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Thema: Akzeptanz des Heidentums


Ich meine, dass die Grausamkeiten des AT (einen religiösen Auftrag zur Vergewaltigung habe ich im AT noch nicht entdeckt) nicht isoliert für sich stehen, sondern das es vergleichbare Grausamkeiten auch bei Kelten und Germanen gab. Nach der sogenannten Hermannsschlacht wurden z.B. sämtliche Kriegsgefangenen geopfert. In anderen Völkern treffen wir auf ähnliche Ausrottungsmaßnahmen - am Schlimmsten scheinen die Römer gewütet zu haben. Ich meine, dass sind alles Überlieferungen aus einer brutalen, blutigen Zeit. Der Unterschied des AT zu anderen Berichten über Grausamkeiten besteht wohl darin, dass die Schriftensammlung als heiliges, angeblich von Gott inspiriertes Buch betrachtet wurde und wird. Bei genauerem Durchdenken des AT zeigt sich aber, dass dort von mehreren Göttern die Rede ist z.B. von Elohim, von El, El shaddai (Gott der Berge - wird fälschlicherweise als Gott in der Höhe übersetzt), von Zebaoth, JHVH (ob das wirklich Jahwe heißt, weiß niemand so genau)usw.

Im Christentum hat man zumindest das NT, dass diese Grausamkeiten des AT durch neue Werte aufhebt. Den größten Teil dieser Werte vertrat bereits die griechische Philosophie (Platonismus/Stoa)- die vorherschender Geistesrichtung im Mittelmeerraum der damaligen Zeit. Daher könnte man beim NT von einer heidnischen Reform der Religionen in den Staaten rund um das Mittelmeer sprechen, die heute als Gnosis bekannt ist, damals aber das eigentliche Christentum war. Am deutlichsten wird der damalige Wertewandel bei Marcion, der das NT als Buch des Lichtes sah, und das AT als ein finsteres Buch beschrieb, dass keineswegs von lichten Kräften herstammt.

Wie auch immer, die großen Kirchen lehnen weitgehend die Grausamkeiten des AT ab. Bei einigen protestant. Kirchen ist diese Ablehnung nicht so sehr verbreitet, weil diese ganz und gar am Bibeltext kleben. Das erste, was man von Christen zu diesen Grausamkeiten wie z.B. Vertreibung von Ismael und seiner Mutter in die Wüste hört, ist in der Regel, dass sie das nicht als heute nachahmenswert betrachten - nicht weil das Gesetz es verbietet, sondern weil es den Werten ihrer Religion und ihrem eigenen Gewissen widerspricht. Wenn man das bei Berühren des Themas von vornherein vermittelt, gibt es auch keine weiteren Nachfragen mehr, weil jedem klar ist, wie man dazu steht. Würden die Christen auf das Niedermetzeln wehrloser Menschen durch Gotttesauftrag im AT antworten: Das sind eben die christlichen Werte. Es gibt nur einen Gott und die anderen Götter sind eben nicht echt. Es musste damals so verfahren werden, aber heute machen wir das nicht, weil es verboten ist!" Dafür gäbe es nirgends Akzeptanz, auch unter den meisten Christen nicht.


Zuletzt bearbeitet: 01.06.10 21:43 von Robert_S


Einen religiösen Auftrag zur Vergewaltigung im AT findest Du hier:

Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet werden. «Jesaja 13.16»

Der Unterschied zum Heidentum ist: Die germanischen Götter befehlen niemals Mord, Vergewaltigung oder Plünderung, doch Jahwe tut dieses laut dem AT. Es gibt also im AT einen religiösen Auftrag dazu. Im Heidentum gibt es sowas nicht. Daß Menschen dennoch Grausamkeiten begehen, liegt in ihrer Natur; das gab es zu allen Zeiten und wird es immer geben. Und damals waren die Lebensbedingungen viel härter als heute, daher auch die Menschen entsprechend härter im Nehmen und Geben. Aber niemals fordern die Götter solche Taten, im Gegenteil, Odhinn sagt im Hávamál, daß der "milde Mann", also der friedliche, am besten lebt.

Das NT ist auf Jedenfall eine Weiterentwicklung gegenüber dem AT. Jesus waren sehr wohl die alten Mißstände bewußt und er wollte die Religion reformieren. Deswegen betonte er ja auch, daß er nicht zu den Heiden gekommen sei, sondern zu den "verlorenen Schafen des Hauses Israel". Es lag also nie in seiner Absicht, heidnische Völker bekehren zu wollen. Das wollten später nur die Kirchenmänner, die nach Macht und Einfluß auf der Welt gierten, nach dem Vorbild eines mächtigen Römischen Reiches. Auch die Papstidee stammt ja im Grunde aus dem alten Rom. Doch das alles war nicht mehr im Sinne von Jesus. Wir Heiden haben etwas aufgezwungen bekommen, was nicht zu uns gehört und was auch nicht für uns gedacht war. Wir besaßen eine gute Religion. Daß es Grausamkeiten gab lag an den damaligen harten Lebensbedingungen der Menschen, das schrieb ich ja bereits. Das Heidentum unter den heutigen Lebensbedingungen jedoch wäre perfekt für unsere Gesellschaft in Mitteleuropa; es würde ähnlich praktiziert, wie der Hinduismus, der Shintoismus oder der Taoismus - diese drei Richtungen sind unserem Heidentum sehr ähnlich.

Übrigens leben wir gerade in einer Phase, in der die Akzeptanz gegenüber dem Heidentum wieder schwindet. Dazu möchte ich auf diesen Beitrag im GGG-Forum hinweisen:

http://www.ggg-world.net/forum/showthread.php?tid=804&pid=10391#pid10391

Dazu schrieb ich, daß ich annehme, >da ist "von oben" eine Fügung erfolgt, das Heidentum gesellschaftlich mehr zu ächten, denn die Zahl der Heiden und Heidengruppen nimmt ja ständig zu. Solange es nur wenige Heiden waren, stellten sie noch keine vermeintliche Bedrohung für die Kirche dar. Doch jetzt wo die Zahl wächst, sorgen Kirche und kirchenergebene Staatsdiener dafür, daß dem Heidentum entgegengewirkt wird. Und daran sieht man eben deutlich, wie sehr noch immer Staat und Kirche hierzulande miteinander verquickt sind.<

Selbst wenn die Akzeptanz in der Bevölkerung zunimmt, so sitzen doch noch überall die Heidengegner, vermutlich von kirchlicher Seite, die ihren Einfluß geltend machen, sobald die Heiden stärker zu werden drohen.


Zuletzt bearbeitet: 02.06.10 12:05 von Administrator


Ich glaube, daß die Frage nach unseren Werten nicht im Vordergrund steht bei Leuten, die sich für das Heidentum interessieren. Es kommt gar nicht dazu, daß man etwa über Menschenopfer oder Kinderaussetzen redet. Wenn also das Heidentum nicht akzeptiert wird, dann sind derartige Dinge kaum der Grund. Der Grund ist eher, daß der Mensch ein Herdentier ist und sich gerne der Mehrheit anpaßt. Dazu ist jeder von seiner Erziehung in Familie, Schule und Gesellschaft beeinflußt. Man bekommt mit, daß das Christentum die "Mehrheitsreligion" ist und das Heidentum (schon wegen seiner geringen Anhängerzahl) etwas extremes. Eine "Randgruppenreligion" sozusagen. Deswegen bekennen sich auch meist Vertreter von Randgruppen (Rocker, Metal-fans, Rechtsextremisten) dazu.
Die Frage ist also: Wie kann man das Randgruppen-Image loswerden, insbesondere, wenn einem die Medien nicht zur Verfügung stehen oder sogar gegen uns arbeiten? Die beste PR nützt nichts, wenn Journalisten es immer wieder absichtlich anders darstellen. Man müßte einen beliebten Prominenten finden, der Heide wird und das auch öffentlich vertritt. Den haben wir aber leider nicht.

Lichtgruß,
Géza von Neményi



Jesaja 13,16 beinhaltet keinen Handlungsauftrag an die Gläubigen. Das gesamte Kapitel ist eine Weissagung über die Zukunft der Stadt Babel. Die Anhänger der israelitischen Religion (ich unterscheide das von der jüdischen Religion) deuten alle großen politischen Ereignisse konsequent von Gott her, ähnlich so, wie wir es mit der Karma-Lehre machen. Alles Gute und Böse was sich ereignet, kommt für sie von Gott. Gott bestraft die Menschen (hauptsächlich die Israeliten) die gegen ihn sind, und belohnt jene, die sein Gesetz einhalten - so die allgemeine Auffassung damals. Das Heer von dem im Jesaja 13 die Rede ist kommt aus "fernen Landen, vom Ende des Himmels, der Herr und die Werkzeuge seines Grimmes, zu verheeren die ganze Erde"(Jesaja 13,5) Es handelt sich um eine Art apokalyptische Weissagung. Die Israeliten werden von ihren übermächtigen Unterdrückern befreit, durch ein fremdes Heer, das grausam vorgeht. Diese Sichtweise, welche die für die israelitische Religion günstigen weltpolitischen Veränderungen als Strafe Gottes für die Völker versteht, die die brutale Fremdherrschaft über die kleine Religion in der umkämpften Provinz Israel/Juda ausüben, ist in weiten Teilen des AT bekannt. So wird auch die persische Armee des großen Königs Kyros II als Werkzeug Gottes betrachtet, welche die in babylonischer Gefangenschaft lebende Elite Israels befreit. Wobei jedem damals klar war, dass Kyros und die Perser selbstverständlich nicht die israelische Religion und deren Gesetze hatten. Umgedreht drohen viele der prophetischen Schriften des AT insbesondere dem politisch ohnmächtigen israelisch/jüdischen Stämmen schlimme Vernichtungsschläge Gottes (d.h. Schicksalsschläge)für den Fall ihrer andauernden Abweichung ihrer alten Religion an, die eben auch durch fremde, bisher unbekannte Heere durchgeführt werden. Dabei ist es völlig egal welchen Glauben diese Heere haben. Nur das Ergebnis in Bezug auf Israel zählt. Sie sind nur Werkzeuge Gottes zur Bestrafung. Oft wurden solche Weissagungen des AT erst nach ihrer Verwirklichung in der Geschichte in das AT aufgenommen, und höchstwahrscheinlich dem jeweiligen Propheten nur zugeschoben. Das heißt, dass in vielen Fällen im AT die Geschichte nicht vorausgesagt, sondern nur im Sinne der Religion gedeutet wurde. Einen Sinn für Urheberrechtsfragen hatte man in der damaligen jüdisch-religiösen Kultur noch nicht ausgeprägt. Jesaja bezieht sich wahrscheinlich in vielen Kapiteln auf den großen (bevorstehenden?) Feldzug der Assyrer 689 v.u.Z..

Die Deutung des Ausdruckes "zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" als Beschränkung des religiösen Impulses des Christus auf die Anhänger der israelitischen Religion, ist eine sehr einseitige Auslegung, die den Gesamtzusammenhang aller, die Mission des Jesus betreffenden Textstellen nicht berücksichtigt. Bereits durch den letzten, großen Vertreter der israelitischen Religion in der Bibel, Johannes den Täufer wird den Israeliten und Juden angedroht, dass die Stellung eines "Auserwählten Volkes Gottes" verloren gehen, und sich Gott ein anderes heiliges Volk erschaffen könnte.(Matthäus 3,7-12) Genau das ist die Tragödie, die in den Evangelien geschildert wird. Sie stellen m.E. die Mission des Jesus von Anfang an als ein Ereignis mit menschheitlicher Bedeutung dar.(vergleiche auch Johannes, 1.Kapitel) Wichtig hierbei ist, dass der Täufer über den, der nach ihm kommen wird, sagt: "Der wird euch taufen mit dem heiligen Geist und mit Feuer". Das ist nämlich der entscheidende Unterschied zu den 'christlichen' Kirchen der verschiedenen Jahrhunderte. Die Kirchen taufen alle nur mit Wasser, anstatt mit dem heiligen Geist (= Initiation). Während der Lehrtätigkeit des Jesus vollzieht sich die Übertragung der ursprünglichen Auswahl der Israeliten zum Werkzeug Gottes bei der Errichtung einer gerechten Welt an ein neues 'Volk Gottes', das betont den Geboten der Gottes-, Nächsten- und Feindesliebe folgt (die Realität sah natürlich durch die Jahrhunderte völlig anders aus, weshalb es sich bei diesen Entwicklungen im Christentum um Verrat an Christus handelt.)

Im gesamten NT ist die universelle Rolle des Jesus immer wieder betont worden, wie ja auch schon der Begriff "Menschensohn" eine solche universelle Rolle beinhaltet. (Daniel 7,13-14) Schließlich aber haben wir in den Evangelien auch ganz klare Aussagen, welche den Jüngern Jesu anweisen, dass Evangelium allen Völkern zu predigen (und sie zu taufen - freilich nicht mit bloßen Wasser)(Markus 16,15 und Matthäus 28, 16-20) Bei Matthäus glauben aber einige Wissenschaftler, dass die dort genannte Taufformel erst später eingefügt wurde, was ich auch für wahrscheinlich halte. Wir haben also im NT unbezweifelbar Anweisungen, dass die Lehre des Jesus und die Geisttaufe (Einweihung) durch seine Jünger unter allen Völkern verbreitet werden soll. Das kommt auch symbolisch oder spirituell darin zum Ausdruck, dass die Apostel durch die Herabkunft des Heiligen Geistes anfangen 'in Zungen zu sprechen' d.h. die Lehre Jesu in vielen verschiedenen Sprachen zu verkünden.

Der Begriff "verlorene Schafe des Hauses Israel" bezieht sich aber mMn. nicht auf das jüdische Volk, sondern auf die Bnai Israel(Söhne Israels)(in Beziehung zum Menschensohn Ezechiel 2,3) Söhne Israels bedeutet in der israelitischen Religion das Gleiche wie Aristoi im antiken Griechenland, oder Arya im alten Indien und Persien. Es bedeutet einen edlen Menschen, edel im Denken, Reden und Handeln. Später wurden diese Begriffe verdreht, und es wurde eine privilegierte Gesellschaftsschicht (Aristokratie) daraus, die nicht unbedingt für Edles stand, oder es wurden Begriffe der Dünkelhaftigkeit und Arroganz daraus, wie zum Beispiel, der Begriff 'Arier' durch den Rassismus auf eine Rasse bezogen, oder 'Israel' auf alle Angehörigen einer Religion bezogen. Ursprünglich sagt also Jesus, er sei zu den Edlen gesandt, aber nicht zu den Unedlen z.B. in den berüchtigten Versen von Matthäus 15,21-28. Obwohl die arme Frau an dieser Stelle unedel im Verhalten ist, erkennt sie den Unterschied von Edel und Unedel an, und zeigt damit, dass sie zumindest die Idee des Edlen in sich trägt. Das ist ausreichend um die Hilfe des Jesus zu erhalten. Sie gehört also nicht völlig zu den Unedlen.

Die Frage für mich ist, was wollte Jesus eigentlich, dass den Völkern nahegebracht werden soll. Meine Antwort: die ethische Lehre der Liebe und die Geisttaufe. Er hat nicht gesagt: Bringt die Lehren der Propheten zu den Völkern, oder gar zerstört andere Religionen! Das Prinzip geistiger Einweihung schließt solche Brutalitäten grundsätzlich aus. Genauso wenig hat Jesus in Auftrag gegeben, jene seiner Anhänger, die einen anderen Glauben haben als die Katholische Kirche zu ermorden. Auch hat er nicht gesagt, es soll den Völkern ihre Kultur genommen werden, oder etwas wie: "Bekämpft Vernunft und Wissenschaft, rottet die Völker Amerikas aus, unterdrückt und beutet die Völker und die Natur aus." Diese Dinge


Zuletzt bearbeitet: 03.06.10 08:49 von Robert_S


hat nicht mehr oben in das Textfeld gepasst:

Alle diese Dinge geschehen im Widerspruch zu seiner Lehre und im Widerspruch zu den Prinzipien geistiger Einweihung und sind somit Verrat. Allerdings resultiert aus den Lehren des Jesus die Abschaffung der Sklaverei, die Abschaffung des Gemetzels in den Arenen Roms, die Abschaffung aller menschengemachten Grausamkeiten.

Ich könnte mir denken, dass heutige Weltanschauungsbeauftragte der Kirchen verstärkt das Heidentum bekämpfen. Das ist die übliche Ökonomie dieser Leute. Rückläufige Bewegungen werden in Ruhe gelassen, wachsende Bewegungen werden bekämpft. Mit dem germ. Heidentum wird man leichtes Spiel haben, weil sich die Heiden uneins sind - aus persönlichen Gründen! Ich habe den Eindruck gewonnen, das es bei den Streitigkeiten deutscher Heiden nie wirklich um "rechts" oder "links" ging, sondern immer um persönliches. Alles andere erscheint mir nur vorgeschoben.




GezavN:

Die Frage ist also: Wie kann man das Randgruppen-Image loswerden, insbesondere, wenn einem die Medien nicht zur Verfügung stehen oder sogar gegen uns arbeiten? Die beste PR nützt nichts, wenn Journalisten es immer wieder absichtlich anders darstellen. Man müßte einen beliebten Prominenten finden, der Heide wird und das auch öffentlich vertritt. Den haben wir aber leider nicht.

Lichtgruß,
Géza von Neményi


Das wäre natürlich sehr gut. In Island, unter den besonderen Inselbedingungen, läuft es ja so. Einige führende Musiker des Landes sind Anhänger des Asatru. Die Musikszene ist mit Asatru vernetzt. Dagegen soll aber Asatru in Island ein ganz undominantes Auftreten haben. Es gehört mehr zum natürlichen Verlauf des Tages dazu, und ist unkompliziert. In D haben wir das genaue Gegenteil davon. Aber das liegt vermutlich auch in der Natur der Isländer. Es gibt im kleinen isländischen Volk auch wesentlich mehr Theosophen, als in Deutschland (und das nicht nur in Bezug auf Mitgliederzahlen). Die GGG hatte in ihrer ersten Generation auch einen sehr deutlichen Bezug zur Kunst und es waren auch genügend finanzielle Mittel vorhanden, um einige bedeutende Projekte aufstellen zu können, wie zum Beispiel das Harzer Bergtheater. Das hat immer gute Wirkungen.

http://www.theosophieforum.de/g6-Walpurgishalle-und-Harzer-Bergtheater.html


Zuletzt bearbeitet: 02.06.10 20:22 von Robert_S


Island hat den Vorteil, nicht mit einer problematischen Vergangenheit belastet zu sein, die alles überschattet, was mit germanischer Mythologie zu tun hat. Darum ging es dort ja recht schnell mit der Anerkennung des Heidentums. Ich glaube, etwa ein halbes Prozent der Bevölkerung bekennt sich zum Asenglauben.

In Deutschland wird das Heidentum wohl immer den schwersten Stand haben. Darum ist es hier umso wichtiger, ein anderes Bild zu erschaffen, als es in vielen Köpfen noch herumspukt.

Die deutschen Heiden haben große Angst vor Politisierung und reagieren deshalb oft regelrecht hysterisch, wenn der Begriff "Germanen" fällt.

Es ist sehr schwierig, mißbrauchte Begriffe wie Germanen, Heimat, Volk, Runen wieder neutral und sachlich zu betrachten, ohne Ängste und Vorurteile.



"Der heilige Geist" ist wohl ein Übersetzungsfehler. Wenn im Altgriechischen kein Artikel steht, gilt der Unbestimmte ("ein heiliger Geist kam...", "und das Wort war ein Gott"), im Neugriechischen ist das anders. Man hat nun den Fehler gemacht, die altgriechischen Texte neugriechisch zu übersetzen.
Die Taufe war also mit einem heiligen Geist - was immer das meint (vielleicht eine Art Schutzgeist - ein ähnliches Ritual gab es bei den Germanen, siehe Runatalstháttr zur b-Rune).

Die isländischen Heiden haben den Vorteil, daß sie nicht so sehr von der Kirche bekämpft werden - und das wohl auch deswegen, weil sie mittlerweile alles eigentlich Religiöse (z. B. Jenseitsglaube) wohl abgeschafft haben - wenn ich Henryk M. Broder im "Spiegel" glauben kann. Wenn das Heidentum diesseitig bleibt, dann kommt es der Kirche nicht in die Quere. Letztendlich fehlen den isländischen Heiden auch heidnische Theologen, die hier einmal klare Interpretationen der Quellen vornehmen. Das ist der Nachteil, wenn man die Priester von dem Volk wählen läßt: Dann werden bekannte Musiker Priester, weil sie populär sind. Aber der Inhalt der Religion bleibt auf der Strecke.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi




Die griechische Version des Ausdruckes "Heiliger Geist" lautet "Hagion Pneuma". Es steht also in der griechischen Übersetzung im Zusammenhang mit der antiken griechischen Pneumalehre. πνεύμα (pneuma) ist die griechische Übersetzung von רוח (rûaḥ) und bedeutet Hauch, Atem, Duft, Geist. Die Bedeutung variiert je nach der jeweiligen alten Sprache des Mittelmeerraums, in der das Wort rûaḥ enthalten ist. Ruach HaElohim ist der Atem Gottes. Ruach HaQodesh bedeutet wörtlich 'Heiliger Atem'. Im AT ist dieser 'Atem Gottes' weiblich, und stellt somit die weibliche Ergänzung zu Gott dar. Dabei muss man sich im klaren sein, dass die hebräische Sprache, auf die sich das AT gründet, eine sehr einfache Sprache mit geringem Wortschatz war. Hebräisch ist verprimitiviertes Kanaanäisch/Phönizisch, um es mal etwas robuster zu sagen. Dadurch bekommen die hebräischen Worte sehr viele verschiedene Bedeutungen. Aber ich denke, Ruach HaElohim mit 'Hagion Pneuma' bzw. 'Heiliger Geist' zu übersetzen, ist hinnehmbar. Denn es ist ein Eigenbegriff. Es wäre aber besser, wenn man dem weiblichen heiligen Geist im Christentum auch weibliche Gestalt geben würde. Die Ostkirchen vollziehen das in etwa, in dem sie die Sophia Gottes weiblich darstellen. Die Griechen hätten vielleicht Ruach HaElohim besser mit 'Hagion Sophia' oder einfach Theo-Sophia übersetzt. Es kann auch verglichen werden mit dem geistigen Ausatmen Brahmas, bei dem die Welten entstehen, aber es fehlt das Wiedereinatmen, bei dem die Welten wieder in geistige Ebenen hinein aufgelöst werden.

Die Taufe des Johannes ist mit Sicherheit eine Fortsetzung alter israelitischer Reinigungszeremonien, die in Form von heiligen Bädern in Flüssen vorgenommen wurden. Solche Reinigungsriten hatten sicherlich viele Völker. Von daher kann es ganz klar Parallelen zwischen germanischen Riten und späteren christlichen Riten geben. Es wäre möglich, dass der Sinn der Taufe der Christen aus der Bibel, aber die Ausführung des Rituals aus dem Heidentum stammt.

Aber zurück zum Thema:
Ist die Wahl der Priester in Island alte Tradition? Priester brauchen natürlich eine gute Ausbildung, sonst schleicht sich unwillkürlich unproffesioneller Murks ein. Man bräuchte dann in Island Standarts, die ein Mensch erfüllen muss, um zum Priester gewählt zu werden, zum Beispiel eine erfolgreiche Ausbildung zum Priester. Sie bräuchten ganz klar eine größere Bildungseinrichtung mit dazugehöriger Forschungsabteilung. Bei so vielen Mitgliedern und staatlicher Anerkennung ließe sich doch da bestimmt etwas machen. Gut ausgebildete Priester und sinnvolle, geistreiche Publikationen sind ein wesentlicher Aspekt für öffentliche Akzeptanz. Musik ist ein wesentliches Transportmittel für Inhalte. Amerikanische Christen füllen ihre Kirchen, in dem sie moderne, angenehme Musik anbieten. Man braucht eben viele Brücken zu den verschiedenen Menschen, oder Räume unkomplizierter Begegnung.



Zuletzt bearbeitet: 03.06.10 08:52 von Robert_S


CatrinW:

Die deutschen Heiden haben große Angst vor Politisierung und reagieren deshalb oft regelrecht hysterisch, wenn der Begriff "Germanen" fällt.

Es ist sehr schwierig, mißbrauchte Begriffe wie Germanen, Heimat, Volk, Runen wieder neutral und sachlich zu betrachten, ohne Ängste und Vorurteile.


Das Heidentum ist bereits hochgradig politisiert von politisch radikalen Kräften. Hierbei finde ich besonders problematisch, wie heutige Heiden, die sich selbst politisch Links verorten, mit ihren politischen Kampagnen die Szene mit Aggressionen aufladen. Ihre giftige Polemik und ihre Parolen untergraben jede Religiösität. Sie lieben ihre Religion gar nicht.

Das andere ist die inhaltliche Leere. Die ist zum Beispiel beim ER-Forum äußert deutlich. Was dort an Beiträgen geschrieben wird, ist an Leerheit kaum zu überbieten. Diese Dinge erzeugen mMn. starke Rückstoßeffekte für Suchende. Mit solchen Leuten wollen die wenigsten Menschen etwas zu tun haben. Sie schaden damit nicht nur dem Heidentum, sondern auch dem Kampf um eine sozial gerechte Welt. Als Linker würde ich mit solchen Gruppen kein Bündnis eingehen, weil mir das hinsichtlich des öffentlichen Ansehens sehr schaden könnte. Mit Menschen, die sich so benehmen, will ja niemand was zu tun haben. Sie werden sich auch nicht mehr wesentlich ändern. Es wird sich wohl auch nie ein wirksamer Dachverband bilden lassen. Es bestehen ja noch nicht einmal gute Beziehungen zwischen den Gruppen. Denn ihre Haltung ist ohne nachhaltiges Konzept, unbeständig und ohne Zuverlässigkeit. Das kommt daher, dass sie im Prinzip anarchische Verbände sind, und keine gut begründeten Lehrsysteme besitzen, und auch nicht zu bilden anstreben. Sie würden wahrscheinlich widersprechen und auf ein entsprechendes Konzeptpapier und ähnliches verweisen. Aber soetwas meine ich gar nicht.

Aus meiner Außenperspektive würde ich sagen, dass die GGG am besten zeitraubende Pläne für einen DV oder Diskussionen mit Gruppen, die kein gutes Verhältnis zur GGG wollen, meidet. Die Zeit und Energie kann besser in andere Projekte gesteckt werden. Eine Frage der Ökonomie. Vielleicht ist die Frage nach der Akzeptanz des Heidentums konkretisierbar auf die Frage hin: Wie kann das Altheidentum überleben und sich qualitativ und quantitativ entfalten? Die Akzeptanz kommt dann schon.


Zuletzt bearbeitet: 03.06.10 08:54 von Robert_S
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