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Thema: Die elf Teufel


Für alle diejenigen, die sich zufälligerweise am 13. März 2006 aus privaten oder beruflichen Gründen in Athen aufhalten sollten, gibt es hier eine kleine Info. Das Goethe-Institut zeigt dort um 21 Uhr den Stummfilm "Die elf Teufel" (D 1927) von Zoltan Corda mit Live-Musik.




Fairerweise sollte man erwähnen, dass es sich bei den 11 Teufeln um eine Fussball-Mannschaft handelt.



Erlangen, Sonntag, 29. Januar 2006 10:30 Uhr
Die elf Teufel

Details zum Film und zur Aufführung in Erlangen bei den Stummfilmtagen Erlangen



Hier nun meine Eindrücke der Athener Aufführung:

Die elf Teufel (Deutschland 1927)
R: Zoltán Korda, Carl Boese
B: Walter Reisch
K: Leopold Kutzleb, Paul Holzki
P: Carl-Boese-Film-GmbH
D: Gustav Fröhlich (Tommy), Evelyn Holt (Linda), Lissy Arna (Vivien Holm), Fritz Alberti (Mac Lawrence), Jack Mylong-Münz (Biller), Willi Forst (Lehrer), Harry Nestor (Kellner) u. a.
Dauer: 97 Min.
Tommy ist Mittelstürmer beim Arbeiterklub „Linda“ und Liebling der Vorstadtjungs. Er und seine Mannschaftskameraden sind Fußballer aus Leidenschaft, die tagsüber malochen und nach Arbeitsschluss spielen. Maskottchen des Vereins, Liebling der Spieler und Tommys Verlobte ist die niedliche Linda.
Eines Tages veranstaltet die „Sportzeitung“ einen Wettkampfspiel zwischen zwei ausgelosten Teams, unabhängig von ihrer Klasse. Gezogen werden „Linda“ und der reiche Verein „International“. Deren Trainer Mac Lawrence ist schon vorher per Zufall auf Tommy aufmerksam geworden, als er mit Vivien Holm, Maskottchen von „International“, einem Jungen folgte, der einen Ball vom Trainingsgelände entführte. Tommy ist bei der Begegnung von Vivien Holm und ihrer mondänen Art fasziniert.
Lawrence macht Tommy später ein großzügiges Vertragsangebot, doch dieser lehnt aus Überzeugung ab. Vivien verführt ihn daraufhin. Das hat den unerfreulichen Effekt, dass Tommy nicht zur Arbeit erscheint und gefeuert wird. So unterschreibt er schließlich den Vertrag ohne zu wissen, dass der Gegner des großen Spiels sein ehemaliger Verein ist.
Durch seine Affäre mit Vivien erscheint Tommy nicht zu Lindas Geburtstagsfeier, obwohl sich die restlichen Mannschaftskameraden angestrengt haben, um Linda zu erfreuen. Das geplante Geschenk ließ Tommy ohnehin bereits aufgrund eines Missverständnisses Vivien zukommen. Linda ist zutiefst getroffen. Biller, ausgebooteter Mittelstürmer von „International“, erscheint auf der missglückten Party, um die restlichen zehn Teufel von Tommys Verrat zu berichten. Linda kann das nicht glauben und eilt zur Mannschaftsfeier von „International“, wo sie von einem angetrunkenen Tommy verleugnet wird.
Der Tag des Spiels kommt schließlich, das Stadion ist ausverkauft. „Linda“ hat beschlossen, nur mit zehn Spielern anzutreten. Tommy ist derartig unmotiviert, dass Lawrence ihn kurzfristig durch den überglücklichen Biller ersetzt. Das Spiel beginnt und erwartungsgemäß wird das Tor der „Linda“ förmlich berannt. Doch erst durch einen verwandelten Strafstoß gelingt „International“ die Führung. Währenddessen hat Tommy erkannt, gegen wen gespielt wird und den Vertrag vor Lawrence' Augen zerissen. Als einer der Vorstadtjungs ihm sein Trikot bringt, reißt er sich aus seiner Lethargie. Mit seinem Erscheinen kippt das Spiel und „Linda“ kann ausgleichen. Bei einem Tackling wird Tommy aus Versehen von Biller verletzt und muss vom Spielfeld getragen werden. Linda und Vivien eilen in die Kabine, wo Vivien erkennen muss, dass Tommys Herz nur Linda gehört. Gerührt gibt sie Linda Tommys Geburtstagsgeschenk. Die drohende Niederlage vor Augen, rafft sich der Verletzte nochmals auf und schießt schließlich den Siegtreffer, was selbst den gegnerischen Trainer Respekt abwürdigt.



„Die elf Teufel“ ist ein Sportfilm, der in seinen Fußballszenen erstaunlich dynamisch ist. Die Kamera folgt vom Spielfeldrand dem Ball parallel zur Seitenlinie oder bewegt sich rückwärts fahrend vor den kämpfenden Spielern. Durch den Einsatz echter Fußballer ist für genügend Ballsicherheit gesorgt. Das klassische „David vs. Goliath“-Thema wird hier durch den unterschiedlichen Wohlstand deutlich gemacht. Auf der einen Seite die Malocher, die sich nach der Arbeit zum Spiel treffen und im Unkraut übersäten Garten mit kaltem Wasser duschen müssen, auf der anderen Seite die verwöhnten Halbprofis mit Marmorbadezimmer. Der Sport nimmt aber nur einen Teil des Films ein. Das andere Thema ist Tommy, in Versuchung geführt und sich doch letztlich auf seine Wurzeln und die Verlobte Linda besinnend.
Neben dieser dramatischen Beziehung, die Linda förmlich an den Rand des Suizids führt, gibt es zahlreiche komische Szenen. Mittelpunkt ist meistens der bebrillte Torwart, der zum Vergnügen der Vorstadtjungs clownesk von einer Pleite zur nächsten stolpert, bis er schließlich im Spiel zur Höchstform aufläuft. Komödiantischer Höhepunkt ist hierbei Lindas Geburtstagsfeier, bei der die Spieler versuchen sich im Vorfeld bei der Herrichtung des Geschenketisches gegenseitig auszustechen.
Alles in allem ein schöner Sportfilm, bei dem man ob der dynamischen Fußballszenen gerne über ein paar gar zu platte Gags hinwegsieht.




Wäre doch super, wenn Arte zur Fußball WM diesen Film ins Programm nehmen würde.
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Dem aktuellen Newsletter des Filmmuseums München ist zu entnehmen, daß im Mai eine Doppel-DVD mit "Die elf Teufel" und "König der Mittelstürmer" (1927) herauskommen soll. Label: edition filmmuseum. Beide Filme sind frisch restauriert.

Seltsam nur, daß dies scheinbar nirgendwo online angekündigt wird.

Den Münchner Newsletter kann man übrigens hier bestellen.

André





Hallo,

die mangelnde Internetpräsenz der Museen, Stiftungen und Labels, die sich mit Stummfilmen beschäftigen betrifft wohl fast alle Institutionen. Fast alle informativen Seiten sind privater Herkunft.
Vernünftige Ankündigungen sind kaum zu finden - steht dann mal eine Veröffentlichung fest, scheint es unmöglich einen Termin auch einzuhalten, bzw. die Terminverschiebung ohne Anfrage bekannt zu geben. (z.B. bei Transit wird immer noch Der letzte Mann als neueste DVD-Veröffentlichung angepriesen). Ich finde das sehr schade, zumal Stummfilmfans sich fast ausschließlich im Internet informieren können, da normale Läde sowas kaum im Sortiment haben. Auch hat nicht jeder Ort ein Programmkino in dem Stummfilme gezeigt werden - und wenn sind es fast immer Caligari, Metropolis und Nosferatu. Es beibt weiterhin schwierig; deshalb bin ich auch froh, daß es diese Seite gibt.

Grüße

Jorgus



Kommen die 11 Teufel (1927) doch tatsächlich pünktlich zur WM auf DVD heraus - hossa!

http://www.edition-filmmuseum.com/product_info.php/info/p24_Die-elf-Teufel---K-nig-der-Mittelst-rmer.html

... zusammen mit noch nem Fußball-Film Der König der Mittelstürmer (1927)

ab 29. Mai





Diese DVD habe ich jetzt bestellt. Mal mächtig gespannt darauf. Hat sie schon jemand?

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