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Thema: L'ARGENT (Das Geld, 1928)


Da Wall Street wieder einmal das Weltgeschehen in Turbulenzen reißt, gehört "L'Argent" von Zola zu den derzeit aktuellsten Romanen - und L'Herbiers Version zu den aktuellsten Stummfilmen. Aber nicht nur aufgrund des Themas, sondern auch durch seine Machart ist dieser Film ausgesprochen modern und ohne Umschweife zugänglich. Also vielleicht besonders geeignet, darüber zu diskutieren. Ein paar Anstöße:
- L'Herbier hat geäußert, Antriebsgrund für diesen Film sei Haß gewesen. Gance habe seinen großen Napoleon-Film aus Liebe zum Helden schaffen können, er, L'Herbier, den Geld-Film aus Haß auf das Geld. Das könnte eine Erklärung für die grandiose Paradoxie dieses Films sein: Saccard, der skrupellose und zynische Spekulant, ist aufs Ganze gesehen "die einzige sympathische Figur des Films" (Noel Burch). Das läßt sich zwar auf die Romanvorlage zurückführen, es ist aber doch ein Kunststück des Regisseurs, im Film Gleiches zur erreichen. Bedingung dafür war wohl, daß der anstachelnde Haß nicht einer Figur gilt (gerade auch Saccard nicht), sondern jener fast allmächtigen Erfindung des Teufels.
- Pierre Alcover, ein gestandener Bühnenschauspieler, ist Saccard. Er und seine Partnerin Marie Glory (als Line Hamelin) füllen ihre Rollen mit einer atemberaubenden stilisierten Natürlichkeit aus. Ohne zu psychologisieren, stellen sie uns stets Personen, nie nur plakative Affekte vor Augen. Und L'Herbiers gewitzte (manchmal aberwitzige) Montagetechnik läßt nie zu, daß die beiden Hauptfiguren in einem Gefühl, einer Situation erstarren, sondern kreuzt sie stets mit den Aktionen der anderen Beteiligten und der vom Geld bewegten Gesellschaft.
- Alfred Abel ist der Bankier Gunderman. Hat Abel sonst jemals eine solch vielschichtige und schillernde Figur dargestellt? Mit solch magistraler, zugleich humaner und unerbittlicher Ironie wie in der Szene, als Gunderman im Restaurant dem Spekulanten Saccard begegnet? (Nebenbei: Hat man Abel jemals so lustvoll-gelöst spielen sehen?) Noel Burch: "Seine heimtückische, an einen weiblichen Typus erinnernde Passivität (den männlichen Umtrieben Saccards entgegengesetzt) und diese völlige Abwesenheit von Begierde - abgesehen von Tierliebe! - machen ihn zur beunruhigendsten Figur des Films und geben den Tugenden, die ihn auf der Ebene des offenbaren 'Textes' auszeichnen, eine befremdliche Färbung."




Dieser Beitrag macht sehr neugierig auf den Film. Wurde er schon im TV gezeigt?




Man kann den Film als DVD bekommen:
http://www.carlottafilms.com/php/fiche_dvd.php?rubrique=1&ss_rubrique=100&id_film=252




Die Carlotta-Ausgabe ist grandios, aber sie ist ausschließlich Französisch und trägt keinerlei Untertitel, was gerade angesichts der reichen Ausstattung eine beklagenswerte Einschränkung des Marktes darstellt. Rezensionen: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch", denn dankenswerterweise bieten Masters of Cinema einen Klon mit englischen Untertiteln. Rezensionen: Bezugsquellen: So wie das Pfund grad steht, gibt's keine Ausreden.
Aber gehört dieses Thema jetzt im Grunde zu den DVD-Informationen? (siehe sticky thread)



Vielen Dank für diese Info's.

Es ist immer wieder schön, auf das Fachwissen der Forumskolleg/en/innen zurückgreifen zu können, wobei ich natürlich gelegentlich auch selbst recherchiere, versprochen!


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