DISKUSSION OHNE ZENSUR
Freies Forum Werra Meissner

Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Nie wieder dürfen in Deutschland Synagogen brennen


...aber dürfen in Deutschland muslimische Gebetsräume und Moscheen brennen?

In Eschweges Partnerstadt Mühlhausen wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar diesen Jahres ein Haus, in dem sich ein muslimischer Gebetsraum befand angezündet.

Eine Empörung darüber blieb aus.

Nie wieder sollten Synagogen brennen.

Gott sei Dank, das tun sie nicht. Dafür aber Moscheen. Mitten in Deutschland. Und keiner scheint es zu wissen.

Jede Woche gibt es durchschnittlich einen Angriff auf Moscheen, heißt es laut Bundeskriminalamt. Die Formen des Angriffs sind verschiedenartig. Es reicht von Hakenkreuz-Beschmierungen über eingeworfene Scheiben bis hin zu Bomben- und Brandanschlägen. Vor nur wenigen Wochen schoss ein Angreifer auf Betende im Islamischen Kulturzentrum in Halle.

Die Nachricht dieser Tage ist wohl in Anbetracht unserer Geschichte besonders erschreckend. Lokalpresse widmet dem Vorfall drei Absätze, in große Pressestellen hat es die Meldung nicht geschafft. Dementsprechend unbedeutend sind auch die Aufrufzahlen.

Im thüringischen Mühlhausen gab es am 23. Februar mutmaßlich einen Brandanschlag auf den Islamischen Kulturverein der Stadt. 14 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, sieben erlitten eine Rauchvergiftung. Darunter Kinder. In dem Haus und dem Nebenhaus, in dem sich die Moschee befand, waren zudem Wohnungen. Das Bild spricht Bände. Es braucht keine gewagten Vergleichstheorien. Wer mit den Szenerien jenes berüchtigten Abschnitts deutscher Geschichte vertraut ist, sieht es förmlich vor sich: Eine längst alarmierende Eskalation.





Zuletzt bearbeitet: 04.03.18 13:05 von Michael_Kraemer


Und doch ist sie Normalität im öffentlichen Alltag. Wie vergessen und ausradiert scheint das Ereignis der brennenden Mevlana-Moschee in Berlin. Vielleicht auch bei der Polizei, die seit 2014 keinen Täter ermittelte.

Rühmlich ist der behördliche Umgang mit dem Phänomen der gewalttätigen Islamfeindlichkeit meistens nicht. Auch in Mühlhausen erlebt man eines der klassischen Reaktionsmuster. “Laut Staatsanwaltschaft gibt es bisher keine Hinweise auf eine politisch motivierte Tat“, heißt es auf mdr.de, wo die Meldung derartig irrelevant zu sein scheint, dass sie nicht einmal über eine Suchmaschine gefunden werden konnte. Gleichzeitig berichtet die Polizei, Brandsätze und Brandbeschleuniger am Ort des Geschehens gefunden zu haben. Auch auf dem Dach der Moschee. Nur wenige Kilometer entfernt liegt das ehemalige Konzentrationslager Martha.

Noch unrühmlicher, um dem Problem auf den Grund zu gehen, ist der mediale Umgang mit diesen Ereignissen. Kein großes Medium produzierte einen Bericht zu dem Vorfall. Nicht einmal durch eine Zitierung der Lokalpresse. Von Titeln oder Fernsehen ganz zu schweigen. Es ist ein überaus übler Beigeschmach, wenn man bedenkt, welche Nachrichten über Untaten einzelner Muslime stattdessen prominente Medienpräzenz erhalten. Die namenhafteste Medienanstalt unter den fünf Lokalmedien, die den Brand aufgriffen, ist der öffentlich-rechtliche Mitteldeutsche Rundfunk (mdr).

Dieser publiziert einen Artikel mit der Überschrift „Islamischer Verein geht nicht von politischem Anschlag aus“. Gut, das klingt beruhigend und nimmt die Brisanz aus der Nachricht.

Wäre es doch nicht so fatal begründet. Denn als Quelle dafür, wird die Erklärung Djamel Benaissis, dem Vorsitzenden des Internationalen Islamischen Kulturvereins, benutzt. Dieser sagte, es habe nie Probleme mit der Umgebung gegeben und nur wenige hätten den Gebetsraum gekannt. Es gibt keine explizite Aussage der Gemeindevertreter, sie gingen nicht von einer politisch motivierten Tat aus.

Die Worte des Vorsitzenden als Begründung für eine solche Überschrift zu nutzen, verrät einiges über die Auffassung der zuständigen Medienmacher. Denn praktisch bedeutet diese Schlussfolgerung, eine politische Tat hätte nur dann vorliegen können, wenn die Gemeinde Probleme mit der Umgebung hätte und bekannter wäre. Das ist der Versuch einer Rationalisierung von Terror. Der Subtext dessen ist: Wenn es Brandstiftung war, dann hat die Gemeinde dazu beigetragen. Wie fast jede Gemeinde, hat die Gemeinde natürlich keine Probleme mit Nachbarn oder der Kommune.

Rechter Terror ist nicht rational. Terror ist nie rational. Er hat keine guten Gründe. Er versucht sich höchstens im Rechtfertigungswahn. Sagen wir es, wie es ist. Das Problem besteht darin, dass Legislative, Exekutive und Judikative Islamfeindlichkeit nicht sonderlich ernst zu nehmen scheinen. Die inoffizielle vierte Gewalt, die Medien schon gar nicht.

Innerhalb von sechs Tagen nach dem Brand gibt es bis auf Bodo Ramelow keine Reaktionen ranghoher Politiker. Der Thüringer Ministerpräsident, der sich in der Vergangenheit oft dezidiert gegen Islamfeindlichkeit stellte, äußerte sich zaghaft. Der Staatsschutz ermittle.

„Nie wieder“ sagen wir uns wissen gar nicht, dass es wieder passiert. Wie sollten wir es auch wissen? Öffentlichkeitswirksame Bekenntnisse der Regierung zur Freiheit der deutschen Muslime bleiben aus. Bei hunderten Angriffen auf Moscheen in Deutschland, sind die erfolgten Verurteilungen von Tätern an einer Hand abzuzählen. Polizeischutz für Moscheen gibt es auch nicht. Dafür aber Debatten über die Beobachtung von Moscheen. Unweigerlich denkt man da an Parallelen zum NSU-Komplex. Dass es im letzten Jahr 2564 Mal angezeigte Gewalt gegen Muslime und Juden gab, darf keine vorübergehende Meldung sein.

Medienberichte über die Vorfälle sind rar bis nicht vorhanden. Und wenn es sie gibt, gehen sie unter. Nicht nur, weil wir ihnen nicht genug Beachtung schenken, sondern auch weil die Medien selbst, diese nicht energisch vertreten. In der Medienwissenschaft gibt es die Theorie der Schweigespirale. Elisabeth Noelle-Neumann meint damit, unser Schweigen über bestimmte Themen führe dazu, dass diese wie in einer Spirale immer unbedeutender würden, bis sie als Meinung im öffentlichen Diskurs gar nicht mehr vorhanden seien. Ihr expliziter Vorwurf ist, Medien würden das durch ihre Themenwahl verantworten.

Wir können uns das nicht leisten. Es mag der Zeitgeist dieser Tage sein. Blicken wir um uns in Europa, sehen wir die Rechten überall erstarkt. Unser „Nie wieder“ aber, ist ein Wert, der uns nicht lähmt, sondern hervorheben muss. Wenn, dann wäre das der gesunde Patriotismus. Es ist allemal die Pflicht jedes Deutschen und freiheitsachtenden Menschen.

Islamfeindlichkeit ist unterschätzt. Die niedergebrannte Moschee ist das Resultat einer Stimmung, in der das Maß nicht gewahrt bleibt. Im öffentlichen Diskurs wird der einzelne Muslim und mit ihm die gesamte muslimische Gemeinschaft in Verantwortung gezogen für die Taten Anderer. Das Islambild ist dominiert von Extremen. Seien es die so genannten „Islamisten“ oder die so genannten Liberalen. Die Mitte, die große Mehrheit der Muslime steht außen vor. Islamkritik ist ein Kassenschlager mit einer undurchsichtigen Industrie. Und sie stachelt immer mehr Menschen an. Ideologisches Denken, egal von wem es ausgeht, muss nachhaltig angegangen werden.

Es wird Zeit, dass wir das Problem ernst nehmen. Wir müssen füreinander einstehen.

Der vorstehende Text stammt von Tarek Bae auf dieser Webseite:

https://www.islamische-zeitung.de/nie-wieder-in-deutschland-brennen-moscheen-ab-und-keiner-weiss-es/



Zuletzt bearbeitet: 04.03.18 13:09 von Michael_Kraemer


Willkommen im Freien Forum Werra Meissner
Homepage des Freien Forums Werra Meißner: http://www.fwg-wmk.de
Die Meldeseite für Bürger: http://petzerbutton.de