Stummfilm-Forum von

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Thema: Schauspiel im Stummfilm


Hallo,
Ich suche für meine Abschlußarbeit Informationen bzw. Publikationen zum Thema Schauspielkunst im Stummfilm.
Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand weiter helfen kann bzw. vielleicht auch sich über das Thema auszutauschen.
bis bald



Bitte präzisieren. Das ist ein weites Feld.

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"Ein patentes Mädel."
"Nicht wahr? Wenn sie nur nicht immer 'Mops' zu mir sagen würde!"


Ja klar, es ist ein weites Feld. Aber es gibt nach meinem jetzigen Forschungsstand noch kaum Publikation überhaupt, zu diesem Thema. Deswegen hätte es mich interessiert, ob jemand noch Infos zu dem Thema hat.
Um es ein bischen zu präzesieren:
Ich möchte nicht die Anfangszeit des Films behandeln, sondern, erst ab den späten 1910er, wo es schon mehr auch um Schauspielkunst ging. Ich möchte das dann für meine Arbeit mit der Schauspielart heutzutage vergleichen, bzw. mit Spiel wo man sich auch auf Gesprochenes verlassen kann.




Vieleicht eine dumme Frage, aber was kennen Sie denn schon? Haben Sie z.B. schon viele Stummfilme gesehen, oder erwarten Sie Empfehlungen, welche Sie sich anschauen sollten? Sind Sie mit dem "Kanon" vertraut?
Sie schreiben, dass es wenige Veröffentlichungen zum Thema gibt. Haben Sie die Standardautoren schon gelesen (z.B. Balazs, Eisner, Ihering, Kurtz, Weinberg, Brownlow) und suchen nun nach Esoterischerem? Oder steigen Sie gerade ein?

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"Ein patentes Mädel."
"Nicht wahr? Wenn sie nur nicht immer 'Mops' zu mir sagen würde!"


Nein, das ist keine dumme Frage.
Ich würde mal sagen, ich steige nicht erst ein, aber ich bin auch noch lange kein Experte. Ich glaube, dass beschreibt meinen momentanen Wissensstand recht gut. Also ich habe schon manche Filme gesehen, hauptsächlich die Bekannten(z.B. frühe Hitchcock, auch in Richtung Comedy wie Chaplin usw...)
Durch die sogenannten Standardautoren arbeite ich mich gerade durch. Ich stehe auch in Kontakt mit einem schweizer Professor, der genau zu dem Thema Schauspielkunst im Stummfilm einen Vortrag hielt, den aber noch leider nicht veröffentlicht hat, aber mir schon viele Tipps geben konnte. Ich merke nur, dass die meisten Publikationen, mehr auf die Art des Films bzw. die Technik des Filmemachens sich beziehen und nicht so sehr auf die Schauspieltechnik dahinter. Woher kamen die Schauspieler? Wie haben sie versucht die Emotionen darzustellen? Wie hat der Regisseur versucht sich auf den Weg zubringen, den er zeigen will? Das sind so Kernfragen, die mich beschäftigen.
Natürlich versuche ich das auch über die Biographien der Schauspieler herauszufinden, sofern genügend verhanden.
Zusammengefasst bin ich momentan einfach dankbar für jeden Lese-, Film- oder Dokumentaationstipp.



Dann könnten eventuell (?) die zwei folgenden Stummfilme von Interesse sein da dort nicht einmal Zwischentitel vorkommen und alles über die Darstellung / Gestik / Schauspiel dem Zuschauer erklärt werden muss. Beide sind auch auf DVD erhältlich.

- Der letzte Mann (1924) http://www.ofdb.de/film/23295,Der-Letzte-Mann (gibt sogar ein Ton-Remake, vllt. kann man da einen Vergleich ziehen? Kenne das Remake allerdings nicht)

- Schatten - Eine nächtliche Halluzination (1923) http://www.ofdb.de/film/10564,Schatten---eine-n%C3%A4chtliche-Halluzination



Ich denke, am Besten schauen Sie sich möglichst viele Filme an. Besorgen Sie sich

Jürgen Müller, Filme der 20er und das frühe Kino, Köln 2007 (Taschen)

(oder
Ilona Brennicke, Joe Hembus, Klassiker des deutschen Stummfilms 1910-1930, München 1983
und
Joe Franklin, Classics of the Silent Screen, New York 1959)

und sehen Sie sich die aufgeführten Filme an, sofern Ihnen das möglich ist. Danach werden Sie einen guten Eindruck von der Kunst des stummen Schauspiels gewonnen haben.

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"Ein patentes Mädel."
"Nicht wahr? Wenn sie nur nicht immer 'Mops' zu mir sagen würde!"


Dann bedanke ich mich vorerst einmal für diese Tipps.



Interessantes Thema...
Da es z.B. über "Method Acting" Bücher gibt wäre eins für den Bereich Stummfilm auch interessant - wo könnte man diese Schauspieltechnik ansiedeln?!
Gibt es Bücher über Schauspieltechniken betreff Theater? Da würde ich es z.T. ansiedeln, weil ja dann doch einige Darsteller von dieser Schiene kamen...
War nur so ein Spontanidee von mir - aber vielleicht wurde das im Forum irgendwo schon aufgegriffen...bin jetzt noch nicht alle Threads durchgegangen...
Bin in Bezug auf Stummfilm auch noch lange kein Meister wie einige hier, daher meine Anmerkungen nicht gleich auf die Goldwaage legen




In diese Richtung könnte das Buch von Jaqueline Payer über Asta Nielsen gehen:
Asta Nielsen: Differenzierung ihres Darstellungsstils im Stumm- und Tonfilm


"Heute ist die gute, alte Zeit von morgen." Karl Valentin



Ja, klar gibt es Bücher über Schauspieltechniken im Theater. Und da liegst du sicher ganz Richtig, dass es sich aus den Theatermethoden entwickelt hat. Aber ich glaube es war den Filmschaffenden sehr schnell klar, dass sie noch mehr Wert auf großere Mimik und Gestik legen müssen, um die Situationen ohne Text zu beschreiben. Erst mit der Erweiterung der Schnitttechnik und verschiedener Kameraeinstellungen wurde versucht das Spiel "naturalistischer" (um einen Theaterbegriff zu verwenden ) zu gestalten.
Die Frage die sich mir gerade noch stellt ist: Hat der Unterschied des Spiels im Stummfilm zu Heute, seine Gründe mehr im Entwicklungsstand der Filmtechnik oder mehr im Fehlen des Tons?
Danke für den Tipp mit Asta Nielsen, der ist sehr hilfreich.



GeorgeXI:
Ja, klar gibt es Bücher über Schauspieltechniken im Theater. Und da liegst du sicher ganz Richtig, dass es sich aus den Theatermethoden entwickelt hat. Aber ich glaube es war den Filmschaffenden sehr schnell klar, dass sie noch mehr Wert auf großere Mimik und Gestik legen müssen, um die Situationen ohne Text zu beschreiben. Erst mit der Erweiterung der Schnitttechnik und verschiedener Kameraeinstellungen wurde versucht das Spiel "naturalistischer" (um einen Theaterbegriff zu verwenden ) zu gestalten.
Die Frage die sich mir gerade noch stellt ist: Hat der Unterschied des Spiels im Stummfilm zu Heute, seine Gründe mehr im Entwicklungsstand der Filmtechnik oder mehr im Fehlen des Tons?
Danke für den Tipp mit Asta Nielsen, der ist sehr hilfreich.

Ich sehe das etwas anders. Die Filmschaffenden merkten doch mit der Zeit, daß die theatralische Spielweise dem Film nicht angemessen war, und versuchten daher, eine eigene "Filmschauspielsprache" zu finden. In manchen Ländern, besonders den skandinavischen, war man da schon in den 1910er Jahren weiter als in anderen.
Beispiele:
- Ein dänischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1913 (h**p://www.europafilmtreasures.de/PY/420/film-ansehen-dr_nicholson_und_der_blaue_diamant), ebenda in guter Flashqualität anschaubar.
- Det hemmelighedsfulde X (Bejamin Christensen 1914), Beschreibung und Bezugsmöglichkeit auf dieser Site unter "Stummfilme 1, Nr. 9"

Auch heute noch gibt es ähnliche Schauspielweisen wie im späten Stummfilm, in wortkargen Filmen wie denen von Kaurismäki oder auch in Götz Spielmanns "Revanche" aus dem jahr 2008 kann man sie bewundern.



Außerdem bin ich der Meinung das man selbst in einem Stummfilm auch ohne große Gesten alles an Gefühlen rüberbringen kann, so das es das Publikum auch versteht.

Die Art der Darstellung ist ja vielleicht auch Landesabhängig....ist ja im Tonfilm auch so - Asiaten spielen z.T. anders als z.B. Europäer (selbst hier gibt es große Unterschiede)...Vielleicht dann auch ein Kultur"ding"? Wie Andrew ja schon bemerkt


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