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Thema: Mehr über Karl Vetter NSDAP-Mitglied aus Wanfried


Ich habe in diesem Forum mehrfach über die Rolle des Landwirtes, NSDAP- und SS-Mitgliedes, Karl Vetter aus Wanfried berichtet.

Siehe: http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2614366&r=threadview&t=4072320&pg=1

Karl Vetter war wohl das hochrangigste NSDAP und SS-Mitglied in Wanfried. Von 1933 bis 1945 war er für die NSDAP Mitglied des Deutschen Reichstages. Auch war er eine führende Figur des sogenannten Reichsnährstandes.

In dem für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom Planungsstab Agrarpolitik von Prof. Dr. Andreas Dornheim, von der Universität Bamberg, verfassten Gutachten aus dem Jahre 2011 mit dem Titel "Rasse, Raum und Autarkie, Sachverständigengutachten zur Rolle des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in der
NS-Zeit" findet sich im Kapitel 5 "Der Reichsnährstand als Konkurrenz zum RMEL (Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft), Seite 72 bis 84, insbesondere Seite 77; mehr zur Rolle, die Karl Vetter aus Wanfried im Reichsnährstand in der Zeit von 1933 bis 1945 spielte.

Siehe:

http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ministerium/RolleReichsministeriumNSZeit.pdf

Das Sachverständigengutachten kann von dieser Webseite des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Der Stadt Wanfried fehlt angeblich das Geld für die Aufarbeitung der NS-Zeit und das, obgleich von Wanfried aus die Machtergreifung der NSDAP im Kreis Eschwege massiv gefördert wurde.

Tatsächlich stellt sich vielmehr die Frage:

Fehlt das Geld oder fehlt vielleicht doch eher der politische Wille, die Zeit der NS-Herrschaft von 1933 bis 1945 in Wanfried aufzuarbeiten.

Nach meiner Einschätzung ist es bisher durch die politisch Verantwortlichen aller in der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat der Stadt Wanfried vertretenen Parteien (CDU, SPD und F.D.P.) bei reiner Symbolpolitik geblieben. Die Gründe dafür kann man nur vermuten.


Denn für Wanfried gilt, wie für viele andere Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland:

Der Nationalsozialismus mit seiner rassistischen Ideologie war in Wanfried kein Fremdkörper, er kam nicht von außen, er wurde durch das Wanfrieder Bildungsbürgertum, aus der Bauernschaft, der örtlichen Wirtschaft und dem selbständigen Gewerbe getragen. Aus diesem sozialen Milieu stammten die ersten NSDAP-Mitglieder, die sogenanten "alten Kämpfer". Ein Lehrer und ein Pfarrer, sie traten als "sogenante Maivögel" der NSDAP erst nach deren Machtergreifung im Januar 1933 zumeist im Mai 1933 bei, waren die geistigen Wegbereiter zur Erziehung der Jugend im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie.

Der Massenmord an den Juden, an geistig und körperlich beeinträchtigten Menschen, die Morde an Kommunisten, Sozialdemokraten, Sinti und Roma, Homosexuellen,
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die Verkennung der sozialen Frage, die Abschaffung der Demokratie und des Rechtsstaates und die Zuwendung zu einer menschenverachtenden antisemitischen Ideologie, der Vernichtungsfeldzug der Wehrmacht im Osten, all diese Dinge waren möglich, weil in Deutschland maßgebliche gesellschaftliche Schichten, die noch immer überkommenen antidemokratischen Herrschaftsformen anhingen, in eklatanter Art und Weise versagt haben. Es gab eben keine, sich für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Würde aller Menschen sich einsetzende Zivilgesellschaft.

Ein über Jahrhunderte propagierter christlicher Antijudaismus, der in der Nazizeit und kurz davor in einen rassisch begründeten Antisemitismus umschlug, war ein Grundübel im sogenannten christlich geprägten Abendland, und ganz besonders in Deutschland, das die Machtergreifung durch eine verbrecherische politische Kaste erst möglich gemacht hat und in breiten Bevölkerungskreisen Akzeptanz verschaffen konnte.

Ein übersteigertes Nationalbewusstsein, Demokratiefeindlichkeit und Antisemitismus waren in der deutschen Gesellschaft nach dem ersten Weltkrieg und auch vor der Machtergreifung im Januar 1933 keine Fremdkörper in bürgerlichen Kreisen in Deutschland. Der Nationalsozialismus kam aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft, dem sogenannten Bildungsbürgertum, den Vertretern der Wirtschaft, der Landwirtschaft, des Militärs, der Kirchen, und den sogenannten Funktionseliten in der Verwaltung, der Justiz, den Schulen und den Universitäten. Der Nationalsozialismus mit seinem übersteigerten Nationalbewusstsein, seiner Hierarchiegläubigkeit, seiner Demokratiefeindlichkeit, seinem Militarismus, seinem Antisemitismus, seiner Feindschaft gegenüber der Sozialdemokratie und dem Kommunismus war in Deutschland kein Fremdkörper, sondern hatte hier eine jahrhunderte währende Tradition, und man muss es leider so deutlich sagen, auch im Protestantismus und seinem darin tief verwurzelten Antijudaismus, der seit Martin Luther gerade in den adeligen und bürgerlichen Kreisen in Deutschland über 400 Jahre hinweg bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein tradiert wurde. Es ist kein Zufall, dass die Gruppe der Deutschen Christen die nationalsozialistische Ideologie und die Verkündigung in der evangelischen Kirche in Deutschland "entjuden" wollte und im Jahre 1939 13 von 29 evangelische Landeskirchen in Eisenach auf der Wartburg das "Entjudungsinstitut" gegründet haben, um in Deutschland ein konfessionsübergreifendes sogenanntes "positives, arteigenes deutsches Christentum" zu verwirklichen. Große Teile der evangelischen Kirchen in Deutschland einschließlich seiner obersten Vertreter waren sogar bereit ein Kernelement des evangelischen Bekenntnisses, nämlich das Sakrament der Taufe, wonach getaufte Juden selbstverständlich Christen sind, im Interesse einer Gleichschaltung mit der nationalsozialistischen Ideologie, aufzugeben.


Zuletzt bearbeitet: 26.06.17 12:24 von Michael_Kraemer


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