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Thema: Pabst wieder sehen - Doku


Hallo,

ich habe mir gestern abend mal wieder eine alte VHS-Cassette rausgeholt und die Dokumentation über die Filme von G.W. Pabst angesehen (Pabst wieder sehen - 59:57 min). Der Film von Jackobsen und Koeber gibt Einblick in das Werk von Pabst, aber im besonderen auch eine ausführliche Darstellung über die Restaurierung seiner Filme und deren Stand im Jahr 1997. Selten haben ich einen Beitrag über Filmrestaurierung gesehen, der so interessant war. Besonders ausführlich wird hier auf 'Die freudlose Gasse' eingegangen - aber auch auf die anderen Hauptwerke von Pabst: Tagebuch einer Verloren, Pandora, Abwege, Don Quixote, Atlantis, Westfront, Jeanne Ney und Kameradschaft - aber auch die anderen Filme finden Erwähnung.

Der Film zeigt deutlich, daß die Restaurierungsarbeit in aller Welt gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann - anhand einiger Beispiele wird deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die Qualitäten der noch vorhandenen Materialien sind und was doch aus diesen Überbleibseln noch rausgeholt werden kann. Deutlich wird auch, wie wertvoll es noch heute ist, daß der deutsche Film damals ein Exportschlager war und so nun noch immer neue Kopien in aller Welt gefunden werden.

Bei diesem Überblick zeigt sich wieder mal ganz deutlich, welch bedeutender Regisseur Pabst gewesen ist und das er ohne Frage mit Lang, Murnau, Lubitsch und Fanck zu den ganz Großen zählt - ich meine fast, daß er viel subtiler in der Bildsprache und den Zwischentönen war, wie seine Kollegen.

Bei der Bewunderung für die Restaurierung, fällt mir allerdings immer wieder auf, daß viel Arbeit in die Wiederherstellung investiert wird; aber offensichtlich keine geeigneten Kräfte am Werk sind, die diese Arbeiten auch öffentlich machen, bzw. kommerziell zu verwerten wissen. Für die Archive und Restauratoren scheint der einzige Weg der Verleih an Programmkinos zu sein, so daß nur Menschen im größeren Städten hier einen Zugang bekommen können.

Auch die Fernsehsender scheinen sich durch die Existenz von arte ihres Kulturauftrages enhoben zu fühlen Stummfilme zu zeigen und so scheint es arte allein zu obliegen sich einmal im Monat herniederzulassen und einen Stummfilm ins Nachtprogramm zu quetschen, wobei es sich sehr oft um Wiederholungen handelt - ein sehr schwaches Bild - wobei ich immer noch hoffe, daß sich dies einmal wieder ändert.

Jorgus



Hallo

G. W. Pabst kam ja erst recht spät zum Film und war beinahe schon 40 Jahre alt, als er mit dem SCHATZ sein erstaunliches Regiedebüt gab.

Zu empfehlen, vor allem für diejenigen, die filmwissenschaftliche Abhandlungen mögen, ist von Gerald Koll: PANDORAS SCHÄTZE - Erotikkonzeptionen in Pabsts Stummfilmen.

André



Jorgus schrieb am 18.02.05:

...ich habe mir gestern abend mal wieder eine alte VHS-Cassette rausgeholt und die Dokumentation über die Filme von G.W. Pabst angesehen (Pabst wieder sehen - 59:57 min).


Zwischenzeitlich ist diese Dokumentation auch auf DVD zu haben - als Bonusmaterial zu Pabsts Der Schatz in der Arthaus Premium Edition.

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"Es gibt vielerlei Lärme. Aber es gibt nur eine Stille." (Kurt Tucholsky)


Kasimir:
Jorgus schrieb am 18.02.05:


Zwischenzeitlich ist diese Dokumentation auch auf DVD zu haben - als Bonusmaterial zu Pabsts Der Schatz in der Arthaus Premium Edition.


WO?
* „Die Schatzsucher“ – Dokumentation über die Rekonstruktion
* Audiokommentar der Filmwissenschaftler Hermann Kappelhoff und Marek Bringezu
* Interview mit dem Dirigenten Frank Strobel
* Interview mit Michael Pabst
* Booklettext des Pabst-Experten Dr. Klaus Kreimeier
* Biografien von Regisseur und Schauspielern
* Fotogalerie
* Booklet
* Trailer
Quelle:Arthaus

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"Einen schönen Hals hat Eure Frau..."


Hat es eigentlich irgend jemand schon einmal geschafft, Michael Pabst länger als drei Minuten zuzuhören, ohne dabei einzuschlafen?

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"Ein patentes Mädel."
"Nicht wahr? Wenn sie nur nicht immer 'Mops' zu mir sagen würde!"


Arndt:
Hat es eigentlich irgend jemand schon einmal geschafft, Michael Pabst länger als drei Minuten zuzuhören, ohne dabei einzuschlafen?


3 Minuten?? Ich schaff nicht mal eine!

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"Einen schönen Hals hat Eure Frau..."


Hallo,

Pabst wieder sehen ist nicht auf der Arthaus Premium DVD von Der Schatz. Ein 20 Minuten Zusammenschnitt soll auf der DVD Die freudlose Gassen veröffentlicht werden - die DVD wurde aber inzwischen verschoben ...
Ich finde die Infos von Michael Pabst sehr interessant und spannend ... Da fand ich die Betroffenheitsstimmen zu Stummfilmen und Biographien Ender der 70er und 80er schlimmer - die sprachen dann in solchen Sätzen, wie Carl Mayer sie normalerweiße in seine Drehbücher schrieb ...

Jorgus




Jorgus schrieb am 13.05.09:

Pabst wieder sehen ist nicht auf der Arthaus Premium DVD von Der Schatz. Ein 20 Minuten Zusammenschnitt soll auf der DVD Die freudlose Gassen veröffentlicht werden - die DVD wurde aber inzwischen verschoben ...


Sorry, ich habe die DVDs miteinander verwechselt... Natürlich wird die vom Filmmuseum München angekündigte Edition von Die freudlose Gasse die Dokumentation von Martin Koerber enthalten. Schade, dass es sich dabei bloß um ein 22-minütiges Extrakt handeln soll.

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"Es gibt vielerlei Lärme. Aber es gibt nur eine Stille." (Kurt Tucholsky)

Zuletzt bearbeitet: 13.05.09 12:54 von Kasimir


Jorgus: Selten haben ich einen Beitrag über Filmrestaurierung gesehen, der so interessant war.

Absolut, und diese Dokumentation hat erstaunlich schnell selber eine historische Patina angenommen. Wer die 60-minütige Fassung sucht, schicke mir eine mail.

Auch die Fernsehsender scheinen sich durch die Existenz von arte ihres Kulturauftrages enthoben zu fühlen Stummfilme zu zeigen und so scheint es arte allein zu obliegen sich einmal im Monat herniederzulassen und einen Stummfilm ins Nachtprogramm zu quetschen, wobei es sich sehr oft um Wiederholungen handelt - ein sehr schwaches Bild - wobei ich immer noch hoffe, daß sich dies einmal wieder ändert.

Ich fürchte, dass die Veränderung anders ausfallen wird, als wir hoffen: arte ist nicht der Sender, der als letzter noch Stummfilme zeigt – arte ist der Sender, der als letzter damit aufhört. (Dies in meiner Eigenschaft als Mäkler vom Dienst.) Je mehr man Stummfilm als Nischenprodukt behandelt, desto mehr wird er auch als solches wahrgenommen – eben nicht als Film, sondern als was Seltsames, das auch irgendwie mit Film zu tun hat. Stummfilm wird Event, um sich zu rentieren.

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