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Thema: Önd, Odr, Lá und Lito Goda


Wir Menschen und auch die Tiere bestehen aus vier Hauptprinzipien:

1. dem materiellen Körper Leib; altnord. Lito
2. der Lebenskraft, Vital- oder Ätherleib, Lebensfeuer; an. Lá
3. der Seele, auch Astral-, Od- oder Fluidialkörper genannt; an. Odr
4. dem Geist, Atem, Lebenshauch; an. Önd

Diese vier Prinzipien wurden von der Götterdreiheit Odhinn, Hönir und Lodurr verliehen (siehe Völuspa). Odhinn verlieh uns das Önd, Hönir gab uns das Od und Lodhurr das Lá und den Körper (Lito Godha).

Der Leib ist verdichtetes Od, das Od ist verdichtetes Önd. Die vielfältig beobachteten Geistererscheinungen sind nichts anderes als Odkörper, die oft als nebelartige Gebilde erscheinen. Der Odkörper hat die gleiche Gestalt wie der irdische Leib, ist nur schöner und vollkommener gebildet. Er reflektiert das Licht nicht, weshalb wir ihn normalerweise nicht sehen können, es sei denn, man ist hellsichtig oder der Odkörper verdichtet sich zum Nebel.

Nach dem Tode des irdischen Leibes löst sich der Odkörper vom Leichnam; die feinstoffliche Nabelschnur zerreißt. Das Od geht ins Jenseits ein, in die Astralwelt, die wir als Valhöll oder Helheim kennen. Dort behält der Odkörper seine alten Angewohnheiten bei, ißt und trinkt, pflegt seine Leidenschaften usw. Erst nach und nach legt er diese ab, und irgendwann löst sich das Önd (Geist) vom Od (Seele) ab, so daß nur noch der reine Geist existiert; er ist unsterblich. Dieser geht dann in höhere geistige Bereiche ein.

Hier finden wir das bekannte Bild des Schmetterlings als Seelensymbol: Die Raupe (irdischer Leib, der von den Indern passend als "Rupa" = Raupe bezeichnet wird) verpuppt sich und wandelt sich zum Falter, der aus der scheinbar leblosen Hülle herausbricht und in den Himmel fliegt.

Es wird klar, daß es den wirklichen Tod eines Lebewesens gar nicht gibt, sondern daß alles Sterben nur eine Umwandlung ist, eine Höherentwicklung, eine Rückkehr ins Reich der Götter.

Die 4 Begriffe Önd, Odr , Lá und Lito Goda können wir also auch folgendermaßen übersetzen:

Lito Goda = Stoffleib; der materielle sterbliche Körper, die äußere Gestalt.

Lá = Lebensleib; der Ätherleib, die Lebenskraft, welche mit dem Tod vergeht.

Odr = Empfindungsleib; der Astralkörper, Sitz der Gefühle und Wünsche, Begierdenleib, Seele.

Önd = Geistleib; der Lebenshauch und der unsterbliche, ewige Geist, der Menschen und Tieren eingehaucht wird. Er entspricht dem indischen Atma, dem höchsten Prinzip, welches ebenfalls "Atem" bedeutet.

Stoff- und Lebensleib werden durch die Kräfte der Erde gebildet; Empfindungs- und Geistleib durch die Kräfte des Kosmos. Der Empfindungsleib nährt sich vom Lebensleib. Die Geistwesen besitzen keinen Lebensleib; doch wenn wir sie auf die irdische Ebene rufen wollen, damit sie uns helfen, so benötigen sie dazu Lebenskraft. Diese Lebenskraft steckt in den Pflanzen und Tieren. Wir opfern den Geistwesen dann z. B. Früchte und Getreide, damit sie sich von der Lebenskraft der Pflanzen nähren und so uns leichter nahe kommen können.
Während bei Menschen und Tieren der Empfindungsleib direkt im Stoffleib inkarniert ist, befindet sich das Odr der Pflanzen nur zum Teil in diesem.

Der Hauptteil des Empfindungsleibes befindet sich in den Geschlechtsorganen. Geschlechtsprobleme (Impotenz, Frigidität) deuten daher auf zu schwache Inkarnierung des Odr. Starke geschlechtliche Aktivität stärkt den Empfindungsleib, schwächt aber den Lebensleib.
Hat das Odr alle Lebenskraft aufgesaugt, so löst sich der Empfindungsleib vom Körper; der Tod tritt ein. Odr und Önd kehren in den Kosmos zurück, bevor sie später wieder in einen neuen Stoffleib auf der Erde inkarnieren.

Mit dem Regen gelangen die Geister aus ihrer kosmischen Sphäre zurück auf die Erde, wo sie z. B. in Seen, an Felsen oder in Bäumen auf ihre Wiederverkörperung warten. Deshalb gibt es im Germanischen den Glauben an Kleinkinderteiche oder -bäume, zu denen die Frauen pilgern können, wenn sie sich ein Kind wünschen. Das Baden in einem solchen Teich macht die Frauen fruchtbar und empfänglich. Oft sind es die sogenannten Frau-Holle-Teiche, die als Kleinkinderteiche gelten. Die Göttin Holle wacht über die Kinderseelen und gebietet über die Fruchtbarkeit der Frauen.


Zuletzt bearbeitet: 28.03.10 19:25 von Administrator


"Lito goda" bedeutet "göttliche Gestalt"; in den üblichen Eddaübersetzungen wird es aber immer mit "guter Farbe" übersetzt. Was ist nun richtig? Es kommt darauf an, ob man "góða" oder "goða" lesen muß. Das Original hat hier und überall keine Akzente, so daß es also Interpretation ist, ob man es als "goð" (Gottheit) oder "góðr" (gut) lesen muß. Und "litr" kann sowohl "Aussehen, Gestalt", als auch "Farbe" bedeuten.
"Lito goða" kann also "gute Farbe", "gutes Aussehen" oder "gute Gestalt" bedeuten, aber eben auch "göttliche Farbe", "göttliches Aussehen" oder "göttliche Gestalt".

Letztendlich kommen wir so nicht weiter. Deswegen ist der Vergleich mit anderen Mythologien hilfreich. In der babylonischen Mythologie, die Vorlage des ersten biblischen Schöpfungsberichtes geworden war, wird der Mensch nach dem Bilde der Götter geschaffen. Das ist unsere "göttliche Gestalt". In der Genesis 1, 26f heißt es:

    >Und 'Götter' sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei (...)
    Und 'Götter' schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde 'Götter' schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib<.
"Götter" (Dii, Elohim) ist das Wort, was im Original hier verwendet wird. Später hatten die Massoreten den Text auf den Eingott geändert, so daß die Satzgrammatik im Singular steht (außer dem bekannten "uns"). Aber die Bezeichnung Elohim selbst getraute man sich nicht, zu verändern, so daß nun der kuriose Fall entstanden war, daß ein Singularbericht ein Pluralwort verwendet.

In der Genesis folgt dann der 2. Schöpfungsbericht, in dem der Eingott Jachveh zuerst nur einen Mann erschafft. Immerhin gibt es bei genauerem Hinsehen immer noch die drei Bestandteile des Menschen, die die Annahme, daß es auch hier einst genau drei Götter gewesen sind, nahelegt. Es heißt in Genesis 2, 7:

    >Und Gott Jachveh machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele.<
Erde, Odem, Seele sind hier die Bestandteile, die in der Edda önd, óð und lá heißen. Der 4. Bestandteil, die "göttliche Gestalt" fanden wir ja schon im 1. Schöpfungsbericht. Die Ähnlichkeiten sind auffällig, doch hat die Edda dieses Bild in viel ursprünglicherer Form erhalten, während es in der Genesis in zwei sich widersprechende Berichte gespalten ist. Insbesondere hat die Edda noch den heidnischen Begriff "önd" für "Seele" erhalten; bekanntlich taucht auf Runensteinen seit dem 10. Jh. überall nur der christliche Begriff "salu" (Seele) auf; die Edda ist also älter, als diese Runensteine und definitiv nicht von der Genesis beeinflußt, denn sonst müßte dort auch "salu" statt "önd" stehen.
Übrigens kennt die Genesis auch schon zwei besondere Bäume im Paradies, den Baum der Erkenntnis und den Baum des Lebens, die zweifellos einst ein einziger Weltbaum waren. In der Edda ist nur von diesem einen Weltbaum die Rede und damit ein viel älterer Mythenzustand bewahrt.

In der Jüngeren Edda nun finden wir eine Erweiterung der Gaben der Götter: In der Dämisaga 9 (Gylfaginning) heißt es:

    >>Als Bors Söhne am Seestrand gingen, fanden sie zwei Bäume. Sie nahmen die Bäume und schufen Menschen daraus. Der erste gab önd (Seele, Atem) und líf (Leben), der andere vít (Witz, Verstand, Wissen) und hræring (Rührung, Bewegung), der dritte Áse málið (Lied, Sprache, Zeichen), und heyrn (Hören, Gehör) und sjón (Blick, Gesicht, Augen).<
>Es scheint, daß hier eher exoterische Bestandteile des Menschen genannt sind, jedenfalls sind vít (Gehirn), hræring (Bewegungsapparat, Muskeln), Heyrn (Gehör, Ohren) und sjón (Sehen, Augen) so deutbar. "líf" wäre dann der Kreislauf; líf-Leben ist mit "Leber" und "Leib" etymologisch verwandt. Málið bezeichnet dann den Sprechapparat, und nur önd wäre esoterisch zu deuten, wenn man nicht hier sogar auch einfach nur den Atem (Lungen) verstehen will.

Aber es ist natürlich auch eine eher esoterische Deutung möglich, bis hin zu den 7 Prinzipien des Menschen (materieller Körper, Ätherkörper, Astralkörper, Mentalkörper, Causalkörper, Seeligkeitskörper, Atma).

Lichtgruß
Geza





Hallo Catrin, Hallo Geza,
meine jetzt folgender Wortbeitrag ist eher auf Catrins Art des Erklärens bezogen, da dieses recht wissenschaftliche Zerlegen und Beweisführen durch Geza mir schwer fällt, zu lesen und zu verstehen, was aber notwendig ist zum Verständnis der Dinge. Bin halt manchmal denkfaul.

Ich habe in meiner Sippe eine Person, die ihren Ehepartner verloren hat durch "2 mal" Sterben. Was sich etwas doof jetzt ließt heißt eigentlich, der Ehepartner war schon einmal auf dem Heelweg, was Wissenschaftler von RTL Exclusiv oder Geo als Nahtoderfahrung beschreiben.

Diese am Scheideweg stehende Person war in einer Klinik "verstorben" und hatte folgende Nahtod-Erfahrung: Die Person kam auf eine Wiese und sah Reitersoldaten unter einem Baum rasten. Diese Person nun hatte das Gefühl, die Soldaten hatten auf ihn/sie gewartet. Dann sah die Person eine lichte Gestalt...einer Frau gleich...so wie sie wohl in Walt Disney-(unsereins)Kinderzeichentrickfilmen her kennt. Diese Frau hatte ganz lange Fingernägel und sie krümmte den Zeigefinger in einer Art, als wolle sie ihm sagen: "Komm, geh mit mir mit!...."

Die Geschichte geht noch weiter, aber unser Thema ist dieser besonders "lichte Körper", von dem Catrin Eingangs erzählt hat. Das gibt es wirklich und nicht jeder hat das Glück, so etwas zu sehen!

"..es lebe unser heiliges Deutschland..."

Zuletzt bearbeitet: 13.09.14 16:54 von Administrator

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