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Thema: Die Ideologie von Fritz Langs Nibelungen


So kommentiert TV Spielfilm die Ausstrahlung von "Siegfried" heute auf 3SAT:
"Düsteres, übermächtiges Monumentalepos. Die historische Filmkritik hatte Probleme mit der Ideologie des deutschen Heldenlieds. Sie bezeichnete das Epos als 'Vorwegnahme Goebbelscher Propaganda' (Siegfried Kracauer)." (TV Spielfilm 11/13, S. 56)
Kann es sein, dass Siegfried Kracauer da etwas sehr weit geht und von TV Spielfilm zu absolut gesetzt wird?


Zuletzt bearbeitet: 19.05.13 15:20 von Hutter


Kracauer hat sein Werk "From Hitler to Cagligari" 1947 unter dem Eindruck des noch sehr aktuellen Holocaust geschrieben.
Es ist ein Versuch zur Erklärung dieser ungeheuerlichen Verbrechen in einer modernen Zivilisation.
Inzwischen werden die Interpretationen Kracauers nicht (mehr) als der Weisheit letzter Schluss angesehen, sondern vielmehr vor dem Hintergrund seiner Entstehungen gesehen.
Trotzdem bleibt es ein Standardwerk zum deutschen Stummfilm, und die 3Sat Redaktion hat sich wohl nicht die Mühe gemacht, hier die aktuellen Bewertungen und Einschätzungen zu den Nibelungen zu berücksichtigen.

"Heute ist die gute, alte Zeit von morgen." Karl Valentin



Solche Einschätzungen haben sich auch unter Filmhistorikern gehalten. Noch in Kevin Brownlows "Cinema Europe"-Reihe werden "Die Nibelungen" als Vorwegnahme nationalsozialistischer Ästhetik gesehen.

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