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Thema: Gedichte |
Vorfrühling
Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.
Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.
Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.
Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.
Er glitt durch die Flöte
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.
Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.
Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.
Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten.
Und den Duft,
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.
Hugo von Hofmannsthal
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Liebeserklärung an eine alte Dame
Weißt Du noch, liebes, altes Mädchen –
weißt Du noch, wie es damals war? –
stolz und jung zogst Du von Städtchen zu Städtchen –
alle wollten Dich sehen und so viele waren da –
Auch ich war damals jung und voller Schneid –
voller Tatendrang und zu allen Abenteuern bereit –
ich sah Dich an und wußte auf den ersten Blick –
ich muß zu Dir – da führt kein Weg zurück –
in voller Schönheit lagst Du dann vor mir –
stolz – schlank – vielversprechend und geheimnisvoll –
in freudiger Erwartung kam ich dann zu Dir –
nicht wissend: wie nimmst Du mich auf und fühl ich mich bei Dir wohl? –
doch Du lehrtest mich, Dich zu lieben –
dich zu hegen und zu pflegen –
wie gerne wäre ich noch bei Dir geblieben –
doch das Schicksal zwang mich zu anderen Wegen –
an uns beiden nagte der Zahn der Zeit –
und doch sind wir jung geblieben –
Deine Segel blähen sich wie damals fest und weit –
und Dein schlanker Rumpf kann sich wie damals auf allen Meeren wiegen –
Ja Gorch Fock – Du liebes, altes Mädchen –
du ziehst weiter in ferne Hafenstädtchen –
nach Jahren sind wir alt – doch im Herzen jung –
Volker Sturmat, ehem. Schiffszimmermann auf der SSS Gorch Fock
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eigentlich bin ich ganz anders, ich komm' nur so selten dazu.
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Am Meeresstrand vor einigen Jahren,
sind wir zum Schwimmen hingefahren.
Ich lief los, ganz schnell ins Wasser,
doch vor Schmerzen wurd ich immer blasser.
Erst kniff ein Krebs mir in den Zeh,
beim Sturz tat mir der Hintern auch noch weh.
Dann sah ich eine Qualle plötzlich schwimmen,
darauf lief ich schnell von hinnen.
A.B.2012
Einen Namen hat der Mensch seit Geburt und Taufe, doch geschätz wird er nach dem Namen, den er sich gemacht hat.
(Lothar Schmidt)
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Sonne
Und wieder kam die Sonne
Ins große Thal des Rheins,
Und hat gebracht die Wonne
Des warmen Sonnenscheins.
Sie kam herfür die Berge
Und zündete ins Gras,
Und ihre ersten Werke
Die Blumen waren das.
Und wie sie durchs Gebüsche
Die Bächlein aufgeküßt,
Da schwammen auf die Fische
Und haben sie gegrüßt.
Und wie sie aus den Bäumen
Das junge Laub gelockt,
Hat in den grünen Räumen
Kein Lied und Laut gestockt.
Und wie sie ganz den Winter
Verjagt mit ihrem Strahl –
Die schönen Menschenkinder
Hinsprangen in das Thal.
Ludwig Eichrodt
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Früher, da ich unerfahren
Früher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine höchste Achtung
Andre Leute.
Später traf ich auf der Weide
Außer mir noch mehr Kälber,
Und nun schätz ich, sozusagen,
Erst mich selber.
Wilhelm Busch
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Vor vielen Jahren, ich ging spazieren,
überlegte ich kurz und ging studieren.
Wirtschaftswissenschaft die fand ich fein,
ich ging los und schrieb mich ein.
Nach einigen Jahren im Wochenendseminar,
kam die Prüfung in einem Februar.
Ich kam gut durch, braucht mich nicht beeeilen,
nur an der Kipptechnik müßte ich noch feilen.
A.B.2012
Einen Namen hat der Mensch seit Geburt und Taufe, doch geschätz wird er nach dem Namen, den er sich gemacht hat.
(Lothar Schmidt)
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Ein kleiner Spielzeugaffe In einer Stadt
Ein kleiner Spielzeugaffe
In einer Stadt am Rhein
Fand einst ein Spielzeugauto
Und setzte sich hinein.
Dann fuhr der kleine Affe
Im Auto durch die Stadt.
Er fuhr als Spielzeugaffe
Erstaunlich gut und glatt.
Er ratterte im Rinnstein
Am Bürgersteig daher,
Er flitzte über Plätze
Im wildesten Verkehr.
Doch plötzlich kam ein Riese.
(Das war ein Polizist.)
Der fragte nach Papieren,
Wie das so üblich ist.
Doch weil der kleine Affe
Den Riesen nicht verstand,
Drum nahm der Kerl das Auto
Samt Äffchen in die Hand.
Da nützte kein Gezeter,
Da half ihm kein Geschrei:
Man warf ihn in den Schreibtisch
Der strengen Polizei.
Dort blieb der kleine Affe
Noch lange, lange Zeit.
Und ist er nicht gestohlen,
Dann liegt er dort noch heut!
James Krüss
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Deine Hilfe - sie war hier
und ich - ich sage: "Danke Dir"
Deine Hilfe - war zugegen,
das war für mich ein großer Segen.
Deine Hilfe - sensationell,
hab Dich gebraucht - Du warst zur Stell
Deine Hilfe - sie war hier
und ich - ich sage: "Danke Dir"
© Anette Pfeiffer-Klärle
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Die Welt
Es geht ja leider nur soso
Hier auf der Welt, sprach Salomo.
Dies war verzeihlich. Das Geschnatter
Von tausend Frauen, denn die hatt' er,
Macht auch den Besten ungerecht.
Uns aber geht es nicht so schlecht.
Wer, wie es Brauch in unsern Tagen,
Nur eine hat, der soll nicht sagen
Und klagen, was doch mancher tut:
Ich bin für diese Welt zu gut.
Selbst, wenn es fehlt an dieser Einen,
Der braucht darob nicht gleich zu weinen
Und sich kopfüber zu ertränken.
Er hat, das mag er wohl bedenken,
Am Weltgebäude mitgezimmert
Und allerlei daran verschlimmert.
Und wenn er so in sich gegangen,
Gewissenhaft und unbefangen,
Dann kusch er sich und denke froh:
Gottlob, ich bin kein Salomo;
Die Welt, obgleich sie wunderlich,
Ist mehr als gut genug für mich.
Wilhelm Busch
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Sonnenaufgang am Meer
Schwül war’s gewesen in der Nacht,
sie hatte mir keinen Schlaf gebracht.
So stand ich auf, es war gegen vier,
und schlich mich leise hinaus aus der Tür.
Die Luft, die ich spürte, ich bemerkte es gleich,
war angenehm kühl und sauerstoffreich.
Ich atmete tief, genoss sie sehr
und bog in den kleinen Weg hin zum Meer.
Als ich dort ankam, ich muss nun gesteh’n,
vor Staunen blieb mir der Mund offen steh’n.
Das Meer lag in seiner Schönheit hier,
gleich einem Spiegel, so schien es mir.
Glasklares Wasser, kein Lüftchen sich regte,
einen Fisch sah ich, der sich bewegte.
Vorsichtig setzte ich mich in den Sand,
war ganz alleine an diesem Strand,
genoss den Anblick, die gute Luft,
und sog in mich ein des Meeres Duft.
Ich steckte die Füße ins Wasser hinein,
Dämmerung kam, der Tag schlich herein.
Was sich dann abspielte vor meinen Augen,
kann ich bis heute noch gar nicht glauben.
Das Wunder der Schöpfung erlebte ich pur,
die Vielfalt der Farben in der Natur.
Am Horizont erschien, winzig klein,
der Bogen der Sonne mit ihrem Schein.
Er trug einen Kranz von funkelndem Rot
und beleuchtete zart ein Fischerboot.
Es lag wie ein Teller, flach auf dem Tische,
draussen im Meer, das Netz voller Fische.
Schon kroch die Sonne höher empor,
fast bis zur Hälfte, kam es mir vor.
Mit Strahlen, die wie Arme sich breiten,
um die Welt zu erfassen in ihren Weiten.
Glutrot färbte sich der Himmel vor mir.
Ich sah auf die Uhr: zwanzig nach vier.
Die Müdigkeit war von mir abgefallen,
als ich erblickte den Feuerballen,
der sich gelöst hatte vom Horizont,
um dorthin zu wandern, wo am Tage er wohnt.
Im silbrigen Wasser, das funkelt’ wie Sterne,
sah ich sein Spiegelbild hier aus der Ferne.
Ich war überwältigt von diesem Gescheh’n,
so etwas hatt’ ich bisher nie geseh’n.
Andächtig saß ich und bewunderte nur
die Fantasie des Schöpfers dieser Natur.
Ich konnt’ es nicht fassen und mir wurd’ es klar,
wie vollkommen und schön das alles hier war.
Dann stand ich auf, mit träumendem Blick,
und ging barfuss den Weg wieder zurück.
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Kein Gedicht sondern ein Lied:
Hei wie brüllen die Kanonen
Hei wie brüllen die Kanonen
hei wie knattern die Gewehre
und wie fegen die Schwadronen
brausend übers Feld der Ehre
Merke dir, Feinsliebchen mein
herrlich ist´s Soldat zu sein
Kugeln sausen, Schwerter blitzen
vorwärts, vorwärts, Heldenscharen
Laßt sie splittern, die Haubitzen
deutscher Mut schwillt in Gefahren
Merke dir, Feinsliebchen mein
herrlich ist´s Soldat zu sein
Und will´s Gott, daß ich muß fallen
für des Reiches Wohl und Ehre
Wenn die Siegfanfaren schallen
schenk ich freudig meine Wehre
Merk dir dann, Feinsliebchen mein
mußt nicht gar zu traurig sein
Text: M. Zoller -
Musik: Camillo Hildebrand -
in Weltkriegs-Liedersammlung (1926)
„Nichts was du im Leben tust ist unbedeutend. Darum ist es wichtig, dass es getan wird, weil es kein Anderer so tun kann wie Du es tust." dvm.
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Der Tanz
Ein Vierviertelschwein und eine Auftakteule
trafen sich im Schatten einer Säule,
die im Geiste ihres Schöpfers stand.
Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze
reichten sich die zwei zum Tanze
Fuß und Hand.
Und auf seinen dreien rosa Beinen
hüpfte das Vierviertelschwein graziös,
und die Auftakteul' auf ihrem einen
wiegte rhythmisch ihr Gekrös.
Und der Schatten fiel,
und der Pflanze Spiel
klang verwirrend melodiös.
Doch des Schöpfers Hirn war nicht von Eisen,
und die Säule schwand, wie sie gekommen war;
und so musste denn auch unser Paar
wieder in sein Nichts zurücke reisen.
Einen letzten Strich
tat das Geigerich -
und dann war nichts weiter zu beweisen.
Christian Morgenstern
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Blick ins Licht
Still von Baum zu Bäumen schaukeln
meinen Kahn die Uferwellen;
märchenblütenblau umgaukeln
meine Fahrt die Schilflibellen,
Schatten küssen den Boden der Flut.
Durch die dunkle Wölbung der Erlen
- welch ein funkelndes Verschwenden -
streut die Sonne mit goldenen Händen
silberne Perlen
in die smaragdenen Wirbel der Flut.
Durch die Flucht der Strahlen schweben
bang nach oben meine Träume,
wo die Bäume
ihre krausen Häupter heben
in des Himmels ruhige Flut.
Und in leichtem, lichtem Kreise
weht ein Blatt zu meinen Füßen
nieder; und des Friedens leise
weiße Taube seh ich grüßen,
fernher grüßen
meiner Seele dunkle Flut.
Richard Dehmel
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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Dieses Jahr darf ich nicht zum Strand,
warum, daß ist mir unbekannt.
Hab stets gespült und auch gewischt
und Mittags noch das Essen aufgetischt.
Nur gestern, es war fünf nach eins,
Mittagessen hat ich leider keins.
Es gab mächtig Ärger hier im Haus,
für mich fällt nun der Urlaub aus.
A.B.2012
Einen Namen hat der Mensch seit Geburt und Taufe, doch geschätz wird er nach dem Namen, den er sich gemacht hat.
(Lothar Schmidt)
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Abend an einem Wochenende
Der Mond verschmitzt vom Himmel lacht.
Tag hat der Nacht früh Platz gemacht.
Bimmelnde Glocken zeigen an,
daß das Tageswerk getan.
Die Katze kommt jetzt auch ins Haus,
wartet auf den guten Schmaus.
Vorbei ist der letzte Wochentag.
Rückblickend ich mich frag,
ob die Woche vorbeigeschwommen,
Stunden achtlos in Nichts zerronnen?
Hab´ich was aus dem Tag gemacht,
oder ihn einfach nur verbracht?
Der stille Abend redet laut,
der Mond jetzt ernst vom Himmel schaut.
Der Ozean kennt keine völlige Ruhe - das gilt auch für den Ozean des Lebens.
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