DISKUSSION OHNE ZENSUR
Freies Forum Werra Meissner

Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Vor der Wahl noch einmal nachdenken ...


Fast 40% der Arbeitnehmer in Deutschland (insgesamt 17,6 Mio von ca. 44 Mio) sind in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt.

Atypische Beschäftigung bleibt weit verbreitet: Durchschnittlich fast vier von zehn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland hatten 2014 kein Normalarbeitsverhältnis. In manchen westdeutschen Städten und Landkreisen haben Teilzeitstellen, Minijobs und Leiharbeit sogar einen Anteil von deutlich mehr als 50 Prozent an allen abhängigen Hauptbeschäftigungsverhältnissen (ohne Beamte und Selbständige).

Das zeigen neue Auswertungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Basis für die Untersuchung ist die WSI-Datenbank „Atypische Beschäftigung“. Über die Datenbank sind die neuesten Zahlen für die gesamte Bundesrepublik, die einzelnen Bundesländer, alle Landkreise und kreisfreien Städte online abrufbar.

In Deutschland waren 2014 rund 39 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Teilzeit, Leiharbeit oder Minijobs tätig. Im Vergleich zu 2013 ist der Anteil geringfügig gestiegen. „Insbesondere die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter hat zugenommen“, sagt Dr. Toralf Pusch, Arbeitsmarktexperte des WSI. Die Zahl der Minijobber sei in etwa konstant geblieben.

Quelle: https://crosswater-job-guide.com/archives/51025

Eine Anmerkung dazu:

Kürzlich erfuhr ich von einem Mann, Jahrgang 1988, Vater von zwei Kindern, der in einem Subunternehmen von DPD als Kurierfahrer arbeitete. Tägliche Arbeitszeit zwischen 10 und 12 Stunden,in Stoßzeiten auch schon mal 16 Stunden.

Bezahlt wurden 8 Stunden täglich, der Rest als sogenannte Plusstunden "aufgeschrieben". Eine monatliche Gehaltsabrechnung, mit Ausweis der Plusstunden gab es nicht. Die Gehaltszahlungen erfolgten in bar. 8,50 € gesetzlicher Mindestlohn X 173 Stunden im Monat gleich 1.470,50 € monatlich brutto, das entsprach ca. 1.050,00 € netto im Monat. Dazu gab es noch Kindergeld und einen niedrigen dreistelligen Betrag vom Jobcenter.

Nach dreimonatiger Arbeitszeit, wurde der Mann innerhalb der Probezeit mit einer vierzehntägigen Kündigungsfrist entlassen.
Begründung: Er sei zwar ein super fleißiger und guter Kurierfahrer, habe aber einen schwierigen Charakter. Zuvor war der Mann bereits viermal bei demselben Unternehmen beschäftigt worden. Auf meine Frage, warum man ihn dann ein fünftes Mal eingestellt habe, lautete die Antwort, wenn man als Subunternehmer von DPD ("Partner") eine Tour nicht fahren könne, würden sofort hohe Konventionalstrafen fällig.

Heute arbeitet der Mann 8 Stunden für einen Kurierdienst als Fahrer, anschließend trägt er 8 Stunden als Zeitungszustellen Zeitungen aus. 8 Stunden am Tag arbeitet der Mann nicht. In beiden Jobs verdient der Mann 8,50 € brutto je Stunden. Auf meine Frage, warum er das mache, antwortete der Mann, der von der Staatsanwaltschaft mit einer Anklage wegen versuchten Leistungsbetrugs überzogen worden war, er wolle nie wieder etwas mit dem Jobcenter zu tun haben. Auch dort galt der Mann bei den Mitarbeitern des Jobcenters als schwieriger Charakter.

Warum sie die falsche Gehaltsbescheinigung für September ausgestellt hatte , wußte die Frau des Arbeitgebers nicht mehr.
Sie sei quasi durch den Arbeitnehmer terrorisiert worden. Dieser habe die falsche Bescheinigung dem Jobcenter vorgelegt, damit er für Oktober das volle Arbeitslosengelt ausgezahlt erhalte, obgleich ihm ein Teil des Septembergehalts im Oktober ausgezahlt worden sei.

Eine Führungskraft des Jobcenters erstattete schließlich Anzeige gegen den Mann wegen versuchten Betruges zum Nachteil der Bundesagentur für Arbeit und wegen Nötigung der Ehefrau seines Arbeitgebers, die ihm eine falsche Bescheinigung für einen angeblichen Gehaltsbezug im September ausgestellt hatte, obgleich sie selbst eine Quittung über den Gehaltsbezug im Oktober ausgestellt hatte.





Zuletzt bearbeitet: 24.09.17 14:50 von Michael_Kraemer


Willkommen im Freien Forum Werra Meissner
Homepage des Freien Forums Werra Meißner: http://www.fwg-wmk.de
Die Meldeseite für Bürger: http://petzerbutton.de