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Thema: Die Glockensteine im Steigerthal


Steinkreuze und Steinkreuzgruppen sind überall in Deutschland zu finden, besonders zahlreich sind sie jedoch in Mitteldeutschland aufzufinden. Sie sind in der Regel im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit als Sühnekreuze für Mordtaten aufgestellt worden und zählen somit zu den ältesten Flurdenkmalen.
Jedoch ist von den meisten dieser alten Zeugnisse der unmittelbare Anlass schriftlich bezeugt. Auch lassen sich überlieferte Sühneverträge selten mit Sicherheit einem erhaltenen Steinkreuz zuordnen. Oftmals sind bei diesen Steinkreuzen Waffen eingeritzt, die als Mordwerkzeuge gedeutet werden. Wurde jemand im Streit oder anderweitig ohne Absicht getötet, musste sich der Schuldige mit der Familie des Opfers einigen. Es wurden zwischen beiden Parteien privatrechtliche Sühneverträge abgeschlossen. Mit der Einführung der Reformation sowie der Peinlichen Halsgerichtsordnung (Carolina) im Jahr 1532 verloren diese Sühneverträge jede Bedeutung, sie wurden durch ein landesherrliches Gerichtswesen abgelöst. Daher gibt es seitdem keine Steinkreuzsetzungen mehr. Über die vorherigen berichten in der Regel nur Sagen und Legenden.
So ist es auch mit den drei Steinkreuzen im Steigerthal bei Nordhausen, die als Glockensteine bezeichnet werden. Von dieser Steinkreuzgruppe, etwa 900m südwestlich von Steigerthal auf der Haardt, unweit des Fahrweges nach Himmelgarten, ist nur noch das mittlere als Kreuz erhalten.
Zu den Glockensteinen berichtet die Sage folgendes: Einmal lebte in Stolberg ein weithin bekannter Glockengießer. Der bekam von der Stadt Stolberg den Auftrag eine Glocke zu gießen. Dieser Auftrag war für den Glockengießer eine große Freude, konnte er sich doch mit einem solchen Werk unsterblich machen. Er wollte eine Glocke gießen, wie man noch keine zuvor gesehen oder gehört hatte und sie sollte auf ewig seinen Ruhm verkünden. So machte er sich ans Werk und goss mehrere Glocken, aber keine genügte seinen Ansprüchen. Da machte er sich auf nach Nordhausen, um sich von Kollegen Rat zu holen. Der Glockengießer wollte nicht lange weg bleiben und ließ seinen Gesellen zurück. Der sollte inzwischen alles für einen neuen Guss vorbereiten. Aber der Meister kam und kam nicht wieder. Inzwischen war die Metalllegierung gussfertig und da der Meister noch immer ausblieb, wagte der Geselle selbst den Guss. Und siehe da, der Guss gelang so vortrefflich, dass der hinzu gekommene Bürgermeister bekundete, diese und keine andere Glocke wolle er haben. Da erfasste den Gesellen Angst, was wohl sein ehrgeiziger Meister dazu sagen würde. Er beschloss ihm entgegen zu gehen und traf mitten im Wald auch auf ihn. Gleich berichtete er seinem Meister die ganze Geschichte. Der wurde aber bitterböse und schlug seinem Gesellen so unglücklich mit seinem Wanderstock über den Kopf, dass der Geselle auf der Stelle tot umfiel. Der Glockengießermeister aber wurde wegen Mordes angeklagt, verurteilt und hingerichtet. Dann verscharrte man seine Leiche an der Mordstelle. Dort wurde dann später jener Stein aufgestellt, der für immer an diese Mordtat erinnern sollte.
Diese Glockensteine sind über den Südharzer Karstwanderweg gut zu erwandern. Von Nordhausens Stadtteil Steigerthal aus, führt von dessen Ortsmitte ein gut ausgeschilderter Wanderweg zu den etwa 1,6 km entfernten Glockensteinen. In deren unmittelbarer Nähe befindet sich der Stempelkasten für die Harzer Wandernadel, mit der Nr. 198.



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