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Thema: Der tausendjährige Rosenstock zu Hildesheim


Wann Hildesheim gegründet wurde ist bisher nicht nachzuweisen, das Grundwort -heim deutet jedoch auf ein Gründung hin, die in altsächsische Zeit (Frühmittelalter) zurückreicht.
Nach dem Sieg von Karl dem Großen in den Sachsenkriegen wurde dort die erste christliche Kirche im Sachsenland errichtet. Um die Gründung des ersten Bistums in Sachsen durch Ludwig den Frommen, des Sohnes von Karl dem Großen, im Jahr 815 ranken sich zahlreiche Sagen. Ausschlaggebend war wohl aber die verkehrsgünstige Lage dieses Standorts. Als die ersten Bischöfe des neugegründeten Bistums gelten Gunthar und Rembert. Eine erste Kirche wird schon für die Zeit vor der Diözese vermutet. Nach deren Gründung erfolgte um 815 der Bau einer Marienkapelle im Bereich der heutigen Apsis. Südlich benachbart ließ Bischof Gunthar eine der hl. Cäcilia geweihte Basilika von bescheidenen Maßen mit zwei hohen Rundtürmen errichten, die als erste Dom- und Stiftskirche diente und die Gräber der ersten vier Bischöfe aufnahm. Von beiden Bauten sind nur Fundamentreste erhalten. Der Hildesheimer Mariendom wurde dann 872 unter Bischof Altfrid als dreischiffige Basilika auf Kreuzgrundriss mit einem zweistufigen Westwerk erbaut.
In die Gründungszeit des Bistums reichen auch die ersten Sagen und Legenden um den tausendjährigen Rosenstock zurück: Seinerzeit, im Jahre 815, soll Ludwig der Fromme, Sohn und Nachfolger Kaiser Karls des Großen, zwischen den Blüten einer wilden Heckenrose eine kostbares Reliquiar vergessen haben, dass er dort zur Feier einer Messe hatte aufhängen lassen. Als er zurückkehrte, um das Reliquiar wieder zu holen, ließ es sich nicht mehr vom Rosenstock entfernen. Ludwig der Fromme sah darin ein göttliches Zeichen und ließ zu Ehren der Gottesmutter an Ort und Stelle eine Kapelle bauen. Soweit die Legende.
Im Schrifttum erscheint der Rosenstock dann erstmals in einem Buche aus dem Jahr 1670, das der Arzt Johann Heinrich Cohausen verfasst hat. Seit dieser Veröffentlichung haben sich zahlreiche Personen um Erkenntnisse zu diesem Rosenstock bemüht, der noch heute ein Wahrzeichen Hildesheims ist. Der Erkenntnisgewinn zum Rosenstock war jedoch lange Zeit an die Sagen und Legenden geknüpft, was auch mit fehlenden wissenschaftlichen Kenntnissen zu begründen ist. In der Botanik war man im 19. Jahrhundert jedoch wissenschaftlich schon recht bewandert und so konnte man den Rosenstock bereits exakt botanisch bestimmen: Er ist kein Exemplar einer erlesenen Art , sondern eine ganz gewöhnlich Heckenrose. Diese Rose ist eine der in vielfältigen Formen vorkommenden Rosengewächse, die der Botaniker allesamt unter der Sektion Rosa canina – Hundsrosen – zusammenfast. Man weiß heute, dass nicht nur gewaltige Bäume ein sehr hohes Alter erreichen können, sondern auch diese Wildrosensträucher. Das Wurzelsystem der Wildrosen reichte mit seinen Ausläufern tief ins Erdreich und nur gravierende pflanzenphysiologische Einflüsse führen zu ihrem vollständigen Absterben. Ihre Sprossachsen sterben zwar von Zeit zu Zeit ab, immer wieder treiben aus dem Wurzelsystem neue, auch wenn dies teilweise Jahre dauert.
Das der Hildesheimer Rosenstock an der Chorapsis im St. Annen-Friedhof ein hohes Alter hat, ist augenscheinlich auch an seinen überirdischen Schösslingen zu erkennen. Sein wahres Alter verbirgt er allerdings im Boden. Lange Zeit galt die Vermutung, dass die Ursprünge des Wurzelstocks unter dem mittleren Altar der Domgruft zu finden seien und durch die Mauern nach außen geleitet würden. Durch entsprechende Grabungen am Wurzelstock – entlang der Grundmauern – konnte diese Annahme wiederlegt werden.
Dann kam der schreckliche alliierte Luftangriff am 22. März 1945, der große Teile von Hildesheim und auch den Dom in Schutt und Asche legte. Nach dem Krieg war schnell klar: Der Dom wird wieder aufgebaut. Zuvor jedoch nahm die Archäologie umfangreiche Grabungen vor, die in den Jahren 1947 bis 1949 unter Leitung von Dr. Joseph Bohland durchgeführt wurden. Für die Archäologen war durch die massive Bombenzerstörung eine wohl einmalige Chance entstanden, die Bausubstanz des Domes ohne große Kosten und ohne Gefährdung selbiger zu untersuchen. Besonders intensiv wurde an der Domapsis gegraben, die als Keimzelle der Domanlage galt. Diese Grabungen führten zu höchst aufschlussreichen Feststellungen und Erkenntnissen. In 1,80m Tiefe stieß man unter anderem auf ein Fundament aus bearbeiteten Bruchsteinen, das sich als Einfassung zu einer Quelle herausstellte. Entsprechende Untersuchungen ließen eine Datierung auf das Jahr 776 zu. Die Quelle, in der sich die Hangwässer des nahegelegenen Galgenberges über dem undurchlässigen Schiefergestein-Untergrund Austritt nach oben verschafften, war ein altsächsisches Quellenheiligtum der Göttin Frigg. Sie, die Gemahlin von Odin, gilt als Götter-Mutter. Ihr war die Rose – die Heckenrose – geweiht, die noch heute „Friggdorn“ oder „Freiasdorn“ genannt wird. Die germanischen Stämme umgaben schutzwürdige Objekte, wie Fliehburgen und Kultstätten, gern mit Bepflanzungen aus diesen stachelbewehrten Wildrosen, die dann Hecken bildete. Diese wurden als Flur- oder Ortsnamen Hag, Hagen oder Hägen bezeichnet und deuten auf frühe Siedlungsformen hin.
In dem unveröffentlichten Bericht von Dr. Bohland über den Ausgrabungsbefund wird ausdrücklich auf einen „humosen Boden“ hingewiesen. Dieser hatte sich im Laufe der Jahrhunderte aus verrotteten organischen Substanzen aufgebaut. Bohland berichtet weiter, dass es keinem Zweifel unterliegen kann, dass diese fette Humusschicht von Rosen stammt, besonders wenn man die Lebensart von Rosen kennt. Fundamentiert wurde diese Feststellung auch dadurch, dass Reste von verrotteten Bäumen, die sich eindeutig durch entsprechende Verfärbungen in den Humusschichten nachweisen lassen, nicht gefunden wurden. Von wildwachsenden Rosen ist bekannt, dass sie die Fähigkeit haben, sich von ihrer Basis her immer wieder zu erneuern. Sie haben nach botanisch gesicherten Erkenntnissen unter günstigen Voraussetzungen durchaus die Möglichkeit tausend Jahre und älter zu werden. Auf jener umfriedeten, gehegten und gepflegten Fläche des Heiligtums waren diese Voraussetzungen im hohen Maße gegeben. Kein Pflug, keine Axt, kein Spaten hinderte die altsächsische Hecke am Wuchs. Dann jedoch kamen die Karolinger und führten den christlichen Glauben ein und untersagten die Bräuche vorherigen Naturglaubens. Wie Papst Gregor I. bereits um 600 für die Missionierung der Germanen empfohlen hatte, wurde das altsächsische Quellheiligtum zur christlichen Kultstätte umgestaltet. Bei diesen Maßnahmen ist es wohl nicht gelungen die alt-ehrwürdige Rosenhecke vollständig zu beseitigen – wer einmal versucht hat eine Wildrose in seinem Garten zu roden gewinnt schnell die Erkenntnis, dass dies nur selten nachhaltig gelingt. Auch noch nach vielen Jahren, in denen man an den Rode-Erfolg geglaubt hatte, erscheinen neue Triebe


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