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Thema: Minette - Rosenbergiana - Evrathiana


Minette

Auf diese Rose bin ich neugierig geworden durch das Buch von Gerda Nissen: Alte Rosen, ich habe die überarbeitete Ausgabe von 2011. Daraufhin sah ich mir die Internetseite des Landwirtschaftsmuseums von Meldorf an, wo sie nur noch als Kreiselrose bezeichnet ist. Das ist schon ein Hinweis darauf, dass es sich bei dieser Rose nicht um eine Alba handeln kann, sondern um eine Rose aus der Sippe der R. x francofurtana, und sicher nicht um die Minette (1819) von Vibert, denn eine Rose mit dem Fehler, dass sie ihre Knospen nicht alle öffnet, hätte er sicher nicht in den Handel gebracht.
Nun war mir in dem Buch von C. Nickels: Cultur, Bennung und Beschreibung der Rosen, Viertes und Fünftes Heft, Preßburg 1838, eine Bemerkung aufgefallen. Auf S. 43 schreibt er über eine Rose Turbinata Rosenbergiana, die in Frankreich muscade noire genannt wird, weil sie einen Teil ihrer Knospen schwarz werden läßt (Dies genauer erläutert auch bei Redouté/Thory: Les Roses, leider versehen sie auch die R. evrathiana mit dem falschen Namen muscade noire!). Als Herkunft wird Südeuropa angegeben.
(Auf S. 46 Villosa Evrathiana, auch muscade rouge de Hollande genannt, Herkunft Holland, zum Bezug auf das Thema siehe weiter unten!).
In dem Buch von Carl Selbstherr (auf welches Nickels mehrfach verweist, auch in Alte Rosen, alte Zeiten erwähnt): Die Rosen in 25 Gruppen und 95 Arten, Breslau 1832, wird auf der Seite 75 die Rosa Rosenbergiana erwähnt, eingeordnet in die Gruppe M (Turbinatae, oder wie er auch so schön schreibt Kräuselrose, hier Kräusel für Kreisel), dass diese im Juni blüht und dass sie „eine Menge schöner Knospen [entwickelt], welche aber selten alle aufblühen, sondern meistens schwarz werden, wovon sie auch den Namen muscade noire in Frankreich erhalten hat.“ Er zählt folgende Synonyme auf:
R o s e n b e r g i a n a . Thory, Redouté.
D i g i t a r i a . Bose.
A l b a c a m p a n i f o r m i s . Sering.
Seine Beschreibung: Die Kelchzipfel einfach; die Afterblätter blattständig; die Griffel frei; die Fruchtknoten länglich-kräusel(für kreisel-)förmig; die Blumenstiele borstig; die blüthetragenden Zweige und die Stengel mit Stacheln; die Blättchen eirund, unten filzig; die Blumen weiss, in der Mitte rosa.
Um diesen Verdacht, es könne sich bei der sogenannten Minette doch eher um die Rosa Rosenbergiana handeln, für mich zu begründen, habe ich mir den Eintrag bei hmf vorgenommen, fand aber nur das übliche Durcheinander vor: Sie wird hier mit der Rosa evrathiana in einen Topf geworfen und vor allem ist hier die Abbildung der Rosa evratiana zu sehen, obwohl es für beide Rosen sehr schöne Abbildungen gibt.
Also schob ich hmf als nutzlos beiseite und suchte nach einer Erstbeschreibung beider Rosen. Fündig wurde ich in folgender Quelle:
Nouveau Cours complet d'agriculture théorique et pratique etc ou.Dictionnaire raisonné et universel d'Agriculture, Paris 1809, S. 256.
Hier werden von Bosc (d. i. Louis Augustine Guillaume Bosc d’Antic, 1759 – 1828) sowohl die R. digitaria als auch die R. evratiana beschrieben. Zu der ersteren gibt er an, dass er in Malmaison eine halbgefüllte Spielart gesehen hat: „panachée de rouge et de blanc“ (evtl. diese Spielart von Redouté gezeichnet) und dass er die Herkunft dieser Rose nicht kennt. Zur R. evratiana sagt er, dass diese Rose aus Holland käme, sie benannt hätte à l’amateur Evrat (wohl richtiger van Evrat? Anm MB), und dass sie auch als muscade rouge bekannt ist.
In: Encyclopédie Methodique, Botanique, Supplément, Tome IV, Paris 1816 (Verfasser des Artikels Rose wohl Jean Louis Marie Poiret), S. 714, wird nur die Rosa evratiana genannt, die Rosenbergiana finde ich nicht. Der Name dieser Rose geht übrigens zurück auf Johann Carl Rosenberg, der 1631 eine „Rhodologia“ drucken ließ, so nachzulesen bei Thory: Prodrome de la monographie des espèces et variétés connues du genre rosier …“, 1820, S. 121. Auf S. 65 auch die Evratiana, die als Hybride zwischen Villosa und Alba beschrieben wird und später bei Desportes im Rosetum Gallicum, 1828, einmal als double (Muscade rouge) und in einer weiteren Varietät angezeigt ist.
Schlußfolgerungen daraus sind für mich:
1. Die R. Rosenbergiana und die R. Evrathiana sind zwei verschiedene Rosen, entgegen dem Eintrag bei HMF.
2. Ein Synonym für die R. Rosenbergiana ist Muscade noire, für die Evrathiana Muscade rouge.
3. Die Minette (Meldorf), jetzt Kreiselrose (Meldorf) könnte die R. Rosenbergiana sein.
Ich bitte um Diskussion.
Dazu ist zu bemerken, dass ich die Minette in zwei Exemplaren aus verschiedenen Quellen erst zum Jahresende 2016 bekommen habe und noch nichts über Blüte, Wachstum etc. sagen kann.



Zuletzt bearbeitet: Montag, 27. Februar 17 09:15 von romanwerber

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