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Thema: Schloss Sondershausen


Die Region von Sondershausen war nachweislich Durchgangsgebiet vieler Völkerschaften. Die ältesten Zeugnisse aus diesem nordthüringischen Gebiet entdeckte man im nicht weit entfernten Bilzingsleben. Der dortige Fundplatz ist archäologisch und paläoanthropologisch außergewöhnlich; die Funde wurden auf ein Alter von 400.000 Jahren datiert und Homo erectus zugeschrieben. Sie gehören zu den frühesten Spuren der Gattung Homo in Mitteleuropa.
Später, zum Ende der Jungsteinzeit, siedelten Linienbandkeramiker sowie slawische Völker in dieser Region, die dann germanischen Völkern Platz machen mussten. Die dort ansässigen Thüringer verehrten laut sage eine germanische Göttin der Jagd mit Namen Jecha. Auf dem exponierten Frauenberg soll ein Bergheiligtum für diese Göttin bestanden haben, die angeblich von Bonifatius zerstört wurde, was ihn zur Flucht vor der einheimischen Bevölkerung zwang.
Sondershausen selbst entstand vermutlich im 8. Jahrhundert als fränkische Siedlung. Auf dem Frauenberg fand man reich ausgestattete fränkische Adelsgräber aus dem späten 7. Jahrhundert. Allerdings wurde der Ort im Jahr 1125 erstmals urkundlich als Siedlung unter Verwaltung von zwei Dienstmannen des Mainzer Erzbischofs namens Wydego und Remarus erwähnt. Im Jahr 1211 wurden „Marschälle von Sondershausen“ genannt, die ab 1213 dem Thüringer Landgrafen und ab 1287 dem Erzbistum Mainz lehnspflichtig waren.
Zum ersten Mal wird 1287 eine „Burg zu Sondershausen“ erwähnt. 7 Jahre später wechselte der Besitz in die Hände der Grafen von Hohnstein. Zu dieser Zeit begann der Ort auch seinen städtischen Charakter zu entwickeln. Wann die Burg entstand und wer der Erbauer war, darüber gibt es keine Quellen. Die Burg, die später zum Schloss wurde, steht auf einem Felssporn, der sich über den Markt und die Altstadt erhebt. Um 1300 wurde ein Wohnturm errichtet, dessen Kern heute das älteste Bauteil der Anlage darstellt. Im Jahr 1356 ging diese Burg in den Besitz der Grafen von Schwarzburg über. Diese waren zuvor bereits in den Besitz der Frankenhäuser Salinen gekommen, die ihnen beträchtlichen Reichtum einbrachten.
Graf Günther XL. von Schwarzburg („der Reiche“ oder „der mit dem fetten Maule“), ließ im Jahr 1533 große Teile der alten Burg abreißen und begann ein Jahr später mit dem Bau des Renaissanceschlosses. Nur den alten Wohnturm integrierte er im Südosten in die neue Schlossanlage und lies diesen mit einer Haube versehen. Bei den Bauplänen orientierte sich der Graf am sächsischen Hof in Torgau. Ab dem Jahr 1680 erfolgte der Bau des Südflügels im barocken Stil. Im Jahr 1722 baute Strobel aus Frankenhausen in die Schlosskapelle die Orgel ein. In dieser Zeit wurde auf dem Markt von Fürst Christian Wilhelm I. von Schwarzburg-Sondershausen auch das Prinzenpalais für seine Söhne, die Prinzen Rudolf unter Christian, erbaut.
Im Jahr 1766 folgte dann der Bau des Westflügels im Rokokostil mit seinem schönen Schweifgiebel, auf dem sich das fürstliche Wappen befindet. Dieser Flügel erhielt auch eine Verbindung zum Nordflügel des Schlosses, die nach den Plänen der Architekten Johann Heinrich Breit und Martin Peltier de Belfort gebaut wurde.
Die Hofseite des Westflügels wurde mit dem Allianzwappen Schwarzburg-Sondershausen/Anhalt-Bernburg und dem St. Hubertusorden geschmückt. In der Hofmitte baute Johann Ludwig Meil aus Ilfeld 1770/71 den Schlossbrunnen mit der Herkulesstatue.

In den Jahren 1837-1838 ließ Fürst Günther Friedrich Carl II. den Schlosskomplex vom Schinkelschüler Carl Scheppig umgestalten. Es war für den Architekten Schepping der Beginn einer über 50 jährigen Tätigkeit als Baurat im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen. Sein Wirken prägte nicht nur das Schlossanlage sondern auch das Aussehen der Altstadt von Sondershausen. Der Westflügel des Schlosses wurde durch Schepping klassizistisch ungestaltet. An der Ostseite wurden die Schlossterrassen mit Schlosstreppe und Schlosswache errichtet. Die Umgestaltung des Osthanges des Schlossberges zum Markplatz durch Schepping, wird als bedeutendstes klassizistisches Ensemble in Thüringen angesehen. Auch ist die die Ähnlichkeit der sogenannten „Alten Wache“ mit der „Neuen Wache“ in Berlin augenscheinlich. Zwischen Schloss und Achteckhaus fand in der Bauzeit von 1845 bis 1851 das Marstallgebäude seinen Platz. Im Alten Nordflügel wurde ein barockes Tafelzimmer zum Liebhabertheater umgebaut.
Der letzte Fürst von Schwarzburg-Sondershausen war Kar Günther, er verstarb 1909. Fürst Günther Victor von Schwarzburg-Rudolstadt regierte danach beide Fürstentümer in Personalunion bis zur Novemberrevolution 1918; er war der letzte Schwarzburger Fürst und starb 1925. Seine Witwe, Anna Luise, wohnte bis 1930 im Südtrakt des Westflügels und bis zu ihrem Tode 1951 im Nordflügel mit Blick auf den Marktplatz.

Im Schloss, das seit 1994 der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten angehört, wird heute vielfältig genutzt. Es dient als Schlossmuseum mit drei verschiedenen Ausstellungsbereichen: der Sonderausstellungsbereich mit ständig wechselnden Ausstellungen, die historischen Räume aus 6 Stilepochen und den natur- und kulturhistorischen Bereich einschließlich der Stadtgeschichte. Bei den Ausstellungsstücken des Schlossmuseums zählen die Goldene Kutsche und der sagenumwobene Püstrich.
Die Goldene Kutsche von Sondershausen ist eine barocke Kutsche vom Typ „grand carrosse“ und steht als Gesamtkunstwerk beispielhaft für diese Epoche; sie ist die einzige ihrer Art in Deutschland, die noch existiert. Sie wurde um 1710 in Paris gebaut und ist ein wertvolles Zeugnis verschwenderischer, barocker Hofkultur.
Bei dem Püstrich handelt es sich um eine aus Bronze gegossene Figur in menschlicher Gestalt die sich seit mehr als 400 Jahren in der Stadt Sondershausen befindet. Die Figur wurde in den 1540er-Jahren in den Ruinen der Rothenburg auf dem Kyffhäuser zwischen Schutt und Steinen in der einstigen Kapelle gefunden. Ursprung, Entstehungszeit und einstige Bedeutung des Püstrichs sind nicht bekannt, weswegen er seit Jahrhunderten Gegenstand zahlreicher Untersuchungen und Spekulationen ist.
Einen Teil des Schlosses nehmen auch die Kreismusikschule, die seit 2008 in „Carl-Schroeder-Konservatorium“ umbenannt wurde, und eine Tanzschule ein. Im Achteckhaus finden regelmäßig Konzerte und Theaterveranstaltungen statt. Im Schlossgebäude wurde außerdem ein Restaurant eingerichtet. Der Marstall, das Wagenhaus und das Achteckhaus dienten seit dem Jahr 2005 der Landesmusikakademie des Freistaates Thüringen als Sitz.
Abschließend sei noch auf den etwa 30 Hektar großen Park hingewiesen, der das Schloss umgibt. Die einstmals barocken Gartenanlagen wurden im 19. Jahrhundert, dem neuen Zeitgeschmack entsprechend, in einen Landschaftspark englischer Prägung umgestaltet. Der Park gliedert sich in den oberen Bereich mit der ehemaligen Parterrefläche


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