Sammelrosen - Rosensammler - Rosengeschichte
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Thema: Wer war Charles Mills?


Die Frage beiseiteschiebend, ob Bizarre Triomphant identisch ist mit der Rose, die heute Charles de Mills heißt und ob sämtliche weiteren Synomyme wirklich diese Rose betreffen, will ich einmal auf Charles Mills eingehen.
Zunächst: Die Angabe des Nutzers „Jedmar“ bei hmf zur Charles de Mills (Member Comments), dass mit Charles de Mills Sir Charles Mills, 1. Baron Hillingdon gemeint ist, ist falsch. Er war insofern auf der richtigen Spur, indem er die einst bekannte Villa Mills in Rom erwähnt. Diese war aber im Besitz eines Charles Andrew Mills (1760 – 1846), der wohl seit 1817 in Rom lebte und 1818 die Villa kaufte gemeinsam mit Sir William Gell. Gell starb 1836 und nach dem Tod von Charles Mills wurde die Villa verkauft und der in seiner Zeit bei vielen Romreisenden berühmte Garten (z. B. 1839 Gogol oder auch Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy während ihrer Italienreise, die sich später an einen Rosenbaum erinnert, der in eine Zypresse gewachsen war) mit dem wundervollen Ausblick über Rom war dann nicht mehr zugänglich. Da das Haus, das auch unter dem Namen Villa Palatina bekannt war, auf dem Gelände des antiken Domus Augustana (einige Räume konnten schon zu Zeiten von Charles Mills und der Vorbesitzer der Villa besichtigt werden) stand und dort Ausgrabungen unternommen werden sollten, kaufte der italienische Staat seit dem 19. Jahrhundert das Gelände auf, ein Teil gehörte z. B. den Bonapartes, Marguerite Countess Blessington traf z. B. bei einem gemeinsamen Spaziergang mit Charles Mills die Mutter Napoleons zwischen den antiken Ruinen. Durch die dort vorgenommenen Ausgrabungen wurde die Villa nach und nach beseitigt und war wohl um 1927 vollständig abgerissen. Wer sich mit der Geschichte der Villa genauer bekannt machen möchte, sollte sich das wohl 2014 erschienene Werk von Maria Elisa Garcia Barraco: „Villa Mills sul Palatino“ (italienisch) besorgen, das ich nicht kenne, ebenso wie den Ausgrabungsbericht von Alfonso Bartoli mit gleichem Titel von 1908, von dem das erstgenannte Werk evtl. eine Neuauflage oder Erweiterung ist. Ob es eine deutsche Übersetzung des Buches von 1908 gibt, ist mir nicht bekannt.
Es gibt im Internet einige Abbildungen der Villa Mills, wobei diskutiert wird, ob die neogotische Fassade durch Charles Mills oder seinen Nachfolger Robert Smith, der das Haus aber schon 1856 wieder verkaufte, angefügt wurde.
Die berühmte Pergole italienne ist kurz beschrieben mit einer Zeichnung in dem auch bei hmf genannten und im Internet zu findenden Werk „La Rose, son histoire, sa culture, sa Poésie“ von Loiseleur Deslongchamps, S. 284/285 (französisch) zu finden. Loiseleur Deslongchamps beschreibt die Pergola im Abschnitt der Rosier de Bengale, anders Rosa bengalensis, Rosa semperflorens, wobei ich nicht herausgefunden habe, um welche Varietät es sich handeln könnte. Eine vielleicht bildlichere Vorstellung findet man auf dem Gemälde von Eugen Napoleon Neureuther von 1863 "Erinnerung an die Villa Mills", zu finden auf der Internet-Seite der Pinakothek München. In der Bildmitte über dem Bogen ist eine mit Rosen bewachsene Pergola zu finden.
Wer weiß mehr?
Ich danke noch für alle erhaltenen Wünsche und Grüsse zum Neuen Jahr und gebe ebensolche zurück.


Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 21. April 16 11:16 von romanwerber


Ganz tolle Arbeit in vielen Quellen gleichzeitig. Ich denke auch, wenn ich das so lese, dass dieses die richtige Spur ist. Wir schauen gewohnheitsmäßig zuerst auf Holland, aber hier sind es vor allem die am Handel interessierten Gartenbaubetriebe, deren Verkaufslisten in Frage kommen (siehe Gerrit Kleis "Rozenteelt in Nederland", 2007). In Italien scheint es, dass viel mehr Rosen bei den vielen Villen in den Hanggärten gepflanzt wurden, als wir denken. Vieles, was direkt über den Mittelmerhandel nach Italien kam, gelangte gleich als Ausstattung in die Gärten, ohne jedes mal auch die Vermehrungsgärtner-Betriebe zu erreichen. Oft unterschätzt man auch die Entstehung neuer (ähnlicher) Sorten, wenn viel in naturnahen Hanggärten beieinander steht.
Die Geschichte der Villa ist interessant. Danke für diesen Bericht über einen Namen, über den schon viel spekuliert wurde.

Udo Karl



Ein Hinweis, der die Rosensammlung des Charles Mills erwähnt, ist in "Italien" von Georg von Martens enthalten, im 3. Band, Stuttgart 1845, S. 439: "Besser erhalten ist die ... V. Spada, jetzt dem Britten Charles Mills gehörig, der eine grosse Sammlung von Rosen darin unterhält."
Auf der Internetseite des Landesmuseums Hannover zu Kunstwerken mit zweifelhafter Provenienz ist das 1843 von Wilhelm Ahlborn gemalte Bild "Ruinen der Villa Mills auf dem Palatin in Rom" zu sehen, "Ruinen" bezieht sich hier auf die auf dem Gelände der Villa liegenden antiken Ruinen. Es wird eine Aufschrift auf der Rückseite des Gemäldes erwähnt, die ich hier einmal zitiere:
"Kleine Mills vom Palatin wen erwartest Du?
Deine Rosen, Deinen Blick, wem denkst Du sie zu?
Warte Alfreds Wiederkehr, der gern bei mir weilt
Den Gregor und Rom geehrt, der mein Weh nun theilt."



Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 21. April 16 11:18 von romanwerber


Danke für die interessante neue Quelle. Es bleibt spannend!
Udo Karl

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