Stummfilm-Forum von

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Thema: Roboter und Kunstmenschen im Stummfilm


Wie an anderer Stelle erwähnt, schreibe ich an einer Arbeit die sich mit der Maschinenfrau in Metropolis befasst. Da die mythischen und literarischen künstlichen Menschen bis dahin gut dokumentiert sind, möchte ich mich in einem Kapitel auf die filmischen Vorgänger beschränken. Bisher sind mir folgende bekannt:Heinrich, the amazing dancing mechanical man von 1919, L'uomo meccanico 1921,natürlich der Golem, Homunculus und Frankenstein. Filmaufnahmen gibt es auch von Schlemmers triadischem Ballett und Fotografien immerhin von Capeks Rossums Universal Robots. Kennt jemand noch relevante Machinenmenschen (ruhig etwas weiter gefasst) in Filmen bis 1926/27?



Etwas weiter gefaßt? Wie wär's dann mit Lubitschs DIE PUPPE (1919)?

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"Nicht so hastig, junger Freund! Niemand enteilt seinem Schicksal."


Oh ja, das passt! Muss ich mir unbedingt mal ansehen!



Eine der antiken Sagen von künstlichen Menschen ist in frühen Stummfilmen mehrmals aufgegriffen worden: die vom Bildhauer Pygmalion und der Statue, die zu einer lebendigen Frau wird (Ovid, Metamorphosen, Buch X). Erhalten ist anscheinend PYGMALION ET GALATHÉE von Georges Méliès - gehört aber zu den Filmen, die in der Méliès-Ausgabe von Flicker Alley fehlen.



Ist zwar nicht gerade das vergnüglichste Abenteuer Oswalds, aber Walt Disneys Veräppelung der Roboterfrau aus METROPOLIS verdient vielleicht doch auch einen wissenschaftlichen Seitenblick: THE MECHANICAL COW (1927). Enthalten auf der Doppel-DVD "Die Abenteuer von Oswald dem glücklichen Hasen", Reihe "Walt Disney Kostbarkeiten". Nicht ganz jugendfrei übrigens ...



Der eingangs erwähnte HEINRICH ist ja ein toller Hecht. Aber mit dem Licht konnten die echten Filmer von 1919 doch schon weit besser umgehen als "Janissary Pictures" ...



Einschlägig ist jedenfalls auch der rostige, herzlose Blechmann in den verschiedenen Verfilmungen des "Zauberers von Oz". Die Version von 1910 kann man sich im Internet Archive ansehen.



Hmm, irgendwie entgehen mir die Gemeinsamkeiten bei der mechanischen Kuh. Ist hier nicht einfach nur die Maschinisierung veräppelt?



Naja, der Daseinszweck, die Arbeit zu mechanisieren, ist ja schon eine Gemeinsamkeit der metropolitanischen Roboterfrau mit Oswalds moderner Angestellten; weitere auszuplaudern, wäre arg indezent. Unterschätzt mir die Respektlosigkeit des jungen Disney nicht!
- Aber noch einmal zum Lande Oz: War nicht Oliver Hardy als der Tin Woodman das offensichtliche Vorbild für Brigitte Helm? Hier ist er zu bewundern: http://images.wikia.com/oz/images/f/f3/1925ScarecrowTinman.jpg.



Auch Pinocchio war ein Stummfilmheld. Die erste Verfilmung seiner Abenteuer (Italien 1911) wird sogar heute wieder gelegentlich gezeigt; siehe http://www.film.at/pinocchio_1911/.
Wenn es auch um bloß vermeintlich künstliche Menschen gehen soll, wären noch HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN von Richard Oswald (D 1916) zu nennen; siehe auf dieser Website das Kapitel "Stummfilme 1", Nr. 26.



Auf folgender Website werden noch weitere frühe Roboter- und Puppenmenschenfilme genannt, die ich alle nicht kenne, bis auf ...
Siehe: http://www.filmsite.org/robotsinfilm1.html.



... bis auf Houdinis Roboter, von dem man hier einen furchtbaren Auftritt miterleben kann: http://www.youtube.com/watch?v=fh0F1glgKBk.
Die Schachtel mit 3 DVDs, für die dieser Trailer wirbt, dürfte Ausführlicheres bringen.



Das ist sehr interessant. Die Eva der Zukunft kannte ich bisher auch nur als Buch.Danke Mischa!



Zu prüfen bleibt, ob die im Gleichschritt einherstaksenden Quaderköpfe in AËLITA (1924) Roboter darstellen sollen – oder nur maschinenhaft gedrillte Marsmenschen. Jedenfalls lotet der Film die Grauzone zwischen Mensch und Maschine aus …



Aelita soll ja ein direktes Vorbild für Lang gewesen sein. Ich hab es hier als download von archive.org,Da sieht der Film aber doch stark bearbeitet aus. Frage ist natürlich auch, ob der überhaupt in Berlin 1924/25 zu sehen war. Die Bilder sind aber schon ziemlich beeindruckend.

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