, mit welcher Art von Substrat (Gülle aus Tierbeständen oder Mais) diese betrieben würden, könne er nicht sagen, dazu lägen ihm keine Erkenntnisse vor. Diese müssten aber bei den unteren Wasserbehörden, den Kreisen, abgefragt werden können. Diese müssten auch Messreihen über den Nitrat und Phosphatgehalt der Oberflächengewässer vorliegen haben. Herr Diening erwähnte noch, dass aber nach wie vor auch die Ableitung ungeklärter Abwässer aus Kläranlagen in die Werra, besonders bei Starkregen und Hochwasser ein Problem (Nitrat, Phosphateintrag in Flüsse) sei.

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover hat sich ebenfalls in einer sehr umfangreichen Untersuchung mit der Problematik diffuser Phosphateinträge durch Ausschwemmung (Erosion) von Ackerflächen in Oberflächen-gewässer auseinandergesetzt.

http://www.lbeg.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=615&article_id=857&_psmand=4]http://www.lbeg.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=615&article_id=857&_psmand=4 Nach unten scrollen und Geobericht 2 anklicken.


Nach wie vor völlig unverständlich ist in diesem Zusammenhang, warum der Werra-Meißner-Kreis -und hier besonders Herr Dr. Wallmann- (GRÜNE) als zuständige untere Wasserbehörde und als zuständige Stelle zur Kontrolle der Landwirtschaft im Hinblick auf eine sachgerechte Düngung (Einhaltung der Düngeverordnung) in diesem Zusammenang keinerlei eigene Zuständigkeit sieht, sondern die Gemeinden Meinhard und Eschwege mit dieser Problematik allein läßt.

Zur Zuständigkeit des Werra-Meißner-Kreises als untere Wasserbehörde siehe hier:

https://umweltministerium.hessen.de/umwelt-natur/wasser/organisation-der-wasserwirtschaftsverwaltung-hessen

Nach unten scrollen!

Zur Zuständigkeit des Kreises als Kontrolleur der Einhaltung des Düngemittelgesetzes vor Ort vergleiche die Antwort des Hessischen Ministers für Umwelt Landwirtschaft und Forsten vom 23.05.2002 (Antwort zu Frage 1):

http://starweb.hessen.de/cache/DRS/15/2/03692.pdf

Tatsächlich ist der Sachstand in Hessen, was die Notwendigkeit zur Neuregelung der Düngeverordnung betrifft alles andere als zufriedenstellend, wie der Bericht von Herrn Dr. Hüther vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus dem Jahre 2014 zeigt:

http://www.alb-hessen.de/downloads/Huether-2014-05-21_ALB-JHV.pdf




Zuletzt bearbeitet: 01.04.15 12:46 von Michael_Kraemer


Beim hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie kann man z.B. die Nitratbelastung der Werra abrufen:

http://www.hlug.de/?id=7123

Daraus ergibt sich, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Höhe des Nitratgehalts der Werra und der Ausbringung der Düngemittel durch die Landwirtschaft im März eines jeden Jahres gibt.




Zuletzt bearbeitet: 01.04.15 16:18 von Michael_Kraemer
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