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Thema: Gedichte |
Regen
Die Sonne hat nur kurz das nasse Tal umschlungen,
Die Pappeln rauschen wieder, neckisch spielt der Wind.
Des Baches Schwermut hat gar lang allein geklungen,
Der Wind ist pfiffiger als ein vergnügtes Kind.
Die Wolken wollen kommen. Alles wurde rauher,
Die blassen Pappeln rascheln wie bei einem Guß.
Die nassen Weiden faßt ein kalter Schauer,
Gewaltig saust die Luft, beinahe wie ein Fluß.
Nun soll der Regen kommen! Und es gieße wieder!
Der Sturm ist kraftbegabtes Lautgebraus,
Der Regen bringt die Rhythmen heller Silberlieder,
Die Pappeln wissen das und schlottern schon voraus.
Dem nassen Tal entwallen kalte Atlashüllen,
Und auch die Nebelhauche tauchen raschelnd auf.
Der Wind beginnt die Flur mit Wispern zu erfüllen,
Die Pappeln biegen sich, das Grau nimmt seinen Lauf.
Theodor Däubler
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Der Kalender und wir
Heidi Geiberger
Wie alle Jahre klingt’s im Chor:
„Wir nehmen uns was Gutes vor
und was wir sagen, wird gemacht,
es nicht zu schaffen, wär gelacht!“
Der größte Vorsatz heißt D I Ä T,
ja, dafür ist es nie zu spät.
Ein Vorbild muss als erstes her
und wenn’s nur ein Kalender wär.
Der ist am Anfang prall und dick
wie wir, das Gegenteil von schick,
unser Bauch ist wie ein Balg,
der seine ist ein Blätterwald.
Jetzt kann das Jahr beginnen,
die Pfunde werden rinnen –
tagtäglich fällt bei ihm ein Blatt,
wir werden leider nicht mehr satt,
verlieren ziemlich an Gewicht
und der Kalender sein Gesicht.
Doch bald ist’s wiederum so weit,
es naht die schöne Weihnachtszeit
mit feinen Kuchen, Wein und Plätzchen,
aus unsrem Vorsatz wird ein Sätzchen,
die Weihnachtsgans zu guter Letzt,
hat alles wieder angesetzt.
Nur die ganz besonders Schlauen,
die auch keinem Vorsatz trauen,
sind noch ihres Lebens froh,
denn sie blieben einfach so
und werden deshalb nicht erschreckt
vom feindlichen JoJo-Effekt.
Wir sind zwar wieder aufgeplustert,
doch der Kalender ausgemustert !!!
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Es tickt die Uhr
Es tickt die Uhr
Die Zeit verrinnt
Vorbei gehen viele Stunden
Stehst vor der Bahre
warst ein Kind
Hast du dein Glück gefunden
Es tickt die Uhr
Mit Ärger, Leid
tut dir die verlorene Zeit nicht leid
Vorbei sind doch die Stunden
Genieß die Freude
nicht das Leid
Dann hast Du Glückssekunden
Gerhard Ledwina
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Allein
Einsam stand ich auf den Bergen,
Wo der Falke kreischend flog,
Über schneebedecktem Gipfel
Seine stillen Kreise zog.
Einsam lag ich auf der Haide
Wenn die Sonne untersank,
Und der dürre glüh'nde Boden
Gierig feuchte Nebel trank.
Einsam saß ich oft am Meere,
Dessen alter Klaggesang
Bald wild-zornig, bald süß-traurig,
Bald wie dumpfes Schluchzen klang.
Einsam irrt ich durch die Wälder,
Nur die Eul' am Felsenriff
War mein krächzender Gefährte
Und der Wind, der wimmernd pfiff.
Einsam litt ich - aber tröstend
War die hehre Einsamkeit -
Nicht allein trug ich mein Elend,
Die Natur verstand mein Leid!
Doch allein - so ganz alleine -
Abgrundtief von Euch entfernt,
Fand ich mich in Euren Sälen -
Als ich Euch versteh'n gelernt.
Ada Christen
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Im Januar
Noch klingt am stillen See kein Lerchenschlag
dort wo einst ich auf bunten Wiesen lag:
Doch denke ich an Frühlings Apfelbaum,
ihn blühen sah ich hell im Wintertraum!
Schon sah ich heut` ein Knösplein das sich traut
zu wachsen aus des Winters sterbend`Kraut:
Dort träumt es schon von Rosen und dem Flieder,
von Nachtviolen, die bald blühen wieder!
Georges Ettlin
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Vorfrühling
Wie die Knospe hütend,
Dass sie nicht Blume werde,
Liegt's so dumpf und brütend
Über der drängenden Erde.
Wolkenmassen ballten
Sich der Sonne entgegen,
Doch durch tausend Spalten
Dringt der befruchtende Segen.
Glühnde Düfte ringeln
In die Höhe sich munter.
Flüchtig grüßend, züngeln
Streifende Lichter herunter.
Dass nun, still erfrischend,
Eins zum andern sich finde,
Rühren, alles mischend,
Sich lebendige Winde.
Friedrich Hebbel
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Februar
Der Wind jagt heulend durch die Äste,
er treibt die Wipfel hin und her.
Die Schornsteinfahnen, wie zum Feste,
steigen hinauf zum Wolkenmeer.
Die Häuser schau'n mit Lichteraugen
die ganze Nacht bis in den Tag.
Was wird dem Mensch den Schlaf wohl rauben,
dass müde er, nicht schlafen mag?
Still wand're ich durch Regenschauer,
bald ist mir's unwohl im Gemüth.
So eil' ich heimwärts, ohn' Bedauern,
wo warm und traut ein Feuer glüht.
Lass regnen und lass Nebel wallen,
ich freue meines Lebens mich.
Ach ja, das Schönste ist von allem:
„Bald kommt der Frühling, bunt und licht!“
Heidemarie Chaerling,
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Der Mops von Fraeulein Lunden
Der Mops von Fräulein Lunden
War eines Tags verschwunden.
Sie pflegte - muss man wissen -
Tagtäglich ihn zu küssen.
Das hat dem Mops wie allen,
Die ehrlich sind, missfallen.
Der Küsse überdrüssig,
Ward unser Möpschen bissig.
Er stritt mit allen Hunden
Uns selbst mit Fräulein Lunden.
Und gestern oder heute
Entfloh er, liebe Leute.
Er floh vor Kuss und Schleifen.
Man kann den Mops begreifen.
Denn Schleifen sind ihm schnuppe.
Ein Mops ist keine Puppe.
Dem Mops sind Küsse Qual,
So lautet die Moral.
James Krüss
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Das Wetter
Annegret Kronenberg
Das Wetter hat uns im Griff.
Wir haben nach seiner
Pfeife zu tanzen,
ob wir wollen oder nicht.
Es ist aber gut eingerichtet,
dass wir das Wetter nicht im Griff haben,
dann würde sich die Menschheit
sicher tot schlagen.
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Blind durch Liebe?
Flint Norge
Liebe macht nicht blind,
sondern nur blendende Verliebtheit,
die über Angst zur Hörigkeit werden kann.
Liebe, öffnet die Augen.
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Rechthaber
Seine Meinung ist die rechte,
Wenn er spricht, müßt ihr verstummen,
Sonst erklärt er euch für Schlechte
Oder nennt euch gar die Dummen.
Leider sind dergleichen Strolche
Keine seltene Erscheinung.
Wer nicht taub, der meidet solche
Ritter von der eignen Meinung.
Wilhelm Busch
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Arbeit ist für mich ein graus,
ich steh nicht jeden Morgen auf.
Mit Arbeit hab ich nichts im Sinn,
viel zu schwach ich dafür bin.
Bleib zu Haus in meinem Bau,
den Rest, den macht meine Frau.
Einen Namen hat der Mensch seit Geburt und Taufe, doch geschätz wird er nach dem Namen, den er sich gemacht hat.
(Lothar Schmidt)
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Wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt
Stets wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt,
hat unser Herr ein Stück sich selbst geschickt.
Es heißt, die Liebe ist noch nicht verschwunden,
ein neuer Engel hat zu uns gefunden!
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Das Meer von hier ist schon sehr fern,
doch zur Küste fährt man immer gern.
Spazierengehen auf dem Deich,
fest eingepackt, wie Mumien gleich.
Jede Jahreszeit hat ihren Flair,
auch wenn es kalt ist jetzt am Meer.
Schiffe, Möwen ziehen stolz vorbei,
in klarer Luft, man fühlt sich frei.
Einen Namen hat der Mensch seit Geburt und Taufe, doch geschätz wird er nach dem Namen, den er sich gemacht hat.
(Lothar Schmidt)
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Ein kleiner Fisch
Ein kleiner Fisch kennt seine Gräten.
Er schlängelt durch das Fischernetz.
Er denkt daran, den Tang zu jäten,
denn das ist ein Naturgesetz.
Sein Augenmerk gilt kleinen Fischen.
Mit vielen ist er schon per Du.
Er lässt sich aber nicht erwischen
bei einem Date mit Rendezvous.
Dann weicht er aus in Seichtgewässer.
Er blubbert dabei sehr charmant:
Mit dir da fühle ich mich besser.
Wir schwimmen nun in Richtung Strand.
Dann greift er nach den zarten Flossen,
das Schwimmen wird bald eingestellt:
Ich bin total in dich verschossen,
denn du allein bist meine Welt.
Das stößt nicht nur auf Gegenliebe.
Ein Teil der Fische ist entsetzt.
Und einem, dem nichts übrig bliebe,
der hat den Fischkopf hart verletzt.
Roman Herberth
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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