Stummfilm-Forum von

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Thema: Der müde Tod


Laut diesemBericht in der Süddeutschen Zeitung ist Fritz Langs DER MÜDE TOD von 1921 das nächste Projekt der Murnau Stiftung !
Gute Wahl finde ich! Von diesem Meisterwerk gab es bisher nur eine amerikanische DVD mit engl. Zwischentiteln und einer recht alten Restaurierung.

"Heute ist die gute, alte Zeit von morgen." Karl Valentin



Großartige Sache das ist!
Danke für den Link.
Gruß
Debucourt



Und bitte, liebe Murnaustiftung, lasst Richard Siedhoff den Film begleiten. Und bitte macht eine Bluray daraus!
Das ist einer der schönsten Filme überhaupt. Bitte nicht verhunzen!

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"Ein patentes Mädel."
"Nicht wahr? Wenn sie nur nicht immer 'Mops' zu mir sagen würde!"


Juhu nun dürfen wir uns Hoffnung machen, dass wir ihn vielleicht bis 2020 in Händen halten werden



und was da noch so alles schlummert im archiv!
z.b. "wo ist coletti?" von max mack. eine komödie
und ein wunderbarer berlinfilm. 12 jahre vor "stadt der millionen" gedreht. ausstattung: hermann warm von der firma
baruch. da war er 23. weiss man das alles nicht bei der murnau stiftung?






Ja, den Richard Siedhoff würde ich auch für die Musik gewinnen wollen!

Ich hoffe auf eine vernünftige Restaurierung, die nicht ausschließlich nach der besten optischen Qualität geht! Ich möchte nicht, dass noch ein Fritz-Lang-Meisterwerk wie "KRIEMHILDS RACHE" verunstaltet wird ....

Ich bin gespannt, ob auch diesmal Rudolf Pfenningers um 1980 neu hergestelte "Original"-Titel verwendet werden, oder ob sich inzwischen alle ganz originalen gefunden haben ...

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"Du musst Caligari werden - -!"


Inzwischen gibt es detailliertere Informationen:

Die digitalisierte Fassung (2K Auflösung) ist 98 Min lang und wird am 12.02.2016 auf der Berlinale 2016 uraufgeführt!
Am 15.02.2016 erfolgt die Ausstrahlung bei arte!
Es wurde eine neue Filmmusik von Cornelius Schwehr komponiert und wird morgen vom Rundfunksinfonie Orchester Berlin unter Leitung von Frank Strobel eingespielt und auch bei der Premiere live aufgeführt.

http://www.berlinale.de/de/presse/pressemitteilungen/retrospektive/retro-presse-detail_29460.html

Hauptsponsor der Restaurierung ist die Bertelsmann-Stiftung: http://www.bertelsmann.de/news-und-media/specials/fritz-lang-der-muede-tod/



"Heute ist die gute, alte Zeit von morgen." Karl Valentin



Richard Siedhoff besitzt die Rollen, und er hat den Film kürzlich für Laufende Bilder e.V.auf dem Piano begleitet. Es war ein Erlebnis! Dass der Film nicht mehr lupenrein war, tat dem keinen Abbruch. Im Gegenteil, möchte ich sagen. Er gewann daduch an Charm.




AndiK:
Inzwischen gibt es detailliertere Informationen:

Die digitalisierte Fassung (2K Auflösung) ist 98 Min lang und wird am 12.02.2016 auf der Berlinale 2016 uraufgeführt!
Am 15.02.2016 erfolgt die Ausstrahlung bei arte!
Es wurde eine neue Filmmusik von Cornelius Schwehr komponiert und wird morgen vom Rundfunksinfonie Orchester Berlin unter Leitung von Frank Strobel eingespielt und auch bei der Premiere live aufgeführt.

http://www.berlinale.de/de/presse/pressemitteilungen/retrospektive/retro-presse-detail_29460.html

Hauptsponsor der Restaurierung ist die Bertelsmann-Stiftung: http://www.bertelsmann.de/news-und-media/specials/fritz-lang-der-muede-tod/



Das sind großartige Neuigkeiten!

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"Nicht wahr? Wenn sie nur nicht immer 'Mops' zu mir sagen würde!"


Neu Informationen zur Restaurierung:

hier

"Heute ist die gute, alte Zeit von morgen." Karl Valentin


Zuletzt bearbeitet: 23.01.16 11:54 von AndiK


Da komm ich nun aus der Premiere des MÜDEN TODes heraus, stand lange in der Schlange der Abendkasse um doch noch eine Karte zu ergattern. Es glückte! Aber leider blieb es bei der Vorfreude. Ich bin ernüchert:

Zunächst ist es natürlich sehr erfreulich, dass der Film nun für jedermann mit den wunderschönen (von Pfenninger) rekonstruierten deutschen Titeln zu sehen ist, was bisher nur bei 35mm-Projektionen im Kino möglich war.

Jedoch:
Das Ausgangsmaterial des MoMA ist um kein Mü besser, als das, was die ältere Restaurierung bot. Auch sind keine der (wohl historischen) Schnittfehler berichtigt. Der "Franke" beispielsweise flüchtet zweimal duch die selbe Säulenhalle, gefolgt von einem Bildsprung auf die Verfolger. Offenbar handelt es sich beim Ausgangsmaterial, gemessen an den für Fritz Lang oft sehr sehr schlechten Anschlüssen der Einstelllung, (wie schon bei den älteren Fassungen) sicher nicht um Kopien vom A-Negativ. Allein einige Filmtricks sehen aus, wie vom G-Negativ ... sind möglicherweise nur ein Schatten dessen, was man 1921 in Deutschland zu sehen bekam. Dafür kann natürlich die Restaurierung nichts, besseres Material ist wohl nicht aufzufinden.

Erfreulich sind natürlich die Farben, aber sie escheinen recht willkürlich und geben dem Film kaum die angekündigte Struktur. Dafür haben wir jetzt in Szenen wie dem intreffen des Paares in der Stadt, dem Hausbrand oder dem nächtlich Kräuter sammelnden Apotheker einen sinnvollen Farbcode, der die Tageszeiten kennzeichnet und die Monatge dieser Szenen bestätigt. An diesen Stellen ist es natürlich jetzt wunderbar mit der Virage. Mir ist jedoch zu Ohren gekommen, dass laut einem Zeitzeugen jede Episode eine eigene Grundfabre hatte und die Rahmenhandlung nochmal eine andere, der Film also viel subtiler und nicht ganz kovntionell eingefärb werde - Fritz Lang war ja bekanntlich auch kein Freund der Virage. Genaueres über den Lang'schen Farbcode weiß man natürlich nicht, insofern ist die Farbrekonstruktion durchaus tragbar, wenn auch nicht in alln Punkten zufriedenstellend. Auf jeden Fall besser, als Farblos.

Erfreulich sind auch die (ich schätze) 5 oder 6 hinzugekommenen Titel. 3 Stabangaben vor den drei Episoden und ein Paar Verse.

Großes Manko scheint mir die Musik, die zwar nach den Tiefschlägen CALIGARI / VARIETÉ ein großer Schritt in die richtige Richtung ist, an der sich aber sicher die Geister scheiden werden. Ich urteile folgendermaßen:

Die Komposition wird dem Film nicht gerecht, macht ihn zuweilen TODlangweilig und ist sehr erMÜDEnd. Das ist sehr schade, den kaum ein Stummfilm bietet soviele musikalische Möglichkeiten, die hier allerdings fast nie genutzt werden. Kaum Akzente, eigenartige Szenenübergreifende Bögen, seltsam distanzierte Ausdeutung der Bilder. Sehr tonal, fängt sie den Volksliedhaften Duktus des Films ein, was sehr schön ist (Das wars aber auch schon), aber in den exotischen Episoden stört. Die Reise, auf die Film den Zuschauer mitnehmen möchte, kommt nicht in Gang, sie endet zwischen choralartigen, einfachen barock-verflochtenen Floskeln und immer wieder unmotivierten, dafür dezenten Schlagwerkeinsätzen. Kompositorisch ein recht belangloses Werk - ich habe lange nicht mehr so viele gelangweilte Musiker auf der Konzertbühe gesehen. Der Versuch, eine musikalische Brücke von 1921 nach 2016 zu schlagen scheint misslungen. Der Komponist Cornelius Schwehr, so las ich irgendwo, wollte bewusst Distanz wahren und nicht vertonen, was man ohnehin schon sieht. Und genau da liegt das Problem: Die Musik fügt sich nicht den Bildern, sie dient dem Film nicht, verschleiert ihn, beraubt ihn seiner Wirkung. Über viele Passagen hatte ich gar das Gefühl, der Komponist wusste nicht, was er mit den Szenen machen sollte. Ein Scheibchen von den wunderbaren Komponisten Huppertz, Meisel, Zeller, Hindemith, Schostakowitsch, Künnecke, oder auch Carl Davis hätte man sich ruhig abschneiden können. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden, denn jetzt holperts gewaltig ... Der Applaus hielt jedenfalls sich in grenzen. Wo man bei Strobel & Orchester Standing Ovations und minutenlanges Applaudieren gewohnt ist (zu recht!) blieb diesmal nicht viel übrig. Der Komponist durfte sich nochmal ausgiebig verbeugen (in den Arm schloss den armen auch niemand), aber ein zweites Mal brauchte niemand auf die Bühne kommen. Schade.

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"Du musst Caligari werden - -!"

Zuletzt bearbeitet: 13.02.16 23:40 von Titorelli


Ich ergänze:

Natürlich ist die Restaurierung von DER MÜDE TOD das vorläufige Nonplusultra. Da offensichtlich kein besseres Material existiert, kann man auch von einer digitalen Restaurerung nicht mehr verlangen. Eher im Gegenteil: die digitale Bearbeitung hält sich brav zurück und belässt das Material mit all seinen schrammen und Bildstandsfehlern so, wie es ist.

Noch ein Punkt zur Musik fiel mir ein: Der Film existiert ja offensichtlich nur als "schlechte" Exportversion. Das heißt, dass er für sich stehend nicht so gut funktioniert, wie eine tadellose Kopie vom A-Negativ. Und da wäre es gut gewesen, wenn die Musik eingegriffen hätte - um eben an jenen Stellen den Film aufzufangen, wo schlechte Schnitte und fehlerhafte Tricks dessen Ansehen bröckeln lassen - was sie leider durch ihre gewollte Distanz versäumt.

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"Du musst Caligari werden - -!"

Zuletzt bearbeitet: 15.02.16 17:09 von Titorelli


Beim direkten Vergleich fiel mir auf, das die neue Fassung keine lästigen, einkopierten Bildstriche mehr hat. Erfreulich!

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"Du musst Caligari werden - -!"


Danke für den ausführlichen Bericht. Hatte nach der Fernsehübertragung dasselbe Gefühl wie Du.
Ich hatte auch keine HD Bildübertragung, sodass der Bildqualitätsunterschied zur vorherigen Fassung minimal war.
Die alte Image Entertainment DVD Fassung war im Gegensatz zur bekannten deutschen Artefassung bereits vollständig viragiert und meiner Erinnerung nach hauptsächlich mit denselben Farben. Frau Wilkening hatte wohl mangels sonstiger "guten Nachrichten" keine wirklichen Argumente.
Schade dass das Filmmaterial nicht mehr hergibt. Vielleicht gibt's ja eine A-Fassung in irgendeinen russischen Archiv, ansonsten müssen wir uns damit abfinden. Eureka MOC wird's vermutlich als Blu ray veröffentlichen, nachdem KINO USA bereits die USA Auswertungsrechte bekanntgab. Die wird gekauft.
Übrigens war meinen Informationen nach wirklich hauptsächlich die katastrophalen Verkaufszahlen von Variete für die reine DVD VÖ in Deutschland verantwortlich. Weiters hat die Murnaustiftung wenig Interesse an weiteren Blu ray Auswertungen (Weber, Grieshuus, etc...), so dass man wie gewohnt gezwungen ist auf ausländische Veröffentlichungen auszuweichen.

P.S.: Musik besser als Variete, Caligari gefiel mir nicht so schlecht, dennoch faaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaad.
Der schwache Applaus wird auch mit der Erwartungshaltung zu tun haben. Nach den veröffentlichten Clips und den Medienberichten hatte man kein Metropoliswunder erwartet, dennoch eine großartige Restaurierung. Die ist zwar gut und zufriedenstellend, der Aha Effekt blieb aber aus.

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"Einen schönen Hals hat Eure Frau..."

Zuletzt bearbeitet: 17.02.16 11:14 von Nosferatu


Hab' die TV-Ausstrahlung noch nicht gesehen, aber schon mal danke für die Einschätzungen.

Nosferatu:

Übrigens war meinen Informationen nach wirklich hauptsächlich die katastrophalen Verkaufszahlen von Variete für die reine DVD VÖ in Deutschland verantwortlich.


Na super. Da verhunzen sie "Varieté" wie keinen anderen Stummfilm zuvor und wundern sich dann, daß sich das herumspricht und kein Mensch diese Veröffentlichung in der derzeitigen Form kaufen will. Und daraus leiten sie dann ab, daß allgemein kein Interesse an diesen Veröffentlichungen besteht und bringen den Lang nur als DVD heraus... Wenn man Fritz Lang nicht auf Blu verkaufen kann, was denn dann?

Nun gut, Masters of Cinema werden's wohl richten.

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