Sammelrosen - Rosensammler - Rosengeschichte
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Thema: Bourbonrosen älteren Typs


In der Wochenzeitschrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde, Jahrgang 1858, Hrsg. Koch und Fintelmann, findet sich ein Fortsetzungsartikel "Die Rosen und ihre neuesten Sorten". Darin erwähnt wird die Bourbonrose älteren Typs, die man nicht mit der "Chineser-Rose d. N." verwechseln soll. Gemeint ist mit der ersteren eine Kreuzung aus R. canina und R. gallica pumila (Jacq.) Wer weiß mehr? Gibt es noch Varietäten dieser Gruppe?
Zu mir, da ich neu im Forum bin: Ich lege mir seit 2014 eine kleine Sammlung Alter Rosen an, auf märkischem Sandboden.




Zur Ergänzung: In "Dendrologie", Autor Prof. Dr. Karl Koch, 1. Band, erschienen Erlangen 1869, schreibt Koch auf S. 274, dass Rössig in seiner "Oekonomisch-botanische Beschreibung der verschiedenen und vorzüglichen Arten Ab- und Spielarten der Rosen" diese Rose erwähnt und sie für eine Abart der R. gallica hält.
Ich habe in die Ausgabe von 1799 gesehen, wo Rössig diese Rose auf der S. 203 erwähnt und die Vermutung äußert, weil er diese Rose noch nicht gesehen habe, dass es die von ihm auf S. 200 beschriebene blutfarbige Ranunkelrose sein könnte (Rosa sanguineo rubra ranunculiformis).
Es gibt aber wohl noch zwei weitere Ausgaben des Werkes, eine von 1803?




romanwerber:

Zu mir, da ich neu im Forum bin: Ich lege mir seit 2014 eine kleine Sammlung Alter Rosen an, auf märkischem Sandboden.


Zunächst ein herzlicher Willkommensgruß in unserem Forum, lieber romanwerber.
Wir freuen uns, Udo Karl und ich, dass ein Rosenfreund sich mit solchen Fragen in unserem Forum an die Rosenfreunde wendet. In so kurzer Zeit haben Sie sich/hast du dich schon zu einem ausgezeichneten Rosenhistoriker entwickelt.

Auch wir benutzen am liebsten die möglichst zeitlich naheliegendste Literatur zu unseren Nachforschungen. Selbstverständlich vergleichen wir auch die Beschreibungen weiterer Autoren, primär aus unseren eigenen Originalia.

Wünschenswert wäre es, wenn sich andere Rosenfreunde an dieser Suche (aller 4 posts von romanwerber) hier beteiligen würden. Inzwischen ist im Internet schon sehr viel an alter Rosenliteratur aus Bibliotheken von google kopiert und als „Werkzeuge für Alle“ ins Netz gestellt worden.

Liebe Grüße
Christine



Vielen Dank für die freundliche Begrüßung. Wir hatten ja bereits per Mail Kontakt. Mich fasziniert ja ein wenig die Genealogie der Alten Rosen, von daher begrüße ich es sehr, dass man nicht immer nur Bücher antiquarisch bestellen muss, sondern auch schon im Internet einsehen kann.



Hallo romanwerber,

es gibt eine ganze Menge guter moderner Rosenbücher, abgesehrn von den vielen Bilderbüchern, wo doch nur einer vom anderen abschreibt.
Es gibt aber auch im Internet viele alte digitale Rosenbücher,
ich habe allein über 90 davon.
Wenn du wissen willst wer ich bin, gehe mal auf unsere Website:

www.country-flowers.de

LG
procera



Inzwischen habe ich mir die Ausgabe von 1803: "Oekonomisch-botanische Beschreibung der verschiedenen und vorzüglichen Arten Ab-und Spielarten der Rosen : zu näherer Berichtigung derselben für Liebhaber von Lustanlagen und Gärten" von Carl Gottlob Rössig angesehen: Auf S. 28/29 beschreibt er diese Rosa Bourbonia wie folgt: Die Blume stark carmoisin, dem Purpur nahend, fast der Holosericea gleichend und halbvoll, die Kelchblätter sind mehrfach gegliedert. Der Fruchtknoten ist birnförmig, dem kugelichen sich nahend. Die grünen Blätter bestehen aus drey bis fünf, an den jungen Trieben häufig blos aus drey, sie sind eyförmig, so daß nur drey obere Zähne die Spitze machen, die Zähne sind groß=zwiefach, nach auswärts aufrechtsstehend, die Blätter sind übrigens fein im Baue, dünn, oben hell grasgrün,mit schwachen angenehmen Glanze, unten lichter, mit weißlichen Schimmer von der Haarbelegung, die Haupt- und Seitenribben sind merklich; die Blattstiele schön=grün, oben mit einer Furche, ohne Stacheln und Borsten, etwas lang, so daß der Strauch in Absicht des Laubes, ein heiteres, lichtes Ansehen hat, die Blattstiele haben dünne, einzeln stehende Borsten, welche aber kaum merklich sind, die Blattansätze gehen nicht hoch herauf, sind schmal, mit Drüsen eingefaßt und nach außen ein wenig seitwärts mit der Spitze gerichtet. Die Triebe sind schöngrün glänzend, und der Strauch geht nicht sonderlich hoch und hat an Stamm und Zweigen nur mäßige Stacheln.
Claude-Antoine Thory führt diese Rose in seinem Werk: "Prodrome de la monographie des espèces et variétés connues du genre rosier, divisées selon leur ordre naturel ..." Paris 1820, S. 86 ff unter R. Gallicae auf: R. Gallica Burbonia, auch R. Burbonia Roessig, R. formosa (so bezeichnet Rössig sie in "Die Rosen nach der Natur gezeichnet und colorirt ...", als Nr. 50, diese Abbildung habe ich bisher noch nicht gefunden), Rose Bourbon, Guerrapain (Almanach des Roses, 1811, fand ich bisher auch noch nicht. Es wird auch die Bezeichnung Rose pivoine aufgeführt.
Im Werk "Les Roses" Redouté/Thory findet sich im Band III (1824) S. 105 die R. canina Burboniana mit dem Hinweis, dass es nicht die R. Burbonia ist, die in Band I auf der S. 74 als Varietät der R. Gallica aufgeführt ist.
Wahrscheinlich bezieht sich Koch 1858 aber auf diese Rose, wenn er meint, sie sei ein Ergebnis der Kreuzung aus R. canina und R. gallica, siehe oben. Dabei soll es sich aber doch eher um die neuere Bourbonrose handeln (für die Koch, siehe unten Quelle 1866 richtig annimmt, sie sei ein "Blendling" zwischen Damaszener und R. chinensis).
In der Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc, 9. Jahrgang Berlin, 1866, S. 45 spricht Koch von ihr als Blendling der Essigrose mit der Centifolie und gibt weiter an, dass Guerrapain die Namen Rose pivoine und Rose de Jericho nennt. 1866 scheint diese Rose jedenfalls schon unbekannt zu sein.


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