| Autor |
Thema: Bedrohte-Wörter. |
Hallo, 
heute bin ich auf ein interessantes Thema gestoßen. Die meisten User (vor allem die weiblichen) hier sind ja erst neunundzwanzig und das ist gut so.
Für diese Leute ist das Thema (aufgrund ihres Alters) wohl nicht so wirklich prickelnd. 
Mich interessiert dieses Thema schon. Selbst ich, (schon im fortgeschrittenen Alter) kannte zum Beispiel dieses Wort "bahnfest" nicht mehr. Das hatte auch nichts mit feiern zu tun. Der Begriff "bahnfest" bedeutete, dass ein Produkt für den Bahnbetrieb getestet/geprüft/für geeignet befunden wurde, also "bahnfest" war. Interessant in diesem Zusammenhang dürfte das Lexikon der bedrohten Wörter sein. Das Wort „Hupfdohle“ kannte ich auch nicht. Die meisten Wörter in diesem Lexikon sind mir aber noch geläufig und es wundert mich, dass sie sich schon auf dieser Liste befinden.
Man wird wohl doch älter.
http://www.bedrohte-woerter.de/
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende. Lasst es euch gut gehen.
LG, woelfi! 
___________________
Spukste nach Lee - hubbts in die See. Spukste nach Luv - kommts wedder ruff
http://www.woelfis-seite.de
|
|
Ich weiß nicht, hat das was mit "älter werden" zu tun?
So einige Worte wie auch z.B. `Ober´ haben meiner Meinung auch nichts auf dieser Liste zu suchen.
Wiederum andere von dieser Liste, kannte ich bislang gar nicht - entweder Dialekt abhängig oder weil sie wohl wirklich schon sehr alt sein müssen!
|
|
Ich denke, man kann und sollte die hier zitierte Liste nicht wirklich ernstnehmen - da geht es doch bei vielen aufgeführten Begriffen mehr um Spass und "sich lustig machen"
Unbestritten gibt es aber im Deutschen Wortschatz durchaus Worte und Begriffe, die kaum noch jemand kennt und die deshalb in Vergessenheit geraten. Als ich neulich in einem Brief an eine Behörde den Begriff "zum Behufe" verwendet habe, erntete ich damit nur Unverständlich, da der (sehr junge) Sachbearbeiter überhaupt nicht wusste, was ich damit ausdrücken wollte.
----- -----
Ich bitte darum, meinen Nutzernamen nicht durch Abkürzen
oder sonstige mutwillige Veränderungen zu verunstalten. Danke.
|
|
den Begriff "zum Behufe"
Also ich kenn das auch nicht 
|
|
Krabbe, das liegt am Alter. Mit 29 kannst Du das nicht mehr kennen. Aber ich kenne es (und benutze es manchmal)noch.
|
|
Echt? Dann klär doch "die Jugend" mal auf - ich habe nämlich auch keine Ahnung!
|
|
Vereinfacht gesagt, kann man "zum Behufe" (fast) gleichsetzen mit "mit dem Zweck"
|
|
Vielen Dank für`s erklären!
Ehrlich gesagt, ich käme nie auf die Idee `zum Behufe´ zu sagen, wenn ich eigentlich `mit dem Zweck´ sagen will!
|
|
Weisst Du, ich stamme aus einer Zeit, in der mein Vater seine Eltern noch mit "Sie" und "Herr Vater" und "Frau Mutter" angesprochen hat. Da hat man eben auch noch den Gebrauch solcher alten Begriffe wie "zum Behufe" gelernt.
Es ist in heutiger Zeit einfach niemandem vorzuwerfen, wenn solche Ausdrücke nicht mehr bekannt sind. Das grösste Problem beim Einsatz solcher Worte ist nämlich deren Gebrauch im falschen grammatikalischen Konstrukt. Und im Bereich Grammatik sehe ich aktuell in der deutschen Sprache leider ein viel grösseres Defizit als im (Nicht-)Gebrauch alter, feststehender Begriffe.
|
|
Ich glaube, ich bin dann auch alt. Ich kenne die meisten der Begriffe
|
|
Mir ist das Adjektiv »bahnfest« nicht bekannt. Ich habe einmal im Korpusarchiv des Instituts für deutsche Sprache nachgeschaut; dort ist es nicht belegt. In diesem Korpusarchiv sind etwa 5 Milliarden Wortformen gespeichert. Natürlich ist es auch nicht in den bedeutenden Wörterbüchern belegt. Es ist immer sinnvoll, dass der Nachprüfung wegen ein authentischer Quellenbezug gegeben ist. In einem anderen Forum habe ich Folgendes gefunden:
»Anlässlich der vergangenen Ereignisse bei der Eisenbahn ist mir der Begriff ›bahnfest‹ wieder eingefallen. Das bedeutete, daß ein Produkt für den Bahnbetrieb getestet/geprüft/für geeignet befunden wurde, also ›bahnfest‹ war. Und vorher lief da Garnichts ! Googlen lässt sich der Begriff nicht, er gehört wohl in den Begriffsbereich Wählscheibe‹. Wann und warum ist dieser Qualitäts-Begriff eigentlich aussortiert worden? Zumal der Anspruch auf ›Bahnfestigkeit‹ von der Bahn selbst nicht mehr erhoben wird/werden kann. [...]«
Nun kann aus solch einer, überhaupt nicht quellenbezogenen Aussage nicht gefolgert werden, dass »bahnfest« sprachüblich sei. So viel steht fest: Es handelt sich hierbei um eine sprachlogisch korrekte, einem Wortbildungsmuster folgende Adjektivbildung. Das Semilexem (Halbwort) ›fest‹ hat hier etwa das Bedeutungsfeld ›dicht zusammenhängend‹, ›haltbar‹, ›hart‹, ›solide‹ ›stabil‹, ›starr‹, ›unempfindlich‹, ›widerstandsfähig‹. Demnach bedeutet ›bahnfest‹ so viel wie »hinsichtlich der Haltbarkeit, der Stabilität, der mechanischen Belastung für den Transport mit der Bahn geeignet«.
Adjektive dieses Typus sind von einem Substantiv (Hauptwort, Nennwort) abgeleitet. Das aus meiner Sicht Besondere bei ›bahnfest‹ ist, dass hier die Nennung eines Transportmittels den Wortbildungsstamm bildet. In den anderen mir bekannten Formen ist es die Nennung von einem Etwas, von dem eine Belastung, Beeinträchtigung, schädigende Wirkung ausgeht oder von einem Etwas, dass seiner Beschaffenheit wegen einer Belastung, einer Beeinträchtigung standhält, entgegenwirkt.
Hier ein paar Beispiele, die ich dem Korpusarchiv des Instituts für deutsche Sprache entnommen habe:
»›Nur so werden sie (Autoaufkleber) licht- und wetterfest‹, erklärt Hümmerich [..]«
(Rhein-Zeitung, 27.01.1998.)
»Lächeln versteckt den rasenden Puls, die Schminke muß schweißfest sein.«
(Tiroler Tageszeitung, 01.12.1997.)
»Zwar sind die dunkelroten Früchte nur mittelgroß und durch die etwas weichere Schale nicht transportfest.«
»Autos sind oft nicht wasserfest. Bei der Fahrt durch eine Regenpfütze ist daher immer Vorsicht geboten. Denn wenn Wasser in den Motor gelangt, droht ein teurer Totalschaden, der so genannte Wasserschlag.«
(Hannoversche Allgemeine, 14.11.2007.)
Noch ein paar Adjektive mit ›-fest‹ aus Erich Maters »Rückläufigem Wörterbuch der deutschen Sprache«:
›baufest‹, ›feuerfest‹, ›glaubensfest‹, ›mauerfest‹, ›nietfest‹, ›schussfest‹ ›taktfest‹ ›textfest‹, ›trinkfest‹, ›verschleißfest‹ ›winterfest‹.
Nun verstehe ich nicht, wieso »bahnfest« als Neologismus (Wortneubildung) zu den »bedrohten Wörtern« gehören soll. Auch kann ich nicht so recht etwas anfangen mit der Bezeichnung »bedrohte Wörter«. Ein Wort hat eine Funktion: Es dient der Bezeichnung und der Bedeutungszuordnung außersprachlicher Dinge und Erscheinungen. Wenn das zu Bezeichnende, das zu Wortende nicht mehr vorhanden ist oder sich in seiner Erscheinung verändert hat, dann verliert das entsprechende Wort zumindest in der Gegenwartssprache seine Funktion, oder es entsteht eine andere, vielleicht im Bedeutungsumfang erweiterte Wortbildung: dies ist der Lauf der Sprachgeschichte.
Hier ein paar Wörter, die im 18./19. Jahrhundert üblich waren, aber nur noch der Sprachwissenschaftler oder der Sprachinteressierte kennt:
›sich Abächzen‹ (»sich durch Ächzen ausdrückende Entkräftung«), ›abarten‹ (»von der ursprünglichen Art abweichen« [»Er artete von den Tugenden seiner Eltern ab«]), ›haaren‹ (»durch Hämmern die Schneide einer Sichel oder einer Sense schärfen«), ›Gemeinbier‹ (»Bier, dass die Bauern einer Gemeine [Gemeinde] früher bei Zusammenkünften tranken und aus einer gemeinsamen Kasse bezahlten«).
Und denken wir an die noch anfang der 1900er Jahre praktisch jedem bekannten Wörter aus dem Französischen (Gallizismen), wie wir sie noch bei Thomas Mann finden:
›Kondukteur‹ (›Schaffner‹), ›Perron‹ (›Bahnsteig‹), ›Trottoir‹ (›Bürgersteig‹), ›Parapluie‹ (›Regenschirm‹), ›Chapeau claque‹ (zusammenklappbarer Zylinder[hut]‹), ›Jabot‹ (»am Kragen befestigte Seidenrüsche«).
Die Sprache ist dann bedroht, wenn das Schwinden von Wörtern zu ihrer Verarmung führt. Ist die deutsche Sprache durch das Fehlen der von mir aufgeführten Wörter ärmer geworden? Es ist sicherlich richtig, dass der Sprachbewusste das Schwinden von (älteren) Wörtern als einen Verlust empfindet. Aber von solch einer Existenzgefährdung der Sprache kann sicherlich nicht ausgegangen werden. Die Sprache hat immer wieder manipulativen Eingriffen widerstanden; weder Sprachignoranz noch Sprachdummheit haben ihr etwas auf Dauer antun können; sogar die Vergewaltigung durch die Nazis hat sie überstanden und die Manipulation durch die SED.
Grimm
PS:›bahnfest‹ kann sicherlich auch die Bedeutung haben: »für das Bahnwesen, den Bahnbetrieb geeignet (zum Beispiel auf Bauteile bezogen)«.
Zuletzt bearbeitet: 04.02.11 20:09 von Grimm
|
|
Also ich muss Beta zustimmen. Wenn ich in der Roten Liste Sozialhilfe oder Kreiswehrersatzamt finde, nicht aber z.B. sintemal, dieweil, anheim oder Weichbild, dann finde ich das schon recht hergeholt und unseriös.
Mir ist das Adjektiv »bahnfest« nicht bekannt
Ist, denke ich, auch kein Verbrechen, da es ja eindeutig ein berufsspezifischer Ausdruck ist. Warum also sollte den jemand außerhalb der Branche kennen. Die wenigsten werden auch wissen, was eine Sexagesimalzahl ist. Wozu auch?
„Nichts was du im Leben tust ist unbedeutend. Darum ist es wichtig, dass es getan wird, weil es kein Anderer so tun kann wie Du es tust." dvm.
Zuletzt bearbeitet: 04.02.11 23:34 von dervomeer
|
|
Sexagesimalzahl
na, hoffentlich kein Schweinkram 
|
|
Man man man, wo haben Sie Ihre Erziehung genossen?
„Nichts was du im Leben tust ist unbedeutend. Darum ist es wichtig, dass es getan wird, weil es kein Anderer so tun kann wie Du es tust." dvm.
|
|
Sexagesimalzahl«
Nur für den Fall, dass es nicht bekannt ist: Als Sexagesimalsystem (lateinisch: »sexagesimus« = »sechzig«) wird ein [von den Babyloniern entwickeltes] Zahlensystem bezeichnet, dass die Grundlage »60« hat. Zum Beispiel unsere Uhrzeiteinteilung basiert darauf: 1 Stunde = 60 Minuten, 1 Minute = 60 Sekunden. Ebenfalls das Altgradsystem: Der Vollwinkel hat 360°, 1° = 60 Minuten, 1 Minute = 60 Sekunden. In der Geodäsie (Landvermessung) ist der Vollwinkel dezimal definiert: der Vollwinkel hat hier 400°, der hundertste Teil wird als »gon« bezeichnet.
Grimm
|
|
|