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Thema: Méliès


Die halbe Welt scheint vom Méliès-Fieber gepackt zu sein. Brian Selznicks famoses Méliès-Buch „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ – eine stummfilmartige Kombination aus Bilderbuch und Roman – ist ein Bestseller, die Cinémathèque Française hat eine große Méliès-Ausstellung gemacht, und es erscheint eine Méliès-DVD nach der anderen … (Warum aber nicht auch einmal eine mit Filmen von Méliès’ großem Konkurrenten, Segundo de Chomón?)
Jede der DVD-Editionen hat ihre Besonderheiten, was die Fassungen der einzelnen Filme, die musikalische und rezitatorische Begleitung oder die beigefügten Kommentare und Dokumente betrifft. Aber welche Filme sind überhaupt verfügbar?
Méliès soll etwa 525 Filme gedreht haben, darunter etwa 15-20 Werbefilme, auch Unveröffentlichtes, gelegentlich ein Remake eines eigenen Films. Erhalten ist davon etwa die Hälfte: ca. 210-213 Filme, wenn man auch Bruchstücke mitzählt.
Im Frühjahr hat Flicker Alley eine sensationelle DVD-Box mit 173 Filmen und Filmfragmenten herausgebracht. Von den übrigen ca. 40 erhaltenen Streifen sind viele im Besitz der Association Méliès – derzeit (bis einschließlich Juli) werden etliche davon in speziellen Méliès-Programmen in Paris gezeigt.
Auf DVD sind, über die Sammlung von Flicker Alley hinaus, nur wenige Filme erhältlich. Gefunden habe ich zwei aus dem Jahr 1905:
L’ÎLE DE CALYPSO OU LE GÉANT POLYPHÊME (Die Insel der Kalypso, oder: Der Riese Polyphem), nach zwei Episoden der Odyssee, Star-Film-Katalog Nr. 750-752, enthalten auf der Doppel-DVD „Christian Fechner présente Georges Méliès“ (Studio Canal und Fechner Productions, 2008).
LE DIRIGEABLE FANTASTIQUE OU LE CAUCHEMAR D’UN INVENTEUR (Das phantastische Luftschiff, oder: Der Alptraum eines Erfinders), Star-Film-Kat. Nr. 786-788, auf der DVD „Het fantastische luchtschip 1904-1908“ (Niederländisches Filmmuseum, ca. 1998, mit Jazz-Musik von Marc van Vugt).
Schließlich finden sich im Internet bei YouTube vier weitere Filme, von denen die Filmoteca de Catalunya, Barcelona, Kopien besitzt:
ÉVOCATION SPIRITE (Geisterbeschwörung), 1899, Star-Film-Kat. Nr. 205,
LA PYRAMIDE DE TRIBOULET (Triboulets Pyramide), 1899, Star-Film-Kat. Nr. 218,
L’ARTISTE ET LE MANNEQUIN (Der Künstler und die Kleiderpuppe), 1900, Star-Film-Kat. Nr. 284,
ÉRUPTION VOLCANIQUE À LA MARTINIQUE (Vulkanausbruch auf Martinique), 1902, Star-Film-Kat. Nr. 397.
Fortsetzung erwünscht …




Kleiner Vergleich des Méliès-Films LE RAID PARIS - MONTE-CARLO EN DEUX HEURES EN AUTOMOBILE (Die Fahrt Paris - Monte-Carlo in zwei Stunden mit dem Automobil) von 1905 in zwei DVD-Fassungen: "Het fantastische luchtschip 1904-1908", Niederländisches Filmmuseum, und "Georges Méliès: First Wizard of Cinema (1896-1913)", Flicker Alley.
Die bei weitem witzigere, üppigere und Méliès-artigere Fassung bietet die schon vor Jahren erschienene DVD aus NL!
Sie ist eingefärbt, und das ist hier wesentlich. Am Anfang sehen wir, teils braun, teils grün-bläulich getönt, den Platz vor der Pariser Oper. Dann fährt die Hauptfigur vor, das Automobil, krachend dreifarbig: rot - goldgelb - blau, mit weißen Reifen. Da es sich um ein eher kleines Modell handelt, geht die Sensation seines "Auftritts" fast verloren, wenn es, wie bei Flicker Alley, nur grau in Grau gezeigt wird.
Später zerlegt das Gefährt einen Orangenverkaufsstand in seine Einzelteile, worauf das erregte Publikum eine regelrechte Schlacht mit den Früchten veranstaltet ... Auch das ist nur halb so lustig, wenn uns die Obstpracht nicht schon in brav aufgestapeltem Zustand leuchtend ins Auge sticht.
Zudem: Bei Flicker Alley klappert Eric Beheim altbackene Harmonien auf der Kinoorgel ab. Die Holländer hingegen haben eine veritable Jazzband engagiert (Marc van Vugt's Big Bazar Habit), und die trifft den anarchischen Charakter dieser Autofahrt auf höchst intelligente Weise.
Schließlich kommen die Niederländer ohne Text aus. Bei Flicker Alley wird synchron zum Film eine Beschreibung der einzelnen Szenen rezitiert. Überflüssig und witzlos. Der Text, der anscheinend von Méliès selbst stammt, enthält zwar den einen oder anderen kulturhistorisch interessanten Hinweis, lenkt aber bloß vom Sehen ab und wäre allenfalls in gedruckter Form zu goutieren.
Und trotzdem ist auch in diesem Fall die Flicker-Alley-Kiste höchst willkommen. Denn hier ist der Film um zwei Szenen reicher und endet außerdem mit der korrekten Schlußszene von Monte-Carlo, während die NL-Fassung mitten in einer anderen Szene abbricht, bei der nicht klar ist, ob sie überhaupt zu diesem Film gehört (zum Auftritt des Automobils kommt es nämlich nicht). Auch die Bildschärfe ist bei Flicker Alley viel besser.
Fazit: Statt auf ultimative Editionen zu warten, lohnt es sich, das Vorhandene in Augenschein zu nehmen.




Auch bei LE MERVEILLEUX ÉVENTAIL VIVANT (Der wunderbare lebende Fächer) von 1904 sind die Holländer klare Sieger nach Punkten. Zwar kommen sie wieder in puncto Bildschärfe bei weitem nicht an Flicker Alley heran, und diesmal wackelt das Bild so sehr, daß einem fast die Augen schmerzen (bei Flicker Alley ist's sorgfältig justiert). Die Musik geht in beiden Fällen in Ordung: ein ganz frei "neben" dem Film ablaufender, nur textlich auf ihn bezogener Jazz-Pop-Song bei den Niederländern, ein historisierendes Cembalo-Tänzchen bei den Amerikanern. Aber auch diesmal sticht die Farbenpracht der älteren Ausgabe das Schwarz-Weiß der neueren aus, und vor allem: Flicker Alley bringt nur den halben Film. Die Folge der Verwandlungen, denen die Damen des lebenden Fächers unterworfen werden, bricht hier mittendrin einfach ab. Die holländische Vorstellung setzt noch einige Volten drauf und mündet in eine der Méliès-typischen Schlußpointen. Wel bedankt!



Das selbe kann man auch über die bei ARTE erschienene Buster Keaton DVD box sagen.
1.Ich habe schon bessere Qualität bei manchen Keaton Filmen gesehen.Man könnte ja auch mal die benutzen.
2.Die Filme sind zum Teil kürzer als Fassungen die ich kenne:
The Butcher Boy:Nachdem Fatty ins Mädchenpensionat eingedrungen ist und sich bei den Mädchen vorstellt endet diese Szene abrupt damit,wie Fatty am Esstisch sitzt.Neulich lief aber mal bei ARTE eine Sendung namens:"Slapstick".Wer gut aufgepasst hat,wird gemerkt haben das hier die Szene mindestens 20 Sekunden länger lief.Übrigens war hier die Qualität etwas besser.
Moonshine:Auf der DVD nur ein 8-minütiges Fragment.Auf YouTube ist eine 21-minütige Version zu sehen.
The Scarecrow:Hier mit vielen Kratzern und anderen Spuren.Auf YouTube gibt es den Film in einer so guten Qualität zu sehen,die schon fasst Metropolis ähnelt.
The Blacksmith:Nachdem Buster mit der Frau im Heu liegt und ihr den Ring wieder angezogen hat sieht man wieder nicht alles.Es gibt eine Version wo Buster den Ring ins Heu schmeißt weil die Frau zickig wird.Als sie ihn küsst rennt er schnell wieder zum Heu um den Ring zu suchen.
Ausserdem sind die Zwischentitel manchmal nicht orginalgetreu ins französiche übersetzt.Die Musik lässt einen einschlafen.Nicht gerade erfreulich!!!

"Revenge is sweet, but sometimes a girl is sweeter."


Zuletzt bearbeitet: 09.07.08 13:57 von Keystonecop


... wel bedankt, Keystonecop! Das sind ja solche lebenswichtigen Angaben, wie sie ein DVD-Freund oft erst nach langem Suchen oder überhaupt nicht im Internet findet.
- Méliès-Fortsetzung: Auch bei UN LOCATAIRE DIABOLIQUE ("Ein teuflischer Mieter") von 1908/09 ist die holländische Version vorzuziehen. Zum einen wieder wegen der "teuflisch"-wilden und prächtig großtuerischen Jazzmusik (Flicker Alley: historische Tänzchen, uninspiriert). Und dann passiert in diesem Film allerlei am linken Bildrand. Der ist aber nur bei den Holländern zu sehen!



Eindeutiger Sieger ist Flicker Alley bei VOYAGE À TRAVERS L'IMPOSSIBLE ("Reise durch das Unmögliche") von 1904. Denn von diesem Film enthält die holländische DVD nur die zweite Hälfte. Die Amerikaner dagegen präsentieren eine vollständige Kopie. Hier stört auch der gesprochene Text nicht, weil er hintergründiger ist und quasi musikalisch rezitiert wird. Beide Fassungen sind eingefärbt.
Zwischenstand: 3:1 für Holland. Die Niederländer haben insgesamt sechs Filme auf ihre DVD gepreßt, einer fehlt bei Flicker Alley, es bleibt also nur noch einer zu vergleichen - und das ist ein komplizierterer Fall ...



Keystonecop:
Das selbe kann man auch über die bei ARTE erschienene Buster Keaton DVD box sagen.
1.Ich habe schon bessere Qualität bei manchen Keaton Filmen gesehen.Man könnte ja auch mal die benutzen.
2.Die Filme sind zum Teil kürzer als Fassungen die ich kenne:
The Butcher Boy:Nachdem Fatty ins Mädchenpensionat eingedrungen ist und sich bei den Mädchen vorstellt endet diese Szene abrupt damit,wie Fatty am Esstisch sitzt.Neulich lief aber mal bei ARTE eine Sendung namens:"Slapstick".Wer gut aufgepasst hat,wird gemerkt haben das hier die Szene mindestens 20 Sekunden länger lief.Übrigens war hier die Qualität etwas besser.
Moonshine:Auf der DVD nur ein 8-minütiges Fragment.Auf YouTube ist eine 21-minütige Version zu sehen.
The Scarecrow:Hier mit vielen Kratzern und anderen Spuren.Auf YouTube gibt es den Film in einer so guten Qualität zu sehen,die schon fasst Metropolis ähnelt.
The Blacksmith:Nachdem Buster mit der Frau im Heu liegt und ihr den Ring wieder angezogen hat sieht man wieder nicht alles.Es gibt eine Version wo Buster den Ring ins Heu schmeißt weil die Frau zickig wird.Als sie ihn küsst rennt er schnell wieder zum Heu um den Ring zu suchen.
Ausserdem sind die Zwischentitel manchmal nicht orginalgetreu ins französiche übersetzt.Die Musik lässt einen einschlafen.Nicht gerade erfreulich!!!

Das selbe geht auch für die "Laurel and Hardy Platinum Collection"http://www.amazon.de/Laurel-Hardy-3-Platinum-Collection/dp/B000O0RMAC/ref=sr_1_49?ie=UTF8&s=dvd&qid=1205168980&sr=1-49.Die Filme sind in einem manchmal so schlechten Zustand,dass man nicht einmal mehr weiße Dinge erkennt.Auch hier sind kürzere Fassungen dabei:
z.B.:"Thundering Fleas":Hier ist er nur ca. 10 min. lang und ergibt wenig Sinn.Bei YouTube gibt es eine beinahe 30 minütige Version des Films (in einer viel besseren Qualität.)
Die Musik ist schlecht und hat nie was mit dem Film zu tun.Bei dem Klassiker "Mud and Sand" ist überhaupt keine Musik vorhanden.Keine Untertitel wurden angefertigt und noch viel mehr unerfreuliches ist mit dieser DVD verbunden...


"Revenge is sweet, but sometimes a girl is sweeter."



Der sechste und letzte Film auf der holländischen DVD ist LES QUAT' CENTS FARCES DU DIABLE ("Die vierhundert Streiche des Teufels") von 1906. Ein leichtsinniger Professor wird vom Teufel auf eine Reise geschickt, die damit endet, daß die goldene, von einem klapprigen Fabelwesen gezogene Kutsche mitten im Sternenhimmel stehenbleibt - eine Apotheose, die von Marc van der Vugts Jazzern gebührend gefeiert wird.
Das ist so schön, daß man den Hinkefuß fast vergißt. Denn in dieser Kopie weist der Film nicht nur am Anfang ein paar Sprünge auf, sondern es fehlt auch das letzte Drittel. Flicker Alley zeigt alles bis zum bösen Ende: Der Professor muß am Spieß des Teufels rösten. Auch die anderen Lücken sind bei den Amerikanern ausgefüllt (was freilich ein ständiges Hin und Her zwischen bunten und schwarz-weißen Bildern zur Folge hat), und Donald Sosins Begleitmusik auf verschiedenen Tasteninstrumenten hat zwar nicht die Verve der Holländer, wagt sich aber ebenfalls ins Improvisatorische und kann sich durchaus hören lassen. Somit hat Flicker Alley noch einmal die Nase vorn.
Endstand: 3:2 für die Holländer. Die damit auch gezeigt haben, daß die intelligente Präsentation von unvollständigen Filmen durchaus das Fehlende wettmachen kann ...



Großen Dank für die Tipps!Die sind sehr wertvoll,weil ich mal ans kaufen dachte.Ich warte da aber noch ein bisschen,bis ich mehr Infos habe.Daher Danke für diese wertvollen Tipps,Mischa!

"Revenge is sweet, but sometimes a girl is sweeter."


Zuletzt bearbeitet: 13.07.08 12:36 von Keystonecop


Was mich ärgert ist,dass ganze 5 Filme auf der Flicker Alley DVD fehlen(!)Hier sind sie aufgelistet:
1896:78-80.Le manoir du diable(3 min.)
1899:205.Évocation spirite(57sek.)
218.La Pyramide de Triboulet(47sek.)
1900:284.L'artiste et le mannequin(56sek.)
1902:397.Éruption volcanique à la martinique(1min.31sek.)

Nicht gerade erfreulich!!!


"Revenge is sweet, but sometimes a girl is sweeter."



Wie schon in der ersten Nachricht erwähnt, sind ca. 40 erhaltene Méliès-Filme nicht in der Sammlung von Flicker Alley zu finden. Die Firma hat mit mehreren Film-Archiven zusammengearbeitet, aber z. B. nicht mit der Association Méliès, die viele weitere Schätze besitzt.
Mindestens sieben dieser vierzig bekommt man auf anderen DVDs oder im Internet zu Gesicht. Sechs sind oben in der ersten Nachricht aufgezählt. Dazu kommt noch LE MANOIR DU DIABLE (von manchen als der erste "Gruselfilm" der Geschichte angesehen), der auf der ebenfalls oben erwähnten Edition von Studio Canal enthalten sein soll, aber nicht im Filmprogramm, sondern innerhalb einer Dokumentation, als Beispiel für einen noch nicht restaurierten Film. Dieser Titel findet sich auch bei YouTube. Falls das jene Stelle aus der Dokumentation ist, handelt es sich aber offensichtlich nicht um den ganzen Film, sondern nur um ein Fragment.
Die DVD-Box von Flicker Alley ist also nicht komplett (hat die Firma auch nicht behauptet), und auch die darin enthaltenen Fassungen der Filme sind nicht immer die besten (von einigen gibt es vollständigere Kopien, und bisweilen bietet Flicker Alley nur eine schwarz-weiße Kopie, obwohl anderswo eine gefärbte vorhanden ist).
Trotzdem: Die schiere Menge ist, da Méliès durchweg auf hohem Niveau gearbeitet hat, eine wahre Wonne. Und das Material, das die Flickers zur Verfügung hatten, ist sehr gut restauriert. Jeder Stummfilm-Herausgeber braucht den Mut zur Lücke. Flicker Alley sei gepriesen!




Ich habe Flicker Alley mal eine E-Mail geschickt und Jeff Masino hat mir persönlich geantwortet.Er sagt,dass nachdem die DVD rausgekommen war,viele Archive eine Neue Veröffentlichung wollen!Das heist,dass die Archive schwachgeworden sind und jetzt gesagt haben,dass sie ihre Melies-Filme doch beisteuern würden.Ist das nicht toll?Dann haben wir demnächst vielleicht eine Neuveröffentlichung mit allen zurzeit verfügbaren Melies Filmen!!
Hier ist seine Nachricht:
Dear Alexander,

We are in receipt of both of your messages from yesterday and today (Wed.). The good news is that some archives and collectors who had refused or were unable to cooperate as Georges Melies: First Wizard of Cinema was being put together have now come back after seeing the finished product and have offered additional films to be included if and when the set is re-published. All Flicker Alley customers will be informed and when this happens, so thanks for your patience. Thank you too for your kind words.

Sincerely,

Jeff Masino

Flicker Alley, LLC



"Revenge is sweet, but sometimes a girl is sweeter."


Zuletzt bearbeitet: 16.07.08 17:57 von Keystonecop


Gute Nachricht! Aber noch besser wär's, die Association Méliès würde ihre Schätze selbständig und bei einer anderen Firma veröffentlichen. Es lebe die Vielfalt! Die Musik, die Flicker Alley den Filmen beigegeben hat, ist mitunter doch recht einfältig, und viele Filme werden mit zu hohem Tempo abgespielt. (Méliès liebt es, Prozessionen zu inszenieren, bei denen Kostüme und Gegenstände zur Schau gestellt werden - bei Flicker Alley ist die Pracht oft nicht zu erkennen, wenn man nicht die Langsam-Taste betätigt.)
Müßte ich mich zwischen der randvollen 5-DVD-Box von Flicker Alley und der 45-Minuten-DVD des holländischen Filmmuseums entscheiden, ich würde die letztere wählen. Sie hat einen wüsten Charme, der sich mit dem Streben nach Vollständigkeit wohl gar nicht vereinbaren ließe.



Da Flicker Alley inzwischen bekanntgegeben hat, welche Filme ab dem 16. Februar auf "Méliès Encore" verfügbar sein sollen, läßt sich auch eine Liste derer aufstellen, die auch dann auf DVD noch fehlen werden. Hier ein Versuch: Es sind nur noch 18 Titel!

Abkürzungen
Assoc. Méliès: Kopie der Association Méliès, Juni/Juli 2008 in Paris aufgeführt.
Cinémathèque: Kopie der Cinémathèque Française, April/Mai 2008 in Paris aufgeführt.
Malthête/Mannoni: Méliès Magie et Cinéma, 2002.
Malthête/Marie: Georges Méliès, l’illusioniste fin de siècle?, Paris 1997.

1898
Star-Film Nr. 156: PYGMALION ET GALATHÉE (Malthête/Mannoni)

1899
171: SALLE À MANGER FANTASTIQUE (Cinémathèque)
175-6: CLÉOPATRE (2005 in Paris gefunden)
180: LUTTES EXTRAVAGANTES (Malthête/Mannoni)
182: L’OURS ET LA SENTINELLE (Assoc. Méliès)
183a: L’IMPRESSIONISTE FIN DE SIÈCLE (remake) (Malthête/Marie)
205: ÉVOCATION SPIRITE (Filmoteca de Catalunya)
218: LA PYRAMIDE DE TRIBOULET (Filmoteca de Catalunya)

1900
237-40: LES MIRACLES DU BRAHMINE (Malthête/Marie)
284: L’ARTISTE ET LE MANNEQUIN (Filmoteca de Catalunya)

1902
417-8: LA FEMME VOLANTE (Malthête/Marie)
422-5: UNE INDIGESTION (Assoc. Méliès)

1904
560-1: BENVENUTO CELLINI OU CURIEUSE ÉVASION (Assoc. Méliès)

1907
1023-9: LA PERLE DES SERVANTES (Malthête/Mannoni)

1908
(nicht im Star-Film-Katalog) L’AGENT GELÉ (Malthête/Marie)
(nicht im Star-Film-Kat.) TRIBULATION OR THE MISFORTUNES OF A COBBLER (Malthête/Marie)

1933
(nicht im Star-Film-Kat.) PUBLICITÉ POUR LA RÉGIE DES TABACS (Malthête/Mannoni)

Jahr unbekannt
(nicht im Star-Film-Kat.) Titel unbekannt, Fragment: Méliès als Clochard hantiert mit einer Zigarre (Malthête/Mannoni)



Einzelmusiker und Bands des Labels „Trakwerx“ haben zu 15 phantastischen Kurzfilmen des frühen Kinos neue Musik für eine DVD eingespielt. Die meisten der Filme stammen von Méliès. Darunter sind zwei, von denen die Filmoteca de Catalunya Kopien besitzt und die bei Flicker Alley fehlen: L’ARTISTE ET LE MANNEQUIN (Star Film Nr. 284) und ÉRUPTION VOLCANIQUE À LA MARTINIQUE (Star Film Nr. 397). Siehe die Website des Labels: http://www.trakwerx.com/label.htm#george_melies.
Der letztere Titel findet sich auch auf „Georges Méliès – Encore“. Doch hier handelt es sich nicht um den feurig eingefärbten Film aus Catalunya, sondern um ein schwarz-weißes Fragment. Beide sind zwar von ähnlicher Machart – Rauch steigt über dem Berg einer Miniaturlandschaft auf –, lassen sich aber schon aufgrund des unterschiedlichen Bildausschnitts kaum miteinander verbinden. Hat Méliès beide gedreht? Oder versuchte vielleicht auch in diesem Fall Segundo de Chomón, den Franzosen zu übertreffen?
-- Die von Flicker Alley nachgelieferten Filme sind wiederum eine wahre Wonne. Aber wiederum läßt es die Firma sogar an den nötigsten Informationen fehlen. Das betrifft etwa das Problem des Vorliegens verschiedener Fassungen, wie im soeben genannten Fall, oder die Frage der Vollständigkeit oder Unvollständigkeit des präsentierten Materials. Zum Beispiel beginnt L’ŒUF DU SORCIER (Das Ei des Zauberers) auf der DVD abrupt in einer Verbeugung des Magiers (das ist Méliès höchstselbst). Nach der Vorführung einiger Ei-Kunststückchen legt er sich auf ein Brett und verwandelt sich in ein Gerippe, das noch kurz herumzappelt, dann aber still liegenbleibt, um von einem Diener weggeschleppt zu werden. Eine amüsante, hier aber ganz unmotiviert „drangehängte“ Volte der Vorstellung. Man muß in dem erhaltenen Szenario und in der Sekundärliteratur nachsehen, um zu erfahren: Mit dem Skelett endete der originale Film nicht nur, sondern er begann auch damit. Bevor der Zauberer uns mit einer Verbeugung begrüßt, ist er aus seinen toten Knochen auferstanden. Aufnahmen dieser Szene sind erhalten; siehe Maurice Bessy und Giuseppe Lo Duca: Georges Méliès, mage. Paris 1961, S. 218.


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