Stummfilm-Forum von

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Thema: Off Topic


Mir hat heute der Professor einer Filmschule erzählt, daß er seiner Klasse LAS HURDES von Bunuel gezeigt hat, wie er es jedes Jahr tut. Dieser Film wird von den Studenten immer wieder recht kontrovers, manchmal sogar gereizt aufgenommen; man weiß ja heute, daß Bunuel sein Material tüchtig manipuliert und auf Schockmomente getrimmt hat, um einen stärkeren Propagandaeffekt zu erzielen. Die Einwohner der Region sind ihm zum Teil heute noch böse, weil er ihre Heimat als eine Art Bosch-Hölle voller Degenerierter und Inzestgeschädigter gezeigt hat. Ich hatte immer den Eindruck, daß sein Film eher die pessimistische, semi-surrealistische Vision einer heillosen Welt ist, die trotz der im Nachspann erklärten Absichten kein Sozialismus oder Progressismus jemals retten könnte.

Jedenfalls, dieses Jahr haben die Studenten reagiert, wie noch nie zuvor: sie haben den ganzen Film über hysterisch gelacht. Eine Gruppe hat alle anderen angesteckt, und dann ging es los. Es fing an mit der Szene, in der den Hähnen die Köpfe abgerissen werden, und von "unterdrückten sexuellen Komplexen" die Rede ist, die sich hier austoben würden. Von da an wurde jeder weitere Schocker wie ein Monty-Python-Gag gewertet. Alles Soziopathen ohne Empathie für die im Film gezeigten Leiden? Oder Doofies ohne Gespür und Respekt für die Klassiker? Ich dachte mir: vielleicht lagen sie gar nicht so falsch. Vieles, was man in den Dreißigern und später als Schlüssel für die Weltgeheimnisse so ernst genommen hat, wie eben die Psychoanalyse, wirkt heute mitunter wirklich etwas komisch und wie eine Parodie seiner selbst.

Und dann hätte Bunuel so eine Reaktion vielleicht sogar auch noch gefallen. Die Surrealisten liebten schwarzen Humor über alles. Vielleicht haben die respektlosen Studenten ja recht gehabt, und LAS HURDES ist genauso ein blutiger Witz wie UN CHIEN ANDALOU und L'AGE D'OR (letzterer ist ja eine einzige große Kabarettnummer)... jedenfalls, so habe ich den Film, den ich sehr mag, noch nie betrachtet, ich finde das beinah verblüffend. Das ist das Zeichen der guten Filme, daß sie sich einem immer wieder neu zeigen können...

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Zuletzt bearbeitet: 06.12.10 17:22 von Einar_The_Lonely


Sehr hübsch: JEAN-LUC GODARD im Interview mit ALEX KLUGE, unter anderem über seine Liebe zur deutschen Romantik und zum deutschen Stummfilm (v.a. MURNAU):
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/kultur/321493/321494.php

Schön auch das hier:

Und so, wie wir das Kino heute in der Cinemathek entdecken, haben wir damals, als wir es entdeckt haben, keinerlei Unterschied gemacht zwischen frühem und späterem Film. Wir haben einen Film von Friedrich Wilhelm Murnau oder Delmer Daves angesehen und sind auf die Straße gegangen. Und wir haben keinen Unterschied gesehen zwischen den Filmen und dem, was wir da auf der Straße sahen. Heute wird ein Jugendlicher, der ins Kino geht, auf der Straße nicht das wiederfinden, was er im Kino sieht. Wir haben Murnaus "Tartüff" aus dem Jahr 1925 gesehen: Als Franzose kannten wir den zugrunde liegenden Text von Molière, und wir haben einen deutschen Stummfilm gesehen - es gab keinen Unterschied für uns zwischen einem Stummfilm oder einem Tonfilm. Das ist eine technische Differenz, kein wirklicher Unterschied. Ich bin 1930 geboren, und vor einiger Zeit hatte ich festgestellt, dass meine Mutter vor meiner Geburt nur Stummfilme gesehen haben kann!


Als Bonus ein paar quasi-dadaistische Momente, wie man sie von einem Godard-Kluge-Crossover erwarten kann...


AK:Hätten Sie sich vorstellen können, dass man 1989 statt des Anschlusses Frankreich und die DDR vereinigt?

JLG: Warum nicht?




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Zuletzt bearbeitet: 08.12.10 08:48 von Einar_The_Lonely


Falsches Forum


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"Einen schönen Hals hat Eure Frau..."

Zuletzt bearbeitet: 10.12.10 12:26 von Nosferatu


RIP, Liz Taylor!

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Werte Forumsmitglieder,
in meinem neuen Blog habe ich soeben eine Umfrage gestartet. Es geht im Blog wie in der Umfrage um Trickfilme (aller Art: historische, moderne, prämierte, unbekannte, usw.); vielleicht teilt der eine oder andere unter Euch meine Trickfilmbegeisterung und hat Lust, sich an der Wahl zum Trickfilm der Woche zu beteiligen.
Für den Fall: Hier ist der Link. Der Rest erklärt sich auf der Seite...
Danke im Voraus fürs 'Reingucken.

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RIP SIDNEY LUMET!

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So, die Trickfilmwahl in meinem Blog ist vorbei. Hier finden Interessierte das Resultat. Ich bedanke mich herzlich fürs Mitmachen - und erkläre die nächste Wahlrunde für eröffnet: Hier geht's zur dritten Wahl Trickfilm der Woche auf meinem Blog.



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Liebe Forumsmitglieder,
auf meinem Trickfilmblog wird diese Woche der "Trickfilm des Monats April" gewählt - jedermann kan mitwählen.
Ermittelt wird der "Trickfilm des Monats" aus den zuvor gewählten "Trickfilmen der Woche".
Damit die Wahl eine gewisse Aussagekraft erhält, brauchen wir möglichst viele Wähler. Also bitte: Die Wahl ist eröffnet, wer Lust hat, sei herzlich zur Teilnahme eingeladen.
Hier ist der Link.
Herzlichen Dank im Voraus,
Michael

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Zuletzt bearbeitet: 28.04.11 18:16 von Charley_Chase


Liebe Stummfilmfreunde,
hier wieder mal Werbung in eigener Sache:
An sofort ist auf meinem Trickfilmblog die sechste Wahl zum Trickfilm der Woche eröffnet: Diesmal mit dabei: Die erste Silly Symphony von Disney, Road Runner und Wile E. Coyote, Tex Averys Verrücktheiten, der kanadische Avantgardetrickfilmer Norman McLaren und zwei interessante, unabhängig produzierte Trickfilme.
Viel Spass beim Ansehen und Wählen!
Hier ist der Link.

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Charley_Chase:
Liebe Stummfilmfreunde,
hier wieder mal Werbung in eigener Sache:
An sofort ist auf meinem Trickfilmblog die sechste Wahl zum Trickfilm der Woche eröffnet
So, die sechste Trickfilmwahl ist abgeschlossen - herzlichen Dank für Eure Stimmabgaben. Hier ist das Ergebnis.
Bereits gestartet ist die siebte Umfrage - hier der Link.
Viel Spass beim Ansehen und wählen.

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RIP, Loriot!

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RIP, KEN RUSSELL!

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Es gibt ja mittlerweile zahllose Veröffentlichungen von All Quiet on the Western Front. Und jedesmal gibts Kritik, weil in den achtziger Jahren eine Fassung im ZDF gelaufen ist, die einige Minuten länger war.
Allerdings scheint die Kritik fast ausschließlich in Deutschland aufzukommen.
Kann es sein, dass die ZDF-Fassung außerhalb von Deutschland gar nicht bekannt ist?



Hutter:
Es gibt ja mittlerweile zahllose Veröffentlichungen von All Quiet on the Western Front. Und jedesmal gibts Kritik, weil in den achtziger Jahren eine Fassung im ZDF gelaufen ist, die einige Minuten länger war.
Allerdings scheint die Kritik fast ausschließlich in Deutschland aufzukommen.
Kann es sein, dass die ZDF-Fassung außerhalb von Deutschland gar nicht bekannt ist?


Ich hatte mal eine Fernseh-Aufnahme von dem Film gehabt, etwa 1988 aufgezeichnet. Die lief 135 Minuten. Leider habe ich sie überspielt, als ich mir die originale Kauf-VHS zugelegt hatte; darüber ärgere ich mich heute doch etwas.

Die ZDF-Fassung war ja eine Rekonstruktion vom ZDF selbst gewesen (1984 aufgeführt); Universal hatte nichts direkt damit zu tun. Die hatten 1995 ihre eigene Restaurierung vorgenommen, und das ist die Fassung, die man auf DVD/Bluray erwerben kann.

Allerdings soll die Kauf-VHS die ZDF-Fassung beinhalten:

http://www.ofdb.de/view.php?page=fassung&fid=1225&vid=3245

Kann ich nicht mehr nachprüfen - die Kauf-VHS habe ich auch nicht mehr...

Nachtrag:
Ich habe noch das Booklet der VHS behalten; da steht drin:

Restaurierung: ZDF, 1984
Länge der restaurierten Fassung: 135 Minuten (bei 25 B/sek)


Challenger


Zuletzt bearbeitet: 23.01.13 13:12 von Challenger


Challenger:
Nachtrag:
Ich habe noch das Booklet der VHS behalten; da steht drin:
Restaurierung: ZDF, 1984
Länge der restaurierten Fassung: 135 Minuten (bei 25 B/sek)

Challenger


Um ein bißchen Licht ins Dunkle zu bringen.

Die Original US Fassung hatte vor der Uraufführung eine Länge von 138 min.
Wenn man den damaligen Berichten glauben kann, war die Uraufführunsfassung zwischen 130 (jetzige DVD-Blu-Ray Fassung) und 140 min. lang.

Die auf Blu ray veröffentlichte Fassung ist die einzige authentischte Fassung welche der Originalfassung wohl am nächsten kommt. Sie wurde u.a. auch vom wiederaufgegundenen Originalnegativ rekontruiert.

Die deutsche Urfassung hatte vermutlich wirklich 135 Minuten, musste aber wegen der Zensur noch vor der dt. Premiere auf 85 min gekürzt werden und wurde kurz darauf verboten.

1934 wurde die amerikanische Fassung gekürzt. Es existierten für den nicht US Markt auch unterschiedliche Negative, welche US Outtakes, ander Schnitte, einstellungen etc.. beinhalteten. Fast alle europäische Fassungen basierten auf die von den deutschen zensoren freigegebenen 85 min Fassung. Die englische Fassung dauerte 145 min, weil ausführliche Dokumentarfilmteile zum ersten weltkrieg hineingeschnitten wurden.

1952 wurde eine deutsche Rekonstuktion (120 min) aufgeführt.

Die 1984 ZDF Rekonstruktion wurde ausschließlich nach Drehbuch mit sekundären Quellen, welche in ganz Europa verstreut waren rekonstruiert. 131 min. Diese Version wurde
1995 um vier Minuetn erweitert und müßte die VHS Fassung sein. Sie entsprcht wahrscheinlich zu 99 % der deutschen Vorzensur Fassung.

Die ZDF/WDR fassung ist somit etwas länger aber sicher weiter entfernt am original als die Libary of Congress Fassung, welche auf dem originalnegativ und Originalschnitt beruht.

P.S.: Die ZDF/WDR Fassung ist aufgrund der "Fleckerlteppich-Methode" bildtechnisch weit hinter der "Originalfassung".

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"Einen schönen Hals hat Eure Frau..."

Zuletzt bearbeitet: 25.01.13 14:02 von Nosferatu
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