Seiten: 1 2 3 4 5 ... Ende Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Akzeptanz des Heidentums


Sehr geehrter Karlheinz Engel,

Sie haben natürlich recht, wenn Sie meinen, dass wir innerhalb der germanischen Kultur über die Jahrtausende hin verschiedene Kulturzustände annehmen müssen, was archäologisch belegt ist. Vermutlich ist das auch bei der germanischen Religion so. Es wäre eher seltsam, wenn die germ. Religion über die Jahrtausende hin nicht mehrere Paradigmenwechsel erlebt hätte. Allerdings dürften die Veränderungen in der Religion nicht so groß gewesen sein, wie das seit der Zeit der Völkerwanderungen zu beobachten ist. Denn anders als die griechischen oder auch die keltischen Völker, lebten die Germanen hinter den Alpen, begrenzt durch Nordsee und Atlantik im Westen, durch das ewige Eis im Norden und durch die ebenfalls in Stämmen lebenden "Slaven" im Osten für Jahrtausende relativ isoliert. Die großen Kämpfe waren oft Kämpfe der Stämme untereinander. Das begünstigte mMn. eine lange, sich gleichbleibende Tradition, die aber trotzdem Veränderungen und Entwicklungen unterworfen gewesen sein muss. Ursprünglich sind sicher die Religionen der indogermanischen Völker alle miteinander verwandt.

Wenn man nun in heutiger Zeit die durch Völkerwanderung und anschließendes römisches Christentum ausgelöschte germanische Religion wieder erwecken will, bleibt nichts anderes übrig, als alle verfügbaren Quellen zu nutzen, um ein möglichst richtiges Bild der germ. Religion zu bekommen. Auch wenn es wesentlich mehr Quellen gibt, als man zunächst vermutet, muss doch die Intuition dabei helfen, aus diesen Quellen die Religion neu zu formieren, lebendig zu machen. Und spätestens an diesem Punkt beginnen dann auch die deutlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den germ. Heiden in Deutschland. Man könnte vielleicht sagen, dass die germ. Neuheiden dieses Quellenstudium verschmähen, und ohne dieses anstrengende Studium sich eine "germ. Religion" nach eigenen Vorstellungen bilden, dass aber sehr viele Phantasie-Elemente enthält (unter anderem aber auch schwarzmagische Praktiken die alten schwarzen Okkultorg. entlehnt werden). Einige lesen in dem einen oder anderen wissenschaftliche Buch, und übernehmen einfach einige Positionen daraus. Nur ist Wissenschaft eben keine religiöse Lehret Eine andere Form Heidentum lässt sich auch heute noch von völkischen Ideen inspirieren. Die völkische Bewegung die nach dem 1. Weltkrieg verständlicher Weise eine ungeheure Radikalisierung erfuhr, hatte versucht die germanische Religion und Kultur in ihrem eigenen Sinne und für ihre kulturpolitischen Ziele neu zu formieren. Dabei ist eine umfangreiche Literatur entstanden, auf die Heiden mitunter zurückgreifen. Gezas Ansatz ist es, jenseits aller dieser Zustände im Heidentum das Original wieder herzustellen. Das ist ein Ansatz. der sich von den zuvor genannten deutlich unterscheidet. Das ist ein gutes Konzept. Mit Dogmatismus hat das mMn. nichts zu tun. Es ist eher Disziplin hinsichtlich der Methoden der Rekonstruktion der germ. Religion. Die Verwirklichung dieses Konzeptes rechtfertigt die begriffliche Unterscheidung vom Neuheidentum durch den Begriff Altheidentum, der den Unterschied auch passend ausdrückt. Da Geza diese Richtung im deutschen Sprachraum m.E. begründet hat und seit vielen Jahren mehr oder weniger allein erforscht, ist er natürlich mehr als berechtigt, den Begriff Altheidentum einzuführen, und auch als einziger berechtigt und berufen, einen Anspruch auf Hauptvertretung des Altheidentums zu stellen. Angesichts der nichtoriginalen Religionsbildungen im Neuheidentum entspringt ein solcher Anspruch wohl der Sorge um die Entwicklung des gesamten Heidentums. Die Anerkennung dieses maßvoll vorgebrachten Anspruches unter den Neuheiden würde die Situation in D sofort verbessern. Aber anstatt von Geza zu lernen, und vielleicht mitzutun und mitzuforschen, bekämpfen sie Geza aus für mich durchschaubaren persönlichen Motiven.

Was ich mit "unpopulären Sachverhalten" meine, sind zum Beispiel solche Dinge wie Tieropfer, über die wir an anderer Stelle schon einmal ausführlich diskutiert haben. Für solche Opferrituale wird man wahrscheinlich sehr viele Menschen nicht gewinnen können. Die meisten Menschen heute sind weder Jäger noch betreiben sie Tierhaltung und schlachten selber. Sie machen sich für gewöhnlich keine Vorstellung davon, wie die Wurst entstanden ist, die sie sich auf ihr Brot legen. Das unabhängig von ihrer Ernährung die meisten Menschen beim Anblick eines Tieres instinktiv Sympathie mit dem Tier entwickeln, kommt noch dazu. Tieropfer (z.B. Pferde) und auch Menschenopfer waren für die Germanen früher vermutlich der Ausdruck der Hingabe wertvollen Besitzes oder wertvoller Beute. Heute müssten die Germanen eigentlich ihren frisch erworbenen Pkw als Brandopfer darbringen. Die Art des Opfers hat sich in allen Religionen immer mehr vom Tieropfer zum symbolischen Opfer verbessert, bis dahin das eigene Leben (Gedanken, Gefühle, Taten) während vieler Jahre hinzugeben, um eine wirksame Kraft der Götter innerhalb der Menschenwelt sein zu können.

Was genau meinen Sie mit reformierter Lehre? Die Reform griechischen Heidentums durch die philosophischen Entwicklungen in der griechischen Antike ab Sokrates? Waren Sokrates, Platon, Zenon usw. überhaupt noch Heiden? Ist ihre Philosophie heidnische Religionsphilosophie, oder vielmehr eine große Entfernung von der griechischen Religion, die erst durch Plotin und seine Schüler (den großen Theosophen des antiken Griechenlands) umgekehrt wurde?



Zuletzt bearbeitet: 27.05.10 01:51 von Robert_S


Zurück zum Thema Akzeptanz des Heidentums.

Mal ein Beispiel: Eine Firma stellt einen Staubsauger her und will den verkaufen. Nun kommen einzelne Tester und finden, daß der Staubsauger nicht so gut im Design ist oder auch von seiner Leistung her nicht so viel bringt, wie einzelne andere Produkte der Konkurrenz.

Was tut nun der Hersteller? Zieht er sein Gerät zurück, designt es neu und verbessert es so, daß es mit der Konkurrenz gut mithalten kann? Nein. Denn während dieser Arbeit geht ja die Entwicklung weier und auch die Konkurrenz verbessert ihre Produkte. Die Mode ändert sich auch. Wenn also das Design endlich verbessert wäre und die Leistung erhöht, dann ist wieder ein Jahr vergangen und die Konkurrenz ist inzwischen auch wieder besser geworden. Das neue Design ist schon wieder aus der Monde und der Staubsauger hätte keinen Vorteil, die erneute Arbeit an ihm hätte ihn dazu noch verteuert.

Nein, eine Firma bewirbt ihr Produkt, selbst wenn ihr klar ist, daß es gegenüber anderen ähnlichen Produkten auch Schwächen hat. Ist der Staubsauger von der Leistung her schwächer, wird man auf den Stromspareffekt oder das leisere Laufgeräusch hinweisen, sieht er vom Design her merkwürdig aus, wird man versuchen, ein solches Aussehen durch gute Werbung zu einer Mode hochzustilisieren.

Man nimmt also das, was man hat, mit allen Stärken und Schwächen, man bastelt nicht am Produkt herum, sondern versucht, es möglichst gut darzustellen, indem man seine Stärken herausstellt und seine Schwächen noch als Vorteile verkauft oder verschweigt.

Auf das Altheidentum bezogen bedeutet das: Man ändert nichts an ihm, sondern stellt seine Stärken heraus und versucht, seine Schwächen auch als Vorteile darzustellen oder erwähnt sie eben nicht.
Deswegen brauchen wir hier nicht über einzelne vermeintliche oder tatsächliche Schwächen des Heidentums zu diskutieren, sondern sollten uns überlegen, was unsere Stärken sind, diese darstellen und so das Heidentum bewerben.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi




Sehr geehrter Herr von Néményi,

also ich würde meinen Staubsauger verbessern, bevor ich im Warentest weiter "durchfalle". Wenn man "unfehlbar" ist, geht das natürlich nicht, das sehe ich ein.
Wenn richtig wäre, was Sie da von sich geben, dürften Hersteller wie Toyota keine Rückrufaktionen starten. Machen sie aber, um nicht den letzten Rest ihres Ansehens zu verlieren. Und das sind japanische Heiden!

Mit freundlichen Grüßen

Karlheinz Engel



Lieber Géza,

unser Heidentum ist weder ein Produkt, noch muß es verkauft werden. Daher finde ich den Vergleich mit dem Sauger äußerst unpassend. Wir wollen nichts an den Mann bringen und auch nicht missionieren, sondern einfach in Ruhe dem spirituellen Pfad unserer heidnischen Ahnen folgen und dabei von anderen respektiert werden. Nach dem GG sind alle Religionen gleichgestellt - nicht anderes fordern wir, als daß dieses Gesetz auch eingehalten wird. Wir haben unseren Weg gefunden und brauchen niemand anderes davon zu überzeugen. Wer diesen Weg ebenfalls gehen möchte, der schließt sich uns an. Was zusammengehört, wird sich auch finden.

Gruß
Catrin



Ich fand auch die Ausführungen von Karlheinz zur reformierten Lehre sehr sinvoll und zum Thema gehörig, denn wenn es um Akzeptanz des Heidentums geht, müssten wir schon einmal betrachten, welche verschiedenen Formen des Heidentums eigentlich existieren. Die Frage ist doch, sprechen wir hier nur über das germanische Heidentum oder auch über griechisches Heidentum usw.? Geht es um die Akzeptanz heidnischer Ideen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens oder mehr um praktische Fragen der Anerkennung germanisch-heidnischer Organisationen in D? Hier scheint es einen verschiedenen Blick auf das Thema zu geben, und wir sollten uns alle vier über den Rahmen einigen.

Eine wichtiges Problem scheint mir auch zu sein, dass sich heidnische Organisationen gegenseitig befehden und sich eben gegenseitig nicht akzeptieren. Wie sollte es dann die Öffentlichkeit mit den Heiden handhaben? Es gibt ja den alten Spruch "Angenommen wird, wer angenehm ist!" Sind die Heiden von heute den Menschen, mit denen sie in Kontakt kommen, angenehm oder eher unangenehm?

Also ich muss sagen, dass ich im Netz fast nur unangenehme Erfahrungen gemacht habe. Und da hilft es auch nichts, zu sagen: diese oder jene Org ist eben nur durch aggressive Mitglieder im Netz vertreten, die meisten Heiden sind ganz anders. Denn die Foren sind administriert von den entsprechenden heidnischen Org.. Wenn diese solchen Stil zulassen oder sogar selber fördern, sind sie eben nicht Herr der Lage. Das sagt auch schon viel über die heidn. Org. aus.

Die Postulierung heidnischer Bräuche wie z.B. das Aussetzen von Kindern ist ein Schlag ins Gesicht der Öffentlichkeit, d.h. äußerst unangenehm. Auch wenn man es nicht praktiziert, weil es verboten ist bzw. nur deshalb nicht praktiziert. Mit solchen Postulaten hat man keine Chance auf Akzeptanz durch die Öffentlichkeit. Ich kann nur immer wieder sagen(das geht an alle Heiden) : Beim Versuch das Heidentum vor 1000 Jahren zu rekonstruieren müsste man gleichzeitig 1000 Jahre Entwicklung aufholen, um in der Gegenwart anzukommen, d.h. den Kreis wieder zu schließen. Andernfalls gerät man in scharfen Gegensatz zur heutigen Gesellschaft, und man wird als extrem rückwärts gerichteter Romantiker oder Schlimmeres bewertet.

Ein germanisch-religiöser Lehrstand müsste mMn. diese Kluft zwischen rekonstruierter Religion und heutiger Gesellschaft überbrücken, insbesondere für das konkrete Leben der Anhänger. Es müsste also ein Handbuch erarbeitet werden, dass aufzeigt, wie der germanisch-religiöse Mensch heute in seinem täglichen Leben Beruf/Familie/Freundeskreis/Freizeit diese Religion verwirklichen kann (möglichst ohne hohen Kostenaufwand). Es müssen möglichst klare und praktische Hilfestellungen gegeben werden. Aus dem Kreis der Menschen, die dann so zu leben versuchen, können später die Anwärter auf Priesterschaft hervor gehen.


Zuletzt bearbeitet: 30.05.10 22:14 von Robert_S


Oberste Direktive bei uns ist das GG und die Menschenrechte. Deswegen wird niemand bei uns Kinder aussetzen. Aber deswegen die Vergangenheit zu verschweigen oder schönzureden, geht auch nicht. Es ist auch hilfreich bei der Meinungsbildung zum hema Abtreibung.

Warum versenken wir nicht weiter Menschen im Moor? Das müßten wir doch eigentlich tun, wenn wir am Glauben der alten Germanen nichts verfälschen würden.

Weil wir zwar eine Religion übernehmen, aber nicht die früheren weltlichen Gesetze und Strukturen. Menschenopfer waren verurteilte und hingerichtete Verbrecher (siehe Tacitus), und die Hinrichtung war in die heidnischen Riten eingebunden, wie heute christliche Priester die Todeskandidaten für den elektrischen Stuhl betreuen.

Die Bezeichnung "Altheidentum" verwende ich seitv 2003, um den Gruppen, die sich von meinem Amt distanzierten und vereinnahmt fühlten, entgegenzukommen. Es sollte ihnen damit klargemacht werden, daß es sich nicht auf sie (auf "Neuheiden") bezieht. Aber anstatt dieses Entgegenkommen zu würdigen, versucht man, mir da eine taktische Absicht zu unterstellen. Vorher hatte ich vom "traditionellem germanischen Heidentum" und "Ásatrú" gesprochen; Ásatrú hatte nachweisbar ich in Deutschland begründet und den Begriff auch zuerst verwendet (in unserer Zeitung, nachweisbar).

Lichtgruß,
Geza von Neményi



Die Frage, warum daß Heidentum nicht genügend Akzeptanz in der Öffentlichkeit findet, liegt nicht an den heidnischen Riten unserer Ahnen, sondern daran, daß ein ganz falsches Bild in den Köpfen vieler Menschen herumspukt. Das fängt mit den Hörnerhelm-Germanen Wagners an, geht über die Blut-und-Boden-Fanatiker des Dritten Reiches und endet heute bei gröhlenden und alkoholabhängigen Rockern oder Skins, die sich einen Thorshammer umhängen. Von der Spiritualität der germanischen Heiden wissen nur die wenigsten. Leider fühlen sich gerade oft sehr primitive Leute vom germanischen Heidentum angezoge, weil sie eben genau dieses falsche Bild davon haben. Ein Bild, was unsere Gegner sicher gerne erhalten und fördern wollen. Dem gilt es entgegenzutreten.



Was ich meinte, war eher die Präsentation dieser alten Riten, die aus einer anderen Zeit stammen. Wenn ich zum Beispiel diese kulturellen Tatsachen der Vergangenheit so präsentiere, dass jeder Leser oder Hörer darüber klar ist, dass es diese Opfer auch nicht gäbe, wenn sie heute erlaubt wären, dann ist das kein Anstoß für die Menschen. Aber wenn es so vermittelt wird, dass nicht auszuschließen ist, dass diese Bräuche wieder irgendwann eingeführt werden, sobald sich eine Gelegenheit dazu ergibt, wirkt das äußerst ungünstig. Freilich muss man sich nicht verbiegen, und etwas anders schildern, als man es tatsächlich vorhat. Manchmal kommt man aber eventuell in starken Widerspruch zu vielen anderen Menschen, wenn man die Absichten im Unklaren hält, ausweichend antwortet oder sich viele 'Hintertüren' offen hält. Daher kommt dann ganz sicher mangelnde Akzeptanz.



Wir haben heute viel mehr Möglichkeiten, mit Verbrechern umzugehen. Es gibt heute Gefängnisse und der Staat kann sich locker die Ernährung und Unterbringung von Strafgefangenen leisten. Wir haben keine Todesstrafe mehr, daher ist das mit den Menschenopfern längst hinfällig.

Das ist also nicht das Problem. Ich glaube auch nicht, daß die Menschen beim Heidentum gleich an sowas denken, sondern daß sie eher Angst davor haben, es könnte entweder etwas mit Rechtsextremismus oder etwas mit primitiver Gewaltverherrlichung zu tun haben. Es existiert eben ein falsches Bild vom germanischen Heidentum.



Wir dürfen auch nicht vergessen, daß wir heute unter ganz anderen Bedingungen leben als früher. Früher wurden Kinder ausgesetzt, weil man sie nicht ernähren konnte und sie qualvoll verhungert wären. Man opferte Verbrecher den Göttern, weil man die Verbrecher nichts anders unschädlich machen konnte. Wir haben heute einen Staat, in dem niemand mehr verhungern muß, wo wir Gefängnisse haben und unter völlig anderen Bedingungen leben. Menschenopfer und Kindesaussetzen waren nie Bestandteile des Heidentums an sich, sondern entstanden aus Notsituationen heraus. Zum heidnischen Kult gehört das Opfer, doch dieses kann genauso aus Früchten, Blumen und Räucherungen bestehen; der Hinduismus zeigt uns dieses noch heute. Es geht einfach darum, die Götter zu ehren und zu stärken. Das kann auf vielerlei Weise geschehen, wie ich ja bereits erörtert habe. Nirgends in den Überlieferungen fordert eine Gottheit blutige Opfer. Wir haben keinen grausamen Jahwe des AT, der des öfteren zu Morden, Vergewaltigungen und Plünderungen aufruft. Solches ist dem Heidentum den Göttern sei Dank fremd. Und von daher müßte es doch eigentlich viel leichter Akzeptanz finden als z. B. die Religion des AT.

Seiten: 1 2 3 4 5 ... Ende Zurück zur Übersicht

WebMart Homepage Tools: Eigenes Forum kostenlos starten

Webdesign - Shop-System - Newsletter-System - Homepage-Verzeichnis