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Thema: Gedichte |
Pfingsten
Pfingsten Lasst das Lärmen,
lasst die laute Stadt!
Wandert in die Weite,
trinkt euch augensatt!
Sehr die Knospen schwellen
heimlich Blatt für Blatt,
leuchtend wie ein Lächeln,
das noch Glauben hat.
Pfingsten! Lasst die Seele
tiefen Atem tun,
dass er ihr nicht fehle,
in sich selbat zu ruhn.
(Hermann Claudius)
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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lg nobby
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Schafschlafgedicht
Mein kleines Schaf,
es blökt im Schlaf.
Was schlimmer ist:
es stinkt nach Mist.
Das Blöken konnt’ ich ihm abgewöhnen,
jetzt pflegt es im Schlaf nur noch leise zu stöhnen,
doch der strenge Geruch
trotzte jedem Versuch.
Ich wusch es mit Rei, Persil und Perwoll,
nun hat es vom Baden die Nase voll.
Wenn ich in der Wanne das Wasser aufschäume,
ist mein Schaf schon längst über sämtliche Zäune.
Es ist, wie es ist,
ich sehe es ein:
meine Schaf bleibt auch
in Zukunft ein Schwein.
Renate Eggert-Schwarten
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
Zuletzt bearbeitet: 05.06.12 09:36 von Kuckuck
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Die Jahreszeiten
Ob Sommer oder Winter sei,
Das gilt mir wahrlich einerlei:
Wen wahre Lieb' erfreuet,
Der schwitzt, wenn's draußen schneiet.
Der Zeiten Wechsel bietet zwar
Mir einzeln manch' Vergnügen dar,
Doch wisset, bei Belinden
Kann ich vereint sie finden.
Im Lenze blühen Rosen nur
Und Lilien auf unsrer Flur,
Durch's ganze Jahr doch prangen
Sie auf Belindens Wangen.
Im Sommer dringt der Sonne Schein
Nur wärmend auf den Menschen ein;
Doch in Belindens Armen
Fühl' ich mich stets erwarmen.
Im Herbste ist des Landmanns Preis
Die süße Frucht für Müh' und Fleiß:
Doch süß're winkt zur Stunde
Mir auf Belindens Munde.
Im Winter, Wählerinn Natur,
Umhüllst mit weißem Schnee die Flur;
Doch weißer noch ist jener
Auf Liebchens Brust, und schöner.
D'rum, wahrlich, mir gilt's einerlei,
Ob Winter oder Sommer sei:
Wen wahre Lieb' erfreuet,
Der schwitzt, wenn's draußen schneiet.
Ignaz Franz Castelli
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Das traurige Röslein
Ein Röslein war gar nicht munter,
weil es im Topfe stand,
Sah immer traurig hinunter
Auf die Blumen im freien Land.
Die Blumen nicken und winken.
Wie ist es im Freien so schön,
Zu tanzen und Tau zu trinken
Bei lustigem Windeswehn.
Von bunten Schmetterlingen
Umgaukelt, geschmeichelt, geküsst;
Dazwischen der Vöglein Singen
Anmutig zu hören ist.
Wir preisen dich und loben
Dich, fröhliche Sommerzeit;
Ach, Röslein am Fenster droben,
Du tust uns auch gar zu leid.
Da ist ins Land gekommen
Der Winter mit seiner Not.
In Schnee und Frost verklommen,
Die Blumen sind alle tot.
Ein Mägdlein hört es stürmen,
Macht fest das Fenster zu.
Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,
Du liebes Röslein du.
Wilhelm Busch
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Sprachverfremdung
Wer unbedacht ein Fremdwort wählt
und deutsches Wort für ihn nicht zählt,
wer happy sagt und glücklich meint
und sunshine, wenn die Sonne scheint,
wer hot gebraucht, anstelle heiß,
know how benutzt, wenn er was weiß,
wer sich mit sorry kühl verneigt
und Shows abzieht, wenn er was zeigt,
wer shopping geht statt einzukaufen
und jogging sagt zum Dauerlaufen,
der bleibt zwar fit, doch merkt zu spät,
dass er kein Wort mehr deutsch versteht.
Friedrich K. Weibel
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Übergewicht
by Jim Knopf
Ich sitz vor meinem Laptop rum
und hab doch Langeweile,
drum schau ich mich im Raume um
und dös dann noch ne Weile
Ich schau herum und seh den Schrank,
hier bleibt mein Bick nun hängen.
Es ist ein Fach da in dem Schrank
in das könnt ich mich zwängen.
Es birgt die Sachen die mir schmecken,
und in mir den Gedanken wecken,
mal aufzustehn und mich zu recken,
um meinen Arm ins Fach zu strecken.
Was soll ich tun ich bin zu dick,
iss mir egal, nun macht es klick
und schnell sind die Gedanken weg,
zum Naschen ist der Sachen Zweck!
danach tut es mir wirklich leid
und ich sitz nun das Sofa breit.
Ich bin zu dick, was soll ich machen,
mich locken nun mal diese Sachen.
Doch morgen will ich wirklich fasten,
mach Sport und will erst garnicht rasten.
Ob ich das schaff kann ich nicht sagen,
denn mein Programm bestimmt der Magen.
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Cuxhaven
Leute, seid ihr alle krank,
schiebt’s nicht auf die lange Bank.
Macht euch auf die Socken,
in Cuxhaven locken:
Hafenrundfahrt, Jod und Fisch,
alles frisch auf deinem Tisch.
Der Kurpark lockt zum Spazierengehn.
Du kannst da Tiere und Schiffe sehn.
Bist du auf Neuwerk gestrandet,
eine Nacht im Heu gelandet,
hast du dann bald ausgeschlafen,
fährst du wieder nach Cuxhaven.
Da wartet schon die Cuxi-Bahn,
bringt dich ins schöne Restaurant.
Große Auswahl hast du hier,
dazu gibt es ein kühles Bier.
Fröhlich, frisch und heiter
geht’s im Ahoi-Bad weiter.
Wenn wir dann zum Shoppen gehen,
Schloss Ritzebüttel wir auch sehn.
Die Kugelbake grüßt rechter Hand
die Heimkehrer vom schönen Helgoland.
Hotels und Pensionen laden ein
zur Nacht und einem guten Wein.
Alles in allem gestgestellt:
Cuxhaven ist das Tor zur Welt.
© M.B.
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Der Einsame
Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergisst man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Lässt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut.
Wilhelm Busch
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Der volle Sack
Ein dicker Sack - den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn mal hingestellt
Dicht an ein reifes Ährenfeld, -
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt ′ne Rede an zu halten.
Ich, sprach er, bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin′s, der Euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin′s, der hoch vonnöten ist,
Dass Euch das Federvieh nicht frisst,
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt Euch tief, denn ich bin Der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?
Sanft rauschen die Ähren:
Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären.
Wilhelm Busch
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Der Fluss des Lebens
oder: Das Leben ist wie ein Fluss
Er entspringt aus der Quelle,
fließt klein und schnell
wird breiter und fließt langsamer
aus dem nichts tauchen Hindernisse auf.
Steine, Wurzeln, Holz und auch Unrat versperren seinen Fluss.
Jedoch, er lässt sich nicht aufhalten,
sucht sich seinen Weg.
Stromschnellen reißen ihn aus seiner Ruhe,
doch er gibt nicht auf.
Er fließt weiter und gleitet etwas später wieder ruhig dahin.
Plötzlich senkt sich das Tal,
der Fluss stürzt hinab mit viel Getöse:
Unten herrscht große Unruhe
und er wird durchgewirbelt,
doch auch dieses geht vorüber.
Dann fließt er wieder langsam und ruhig in seinem Bett.
Bis er an das nächste Hindernis kommt,
dies genauso überwindet wie die vorherigen,
nur mit einem kleinen Unterschied,
denn danach ist nichts mehr so wie es war.
Vieles hat sich verändert und Neues beginnt.
So fließt er bei Tag und bei Nacht,
findet seinen Weg am Ende in dem großen See.
Einigen jedoch fehlt die Kraft dazu, und sie
verlieren sich vorher im Sand
und entspringen an anderer Stelle als neue Quelle.
© Christine Rüdinger
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Morgenstund hat Gold im Mund
Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich ”Euer Gnaden.“
Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.
Joachim Ringelnatz (1883-1934)
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Gemeinsam
Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam
besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden
Vergesset nicht
es ist unsere
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte
die uns aufblühen lässt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen
Rose Ausländer (1901-1988)
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Sechs Wörtchen nehmen mich in Anspruch jeden Tag:
Ich soll, ich muss, ich kann, ich will, ich darf, ich mag.
Ich soll, ist das Gesetz, von Gott ins Herz geschrieben,
das Ziel, nach welchem ich bin von mir selbst getrieben.
Ich muss, das ist die Schrank’, in welcher mich die Welt von einer,
die Natur von andrer Seite hält.
Ich kann, das ist das Maß der mir verliehnen Kraft,
der Tat, der Fertigkeit, der Kunst und Wissenschaft.
Ich will, die höchste Kron ist dieses, die mich schmückt,
der Freiheit Siegel, das mein Geist sich aufgedrückt.
Ich darf, das ist zugleich die Inschrift bei dem Siegel,
beim aufgetanen Tor der Freiheit auch ein Riegel.
Ich mag, das endlich ist, was zwischen allem schwimmt,
ein Unbestimmtes, das der Augenblick bestimmt.
Ich soll, ich muss, ich kann, ich will, ich darf, ich mag,
die sechse nehmen mich in Anspruch jeden Tag.
Nur wenn du stets mich lehrst, weiß ich, was jeden Tag
Ich soll, ich muss, ich kann, ich will, ich darf, ich mag.
Friedrich Rückert
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Freundschaft
Freunde sind mir die, mit denen ich
Essen und trinken und reden kann.
Die mich in meiner Küche kennen,
Und denen ich sage: Komm, setz dich ran.
(Keine Probleme und Komplikationen:
Wie füttert man den? Ist der Schnaps gut genug?)
Mit denen gemeinsam ich in den Jahren
Meine und ihre Lasten abtrug:
Krankheit der Kinder und Weltüberdruss.
Mit denen ich die Nächte zerrede.
Und doch kommt es niemals zu einem Schluss.
Das kann auch über Fernen bestehen.
Auch wenn man sich lange Zeit nicht sieht:
Halten wir nur aneinander fest,
Was immer sonst auch mit uns geschieht.
Freundschaften sind wie Abenteuer,
An die man sein ganzes Leben setzt.
Versagt man oder wird man verraten,
Hat man sich mehr als die Haut verletzt.
Eva Strittmatter
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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