Sammelrosen - Rosensammler - Rosengeschichte
Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Die Samtrosen


Hierfür schieben wir zunächst die Rosa sherardii, die auch als Samt-Rose bezeichnet wird, einmal beiseite, obwohl sie das längst nicht verdient hat.
Für meine kleine Sammlung Historischer Rosen erwarb ich natürlich auch die Tuscany und wollte gern dazu auch etwas Hintergrundinformationen zu ihrer Herkunft sammeln, denn einfach die Aussage zu übernehmen, es gäbe sie seit 15hundertundx reichte mir nicht ganz.
Da man einen Anfangspunkt finden muss, um sich mit einer bestimmten Rosengruppe zu beschäftigen, nagelte ich hier einmal die Werke des Herrn Rössig (auf den ich durch Frau Meiles Buch „Alte Rosen Alte Zeiten“ aufmerksam wurde) an die leere Wand meines Gedächtnisses und suchte von dieser Basis aus Informationen zusammen.
Carl Gottlob Rössig behauptet in seinem Werk: „Die Geschichte der Oeconomie der vorzüglichsten Länder und Völker, der ältern, mittlern und neuen Zeiten, in einem kurzen Entwurfe“, erschienen 1798 bei Adam Friedrich Böhme, Leipzig, S. 191, dass Karl V. die Samtrose von seinem Feldzug gegen Tunis aus Afrika mitbrachte. Dieser Feldzug fand im Jahr 1535 statt, ab Mitte Juni wurde die Festung La Goletta, die Tunis schützte, belagert und ungefähr einen Monat später eingenommen. Wie üblich wurde die Stadt zum Plündern freigegeben, was natürlich auch viele Menschenleben kostete. Ob da Zeit war, Pflanzen einzusammeln, ist fraglich. Im August des gleichen Jahres reiste Karl der V. über Sizilien und Neapel zurück.
Lassen wir das mal so stehen.
Rössig unterteilt dann die zu seiner Zeit bekannten Samtrosen (in: „Oeconomisch-botanische Beschreibung der verschiedenen und vorzüglichen Arten Ab- und Spielarten der Rosen…“, Leipzig 1799, von Kleefeldsche Buchhandlung, 2. Teil, S. 95):
(nicht wörtlich zitiert, die in eckigen Klammern dahinter gesetzten Bemerkungen sind meine Vermutungen, die Nummern beziehen sich auf die Abbildungen/Tafeln bei Rössig: „Die Rosen nach der Natur gezeichnet und colorirt …“, Leipzig, Industrie-Comptoir, in mehreren Heften erschienen)
1. a die einfache purpur ins violett schillernde
1. b die einfache purpur ins schwarz schillernde
2. a die halbvolle purpur ins violett schillernde [=Violacea?]
2. b die halbvolle purpur ins schwarz schillernde [=Rosa Maheka?, Nr. 16, Heft 4?, Becherform der Blüte!]
3. a die volle purpur ins violett schillernde [Nr. 22, Heft 5]
3. b die volle purpur ins schwarz schillernde [diese oder die vorige = Tuscany?]
Dazu findet man weiterhin eine sehr gute Abbildung (nicht farbig, S. 419) und Beschreibung (S. 416) in: „Paradisi in sole paradisus terrestris“ von John Parkinson, 1629, ich habe einen im Internet einsehbaren Nachdruck von 1904 (London) angesehen. Die einfache Rosa holosericea hat danach 5 – 6 Petalen, so auch auf der Abbildung S. 419 zu sehen, die „halbvolle“ hat zwei Reihen Petalen, dann gibt es noch eine gefülltere mit 16 oder mehr Petalen, alle Varietäten haben kleinere Blüten und einen geringerem Duft als „the ordinary red Rose“.
Eine farbige Abbildung (Nicolas Robert, 1614 - 1685) der halbgefüllten Samtrose findet man auf der Seite des Muséum National d’Histoire naturelle, hier die Violacea (meine Vermutung) sehr schön als Purpurea nigricans gezeichnet, daneben die kleinere rote mit der markanten Becherform der Blüte, im Vergleich zur Rubra simplex, also der R. gallica.
Wie immer bitte ich um Korrektur oder Ergänzung oder Diskussion. Ich ergänze noch, dass ich nicht sagen möchte, dass z. B. die 2. a wirklich die Violacea ist, sondern dass diese durchaus auch eine Varietät der von Rössig unter 2. a beschriebenen Rose sein kann.




Eine Abbildung der Art der R. holosericea mit drei Reihen Petalen, bei denen die inneren Petalen kürzer werden, findet man z. B. im Hortulus Monheimensis von 1615.



Danke für den Hinweis.
Udo Karl



Weitere Quellen zu den Samtrosen:

Catalogus der Blumen so bey mihr Hanß Georg Kraus in Augspurg zu bekommen sein, 1665

Rosa Hispanica ex rubro nigricans, dunkel Sammetbraun mit goldfarben butzen
Rosa Anglica Englische Rosen, Sammet braun

Friesche lvst-gaarde ofte Boom-heester-bloem- en kruyd-waarande, 1686, Leeuwarden, von Simon Abbes Gabema (Philologe und Historiker)

Rosa Holosericea, rosa sature rubens, Fluweel-roos, wie glänzender braunroter Samt, einfach und doppelt

Vermeerdert en vernieuwd register van meest alle de soorten van peeren etc. leyden 1721, 2. Auflage, gedruckt bei Johann Arnold Langerak

Purper fluweel roos

De Nederlandschen hof, beplant met bloemen, ooft, en orangeryen etc. Henrik van Oosten, Rotterdam 1749

Purper fluweel roos

De beknopte huishoudelyke hovenier, of Korte verhandeling en etc., Johann Hermann Knoop, Leeuwarden, 1752, 1. Band

Kennt schon folgende Arten:
De enkele [einfache] purper-roode Fluweel [Samt]-Roos, Kamelot-Roos [Kamelot ist ein aus Kamel- oder Angora-Ziegenhaar gewebter Stoff, auch ein Seidenstoff mit Leinenbindung], Portugalse Roos
De dubbelde purper-roode Fluweel of Kamelot-Roos
De enkele donker[dunkel]-purpere Fluweel-Roos
De dubbelde donker-purpere Fluweel-Roos, zu dieser findet sich die Notiz, dass sie sehr gefüllt ist, von schwarz-braunen Purpur, mit aufrechtstehenden Blütenblättern, die Färbung des Samtes ist vom Standort abhängig
De Roos sonder doorns, met grote bleek[bleich/hell)-purperagtige dubbelde bloemen (hält Knoop für eine Varietät der vorher genannten doppelten Sorten, wie auch die folgende
De Roos sonder doorns, met kleine bleek-purperagtige dubbelde bloemen
Die Farbe dieser Rosen beschreibt er so ungefähr (Ich bin des alten Niederländischen nicht so mächtig!) als verblichene (verbleekte) und verwischte (morsige) dunkelpurpurne Farbe (morsig= schmierig). [Eine dieser Rosensorten wird wohl die sein, die Rössig 1799 als Rosa cinerea, als aschfarbige Rose bezeichnet und die er zu den Samtrosen stellt.-Anm. MB]

Huishoudelijk woordenboek, vervattende veele middelen om zijn goed etc. 1773, Leyden/Leeuwarden 1773, Autoren: Chomel und de Chalmot

Nennen folgende Sorte:
Enkele Fluweel-Roos, Rosa Holosericea simplex von der es auch eine mit „dubbele bloemen“ gäbe.

In: Handleiding tot de kennis van alle in-en uitlandsche boomen, planten etc. von J. B. van Wintershoven, Amsterdam 1829 wird

Die einfache dunkelpurpurfarbene und die „dubbelde Fluweelroos“ beschrieben, diese jedoch nicht von so klarer Farbe wie die erste, sie sei „bleeker“.
Als dritte Rosa Holosericea wird die „zogenaamde zwarte Roos“ genannt, mit den Synonymen Regia Milleri, Royal Velvet Rose etc, von viel dunklerem Purpur als die vorher genannte.
Als Kammelot-Rose wird in diesem Werk übrigens die Rosa belgica/The blush belgic Rose beschrieben, anscheinend ist der Name Kamelot für die Samtrose nicht mehr geläufig.




Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 20. September 16 14:14 von romanwerber


John Gerard beschreibt übrigens nicht die Tuscany in seinem Werk von 1597, wie man öfter lesen kann, sondern die Rosa holosericea mit zwei Reihen Petalen. Also vielleicht die Art, die wir heute als Violacea kennen. Die Samtrose mit nur 5 oder 6 Petalen scheint nicht mehr bekannt zu sein.

Zurück zur Übersicht

WebMart Homepage Tools: Eigenes Forum kostenlos starten