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Thema: Heimatmaler Walter Gemm


Ernst Walter Gemm wurde am 27.September 1898 in Halberstadt geboren und blieb seiner Geburtsstadt ein Leben lang eng verbunden. Er war das zweite von sieben Kindern des halberstädter Handschuhmachers Max Gemm. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Walter Gemm eine Lehre als Dekorationsmaler, die er 1916 abschloss. Danach nahm er Kurse bei Prof. Adolf Rettelbusch an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg. Die Fortführung seiner Ausbildung wurde dann durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Ab April 1919 ermöglichte ihm ein Stipendium der Halberstädter Buchhorn-Stiftung ein richtiges Studium an der Kunstgewerbeschule Magdeburg, Fachklasse für Dekorative Landschafts- und Architekturmalerei bei Adolf Rettelbusch, der sich stark für das Stipendium eingesetzt hatte. Nach Abschluss seines Studiums erhielt Gemm im baden-württembergischen Bruchsal eine Anstellung als Entwurfzeichner in den Graphischen Werkstätten. Außerdem besuchte er zeitgleich Abendkurse an der Kunstakademie Karlsruhe. 1921 heiratete er in erster Ehe Frieda Pohle (1901-1948).
Walter Gemm fühlte sich in Süddeutschland nicht richtig wohl, es zog nach zurück nach Halberstadt. 1923 fand er schließlich in seiner Geburtsstadt als Dekorationsmaler und wurde zudem als freier Maler tätig. Im selben Jahr hatte er eine erste Ausstellung im Halberstädter Kunstverein, eine weiter folgte 1926 im Städtischen Museum. Dort war August Hemprich Museumsdirektor – zwischen den beiden Männern entstand in der Folge nicht nur eine fruchtbare Zusammenarbeit sondern auch eine lange freundschaftliche Beziehung. 1935 erhielt Gemm den Auftrag, für das Museum Halberstadt fünf Historienbilder aus der Ur- und Frühgeschichte zu malen, die Hemprich auch für seine geschichtlichen Veröffentlichungen nutzte. Für einen Wartesaal des Halberstädter Hauptbahnhofs malte er 1939 drei große Ölbilder.
Walter Gemm verband auch von der Schulzeit an eine lebenslange Freundschaft mit Wilhelm Pramme. Pramme, wie Gemm 1898 in Halberstadt geboren, hatte den Beruf eines Lithographen erlernt und war gleichfalls zum Heimatmaler geworden. 1926 fassten die beiden Maler den Entschluss zu einer Weltreise, welche jedoch in Tirol endete, wo Gemm aufgab.
In den folgenden Jahren erwarb sich Walter Gemm einen guten Ruf als Veduten- und Heimatmaler. Dann brach der 2. Weltkrieg aus und Gemm wurde zur Wehrmacht eingezogen. Er nahm am Frankreichfeldzug und auch am Feldzug gegen die Sowjetunion teil. Auf Grund seiner künstlerischen Ausbildung wurde er jedoch bald von Dienst an der Waffe befreit und bekam das Privileg eines Kriegsmalers. Es entstanden dabei außergewöhnlich aussagekräftige Frontberichte – Bilder und Zeichnungen des Grauens. Bereits nach dem ersten Weltkrieg hatte sich Gemm künstlerisch mit den Kriegsereignissen auseinander gesetzt.
Zu seiner Tätigkeit als Kriegsmaler schrieb er: „Werde wahrscheinlich von meiner Division zur Beteiligung (mit meinen Kriegsbildern) an der diesjährigen Gauaustellung beurlaubt, da ich die Verpflichtung empfinde meine künstlerische Aufgabe dem Zeitgeschehen einzuordnen. So hat für mich der Krieg trotz aller Schwere starke Anregungen gebracht, auch der innere Mensch blieb nicht unberührt.“
Walter Gemm erntete auf vielen Austellungen Erfolge mit seinen Kriegs-Retrospektiven. 1942 nahm Gemm mit vier Bildern an der Ausstellung des Oberkommandos der Wehrmacht „Krieg und Kunst“ im Wiener Künstlerhaus teil. Diese Schau zeigte über sechs Wochen einen Querschnitt an deutscher Kriegsmalerei. Gemms Bild „Zerschossene sowjetische Batterie an der Desna“ wurde 1945 vom Heeresgeschichtlichen Museum Wien aufgekauft.
Unmittelbar nach dem Krieg organisierte Gemm eine erste regionale Kunstausstellung in Thale. In den ersten Nachkriegsjahren verschrieb sich Gemm schwerpunktmäßig der Dokumentation des zerstörten Halberstadt sowie dessen Wiederaufbau, wofür man ihm „Chronist mit Stift und Pinsel“ nannte. 1948 verstarb seine Frau nach langer, schwerer Krankheit. Gemm, dem man in der NS-Zeit nicht keine oppositionelle Rolle zugestehen konnte, engagierte sich für den neuen sozialistischen Staat und trat auch in die SED ein. Allerdings schlug sich dies nie in seinem künstlerischen Schaffen nieder, der Sozialistische Realismus der DDR hat in seinen Bildern keine Spuren hinterlassen. 1952 heiratete Gemm ein zweites Mal, seine Auserwählte hieß Annemarie Keuthe.
Walter Gemm wurde insbesondere bekannt für seine realistische Malerei der halberstädter Altstadt sowie des nördlichen Harzvorlandes. Insgesamt schuf er jedoch über 6.000 Werke und kann somit zu den äußerst produktiven Malern gezählt werden. Einen breiten Bekanntheitsgrad erlangte er auch durch Hunderten von Zeichnungen, die die Heimatzeitschrift „Zwischen Harz und Bruch“ illustrierten, sowie als Redaktionsbeirat dieser Publikation.
Im Jahr 1967 entwarf Gemm die bis heute existente Gedenkstätte an den 8. April 1945, der Bombardierung und fast vollständigen Zerstörung Halberstadts, an den Grundmauern der Ruine der Franzosenkirche.
Am 17. März 1973 starb Walter Gemm in Osterwieck. Er wurde auf dem städtischen Friedhof in Halberstadt beigesetzt.




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