DISKUSSION OHNE ZENSUR
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Thema: Wanfrieder Schützen und Dr. Martin Luther


Wenn Schützen sich mit dem Thema „Martin Luther und 500 Jahre Reformation“ beschäftigen, kann der Schuss schon mal nach hinten losgehen.

In der Beilage zur Werra-Rundschau mit der Überschrift „449. Wanfrieder Vogelschiessen“ heißt es auf auf Seite 3:

„Fest im Zeichen der Reformation
Das 449. Wanfrieder Vogelschießen steht unter dem Motto Luther und die Reformation.
Das 449. Wanfrieder Vogelschießen, das Volks- Schützen und Heimatfest der Brombeermänner steht ganz im Zeichen der Reformation und von Martin Luther. `Die Mottoauswahl fiel uns nicht schwer und war eigentlich schon vorgegeben` verweist Schützenhauptmann Thomas Wehr auf den streitbaren Mönch, Theologen, Arzt und Schriftgelehrten, der mit seiner Philosophie die Kirchen spaltete.“

Martin Luther streitbarer Mönch, ja, Theologe, ja, aber Arzt? Sollte mir da irgendwas entgangen sein? Aber dann dämmert`s mir: „Dr.“ Martin Luther, so einer kann -das schlichte Gemüt eines Schützen bedenkend- doch nur Arzt gewesen sein.




Zuletzt bearbeitet: 09.07.17 09:56 von Michael_Kraemer


Herr Krämer, Ihr obiger letzter Satz zu einer Person des Schützenvereins ist beleidigend und mit Bildungsarroganz unterlegt.
Eigentlich ein Fall für den Betreiber des Forums, der hier mal als "Richter" auftreten sollte.



In Wahrheit fordern Sie, der Betreiber dieses Forums solle als Zensor auftreten.

Ihr Hinweis, mein Ausdruck "-das schlichte Gemüt eines Schützen bedenkend-" stelle in diesem Zusamenhang eine Beleidigung dar, ist übrigens aus rechtlicher Sicht falsch.


Zuletzt bearbeitet: 09.07.17 10:25 von Michael_Kraemer


Herr Krämer!
Es wird nicht unter Juristen argumentiert!!! Schon mal was von "Anstand" gehört?



Wanfrieder Schützenverein und Anstand???

Jemand, der die Entnazifizierungs-Unterlagen von Wanfried und Meinhard genau kennt
und die Vorarbeit für die Aufarbeitung der Nazizeit geleistet hat,
kann natürlich vom Wanfrieder Schützenverein nicht annähernd fair beurteilt werden.


Wer erlebt hat, was braune Heimatdichter in Chroniken zusammenlügen und mit dem vergleicht,
was Zeitzeugen berichten, versteht auch, wenn es Bestrebungen gibt, das Thema Nazizeit nicht aufzuarbeiten.
Angeblich gibt es im Keudellschen Gutsarchiv das seit ca. 1500 geführt wird,
auch eine Lücke die von der Nazizeit bis 1945 reicht, in der Rudolf von Keudell angeblich keine Aufzeichnungen gemacht hat.
Fakt ist, dass die damaligen Beschäftigten auf dem Gut, aber alles lupenreine Nazis waren.

Wanfried und die polnischen Zwangsarbeiter(innen)


Man hat in Wanfried reihenweise polnische Zwangsarbeiterinnen missbraucht
und jetzt faselt - ausgerechnet der Schützenverein gegenüber Michael Krämer - von Anstand.


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Gülle und Grundwasser

Die Leichen im Kreistagskeller

Bodensee-Werratalsee

Zusammenfassung Werratalsee

Agitation und Propaganda



Zuletzt bearbeitet: 14.07.17 01:24 von Horst_Speck


Ist es so schwer einfach nur mal zu schreiben: "Ich habe übers Ziel geschossen !
Herrn Specks Kommentar schreibe ich der Hitze zu. Niemand des Schützenvereins hat hier bisher Stellung bezogen. Die Phantasie geht anscheinend durch.
Würde ich auch nicht machen. Die Angelegenheit spricht für sich selbst.



Welche Äußerungen der Wanfrieder Schützenverein durch seine maßgeblichen führenden Personen öffentlich zum Nationalsozialismus in der Zeit von 1933 bis 1945 tätigte, erntzieht sich meiner Kenntnis.

Auch liegen mir keine Kenntnisse darüber vor, ob der Schützenverein Wanfried in der Zeit von 1933 bis 1945 jüdische Mitglieder hatte, und ob er diese in der Nazizeit aus dem Verein ausgeschlossen hat (Arierparagraph). Darüber kann man nur Vermutungen anstellen.

Mir ist allerdings bekannt, dass es Doppelmitgliedschaften von führenden Mitgliedern des Schützenvereins Wanfried und Mitgliedern der NSDAP in der damaligen Zeit gab. So war der damalige Schützenhauptmann Arthur Kalden gleichzeitig führendes Mitglied der NSDAP in Wanfried. Er übte auf Kreisebene das Amt des Vorsitzenden des Kreisparteigerichts der NSDAP aus und war als führendes NSDAP-Mitglied auch Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Eschwege in der Zeit des Nationalsozialismus. Seine Entnazifizierungsakte aus dem Staatsarchiv Wiesbaden liegt mir in Auszügen in Kopie vor.

Siehe auch die Ausführungen in http://www.schützenverein-wanfried.de/index.php?site=about bezüglich der Jahre 1901 bis 1945 und http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2614366&r=threadview&t=4059211&pg=1

In der Chronik des Werra-Meißner Kreises heißt es über Arthur Kalden (damals vor 1938 noch Arthur Israel) wie folgt:

"Sein Nachfolger (Anm. des Verfassers: als Kreisleiter der NSDAP) wurde Dr. Walter Schultz (27.11.1874-08.08.1953), zunächst kommissarisch, bis am 06.01.1937 seine offizielle Einführung stattfand. Hier wird er als einer "der ältesten und bewährtesten Kämpfer des Führers im Gau Kurhessen" bezeichnet. Er war schon 1925 in die Partei eingetreten und 1927-28 Gauleiter für Hessen-Nassau Nord gewesen, danach Landrat von Kassel-Land. Erst Anfang März 1937 zog er von Kassel nach Eschwege. Der aus nur noch sechs Personen bestehende Kreisausschuss wählte ihn am 13.03.1937 einstimmig. Der Kreisausschuss bestand aus dem Kreisleiter der NSDAP Eduard Weiß, dem Eschweger Bürgermeister Dr. Alex Beuermann, dem Fabrikanten Karl Artur Israel aus Wanfried, dem Kreisbauernführer Fritz Walter aus Wanfried, dem Landwirt Rudolf von Keudell aus Schwebda und dem Erbhofbauern August Hohmann aus Lüderbach. Schultz wurde bei Kriegsende seines Amtes enthoben und zog im April 1948 nach Oberhone, dann nach Kassel."

Tatsache ist auch, dass noch im Februar 2012 der "Antiziganistische Stinkstiefel" an den Schützenverein Wanfried verliehen wurde.

Warum lesen Sie hier:

„Antiziganistischer Stinkstiefel“ des Monats Februar 2012
15. Februar 2012

Der Antizig-Watchblog verleiht seit dem Dezember 2011 im monatlichen Turnus die Negativ-Auszeichnung „Antiziganistischer Stinkstiefel". Diese Auszeichnung geht an Personen des öffentlichen Lebens, Organisationen oder andere Institutionen, die sich öffentlich besonders antiziganistisch geäußert haben oder ein antiziganistisches Klischee bedient haben.
Für den Februar 2012 geht diese Auszeichnung an den Schützenverein Wanfried 1568, der aus seiner Vereinsgeschichte „400 Jahre Schützenverein Wanfried 1568“ von 1968 unkritisch online zitiert:

`1705: Wiederholt wurde sie (Anmerkung des Verfassers: die Schützengilde)zum Vertreiben von Zigeunerbanden und Marodeuren aufgeboten und mußte zu dem Zweck die umliegenden Wälder abstreifen, ja manchmal ganze Nächte hindurch unter Gewehr bleiben. Der Schützengilde konnten nur unbescholtene Personen, welche das Bürgerrecht besaßen, angehören.`

Für das Hochloben der Vertreibung von Minderheiten ist diese Negativ-Auszeichnung für den Schützenverein Wanfried wohlverdient!

Quelle: http://antizig.blogsport.de/2012/02/15/antiziganistischer-stinkstiefel-des-monats-februar-2012/

Siehe auch:

http://www.schützenverein-wanfried.de/index.php?site=about

Lesen Sie die Ausführungen unter der Jahreszahl 1705

Die unkommentierte Übernahme eines solchen Textes in der heutigen Zeit ist unangebracht.


Zuletzt bearbeitet: 09.07.17 15:10 von Michael_Kraemer


Zurück zum Thema von ganz oben.
Wir sprechen über einen oben geschriebenen Satz und Anstand.



Genau!
Aus einem Dr. = Arzt ist plötzlich eine Geschichtsaufarbeitung der letzten 500 Jahre (oder ev. noch weiter zurück!) geworden.
Sollten wir nicht alle unseren Familiengeschichten / Vereinsgeschichten hier im Forum darlegen?



Nicht alle, sondern z.B. der Schützenverein Wanfried, die evangelische Kirchengemeinde, der VfL Wanfried, die politisch Verantwortlichen der Stadt Wanfried sollten die NS-Zeit und die Rollen der damals Verantwortlichen (Diese sind in diesem Forum an anderer Stelle benannt) aufarbeiten. Auch die Symbolfigur des Wanfrieder Volks- Schützen- und Heimatfestes, "Der Brombeermann", das gleichnamige mehrfach aufgelegte Buch und dessen Autor und Ehrenbürger der Stadt Wanfried, Lehrer Wilhelm Pippart, dürften bei der historischen Aufarbeitung zu berücksichtigen sein.

Zum Teil hat der Schützenverein Wanfried ja seine Geschichte auf seiner Homepage bereits dargestellt.

Interessant ist z.B. die nachfolgende Passage:

1945

Als die amerikanischen Streitkräfte 1945 in die Stadt einmarschierten, wurde die Kette aus diesem Tresor entwendet. Eine entsprechende schriftliche Bestätigung hierüber vom damaligen Prokuristen der Firma Wanfried-Druck, Herrn Bräutigam, ist im Protokollbuch enthalten.

Am 24. August 1945 starb Hauptmann Arthur Kalden in einem Lager.

Anmerkung dazu:

Hauptmann Arthur Kalden war aufgrund seiner Funktionen als Vorsitzender des NSDAP Kreisgerichts und als Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Eschwege sowie als Beigeordneter der Stadt Wanfried und als NSDAP Mitglied vom 01.12.1931 bis 1945 in dem gegen ihn geführten Entnazifizierungsverfahren
der Spruchkammer Eschwege (Az.: Es 6401/47 Bu/Bö) zunächst als Belasteter/Aktivist (zweithöchste Stufe) eingestuft worden. Demzufolge wurde er im Lager Ziegenhain nach der Besetzung durch die amerikanische Armee 1945 interniert. In diesem Lager verstarb er am 24.08.1945. Die Einstufung Kaldens als Belasteter beruhte unter anderem auch darauf, dass er als Betriebsführer der Firma Wanfried Druck Kalden Arbeiter aus politischen Gründen entlassen hatte.
Auf Betreiben der Erben/Angehörigen Arthur Kaldens wurde die erstinstanzliche Einstufung Kaldens als Belasteter/Aktivist in der Berufungsinstanz aufgehoben, Das Verfahren gegen den Verstorbenen wurde eingestellt, da er weder in die Stufe 1 noch die Stufe 2 des Befreiungsgesezes gehöre.

1950

Bedingt durch die Kriegswirren und die Besatzungszeit ruhte in den Jahren 1945-1950 das Vereinsleben. Der Kommandant der amerikanischen Streitkräfte verbot das Bestehen des Vereins. Sämtliche Waffen wurden dem Schützenverein entzogen und nicht wieder zurückgegeben. Später wurde sogar das gesamte Eigentum des Schützenvereins das Schützenhaus mit 44 ar Grundfläche - vom Land Hessen enteignet.

Verschiedene Schützenbrüder sprachen dann im Jahre 1950 den heutigen Ehrenvorsitzenden und Mitverfasser dieser Festzeitschrift - Herrn Otto Tschierschke - an, das Vereinsleben wieder anzuregen. Mit Hilfe des Schützenbruders Konrad Sieland und vielen Bemühungen bei den vorgesetzten Behörden wurde erreicht, daß am 15. Dezember 1950 die Wiedergründungs- versammlung abgehalten werden konnte. Zum Schützenhauptmann wählte man den - für die heute noch Lebenden unvergessen - Pferdekaufmann Paul Pfifferling. Ihm ist es zu verdanken, daß der Schützenverein das enteignete Schützenhaus mit dem Schießgelände vom Land Hessen zurückerwerben konnte. Er kaufte das Gebäude sowie das Grundstück im eigenen Namen und übergab es dem Schützenverein 1568 e. V. Den Betrag hierfür in Höhe von DM 950,- legte er zinslos vor. Unter seiner Führung wurden die Kriegsschäden beseitigt und das Gelände mit Eichenpfählen und Stacheldraht eingefriedet.

Anmerkung hierzu:

Der Schützenhauptmann und Pferdekaufmann Paul Pfifferling (1886 bis 23.03.1965) aus Wanfried war nach damaliger Nazi-Terminologie Halbjude. In mehreren Entnazifizierungsverfahren, so u.a. gegen den Ortsgruppenleiter der NSDAP Wanfried und Kreisbauernführer Fritz Walter gab Paul Pfifferling entlastende Eidesstattliche Versicherungen sogenannte "Persilscheine" für führende NSDAP-Mitglieder aus Wanfried ab.

Insofern ist es bemerkenswert, dass Paul Pfifferling das von der amerikanischen Besatzungsmacht bzw. dem Land Hessen nach Ende des zweiten Weltkrieges konfiszierte Grundstück des Schützenvereins Wanfried erwarb, um es anschließend an den Schützenverein zurückzugeben.

Mehr über Paul Pfifferling hier:

http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2614366&r=threadview&t=4044006&pg=1

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Zuletzt bearbeitet: 10.07.17 17:42 von Michael_Kraemer
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