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Thema: Umgang mit andern Religionen


Wie sollen wir Heiden jeder Richtung mit anderen Religionen (Christentum, Islam) umgehen? Sollen wir heidnisch missionieren? Sollen wir die anderen Religionen inhaltlich kritisieren, und unser Heidentum als bessere Religion anpreisen? Oder sollten wir die anderen einfach ignorieren und nur unsere Sache betreiben?

In der Werbung wird gesagt, daß man niemals negative Begriffe und negative Darstellungen verwenden soll. Selbst die mittlerweile erlaubte vergleichende Werbung wird in Deutschland kaum gemacht. Man soll stattdessen sein eigenes Produkt positiv darstellen, die Konkurrenten aber ignorieren, denn selbst wenn man sie negativ nennt, so hat man sie eben doch genannt und trägt damit indirekt zur Steigerung ihrer Bekanntheit bei.

Also auf Religionen bezogen: Ist es sinnvoll, das Christentum zu kritisieren, in der Hoffnung, damit Christen zum Verlassen ihrer Religion zu bewegen, damit diese nunmehr Heiden werden? Möglichkeiten gibt es da bekanntlich viele: Die aktuellen Geschehnisse der sexuellen Übergriffe durch Cleriker könnte man ls "systembedingt" laut anprangern. Und man muß sich selbst natürlich als bessere Alternative darstellen.

Derartige Werbung allerdings erreicht meist nicht das, was man erreichen will. Sich von seiner bisherigen Religion zu lösen ist ein langwieriger Vorgang, der durch Kritik von Außenstehenden sicher nicht beschleuinigt werden kann. Wir sind ja Partei, wir sind ja nicht unabhängig. Die Kritik der Medien an den Kirchen ist von der Kritik der Heiden an den Kirchen zu unterscheiden, die Medien sind in der Gesamtheit eben eher neutral und haben damit den Stand des unabhängigen Richters (oder Anklägers). Es kommt dazu, daß in jeder Gemeinschaft immer ein gewisses Gruppenbewußtsein existiert. Greift man die Gemeinschaft von außen an, dann führt das dazu, daß sich selbst Mitglieder, die sich innerlich schon teilweise gelöst hatten, wieder mehr mit der Gemeinschaft solidarisieren. Man treibt also diese Menschen zurück in ihre Kirche, anstatt sie für das Heidentum zu gewinnen.
Und wenn man seine eigene Religion als die beste anpreist, dann ist man in den Augen derjenigen, die man erreichen will, unglaubwürdig. Eigenlob ist immer unglaubwürdig (es sei denn in den rein heidnischen Bereichen).

Deswegen ist es wohl besser, einfach nur das Heidentum unabhängig darzustellen, nicht als "Gegen-Religion", sondern als eigenen, unabhängigen Weg. Also man kritisiert nicht die Natur- und Natürlichkeitsfeindlichkeit der Kirchen, sonden beschreibt die eigene Naturverbundenheit. Jeder, der das Christentum kennt, erkennt dann von alleine den Unterschied. Tritt man hingegen "gegen" etwas an, dann bietet man den Menschen, die man doch gewinnen will, quasi eine neue Feindschaft an, man zieht sie in eine Fehde, in einen Krieg hinein. Wer will das schon freiwillig machen? Der Mensch sucht Frieden, Harmonie, Liebe, auch Wissen und Bildung, nicht aber Feindschaften und Streitereien (es gibt allerdings wenige Menschen, die Streitereien suchen - würden wir solche ins Heidentum bekommen, wäre das eine Gefahr für uns).

Also wäre die Alternative, das Heidentum positiv darzustellen und die anderen zu ignorieren, bestenfalls als "andere Wege" zu einem ähnlichen Ziel beiläufig zu erwähnen. Vielleicht wäre es taktisch sogar klug, die Gemeinsamkeiten herauszustellen. Das macht es Religionswechselern leichter, da sie sich so bereits ein wenig in der neuen Religion zurechtfinden.

Aber wir wollen auch Kritik an den fremden Religionen üben dürfen, etwa am Islam. Man muß sich überlegen, wer eigentlich unsere Zielgruppe ist, wen wir zum Heidentum bringen wollen: Das sind sicher nicht die Moslems mit einer fremden Herkunft (deswegen kann Islamkritik uns nicht so sehr schaden), auch die frommen Christen werden wir wohl kaum erreichen. Es sind vielmehr die Mitläufer, diejenigen, die religiös sind, aber mit den Angeboten der Kirchen nicht mehr einverstanden sind, denen das nicht ausreicht. Und auch Atheisten, die gemerkt haben, daß es doch mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als sie bisher ahnten. Aber aus dieser Gruppe werden es wohl eher wenige sein. Wir als Menschen eine Religion, die (wie jede Religion) mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht beweisbar ist, stehen auch in erster Linie in einer Auseinandersetzung mit dem materialistischen Weltbild der Wissenschaft. Ich behaupte einmal, daß dies unserer eigentlicher Gegner ist, und auch in den Kirchen gibt es diese Auseinandersetzung zwischen einem spirituellen Weltbild (Gott, Jesus, Teufel, Engel, Seelen, Jenseits) und einem materialistischen, das nur akzeptiert, was man sehen, anfassen und beweisen kann, also die Materie. Geist, Seele, Wesenheiten wie Götter, gibt es da nicht.

Diese Auseinandersetzung können wir sogar in jedem heidnischen Forum wiederfinden. Da gibt es wirklich viele, für die die Götter nur von Menschen erdachte Vorstellungen sind, Symbole für Naturkräfte, jedenfalls aber ansonsten nicht existent.
Und bei den Christen sieht es ganz ähnlich aus: Wieviel Prozent der Christen glauben denn noch an Engel oder den Teufel? Für sehr viele (auch viele Pfarrer) war Jesus nur ein Mensch, ein Guru, ein Lehrer, meinetwegen auch ein Prophet, aber mehr nicht. Sie folgen seinen Lehren, wie man den Lehren großer Philosophen folgen kann, sie glauben nicht daran, daß er mehr war oder gar die Menschheit erlöst hätte.

Das wird meiner Ansicht nach die Auseinandersetzung der Zukunft sein, nämlich das spirituelle gegen das materielle Weltbild, nicht Heiden gegen Christen oder Moslems.
Und es ist die Frage, wie das Heidentum in der Gesamtheit hier aufgestellt ist, um in dieser Auseinandersetzung mitzutun und seinev Position zu vertreten.

Lichtgruß, Geza



Wir sollten andere Religionen einfach als andere Wege betrachten, ohne sie zu verurteilen. Wir können nur sagen: Für mich ist dieser oder jener Weg richtig oder falsch. Doch jeder Mensch muß für sich entscheiden können, welchen religiösen Weg er gehen will. Dazu bedarf es, und das schrieb ich bereits an anderer Stelle, der ausreichenden Information über die Religionen und natürlich auch über das germanische Heidentum. Information ohne Wertung, ohne Manipulation anderer. Nur der Mensch, der wissend ist und ausreichend informiert, kann eine echte Wahl treffen, welcher sein religiöser Weg ist.

Wichtig ist die Toleranz. Und gleichermaßen, wie wir Toleranz ausüben, müssen wir sie auch von anderen einfordern. Denn Toleranz funktioniert nur, wenn alle Religionen sie befolgen. Gegen Intoleranz müssen wir uns auf jeden Fall zur Wehr setzen.


Zuletzt bearbeitet: 14.05.10 18:52 von Administrator


Liebe Catrin,

Du schriebst im bezeichneten Beitrag etwas von Toleranz. Toleranz ist aber selbstverständlich. Es geht also um die Fragen:
    - Sollten wir uns von anderen Religionen abgrenzen?
    - Wie sollten wir uns ggfls. abgrenzen?
    - Sollten wir auch Mißstände anderer Religionen kritisieren bzw. in die Kritik an ihnen mit einstimmen?
    - Sollten wir die anderen einfach ignorieren?
    - Können wir mit anderen (z. B. Christen) irgendwie zusammenarbeiten (Parlament der Religionen usw.)?
    - Würde das mit allen gehen, oder gibt es Religionen, mit denen wir unter keinen Umständen zu tun haben wollen (Islam, Scientology)?
    - Dürfen wir sagen: "Wir sind besser" oder nur "Wir sind anders"?
    - Inwieweit können wir uns auf die Kultur berufen?
Das wären so einige Fragen, die ich hier einmal aufgeführt habe.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi





Wir müssen uns nicht abgrenzen. Aber wir können auf Unterschiede hinweisen, ebenso wie auch auf Gemeinsamkeiten.

Wir sollten andere nicht übermäßig kritisieren, das steht uns nicht zu. Sie aber auch nicht ignorieren, sondern einfach akzeptieren und uns nicht großartig um sie kümmern.

Wir können mit denen zusammenarbeiten, die ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit zeigen. Wir sollten dabei keine Religion ausgrenzen.

Wir sollten auch nicht sagen, daß wir besser sind. Wertungen sind immer subjektiv und wirken arrogant.

Natürlich können wir uns auf die Kultur berufen. Religion und Kultur sind miteinander verbunden.


Zuletzt bearbeitet: 02.05.10 15:50 von Administrator


Abgrenzen bedeutet mMn immer Gegensätze bewusst betonen, und auch eine Grenze ziehen nach dem Motto: "Bis hierhin und nicht weiter!" Eine Grenze soll immer einen bestimmten Bereich vor Einflüssen/Gefahren von außen schützen. Solche Gefahren von außerhalb gibt es für das Heidentum genauso, wie für andere alternative Gemeinschaften. Solche generellen Grenzen müssen leider immer gezogen werden. Sie sind eine Vorbedingung für ein friedliches Untersichsein, und schützen vor Unterwanderung, Ausspionieren und Fremdbeeinflussung. Wenn man die Grenze gesichert hat, kann man in Einzelfallentscheidungen genau definierte Überschreitungen dieser Grenze erlauben. Wo und wie eine Abgrenzung erfolgen muss, sollte mMn. pragmatisch nach der Gefahrenlage entschieden werden. Zieht man Grenzen, wird man auch mehr von den Gegnern geachtet.

Wichtig scheint mir insbesondere, die Religion gegen extreme politische Ideologien abzugrenzen. Es gibt ja allseits bekannte Beispiele heidnischer Org. die von rechten oder linken Ideologen heftig dominiert werden. Mit solchen fremdartigen Ideologien im Schlepptau kann man keine Religion aufbauen, aber man kann dadurch Religionsgemeinschaften zerstören. Eine Religion muss für Menschen verschiedener politischer Ideen da sein, nur sollten sie eben ihre politischen Ansichten nicht agitatorisch in die rel. Gemeinschaft hineintragen.
Die zweifellos erfolgreichste Org. im Kampf gegen die Inquisition war die Freimaurerei. Ihr Erfolg beruht im Wesentlichen auf strenge Grenzziehung und vernunftgeleitete Arkan-Disziplin. Man mag darüber denken, was man will, aber das Org.-Modell ist tatsächlich unschlagbar.

Eine inhaltliche Abgrenzung wird schon alleine durch die Konzentration auf die germanische Religion erfolgen. Aus der tiefen Verbindung mit ihr resultieren auf natürliche Weise bedeutende Unterschiede, so dass man nicht extra herausarbeiten muss, was die germ. Rel. zum Beispiel vom Christentum unterscheidet. Der Unterschied wird einfach offenkundig sein. Benennen müsste man die Unterschiede eigentlich erst, wenn man in einen Dialog mit Christen usw. tritt. Die Kritik an anderen Religionen sollte - wenn überhaupt - sehr maßvoll und lieber zurückhaltend sein. Ich denke hier zum Beispiel an das unfundierte Herumhacken auf dem Christentum etc im ER-Forum. Das bringt wirklich nichts. Man wird nicht besser, wenn man andere schlechter macht, als sie sind. Das kann auch mMn. zu Konflikten mit großen und einflussreichen Org. führen, die meistens genügend Potential haben, empfindlich zurück zu schlagen. Solche Dinge verbrauchen viel Energie, die besser in das Wachstum des Heidentums investiert werden sollte. Besser ist die Haltung "leben und leben lassen". Allerdings gibt es auch Gegner, die diesen Grundsatz nicht achten, und Konflikte schüren. Dann tritt eine Art Verteidigungsfall ein.

Bei Zusammenarbeit ist natürlich klar - das Ergebnis muss auch ein Gemeinsames sein, d.h. es muss für die Heiden auch irgendein Vorteil dabei herauskommen, der die Mühe lohnt, und sich nicht später in ein Nachteil verwandelt. Ein negatives Beispiel ist mMn. hier die Zusammenarbeit des RC mit den Kirchen und Medien, die den RC im Prinzip nur für ihre Zwecke benutzt haben. Mit solchen Formen der Zusammenarbeit wird sich das Heidentum wohl nicht etablieren können. Eine Zusammenarbeit von Org. die so ungleich in ihrer Größe und in ihrer gesellschaftlichen Stellung sind, wird mMn. zwangsläufig in die Abhängigkeit vom guten Willen der großen Org. (hier: die Evangelische Kirche) führen. Das ist keine Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe. Bei Projekten wie dem Weltparlament der Religionen ist das wohl anders, da hier viele Giganten zusammenkommen, und die Widersprüche zwischen ihnen einen Spielraum für das Heidentum ermöglichen. Abgesehen davon sind natürlich der Hinduismus und die sogenannten Stammesreligionen vertreten. Eine Delegation vom World Congress of Ethnic Religions könnte hier vielleicht öffentlich in größerem Rahmen auf ihre Anliegen aufmerksam machen.



Zuletzt bearbeitet: 25.05.10 18:07 von Robert_S


Im Prinzip alles eindeutige Vorschläge und wir haben es ja auch schon so gemacht: Klare Abgrenzung vom politischen Extremismus (auch in der Verfassung der GGG enthalten). Nur was kann man machen, wenn alle heidnischen Vorstellungen, die sich vom heutigen christlich-atheistischen Wertesystem unterscheiden, sofort von Gegnern als "extremistisch" hingestellt werden? Dann gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder, man äußert seine heidnischen Vorstellungen nicht. Dann aber wird ein eigenes heidnisches Profil nicht erkennbar, dann erscheint man als ein Heidentum, daß sich in nichts vom bekannten Wertesystem unterscheidet, ja man wirkt wie ein Opportunist und man verliert seinen Einfluß auf gesellschaftliche Gestaltung und Veränderung.
Oder, man äußert seine heidnischen Vorstellungen, nimmt aber in kauf, daß diejenigen Leute, denen diese Vorstellungen nicht gefallen, einen in eine extremistische Ecke einordnen.

Daß das Verhältnis der verschiedenen heidnischen Strömungen und Vereine zum Christentum einer genaueren Definition bedarf, scheint mir notwendig. Wir finden unterschiedliche Haltungen: Von totaler Feindschaft über Ablehnung bis zu Toleranz und sogar Vermischung ("HeiCris" = Heidenchristen). Man beklagt zu Recht das große Leid, das die Christen uns gebracht haben, ist sich aber auch bewußt, daß viele heidnische Bräuche nur unter dem christlichen Gewand erhalten wurden und daß wir insofern auch dem Christentum die Wiederentdeckung dieser Bräuche verdanken. Auch ist unsere Kultur christlich geprägt und eine Ablehnung des Christentums bedeutet auch eine Ablehnung dieses Teils unserer Kultur, was ja eigentlich keiner will.
Gleichzeitig kommt aus den eigenn Reihen immer wieder der Vorwurf: "Das ist ja wie bei den Christen" oder "Du denkst immer noch wie ein Christ" oder ähnlich.

Hätten wir es leichter, wenn wir uns in einer völlig religionslosen Gesellschaft (ohne ein Christentum) bewegen würden? Könnten wir den Menschen erklären, daß es Fylgien (Folgegeister, Schutzgeister) gibt, wenn sie noch nie etwas von Geistern gehört hätten und auch Schutzengel nicht kennten? Kann man jemanden die Existenz von Göttern nahebringen, wenn er noch nicht einmal an einen Gott, sondern an einen Urknall glaubt?

Daraus folgt, daß es sinnvoll wäre, an die Gemeinsamkeiten anzuknüpfen: Das, was man im Christentum hat, haben wir ähnlich auch, aber noch viel klarer und unverfälschter, ursprünglicher. Und: Wir sind in unserer Kultur eingebunden, es kommt nichts fremdes auf die Menschen zu, sondern etwas, was schon immer da war, nie ganz verschwand und unterschwellig immer noch da ist. Wenn ich einem Menschen erzähle, daß die Göttermutter Frigg heißt, dann kann er damit nicht viel anfangen (außer er wäre ein Wagnerianer). Wenn ich aber sage, die indische Durga ist die Göttin, die bei uns Frigg genannt wird, dann verstehen das zumindest Indienkenner. Wenn ich aber sage, daß Frigg in unsern Märchen und Sagen noch als "Frau Holle" bekannt ist, dann appelliere ich an dieses unterschwellig vorhandene Rest-Heidentum und mache zugleich deutlich, daß Heidentum oder Ásatrú kein exotisch-abgehobener Kult ist, sondern etwas zutiefst bodenständiges.
Aber wie bringe ich jemanden dazu, nun zu Frigg/Frau Holle zu beten, statt zu Maria?

Lichtgruß,
Géza von Neményi





GezavN:
Im Prinzip alles eindeutige Vorschläge und wir haben es ja auch schon so gemacht: Klare Abgrenzung vom politischen Extremismus (auch in der Verfassung der GGG enthalten). Nur was kann man machen, wenn alle heidnischen Vorstellungen, die sich vom heutigen christlich-atheistischen Wertesystem unterscheiden, sofort von Gegnern als "extremistisch" hingestellt werden?


Wir leben heute in einer pluralen Gesellschaft, in der in gewissen Grenzen ein Wertepluralismus existiert. Mehrere Wertesysteme existieren gleichzeitig nebeneinander und werden auch mehr oder weniger toleriert. Ein Problem sind extremistische Ansichten.Der Begriff Extremismus ist m.E. klar definiert. Er bedeutet verfassungsfeindlich. Ich habe weder in eurem Forum, noch in euren anderen Beiträgen im Internet und selbst in Zitaten eurer Gegner (die oft übel aus dem Zusammenhang reißen) irgendetwas gefunden, was verfassungsfeindlich gewesen wäre oder die demokratisch-freiheitliche Grundordnung infrage gestellt hätte. Der Vorwurf "Extremismus" ist also eher eine ärmliche Pseudo-Kritik. Wäret ihr nachweislich extremistisch, so stände das im Verfassungsschutzbericht, und ihr würdet gerichtlich belangt. Der Vorwurf des Extremismus stellt also eine gezielte Lüge oder Dummheit dar, mit der Absicht zu diffamieren. Heute werfen viele Menschen mit Worten wie "Extremismus" um sich. Sie sind sich der heftigen Bedeutung dieses Wortes nicht voll bewusst. Im Grunde ersetzt es heute die negative Funktion der Hass-Begriffe früherer Zeiten, wie "Hexe" oder "Jude". (Beides eigentlich positive Bezeichnungen, die ins Gegenteil verdreht wurden. Extremismus dagegen hatte noch nie eine positive Bedeutung.)

Eine andere Sache ist es, wenn man Begrifflichkeiten verwendet, die an typischen rechtsradikalen Slang erinnern. Die meisten Menschen machen sich nicht die Mühe, tiefer darüber nachzudenken, um zu einer differenzierenden Haltung zu gelangen.

Welche heidnischen Werte stehen denn so krass den christlich-atheistischen Werten gegenüber, dass man sie extremistisch nennen könnte? Gibt es zum Beispiel Werte, die einem Menschen jegliche Würde absprechen?



Zuletzt bearbeitet: 25.05.10 22:09 von Robert_S


Leider ist für manche Menschen schon jeder, der nicht "politisch correct" ist, ein Extremist.

Es gibt schon einige Dinge, in denen das Altheidentum anders dachte, als es heute üblich ist. Das fängt damit an, daß man von der Unterschiedlichkeit von Mann und Frau ausging und daher eine gewisse Rollenverteilung hatte. Oder daß die Vielehe erlaubt war (wenn sie auch laut Tacitus selten vorkam), die Natur hatte einen andern Stellenwert. Mit diesem Denken einen Großflughafen zu bauen, dürfte problematisch sein. Auch das Verhältnis zum eigenen Körper war anders, Abtreibung war nicht verboten, Kinderaussetzen auch nicht. Das hatte die Familie zu entscheiden, nicht irgendeine Obrigkeit. Anführer wurden zwar auf dem Thing demokratisch gewählt (ohne Frauenstimmrecht), aber waren sie es einmal, leistete man Gefolgschaft. Auch gab es Stände und recht strikte Ständetrennung. Abstammung, tapfere Vorfahren waren mindestens ebenso wichtig, wie eigene Heldentaten. Freitod war nicht verboten, sonderm dem Einzelnen überlassen (Stichwort: Sterbehilfe) und die Todesstrafe war auch bekannt (in einem Land ohne Gefängnisse geht es ja gar nicht anders). Tieropfer waren üblich und Blutrache oder Zweikämpfe (Duelle) möglich.

Alles das sind Dinge, die sind heute anders und könnten extremistisch wirken, würde man sie fordern. Zum Glück berühren viele dieser Dinge die Religion weniger und betreffen eher das Leben in der Stammesgemeinschaft. Aber Ideale sind es auch in der Religion.
Die eddische Rigsthula etwa behandelt die Unterschiedlichkeit der Stände, die Hyndluljod die Bedeutung der Ahnen usw. Das kann man nicht wegleugnen.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi



Ein Teil der angeführten Handlungen sind zwar nicht extremistisch, aber durchaus nach heutiger Rechtsprechung Straftaten. Würde sich jemand nach diesen Idealen auch heute richten, würde man ihn als kriminell bezeichnen, ohne damit etwas falsches zu sagen. Einen Verdacht auf Extremismus würde es zum Beispiel auslösen, wenn man die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung durch einen Ständestaat propagieren würde. Germanische Ständetrennung wären in der Industriegesellschaft nicht durchführbar. Der Versuch vorantike Gesellschaftsstrukturen in der heutigen westlichen Welt einzuführen, würde auch katastrophale Zustände hervor bringen. Man denke nur an eine Wiederzulassung des Duell(un)wesens! Die Duelle wurden ja verboten, weil sie schlimme gesellschaftliche Auswirkungen hatten. Das Aussetzen von Kindern geschah vor tausend Jahren (oder auch später) aus der Not heraus, oder aus extremen Egoismus der Eltern. Es ist die Barbarei verzweifelter Menschen. Das mag auch heute noch bei unintelligenten Leuten in Indien oder China vorkommen, wie auch in Deutschland Kindermord hier und da bei psychisch kranken Menschen oder bei Vertuschung ungewollter Schwangerschaft vorkommt. In kleinen deutschen Dörfern gab es bis zu Beginn der NS-Zeit die Praxis uneheliche Kinder, die regelmäßig aus wilder innerdorflicher Inzucht entstanden waren, mit allerlei Gerät (zum Beispiel Stricknadeln) im Mutterleib qualvoll zu töten, oder Neugeborene zu erschlagen und an die Schweine zu verfüttern. In Deutschland wurde gegen diese Zustände lange gekämpft, und mit staatlicher Härte vorgegangen. Ich habe selbst einmal mit einem glaubwürdigen Menschen gesprochen, dessen Großeltern aus einem solchen Dorf stammten, und ihm freimütig darüber berichtet haben. In der Zeit der Hungersnöte hat es wahrscheinlich auch Kannibalismus gegeben. Ist Kannibalismus deshalb germanische Kultur, die man heute einfordern sollte?

Die Kultur und die Rechtsprechung haben sich weiter entwickelt. Nur weil bei den alten Germanen kein durchorganisiertes Staatswesen bestand, und daher in vielen Bereichen Gesetze zum Schutz der schwächeren Glieder der Gesellschaft (Alte, Kinder und teilweise Frauen) nicht bestanden, kann man solche alte "Kultur" nicht in die Staatenwelt von heute übertragen, ohne extrem reaktionär zu werden. Der Politiker, der ähnliches ansatzweise versucht hatte, war Pol Pot. Er ist trotz Hilfe aus China, trotz millionenfachen Massenmords gescheitert. Die Abwesenheit von Gesetzen zum Schutz von Kindern in alter Zeit ist kein Anzeichen entwickelter Kultur. Ich fühle darin keinerlei Ideal, dass ein Gedanke der Götter wäre. Es hat eher finsteren Charakter.


Zuletzt bearbeitet: 28.05.10 09:52 von Robert_S


Während es sich beim Christentum und Islam um Religionen handelt, geht das, was wir machen, über eine Religion hinaus, denn eine Religion ist ein Glaubensgebäude. Im Gegensatz dazu ist das germanische Heidentum eine schamanistische Erfahrungsache. Unsere Ahnen erfuhren die Welt auf eine ihnen ganz eigene Art und Weise, daraus entstand die germanische Götterlehre und schamanistische Kosmolgie. Wenn wir uns unsere Mythen anschauen, dann wir dies deutlich. Wir müssen also nicht nur glauben, sondern wir ERFAHREN die Welt und die Götter. Es sind die Erfahrungen eines Volkes, basierend auf den Erscheinungen in unserer natürlichen Umgebung. Die Natur ist überall auf der Erde etwas anders, daher erfahren wir die stofflichen und feinstofflichen Wesenheiten auf unsere spezielle Art und Weise, vorausgesetzt, wir stehen mit der Natur, den heimischen Wildtieren, Pflanzen, Seen, Flüssen, Bergen usw. in Verbindung. Religionen wie Islam oder Christentum sind aber Glaubenskonstruktionen, die keine Bezug zu unserer Natur haben. Deswegen können sie uns nie ganz erfüllen. Bei der Frage nach dem Umgang mit ihnen kann ich nur sagen: Solange sie uns nicht versuchen zu unterdrücken, sollen sie geduldet sein. Jeder Mensch soll frei seinen geistigen Weg wählen können. Aber wir dürfen uns wehren, falls man versucht, uns zu unterdrücken oder gar zu schädigen. Toleranz muß immer beidseitig gezeigt werden.

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