Sammelrosen - Rosensammler - Rosengeschichte
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Thema: Bizarre Triomphant und ihre Synonyme


Bei hmf werden für die Bizarre Triomphant folgende Synonyme genannt: Charles de Mills, Rose Ardoisee, Rose bleue usw. Ich bin der Meinung, dass hier zuviel zusammengeworfen wurde. Selbst wenn ich die älteren Referenzen durchsehe, werden da schon die verschiedenen Namen auch für unterschiedliche Rosen genannt. So habe ich einmal Quellen zu diesen Rosen durchgesehen.

Rose Bleue
Bei Vibert (Observations sur la nomenclature et le classement des roses, Paris 1820) finde ich die Rose Bleue (von Descemet) unter der Nr. 706 (eine Rose Presque Bleue (ebenfalls Descemet) übrigens unter Nr. 672), die Bizarre triomphant unter der Nr. 429, alle bei ihm zu den Provins-Rosen geordnet, also lasse ich Rose Bleue als Synonym für die Bizarre Triomphant unter den Tisch fallen.

Ardoisée
Monographie du genre rosier, paris 1824 nennt Ardoisée (bei Godefroy: Buonaparte/le Grand Alexandre) als Sämling der R. évêque ebenso wie die Grande Ardoisée, diese (die G A) entstanden im Jardin fleuriste du Luxembourg unterscheidet sich von der vorigen durch weiße Streifen auf den Petalen. Beide als Varietäten der Rosa gallica genannt und unter den Violetten aufgeführt. Vibert führt 1820 nur die Ardoisée (Nr. 395), aber auch die Le Grand Alexandre (Hier die Grande Ardoisée gemeint?) auf als Nr. 586, allerdings 1824 nicht die Ardoisée, sondern die Le Grand Alexandre unter der Nr. 621, 1831 wieder die Ardoisée unter der Nr. 718.
Le Bon Jardinier von 1826 und 1828 hängt diese Synonyme auch der Ardoisée an und führt danach die Grande Ardoisée auf mit der Quelle „fleuriste de Luxemburg“. Das übernimmt so in „Rosetum gallicum …“, Le Mans/Paris 1828 Monsieur Desportes (der noch das weitere Synonym Napoléon für die Ardoisée aufführt und als Herkunft für die Grande Ardoisée Luxemburg, Hardy angibt) und auch Édouard Spach in Histoire naturelle des végétaux etc, Paris 1834. De Pronville in seiner „raisonnée des espèces, variétés et sous-variétés …“, Paris 1818, nennt als sous-variété der R. évêque die Rose Napoleon oder Grand Alexandre, wie sie Godefroy führt, sagt aber nichts über Ardoisée oder Grande Ardoisée. Alle anderen Varietäten der R. évêque sind übrigens für ihn Degenerationen dieser Rose.
Der Name spricht für sich. Ardoise ist das französische Wort für Schiefer und bezeichnet ganz sicher eine Rose, die zwar zu den violetten Rosen zählt, aber im Verblühen heller wird und dabei einen graublauen, also an Schiefer erinnernden Ton annimmt.

La violette bronzée
Den Namen fand ich (nach Recherche bei hmf) bei Biedenfeld „Das Buch der Rosen…“, in den Ausgaben Weimar 1840 und 1847, mit der Beschreibung: Blüthe gefüllt, mittelgross, schieferfärbiger Purpur mit Lilas marmorirt. Das ist weder die Ardoisée (Fl. violette[also sicher ein klares Violett-Anm. romanwerber], Desportes) noch die Grande Ardoisée (Fl. violette, striée de blanc, Desportes).
Abgeschrieben ist die Beschreibung ganz sicher aus dem Buch des Marquis de Chesnel: „La Rose …“, ich fand die zweite Auflage Paris 1838.
Vibert führt z. B. 1831 unter Roses de Provins et Hybrides auf (die genannten Farbtöne setze ich in Klammern dahinter: Ardoisée (ardoisée) Nr. 718, Belle esquermoise (ardoisée nuancé) Nr. 750, Bizarre nuancé (ardoisée nuancé) Nr. 754, (le) Cordon bleu (ardoisée nuancé) Nr. 779, (la) Duchesse de Cornouailles (Lilas ardoisée) Nr. 797, (rose) Montyon (ardoisée nuancé) Nr. 884, um die zu nennen, die passend sein könnten, was es unwahrscheinlich macht, dass dieser Name z. B. mit der Ardoisée zusammengeworfen wird.
Dieser Name (violette bronzée) war auch der einer Kartoffelsorte, so zu finden in: Bibliotheque universelle, Genf 1819, Band 4, Agriculturé.
In „Manuel de l‘amateur de roses leur monographie …“ von Pierre Boitard, Paris 1836 und bei Catherine Gore: „The rose fancier‘s manual …“, London 1838 findet man jeweils die Rose Bleue (Vibert, was dann offensichtlich schon verlorenes Wissen über Descemet ist), darunter die Namen Bizarre Triomphant, Rose Ardoisée, Violette bronzée. Anscheinend rührt die Aufzählung von Synonymen der Bizarre Triomphant aus dieser Quelle: "Catalogue descriptif, méthodique et raisonné ..." etc., Rouen 1829, Prevost fils, der noch Descemet als Züchter für die Rose Bleue angibt), man hat hier anscheinend sehr ähnliche Rosen einfach zusammengefaßt und dies wurde dann später mißverstanden.
Bei Desportes „Rosetum gallicum …“, Paris 1828, findet man die Ardoisées getrennt vor, siehe oben und weiter unter der Nr. 858 die Rose bleue [Rose presque] (keine weiteren Synonyme Anm romanwerber) und unter 859 Rose bleue [Rose] mit den Synonymen Violette bronzée und Subcœrulea mit der Angabe Descemet.
In „Roses cultivées in France …”, wiederum Desportes, Paris 1829, findet man die gleichen Angaben. Die Bizarre Triomphant in beiden Werken jeweils als Nr. 854.
Bis hierher kann man feststellen, dass die Synonyme der Bizarre Triomphant, also Ardoisée und Rose bleue nicht zutreffend sind, ebenso gilt dies für Violette bronzée, dieser Name ist aber ein Synonym für die Rose Bleue von Descemet.

Maheca de Dupont ist völlig fehl am Platz, damit ist die bei Redouté abgebildete Maheca gemeint, die Dupont eingeführt hat und die auch den Namen La Belle Sultane führt. Siehe dort.

Rosa gallica atropurpurea [semiplena - siehe Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse etc, Dr. F. G. Hayne, Berlin 1830, 11. Band) ist ebenfalls eine Bezeichnung für die Maheca und daher hier nicht aufzuführen. Diese Bezeichnung könnte aber auch die heute wohl nicht mehr existente Rose Pluto bezeichnen, die laut Rössig, 1799, ebenfalls Rosa atropurpurea etc. genannt wurde. Dass die Rosa gallica atropurpurea mit dem Synonym Bizarre Triomphante bezeichnet wird, finde ich in: Taschenbuch des verständigen Gärtners etc, Lippold, 2. Band Stuttgart/Tübingen 1824, wo eine Liste der neuesten Rosensorten der Gebrüder Baumann aus Bollweiler aufgeführt ist.


Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 28. Januar 16 09:37 von romanwerber


Vielen Dank, ein gründlicher und wichtiger Beitrag. Brent Dickerson hat uns ja mit seinen sehr umfangreichen Namen- und Quellensammlungen einen guten Dienst erwiesen. Aber die kritische Beurteilung darüber, wie die Daten untereinander zusammenhängen, darin bleibt immer noch viel zu tun. Kaum jemand traut sich Bewertungen zu, die im Durcheinander der gartenrosigen Frühzeit Ordnung schaffen.
Verantwortliche für Sammlungsgärten und Händler für Vintage-Rosen haben wenig Interesse daran, die Namen und Infos zu ihren Rosen abzuändern. Leider interessieren sich (zu) wenige für eine historisch abgesicherte Aufklärung. Für professionelle Historiker ist "Rosen-Geschichte" eine nicht relevante Hobby-Sparte. Der Historiker François Joyaux stieß leider auch an diese "Grenzen des Rosenalltags". Botaniker grenzen traditionell die Bastarde von Menschenhand aus ihrer Wissenschaft aus.
Also nochmals "Danke", sagt Udo Karl



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