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Thema: Die Langelge – Hütte, Gestüt, Jagdschloss und Amt


Die Langelge, heute Lange genannt, ist eine Hochfläche im Harz zwischen Warmer Bode und Rappbode.
Über die Langelge führte bereits im Mittelalter - vielleicht auch schon davor - der Thüringer Weg von Blankenburg nach Ellrich. Das Gelände entlang dieser uralten Wege wurde natürlich als erstes erkundet. So fand man schon sehr früh auf der Langelge – in der Nähe von Tanne – Silbererze. Daran erinnert noch heute der Flurname Silberkulk, wo 1226 der aus dem Südharz stammende Adelige Bertoldus von Othstedt von Wegelagerer ausgeraubt und getötet wurde. Dies ist die zweite urkundliche Nennung diesen Standort. Die erste war die Erwähnung im Lehnbuch des Grafen Siegfried von Regenstein im Jahr 1209; Lehnsherren waren demnach die Braunschweiger Herzöge. Zunächst war die Langelge ein Forstort, der sich von der Königsburg bei Königshütte bis Rübeland erstreckte.
Im Jahr 1355 wurde beurkundet, dass die Grafen Bernhard d.Ä. und Bernhard d.J. von Regenstein die Hälfte der Jagd- und Forstgerechtigkeit „de Langelde und de hutten unde tollen tor dannen (die Langelge und die Hütten und den Zoll zu Tanne) für eine Summe von 200 Brandenburger Mark für 20 Jahre an Bischof Albrecht II. von Halberstadt verpfändete. In den folgenden 200 Jahren wechselte der dortige Besitz häufiger zwischen den Halberstädter Bischöfen und den Regensteiner Grafen; die Braunschweiger herzöge blieben Lehensherren.
Ob in der Zeit des Mittelalters schon eine Domäne auf der Langelge bestanden hat, ist unklar. Ich gehe aber mit großer Sicherheit davon aus, denn ein Silberbergwerk war sicherlich auch geschützt, so dass wohl von einer befestigten Domäne ausgegangen werden kann. Im Jahr 1539 wurde die Langelge als Gestüt der Grafen von Stolberg genannt, die somit in deren Besitz gekommen sein müssen. Es folgen Erwähnungen als Wildenhof und Stuterei. Da Teile der Harzhochfläche, wozu die Langelge zählt, bereits im Hochmittelalter (und vielleicht schon in frühgeschichtlicher Zeit) zur Pferdzucht genutzt wurde, ist ein früheres Gestüt anzunehmen.
Dieser Wildenhof fiel um 1599 als Realbesitz an die Braunschweiger Herzöge. Die nächste Nachricht stammt aus dem Jahr 1723. Es folgte eine Umwandlung des Gestüts in einen Erbenzinshof als persönlicher Besitz der Herzogin Christine Louise, Gemahlin von Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel. Im Jahr 1734 baute die Herzogin sich auf dem Gut ein Jagdschloss. Nach Ihrem Tod im Jahr 1747 erbt ihr Enkel Herzog Ludwig Ernst das Anwesen. Im Jahr 1750 verkauft der Herzog Gut und Jagdschloss an die Fürsten von Anhalt-Bernburg. Aber bereits 1763 nahm Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel die Domäne mit Schloss wieder in Besitz.
Im Jahr 1827 hatte der Harzgeschichtsforscher Gustav Heyse das Gut Lange auf einer Wanderung besucht und seine Elebnisse schriftlich festgehalten (Die Einsiedeleien des Harzes). Demnach gab es dort ein großes Gebäude mit rotem Ziegeldach, in dem es einen prächtigen Ahnensaal mit zahlreichen Wandporträts gab. 1858 will Heyse die Lange erneut besuchen, aber er findet nur noch einen leeren Platz; nur der uralte Ahorn zeigt ihm, wo einst das stolze Gut seinen Standort hatte.
Was war geschehen: Das gesamte Anwesen war anscheinend in desolatem Zustand; es war bereits seit 1763 als fürstliche Domäne verpachtet worden. . Von 1838 – 1842 wurden im Auftrag der Welfen durch Baumeister Frühling umfangreiche Reparaturen vorgenommen. Dann wurde die Lange an den Stieger Amtmann Eißfeld verpachtet. Aber die Domäne blieb wohl unwirtschaftlich. Im Jahr 1848 wurde sie dann von der Braunschweigischen Regierung auf Abbruch verkauft.
Gustav Heyse fand folgendes heraus: „Von den Wirtschaftsgebäuden wanderte der Schafstall nach dem Kaltentale, der Kuhstall nach Hüttenrode, das Jägerhaus nach Benzingerode, der mit Verwalterwohnung und Kornböden verbundene große Pferdestall samt Scheune nach Halberstadt, um eine Zigarrenfabrik zu werden; das fürstliche Hauptgebäude mit seinem Ahnensaale (Jagdschloss) wurde vom Holzhändler Reinecke erstanden und in Halberstadt wieder aufgestellt. Das Jagdschloss, entsprechend einer alten Zeichnung mit Grundriss war wohl ein prächtiger zweigeschossiger Fachwerkbau, wurde von der Familie Reinecke als Wohngebäude genutzt, bis es 1945 im alliierten Bombenhagel zerstört wurde.
Auf dem Domänengelände Lange findet man heute nur noch wenige Spuren von den einstigen Gebäuden. Nur der Teich auf der Grummetwiese ist als Rest erhalten geblieben und der uralte von Heyse erwähnte Ahorn grünt immer noch.
Der von Heyse erwähnte Schafstall im „Kaltentale“ ist wohl noch heute gut erhalten. Es ist wahrscheinlich die lange Fachwerkscheune auf dem „Gut Heiligenstock“ bei Rübeland. Heute lautet die Anschrift Kaltes Tal 12 und das Anwesen ist ein Seniorenwohnheim.




Zuletzt bearbeitet: 26.05.14 22:33 von Administrator

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