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Thema: Die Meding Schanzanlage bei Halberstadt


Überall im Land wird im Jahr 2014 dem 1. Weltkrieg gedacht, der vor 100 Jahren ausbrach. 40 Staaten waren an diesem Krieg beteiligt, in dem insgesamt etwa 70 Millionen Soldaten unter Waffen standen. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges 1938 war es der umfassendste Krieg in der Menschheitsgeschichte. Der Erste Weltkrieg forderte fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete unter den Soldaten. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen geschätzt. Bis heute wird dieser Krieg von den verschiedenen Kriegsparteien nicht einheitlich interpretiert. Der 1. Weltkrieg ging zwar auch als Graben- und Stellungskrieg in die Militärgeschichte ein, vor allem aber als Gaskrieg, denn erstmals wurden Massenvernichtungswaffen eingesetzt.
Die Harzregion war nicht in dieses Kampfgeschehen involviert. In das Kriegsgeschehen allerdings schon. Die Stadt Halberstadt war seit 1623 eine Garnisonsstadt und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einer der bedeutendsten in Mitteldeutschland. Dieser lange Zeitraum militärischer Präsenz, der erst 1993 mit dem Abzug der der Sowjet-Armee endete, hat regional zahlreiche Spuren hinterlassen.
Dazu zählt auch die Meding Schanze als ein Relikt des 1. Weltkriegs, die allerdings weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Dieses Kriegsdenkmal liegt abseits der bekannten Wanderwege in den Spiegelsbergen. Man findet es, wenn man am Jagdschloss Spiegelsberge – dem Tierparkzaun folgend – die links abfallende Straße Richtung Lindenberg nutzt.
Während des 1. Weltkriegs, im Jahr 1914, kam Hauptmann Werner von Meding von der Westfront als Kommandeur des Reserve-Infanterie-Regiments 226 nach Halberstadt. Im Jahr 1916 ließ er von seinen Soldaten eine Schanzanlage errichten. Mit der Errichtung dieser Anlage, die nach Vorbild der Originale in Flandern entstand, verfolgte Kommandeur Meding mehrere Strategien. Zum einen wollte er seinen Soldaten die Schanztechnik vermitteln, zum anderen mit den Eintrittsgeldern finanzielle Unterstützung für Kriegsveteranen und Kriegswitwen organisieren, denn die Anlagen sollte der heimischen Bevölkerung zur Veranschaulichung des Stellungskrieges an der Westfront im 1. Weltkrieg dienen.
Die Anlage wurde als dreifachgestaffeltes Grabenwerk errichtet. Dem Front- oder Angriffsgraben folgte ein Unterstützergraben, dem wiederum ein Reservegraben folgte – alle Längsgräben waren durch Verbindungsgräben verbunden. Allerdings wurde die Anlage wohl nicht zur Ausbildung genutzt, denn sie wurde nicht nach den militärischen Normen, sondern etwas vereinfacht und verkleinert errichtet.
Die Meding-Schanzanlage überdauerte den 1. Weltkrieg. In den Jahren 1919/20 wurde sie um ein Mahnmal für die Gefallenen der Halberstädter Garnison ergänzt, das heute noch erhalten ist. In den folgenden Jahrzenten geriet die Anlage in der Randlage des Fliegerhorstes in Vergessenheit. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Wehrmacht-Fliegerhorst Garnisonsstandort der Sowjet-Armee. In dieser Zeit wurde die Anlage durch den Bau eines Forstweges geschnitten und teilweise überlagert. Der Forstweg dient heute noch den Einwohnern des benachbarten Ortes Langenstein als willkommene Abkürzung nach Halberstadt und führt unmittelbar am Mahnmal vorbei.
Die Meding-Schanze ist nicht ohne geschichtliche Bedeutung, denn sie ist anscheinend außerhalb der ehemaligen Kampfzonen an der Westfront die einzige erhalten gebliebene. Daher hat der Verein Halberstädter Berge e.V. sich auch diesem Kriegsdenkmal gewidmet und es wieder begehbar gemacht, wobei die Kreisarchäologie behilflich ist. In seiner Substanz ist die Anlage noch gut erhalten, was besonders auf die Stellungen von zwei Minenwerfern sowie diverse Kampfstellungen und Unterstände zutrifft.
Die Meding-Schanze ist also durchaus eine Erkundung wert, wobei allerdings auf zweckdienliche Kleidung acht gegeben werden sollte.



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