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Thema: Akzeptanz des Heidentums


Elohim ist Pluralform und bedeutet "Götter", der Artikel kann weiblich Singular oder Plural sein, wenn ich mich nicht irre. "Pneuma" ist der Lufthauch, noch heute nennen Österreicher einen Autoreifen "Pneumatik", weil da Luft drin ist. Deswegen kann dieses Wort durchaus für einzelne Geistwesen verwendet worden sein. Nun müßte man vergleichen, was das AT etwa bei dem Wahrsagegeist von Saul schreibt. Außerdem darf man nicht vergessen, daß die Bibel in Griechisch ist, nicht in hebräisch. Und da soll im AT immer "Götter" stehen. Die älteste hebräische Bibel stammt aus dem 13. Jh. und ist an vielen Stellen verfälscht. Nur dort findet sich "Elohim", und man setzt es deswegen nun auch rückwirkend in die alte griechische und lateinische Bibel ein.

Zum Thema: Die inhaltliche Leere stört mich auch sehr. Man scheut sich, eine klare Position anzunehmen, weil man damit sofort angreifbar wird. Angreifbar etwa durch Forscher, aber auch durch Heiden aus den eigenen Reihen, denn jeder hat ja da seine eigenen Vorstellungen. Also bleibt man unfestgelegt, um es allen recht zu machen, hat dann aber auf Fragen von Suchenden keine Antworten (bzw. jeder hat eine andere Antwort, was einem haltsuchenden Menschen natürlich keine Hilfe sein kann).

Es fehlt also tatsächlich an einer heidnischen Theologie, von Wissenden ausgearbeitet und interpretiert. Und da ist das isländische System auch überhaupt nicht sinnvoll, da es populistisch ist. Es wird nicht der gewählt, der am meisten Wissen hat, sondern der, der am bekanntesten ist, der dem Volk die besten Versprechungen macht oder der, der den besten "Wahlkampf" gemacht hatte. Ich bin schon durch die wenigen Unterschiede des Heidentums von Sveinbjörn Beinteinsson und dem unter Hilmar Örn Hilmarsson ziemlich enttäuscht: In der kurzen Zeit ist offenbatr jeder Jenseitsglaube abgeschafft worden, allgemein scheint es so zu sein, daß die spirituelle Seite zu Gunsten eines ganz rational-exoterischen Heidentums vernachlässigt wird. Auch wenn die isländischen Heiden noch Zulauf haben, glaube ich, daß auf die Dauer so eine "weltliche Religion" nicht überlebensfähig sein kann. Zur Zeit ist es eben noch etwas besonderes, dazuzugehören, auch werden Fans von Hilmar dazukommen. Aber wieviel inhaltliche Substanz hat dieses Heidentum wirklich? Was, wenn ein Prominenter wie Hilmar nicht mehr dabei ist, löst sich die Gruppe dann wieder auf?

Lichtgruß,
Géza von Neményi





Ich finde es sehr bedauerlich, daß das Heidentum für politische Zwecke mißbraucht wird, daß es keine klare Trennung zwischen Religion und Politik gibt. Sowas schadet doch dem Heidentum sehr.

Vielleicht sollten wir Altheiden uns tatsächlich ganz auf unsere Religion, unsere Lehren und Kulte konzentrieren und anderen heidnischen Gruppen keine große Beachtung mehr schenken. Das Problem ist, daß man uns nicht in Ruhe läßt. Wenn wir z. B. jemanden im Namen des Altheidentums sprechen lassen wollen, kommen gleich andere und bezeichnen sich auch plötzlich als Altheiden, obwohl Geza diesen Begriff extra für die von ihm vertretene spezielle heidnische Religionsform gewählt hatte; vorher hatte kein anderer Heide diesen Begriff benutzt. Geza wollte damit den anderen Heiden entgegenkommen und ihnen damit zeigen, daß er gar keine Absicht hat, für sie zu sprechen, sondern eben nur für die von ihm gelehrte Richtung.

Aber es hat anscheindend tatsächlich keinen Sinn, mit anderen Heidentum Gespräche führen oder mit ihnen zusammenarbeiten zu wollen. Man sollte dann seine Energie auf die Stärkung der eigenen Gemeinschaft richten und sich als etwas ganz Eigenständiges und Unabhängiges begreifen.

Wichtig ist, daß wir selbst unsere Religion ernst nehmen und sie nicht beliebig werden lassen. Auch unsere heidnischen Ahnen waren in der Hinsicht sehr "fromme" Leute; dazu gibt es eine interessante Quelle, den angelsächsischen Sermo Lupi ad Anglos, in dem ein christlicher Prediger im Jahre 1014 über die germanischen Heiden folgendes schreibt:

Bei den Heiden darf man nichts, weder Großes noch Kleines, mißachten von dem, was für die Verehrung der falschen Götter verordnet ist ; und wir (die Christen) mißachten überall die Ordnungen Gottes - viel zu oft. Und bei den Heiden darf man weder drinnen noch draußen etwas von dem wegnehmen, was den falschen Göttern dargebracht und geopfert ist ; und wir haben Gottes Haus innen und außen ganz ausgeplündert. Und Gottes Diener sind überall der Achtung und des Schutzes beraubt, und bei den Heiden darf man die Diener der falschen Götter nicht ungebührlich behandeln , wie man es mit Gottes Dienern nun weit und breit tut ...

Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie ernst die alten germanischen Heiden ihre Religion genommen haben. Sie besaßen hohe Ehrfurcht vor den Göttern und den heidnischen Priestern und achteten genauestens auf die Einhaltung der heidnischen Riten und Opferbräuche. Sie zeigten also noch größere religiöse Ernsthaftigkeit als viele der damaligen Christen. Das ergibt ein ganz anderes Bild vom Heidentum, als es viele moderne Neuheiden heute haben. Viele Neuheiden betrachten das Heidentum leider als regellose und alles zulassende Religion, nehmen nichts so richtig erst, weder die Götter noch die heidnischen Priester, und stellen ihre eigenen Egoismus über den Glauben.
Das germanische Heidentum war immer eine sehr ernsthafte Religion, kein Tummelplatz für die Respektlosen. Und diese Ernsthaftigkeit soll auch weiterhin unser Leitbild sein. Auch dies dürfte dann zur Anerkennung und Akzeptans des Altheidentums beitragen.




Zuletzt bearbeitet: 03.06.10 12:26 von Administrator


Es gibt verschiedene Übersetzungslinien für verschiedene Teile des biblischen Kanon. Die heutige jüdische Bibel, der Tanach תנ״ך geht zwar auf die masoretischen Fassungen (700 - 1100) zurück,insbesondere auf die Version von Ben Ascher um 1100, hat aber in vielen Teilen andere und frühere Textfassungen zum Vergleich. Man ging davon aus, dass die jüdischen Schriftgelehrten diese Rollen permanent unverändert vervielfältigt haben. Die Wissenschaftler und Theologen hatten dann noch ab Anfang des 17.Jhd. den Samaritanischen Pentateuch zum Vergleich. Ab Mitte des vorigen Jhd. kamen sie in Besitz der hauptsächlich hebräisch verfassten Schriftrollen vom toten Meer(mit ca. 200 Texten des Tanach), insbesondere die Jesaja-Schriftrolle. Dabei konnte man die große Übereinstimmung dieser Texte mit dem masoeretischen Text feststellen. Die jüdischen Schriftgelehrten hatten also über tausend Jahre die Schriftrollen getreu kopiert, was ihren ansonsten angeschlagenen Ruf wieder etwas herstellt. Im Christentum wurde dagegen mit dem Septuaginta gearbeitet, eine altgriechische (Koine) Übersetzung des Tanach, die 100 v.u.Z. fertig gestellt wurde, weil fast alle jüdische Auslandsgemeinden die hebräische Sprache nicht mehr verstanden. Da dieser Text eine kollektive Übersetzungsarbeit von ca. 70 Rabbinern mit griechischer Bildung darstellt, ist die Übersetzung relativ zuverlässig im Rahmen des 1.Jhd. v.u.Z..
Eine Verfälschung des Urtextes liegt eigentlich nicht erkennbar vor. Es gibt zwischen den vorhandenen Handschriften Textabweichungen, die aber hauptsächlich durch Abschreibfehler entstanden sind. Übersetzungen sind natürlich auch nie das Orginal.
Elohim ist die Mehrzahl von Eloha (die Göttin). Daher müsste es exakt übersetzt heißen: die Göttinen schufen... Aber diese Bezeichnung kommt nur zu Beginn des 1. Buch Mose vor. Später werden in den Texten andere Götternamen genannt. Da aber nicht nur die Namen anders sind, sondern auch die Gebote etc (vergleiche Elohim und JHVH) meine ich, es handelt sich um verschiedene Götter.




GezavN:

Es fehlt also tatsächlich an einer heidnischen Theologie, von Wissenden ausgearbeitet und interpretiert. Und da ist das isländische System auch überhaupt nicht sinnvoll, da es populistisch ist. (...) Ich bin schon durch die wenigen Unterschiede des Heidentums von Sveinbjörn Beinteinsson und dem unter Hilmar Örn Hilmarsson ziemlich enttäuscht: In der kurzen Zeit ist offenbar jeder Jenseitsglaube abgeschafft worden, allgemein scheint es so zu sein, daß die spirituelle Seite zu Gunsten eines ganz rational-exoterischen Heidentums vernachlässigt wird. (...)


Das Fehlen einer gut begründeten heidnischen Theologie ist auch meiner Meinung nach ein Faktor, der die Akzeptanz des Heidentums sinken lässt. Es ist dabei nicht eine dogmatische Theologie gemeint, sondern eine systematische Aufstellung von Lehren durch jahrelange Forschung und dem Durchdenken der Quellen. Wenn dann jemand meint an dieser Theologie müsste dieses oder jenes geändert werden, dann muss er mit gleichem Fleiß und Rechtschaffenheit seine These zur Diskussion stellen, d.h. den bisherigen Lehrstand in einer freundschaftlichen, theologischen Haltung herausfordern. Das setzt aber soviel Charakter und Willen zur selbstlosen Arbeit für die Zukunft der germ. Religion voraus, dass ich nirgendwo solche zukünftigen Vertreter des Lehrstandes erkennen kann. Das würde bedeuten, dass man zuerst einmal alles gründlich studieren (nicht nur lesen!) und anwenden müsste, was bisher vom Lehrstand erarbeitet wurde. Einen Lehrstand gibt es bisher nur in der GGG. Mitglieder anderer Vereine haben für diese Fragen kein Verständnis und auch m.E. keinen wirklichen Respekt vor der schon geleisteten Arbeit. Denn dazu gehört, dass man den Pionieren der germ.-heidnischen Theologie, namentlich Geza, den Respekt entgegenbringt, den sie für ihre große Arbeit auch verdienen. Diejenigen, die ungerechtfertigter Weise den Begriff 'Altheiden' auf sich beziehen, verstehen offenbar nicht, dass es eine größere Sache ist, auch nur als ein einfacher Schüler eines sich heranbildenden echten Lehrstandes zu leben, als sich abzutrennen, um einen eigenen Verein aufzuziehen. Solches Abtrennen aus sehr persönlichen Motiven schadet dem Altheidentum ganz klar. Würden Anhänger dieser Absonderung hier schreiben, würden sie jetzt alle ihre Motive und alle Verstimmungen und Spannungen anführen, die ihrer Meinung nach die Abtrennung rechtfertigen. Aber das ist natürlich uninteressant, denn alles Persönliche sollte für die Verwirklichung großer Ideen in den Hintergrund treten. Eine echte heidnische Theologie wäre der beste Schutz vor der Politisierung durch radikale Ideologien. Was haben z.B. ER, RC oder Nornirs dem Schriftwerk von Kusserow oder Guido v. List u.a. entgegen zu setzen? Nur Kampagnen und Bekenntnisse und ätzende, kleinbürgerliche Kritik! Mehr ist da m.E. nicht vorhanden, und das wird auf Dauer kaum ausreichen.

Wenn das isl. Asatru unter HÖH jetzt wirklich nachhaltig den Glauben an jenseitige Welten verdrängt (d.h dann wohl auch den Glauben an Asgard!), dann zerstören sie, was Sveinbjörn Beinteinsson aufgebaut hat. Eine heidnische Religion ohne spirituellen Kern, ohne Transzendenz ist überhaupt keine Religion, sondern bloße heidnische Lebensart. Der isl. Staat müsste ihnen dann eigentlich den Status einer Religion aberkennen. Das meine ich natürlich nicht, wenn ich von Kunst als geistiges Transportmittel für heidnische Inhalte spreche. Künstler sind mMn. sowieso nicht berufene Lehrer, weil sie vordergründig um künstlerischen Ausdruck ringen, und nicht um Erkenntnis. Mit der Wahl ist es immer so eine Sache. Auf geistigem Gebiet ist sie nicht anwendbar. Mir ist keine Religion bekannt, deren Priester von den Gemeinden einfach mal so gewählt werden. Die Mehrheit einer größeren Gemeinschaft kann die geistige Qualifizierung eines Wahlkandidaten nur eingeschränkt beurteilen. Das germ. Heidentum kann in Anbetracht seiner hochorganisierten Gegner nicht überleben und sich entfalten, wenn es den Kernbereich seines rel. Lebens von Wahlen abhängig macht. An einer Universität werden die Menschen auch nicht zum Doktor gewählt, sondern sie müssen umfangreiche Beweise ihrer Kenntnisse erbringen. Diejenigen, die diesen Titel (mit seinen Rechten und Pflichten) erlangen wollen, werden von jenen geprüft, die schon weiterentwickelt sind. Anders kann es gar nicht sein.


Zuletzt bearbeitet: 03.06.10 20:38 von Robert_S


Die Massoreten haben an über 170 Stellen den Terminus "Elohim" durch "Adonay" ersetzt. Der Eingottglaube hatte sich gegenüber dem Götterglauben durchgesetzt. Die älteste hebräische Bibel ist aus dem 13. Jh. u. Zt., die LXX dagegen ist erst in Handschriften des 4. Jh. erhalten, auch wenn sie sicher älter ist.

Das Neuheidentum krankt auch darunter, daß man sich mit allen Mitteln von allem, was irgendwie dem Christentum ähnelt, distanzieren will. Das mag daher zu erklären sein, daß viele ehemalige Christen zum Heidentum gekommen sind und die (vermeintlichen) christlichen Mißstände hier nicht haben wollen. Deswegen die Ablehnung von Priestern, von Jenseitsglauben oder von klaren Regeln (= Dogmen). Man versteht nicht, daß Religionen sich immer ein wenig ähneln müssen, insbesondere auch, weil das Christentum seinen Ritus von den (heidnischen) Römern übernommen hatte. Da wird also gerne das "Kind mit dem Bade" ausgeschüttet.

Die Einführung des Begriffes "Altheidentum" war ein Rückzug, war ein Entgegenkommen an die Gruppen, die mit der Art, wie ich das Heidentum verstehe, nichts zu tun haben wollen. Aber sie haben dieses einseitige Entgegenkommen in keiner Weise gewürdigt, sondern ihre Feindschaft weiter betrieben. Und es gibt sogar Leute, die uns diesen neuen Begriff auch wieder streitig machen wollen. Wir müßten also einen weiteren Schritt zurück tun, bis auch da wieder Leute kommen, und es uns erneut streitig machen wollen. So könnte das unendlich weitergehen. Das hatten wir schon mit den Heiligtümern in Berlin: Das von mir entdeckte und zuerst genutzte Heiligtum P (in Spandau) wurde gegen meinen Willen von Leuten genutzt, die es durch uns kennengelernt hatten. Wir gingen auf das Heiligtum M in Köpenick, aber auch das machten uns nun Leute streitig. Weil niemand akzeptieren will, daß ein Heiligtum von einem Priester geleitet werden muß und kein Ort ist, wo sich jeder frei austoben kann.

Lichtgruß
Geza von Nemenyi



Deswegen die Ablehnung von Priestern, von Jenseitsglauben oder von klaren Regeln (= Dogmen).


Diese Leute haben leider keine Ahnung vom germanischen Heidentum, denn wie ich oben bereits anhand einer Quelle belegt habe, herrschte gerade im germanischen Heidentum eine große Frömmigkeit und man hatte großen Respekt vor den Göttern und deren Priestern.

Was auch noch wichtig zu sagen wäre:
Wir heutigen germanischen Altheiden üben unseren Glauben auf eine Weise aus, die mit dem deutschen Grundgesetz nicht in Konflikt steht. Das möchte ich nochmal besonders betonen.



CatrinW:
Ich finde es sehr bedauerlich, daß das Heidentum für politische Zwecke mißbraucht wird, daß es keine klare Trennung zwischen Religion und Politik gibt. Sowas schadet doch dem Heidentum sehr.


Das kann ich nur unterstreichen. Es gibt hier zwei Probleme, die noch bestehen bleiben, wenn sich die germ. Heiden Politik in ihren Gemeinschaften verbieten. Das eine ist die Tatsache, dass ihre Mitglieder verschiedene politische Vorlieben haben. Konkret: sind in einem Verein Mitglieder mit rechter (oder linker) Weltanschauung, so bilden sie dadurch ein rechtes (oder linkes) Gewicht, dass ein Vereinsvorstand nicht unberücksichtigt lassen kann. Man möchte ja die Mitglieder auch nicht verlieren. Und sie müssen auch mitrepräsentiert werden, und haben beim Thing ein Mitbestimmungsrecht. Diese Tatsache bleibt, und man kann sie auch in christlichen Kirchengemeinden beobachten. Ein damit zusammenhängender Aspekt bleibt auch das Verhältnis von Angehörigen des kleineren Mittelstandes und der normalen Arbeitnehmer und Arbeitslosen in einem Verein. Schafft man es, eine solidarische Gemeinschaft zu sein, in der diese Unterschiede nur wenig Bedeutung haben?

Das andere ist das Vorhandensein rechter (mitunter auch linker) Ideologiefragmente hinsichtlich des Verständnisses der germ. Religion bei Mitgliedern eines Vereins. Insbesondere die rechtsradikalen Autoren der völkischen Bewegung haben in der ersten Hälfte des 20. Jhd. sehr viele Bücher über die Germanen und ihre Religion verfasst. Diese Publikationen werden natürlich auch heute noch gelesen, und einige Heiden heute haben sich dabei auch entsprechende Thesen oder Überzeugungen gebildet. Sie wollen keine Politik machen, aber sie haben Thesen aus den kulturpolitischen Erzeugnissen der Vergangenheit in ihr Denken aufgenommen, und wollen natürlich auch Anerkennung für die Thesen, von deren Richtigkeit sie überzeugt sind. Gelingt es den Heiden eines Vereins so große Toleranz aufzubringen, dass sie so unterschiedliche Ideen in Gesprächen wahrnehmen können? Und wo sind die Grenzen des Tolerierbaren?

Darauf müsste eine heidnische Theologie auch Antworten finden. Die Sichtweise wird sicher von Verein zu Verein verschieden sein, aber Antworten auf diese Fragen müssen jeweils gefunden werden, und dürfen nicht von Stimmungen und Meinungen von Mitgliedern abhängen. Sie müssen mit klarem und gründlichen Denken vom Lehrstand gefunden werden.

CatrinW:
Vielleicht sollten wir Altheiden uns tatsächlich ganz auf unsere Religion, unsere Lehren und Kulte konzentrieren und anderen heidnischen Gruppen keine große Beachtung mehr schenken. Das Problem ist, daß man uns nicht in Ruhe läßt. Wenn wir z. B. jemanden im Namen des Altheidentums sprechen lassen wollen, kommen gleich andere und bezeichnen sich auch plötzlich als Altheiden, obwohl Geza diesen Begriff extra für die von ihm vertretene spezielle heidnische Religionsform gewählt hatte; vorher hatte kein anderer Heide diesen Begriff benutzt. Geza wollte damit den anderen Heiden entgegenkommen und ihnen damit zeigen, daß er gar keine Absicht hat, für sie zu sprechen, sondern eben nur für die von ihm gelehrte Richtung.


Ihr könnt vermutlich in dieser Situation nur gegensteuern, wenn ihr eine Art Weihelinie einführt (Habt ihr schon?). Auch wenn das eventuell Erinnerungen an die kath. Kirche weckt - die Kirche hat es ja von heidnischen Priestern übernommen. Die Weihekraft des Begründers des Altheidentums muss als etwas ganz Besonderes angesehen werden. Nur wer von Geza oder von einem von ihm zu diesem Zweck eingesetzten Priester geweiht wurde, darf sich als orginal-geweihter Priester des Altheidentums verstehen. Verlässt er aber treulos diese Linie, muss auch die Bedeutung seiner Weihe verfallen. Die Weihe selbst kann man wohl nicht ohne weiteres rückgängig machen. Das sind m.E. uralte Traditionen, deren neue Einsetzung damit gerechtfertigt ist, das man der Treulosigkeit und der Zersplitterung des Altheidentums entgegen wirken will. Was andere Gemeinschaften mit ihren Priestern machen, kann dem Altheidentum dann egal sein. Wichtig ist dagegen die eigene gewissenhaften Ausführung der Rituale, des religiösen Studiums usw. Das Priestertum dieser Linie muss Standarts haben, die den Ruf haben, streng aber erfüllbar zu sein. Dann wird die Zugehörigkeit zu dieser Priesterlinie eine besondere Ehre und Verpflichtung bedeuten. Das wäre eventuell vergleichbar mit einer Ausbildung an einer angesehenen Universität - die zählt eben mehr, als eine ähnliche Ausbildung an einer anderen Uni.

CatrinW:
Aber es hat anscheindend tatsächlich keinen Sinn, mit anderen Heidentum Gespräche führen oder mit ihnen zusammenarbeiten zu wollen. Man sollte dann seine Energie auf die Stärkung der eigenen Gemeinschaft richten und sich als etwas ganz Eigenständiges und Unabhängiges begreifen.


Die anderen Gruppen wollen ja die von Geza angestrebte Qualität und Qualitätssicherung nicht. Konstruktive Zusammenarbeit ist wohl nur mit ganz wenigen Grupen möglich. Es müssten erstmal gute Beziehungen hergestellt werden - am Besten ohne Internet, wo jeder mitliest, und entspannte Gespräche kaum möglich sind. Ansonsten sollte sich mMn. die GGG um ihre eigene Entwicklung kümmern, und die anderen, die nichts von der GGG wissen wollen, sich selbst überlassen. Sollen sie sich doch langweilen oder untereinander streiten oder ohne Klärung der wichtigen Fragen ihr Vereinsleben gestalten.


Zuletzt bearbeitet: 04.06.10 14:58 von Robert_S


Robert_S:
Ihr könnt vermutlich in dieser Situation nur gegensteuern, wenn ihr eine Art Weihelinie einführt (Habt ihr schon?). Auch wenn das eventuell Erinnerungen an die kath. Kirche weckt - die Kirche hat es ja von heidnischen Priestern übernommen. Die Weihekraft des Begründers des Altheidentums muss als etwas ganz Besonderes angesehen werden. Nur wer von Geza oder von einem von ihm zu diesem Zweck eingesetzten Priester geweiht wurde, darf sich als orginal-geweihter Priester des Altheidentums verstehen. Verlässt er aber treulos diese Linie, muss auch die Bedeutung seiner Weihe verfallen. Die Weihe selbst kann man wohl nicht ohne weiteres rückgängig machen. Das sind m.E. uralte Traditionen, deren neue Einsetzung damit gerechtfertigt ist, das man der Treulosigkeit und der Zersplitterung des Altheidentums entgegen wirken will. Was andere Gemeinschaften mit ihren Priestern machen, kann dem Altheidentum dann egal sein.

Wir haben das schon, doch hat die Praxis gezeigt, daß es nicht so einfach funktioniert. Z. B. hatten wir mehrere Goden ausgebildet und geweiht. Einer davon will heute mit nichts etwas zu tun haben, was die Bezeichnung "germanisch" verwendet, weil er um seinen Ruf in der Öffentlichkeit besorgt ist und berufliche Nachteile fürchtet. Wie man einem Menschen, der feige ist, Mut beibringen kann, weiß ich nicht.
Eine anderer Fall war der von einer Frau, die bei uns Gydja wurde. Als es Streit mit den Behörden gab wegen Festfeuern, die sie entzündet hatte, zog sie sich zurück, fing aber an, mich anzugreifen, mit dem Hintergedanken, so aus ihren Verpflichtungen als Gydja herauszukommen. Das tat auch ein anderer, der aber nicht Gode war.
Und meine Weihelinie wird deswegen angegriffen, weil sie sich auf drei Vertreter anderer heidnischer Richtungen (Wicca, Druide, Occultheidin) beruft - aber am Anfang war das nicht anders zu machen. Man fängt nun an, an den einzelnen Weihenden herumzunörgeln, wirft ihnen politischen Extremismus oder Ferne zum germaniscvhen Heidentum vor - in Unwissenheit der Tatsache, daß bei einer Weihe Kraft übertragen wird, nicht politische oder religiöse Ansichten.

Das geschilderte System mit Ausbildung, Weihelinie usw. kann auch nur funktionieren, wenn eine anerkannte Hierarchie besteht. Wenn man aber leicht jegliche Hierarchie in Frage stellen, und so sich seiner Verpflichtungen entledigen kann, dann ist die Versuchung groß, es auch zu tun.

Und vor allem gibt es keinen Grund, sich überhaupt auf diesen Weg einzulassen. Warum sollte jemand im Altheidentum Gode werden wollen? Das Altheidentum wird in der Gesellschaft nicht wahrgenommen, von den Neuheiden nur angegriffen und bekämpft. Warum sollte sich jemand freiwillig so einer Sache aussetzen? Es fehlt also eine gewisse Anerkennung in der Gesellschaft bzw. unter den Heiden, um jemanden zu motivieren, diesen Weg zu gehen. Dazu kommt, daß das Heidentum leider gar nicht die Klientel hat, die nötig ist. Die Bildungsferne des Neuheidentums hat ja bereits Prof. Simek festgestellt und in einmem seiner Bücher beschrieben.

Wir sehen es bereits hier in diesem Forum: Wir wissen nicht, wen wir in dieses Forum noch einladen könnten, weil es heidnische Intellektuelle kaum gibt (die wenigen, die es gibt, schreiben meist nicht in Internetforen).

Und dann gibt es natürlich auch nicht viel Heiden, und es ist die Frage, ob man wirklich viele Goden braucht, zumal es ja die Volkspriesterschaft gibt und jeder die Feste in seinem Bereich auch selbst feiern kann. Wenn es in Berlin bei 6000 Hindus keinen Priester gibt (sondern nur einen Pujari), warum sollten dann viel weniger Heiden Priester haben?

Lichtgruß,
Geza





Man sollte eben genau darauf achten, daß die Person, die man weiht, auch über eine entsprechende seelische und geistige Bildung und ein hohes Niveau verfügt. Dazu bedarf es einer gewissen Menschenkenntnis. Es darf niemals eine Weihe aus dem Grunde erfolgen, weil man nichts Besseres gefunden hat. Lieber kein Gode als ein schlechter Gode. Schlechte Goden schaden nur dem Ansehen des Heidentums.



Aber wo nimmt man diese Leute her in einer Religion, die nicht gerade den Ruf hat, hochgeistig-spirituelle theologische Lehren zu haben?
Und woran erkennt man, ob jemand ungeeignet ist? Üblicherweise verstellen sich die Leute. Und mit welcher Begründung lehnt man solche Leute ab? Man wird wohl kaum die eigene Empfindung als einen Maßstab nehmen können (und wenn man das tut, wird man sofort der Willkür bezichtigt).

Außerdem versuchen Ehrgeizlinge, wenn sie es bei uns nicht schaffen, sich woanders zu bewerben oder machen sich selbst zu Priestern. Das kann zu Spaltungen führen und tat es ja auch bereits, betrachtet man die frühere GGG-Berlin oder die GGG-Österreichs. Da fehlte eine gewisse Civilcourage der Leute, die sich sofort hätten gegen diese Spalter stellen müssen. Aber das heidnische Denken ist eben noch nicht so verinnerlicht, wie es sein sollte. Wäre mein Amt mehr akzeptiert, wäre es sicher anders. Aber diejenigen, die mich kritisieren, bieten damit auch allen Spaltern und Nörgelern die Möglichkeit, sich da mit einzureihen.

Lichtgruß,
Géza von Neményi

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