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Thema: DVD "Die freudlose Gasse" Verlosung


Hallo Stummfilmfans

Gerade eben hat die Edition Filmmuseum Georg Wilhelm Pabsts Klassiker DIE FREUDLOSE GASSE (1925) samt umfangreichem Bonus-Material auf DVD veröffentlicht. Stummen Dank an Frau Schonger von der Edition Filmmuseum, die zwei Exemplare zur Verfügung gestellt hat!
Eines davon hat sich unser Stummfilmfreund Arndt Pawelczik zur Brust genommen und nachfolgende Rezension geschrieben. Das andere Exemplar, natürlich original verschweißt, kommt hier zur Verlosung.
Wer mitmachen will, sendet bitte eine kurze Mail an stummfilm-fan@t-online.de mit dem Betreff "Freudlose Gasse", und zwar bis spätestens kommenden Sonntag, 18.10.09, 24Uhr. Einzige Änderung gegenüber der letztmaligen Verlosung: Damit jeder auch wirklich die gleiche Chance hat und um mögliche Mehrfachteilnahmen mittels verschiedener Email Adressen zu vermeiden, schreibt bitte euren Namen dazu. Gewinner/in wird wie immer ausgelost und dann benachrichtigt.
Um mitzumachen muß man hier im Stummfilmforum nicht angemeldet sein.

Rezension DIE FREUDLOSE GASSE (1925) - Edition Filmmuseum 48, Oktober 2009

Man sollte die Glocken läuten angesichts dieser Veröffentlichung der Edition Filmmuseum! Es handelt sich um nichts weniger als eine Großtat. Nach Jahrzehnten der Obskurität kommt hier einer der bedeutendsten deutschen Filme der 20er Jahre wieder in einer Version ans Licht, die sowohl den Filmhistoriker als auch den interessierten Laien befriedigen kann.
Dass DIE FREUDLOSE GASSE ein Meilenstein des Kinos ist, stand nie in Frage. Kritiker wie Lotte Eisner, Paul Rotha und Siegfried Kracauer sahen in diesem Film den zentralen Schritt im Übergang vom expressionistischen Stil zur neuen Sachlichkeit, einer der bedeutendsten Entwicklungen des deutschen Stummfilms. Der Film ist zudem eine Großproduktion mit Starbesetzung. Asta Nielsen, Werner Krauss, Valeska Gert, Gregori Chmara und nicht zuletzt Greta Garbo in ihrer einzigen deutschen Rolle geben sich die Ehre. Der Regisseur Georg Wilhelm Pabst findet mit diesem Film Eingang in die erste Reihe der deutschen Filmschaffenden. Er wird in den folgenden Jahren für weitere Klassiker des deutschen Stumm- und Tonfilms von DIE BÜCHSE DER PANDORA über WESTFRONT 1918 bis zur DREIGROSCHENOPER verantwortlich zeichnen. An der Kamera steht bei DIE FREUDLOSE GASSE mit Guido Seeber eine Filmlegende der ersten Stunde und ein Stilbildner des deutschen Kinos.
Das Problem war nur, dass es den Film nicht mehr zu sehen gab. Aufgrund seiner sozialkritischen Thematik war er von Beginn an immer wieder bis zur Unkenntlichkeit zensiert worden. Meter um Meter ging so verloren, das Material wurde notdürftig umgeschnitten, schließlich kursierten von DIE FREUDLOSE GASSE nur noch höchst unvollständige Kopien. Von dem ursprünglich fast dreistündigen Film war ein kaum einstündiger Rest geblieben, der mit Pabsts Premierenfassung nur noch wenig gemein hatte.
Seit 1989 hatte es sich das Münchener Filmmuseum zur Aufgabe gemacht, DIE FREUDLOSE GASSE zu rekonstruieren. Dazu wurden alle weltweit zur Verfügung stehenden Materialien herangezogen. 1996 konnte eine erste Rekonstruktion auf Festivaltournee geschickt werden, die 1998 dann auch bei Arte gezeigt wurde. Die vorliegende DVD stellt einen vorläufigen Endpunkt dieser Arbeit dar. Auch wenn zur Premierenfassung noch ca. eine halbe Stunde Material fehlt, präsentiert sich der Film in einer seit 1925 wahrscheinlich nicht mehr gesehenen Vollständigkeit.
Und was für ein Genuss es ist, ihn so zu sehen! DIE FREUDLOSE GASSE ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk. Die Geschichte, basierend auf einem Roman von Hugo Bettauer, einer der schillerndsten literarischen Gestalten der Zeit, wird auf eine sehr komplexe Weise erzählt. Vier Handlungsstränge - die Schicksale von vier Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten - winden sich kunstvoll umeinander und zeichnen so ein üppiges, zutiefst niederschmetterndes Sittengemälde des Wiens der Inflationszeit. Im Zentrum der Geschichten steht die freudlose, die Melchiorgasse mit ihren Bewohnern, Geschäften und Amüsierbetrieben. Fazit aller Handlung scheint zu sein, dass im Österreich der Nachkriegszeit Jeder und Alles käuflich ist. Geld, der Mangel an und die Liebe zu ihm, sind Ausgangspunkt und treibende Kraft aller Handlung in diesem Film.
Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich dabei auf höchstem Niveau. Allen voran wären hier Asta Nielsen und Werner Krauss zu nennen, aber auch Valeska Gert, Gregori Chmara, Robert Garrison, Hertha von Walter und selbst die kleine Loni Nest, das deutsche Stummfilmkind schlechthin, geben hervorragende Vorstellungen ab. Das Spiel ist insgesamt eher zurückgenommen, sodass man sich regelrecht freut, wenn Valeska Gert ab und zu einmal expressiveres Minenspiel einsetzt. Die ätherische Schönheit des relativen Filmneulings Greta Garbo ist umwerfend und wird von der Kamera sehr effektvoll eingefangen. Überhaupt sind Kameraführung und Schnitt so versiert und rasant, dass die 151 Minuten des Films am Zuschauer vorbei zu rasen scheinen. Von besonderem Interesse sind die Bauten, die durchaus noch Elemente des expressiven Stils der frühen 20er Jahre zeigen.
Als ob das Vergnügen, dieses Meisterwerk endlich in relativer Vollständigkeit sehen zu können nicht genug sei, kann die Doppel-DVD der Edition Filmmuseum noch mit umfangreichem Zusatzmaterial aufwarten. Dazu gehören zwei Dokumentationen. PABST WIEDER SEHEN von 1997 berichtet im Detail über die Arbeiten zur Rekonstruktion des Films im Münchener Filmmuseum. Das fast zweistündige Filmessay DER ANDERE BLICK der österreichischen Filmemacher Hannah Heer und Werner Schmiedel von 1991 besteht zu einem großen Teil aus sehr interessanten Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern Pabsts, die Aufschluss über seine Arbeitsweise und Aspekte der Entstehung der Filme geben. Für mich leidet diese Produktion allerdings etwas unter ihrem manierierten, gewollt 'hochkünstlerischen' Stil. Interessant sind weiterhin mehrere längere Ausschnitte aus Interviews mit Pabsts Regieassistenten Mark Sorkin aus den 70er Jahren. Eine besondere Kuriosität stellen die 14 Minuten "Out- und Intakes" dar - nicht verwendete Szenen und Kameratests, aber auch zwei in die russische Version eingeschnittene Sequenzen aus anderen Filmen.


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"Nicht so hastig, junger Freund! Niemand enteilt seinem Schicksal."

Zuletzt bearbeitet: 11.10.09 20:32 von Administrator


Als wäre dieses Büffet noch nicht reichhaltig genug, bietet die Edition noch einen ROM-Bereich, für den man seinen PC anwerfen muss. Zur Belohnung dafür erhält man hier eine nahezu lückenlose Dokumentation zum Film, von relevanter Sekundärliteratur über eine Vielzahl von Fotos von den Dreharbeiten und film stills, Filmprogrammen und -plakaten bis hin zu Dokumenten zur Rekonstruktion des Films in den letzten zwanzig Jahren. Besonders bemerkenswert ist die aufwändige Sammlung zur Entwicklung des Stoffs: angefangen vom zugrunde liegenden Roman über ein erstes Exposé bis hin zu dem 332 Seiten umfassenden handschriftlichen Drehbuch von Willy Haas und dem endgültigen 410-seitigen Arbeitsdrehbuch ist hier alles vorhanden, das der ernsthaft Interessierte zu vertieftem Studium der Materie benötigt. Einmal am PC ins Blättern in diesen Materialien gekommen ist es alles andere als leicht, sich wieder loszureißen.
Abgerundet wird die Präsentation der DVD von einem 20-seitigen illustrierten Booklet mit einem Artikel zum Film von Klaus Volkmer und zu seiner Rekonstruktion von Stefan Drößler. Diese Art der umfassenden Präsentation von Filmen in ihrem historischen Kontext, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, ist inzwischen zum Markenzeichen der Edition Filmmuseum geworden. Kein anderer Verlag macht sich zur Zeit so sehr um eine Veröffentlichung klassischer deutscher Filme verdient, ob es um lang ersehnte Editionen von Klassikern geht, wie im Fall der FREUDLOSEN GASSE, oder um das Zutagefördern vergessener Schätze. Und wenn man gar sieht, was die Edition zur Zeit als in Vorbereitung befindlich listet, könnte man in Verzückung geraten.
Natürlich soll hier nicht verschwiegen werden, dass praktisch zeitgleich auch eine Ausgabe von DIE FREUDLOSE GASSE vom österreichischen Filmarchiv erschienen ist. Zum nahezu gleichen Preis bietet sie auf DVD zwar nur den Film, dazu aber ein über 200-seitiges Buch mit Materialien. Die Musik auf der österreichischen DVD wurde von Burkhard Stangl komponiert und eingespielt, einem vor allem mit experimenteller Improvisation und elektronischer sowie Neuer Musik hervorgetretenen Musiker. Die Musik für die Fassung der Edition Filmmuseum wurde komponiert vom Stummfilmmusik-Grande Aljoscha Zimmermann. Sie passt hervorragend zum Film, entwickelt aus zeitgenössisch klingenden Motiven, die einem noch Tage später nicht aus dem Kopf gehen wollen, einen kongenialen Klangteppich zur Unterstützung der Bilder.
Für mich ist DIE FREUDLOSE GASSE der Edition Filmmuseum die DVD des Jahres - uneingeschränkte Kaufempfehlung!

Arndt Pawelczik


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Hallo

Und stumme Glückwünsche an Andreas Plessing, der eben aus dem Konvolut von tausenden Stummfilmfans, die sich an der Aktion beteiligt haben (okay, so viele waren's dann doch nicht), ausgelost worden ist. Die "Freudlose Gasse" DVD-Edition der Edition Filmmuseum geht an dich!

Setze mich noch mit dir in Verbindung zwecks Anschrift...



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Auch von mir Glueckwunsch an Andreas!

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"Ein patentes Mädel."
"Nicht wahr? Wenn sie nur nicht immer 'Mops' zu mir sagen würde!"


Hallo,

ich freue mich natürlich sehr, zumal ich in der Regel bei Verlosungen nichts gewinne.
Ich bin sehr gespannt, da ich von Pabst noch fast nichts kenne.

Danke auch an die Spender des Verlosungsexemplars.

Freundliche Grüße
Andrew

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