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Thema: Das Schicksal


Liebe Freunde,

die Nornen weben unser aller Schicksalsgespinst, so wie es die Götter vorherbestimmt haben. Nun stellt sich die Frage: Warum wird uns dieses oder jenes Schicksal zugemessen? Die Antwort darauf lautet, daß wir durch unsere vergangenen Taten unser Schicksal selbst geschaffen haben. Es ist also ein Schicksal, daß aus uns selbst heraus entsteht. Wir schaffen dieses Schicksal in jeder Sekunde unseres Seins. Wir haben es geschaffen, erschaffen es in diesem Augenblick und werden es uns in Zukunft erschaffen. Jede unserer Taten fällt ins Gewicht.

Fünf Faktoren erscheinen mir hier besonders wichtig:

1. Der Einfluß der Götter
Die Götter können gegenwärtig und zukünfig unser Schicksal beeinflussen. Deswegen ruft man sie an, opfert ihnen Gaben und bittet sie um ihre Hilfe. Von der Gunst der Götter hängt vieles ab. Wichtig ist, daß man bewußt Kontakt zu ihnen sucht und zu ihnen betet.

2. Der Einfluß der Geister
Ähnliches gilt für die Geister. Auch sie können wir um Hilfe bitten und ihnen opfern. Ihre Macht ist zwar nicht so groß wie die der Götter, doch sollte sie nie unterschätzt werden. Verärgert man die Geister, so können sie Krankheit und Schaden zufügen. Gewinnt man ihre Gunst, so zeigen sie einem verborgene Dinge, schützen und geben Hilfe.

3. Das Wyrd (angeborenes Schicksal)
Das ist unser Schicksal, was wir uns aufgrund von Taten früherer Leben erworben haben bzw. was unsere Sippe sich erworben hat, denn wir sind mit dem Schicksal unserer Sippe, aber auch unseres Volkes verknüpft. Dieses Schicksal ist im Geburtshoroskop erkennbar.

4. Der Einfluß der Gestirne
Die Sterne können uns an manchen Tagen günstig oder ungünstig bestrahlen und so unser Schicksal beeinflussen, z. B. kann ein ungünstiger Mars an einem bestimmten Tag bei uns Unfälle oder Fieber verursachen.

5. Unser Verhalten
Es heißt ja: "Jeder ist seines Glückes Schmied". Wir bestimmen durch unseren Willen, unser Handeln einen Teil unseres Schicksals. Zum Beispiel werden wir krank, wenn wir uns falsch ernähren oder uns zulange der feuchten Kälte aussetzen. Auch unser Verhalten gegenüber anderen Menschen ist entscheidend, denn daraus resultiert deren Verhalten uns gegenüber. Bis zu einem gewissen Grad können wir daher unser Schicksal lenken.

Wir können unser Leben jederzeit ändern. Wir haben uns einen bestimmten Rahmen geschaffen, in dem sich unsere Schicksal auswirkt. Wir haben uns für einen bestimmten Pfad entschieden, und dementsprechend ist unser Schicksal verlaufen. Doch mit jeder Änderung an uns selbst können wir auch diesen Pfad ändern. Das bedeutet oft, über seinen eigenen Schatten zu springen, was vielen Menschen sehr schwer fällt. Doch sind wir selbst unsere größte Blockade im Leben. Wenn wir uns das begreiflich machen, dann werden wir umdenken lernen und verstehen, daß wir tatsächlich ganz allein unseres Glückes Schmied sind.

Grüße
Catrin





Liebe Catrin,

Deine Aufstellung ist mir zu kompliziert und es gibt zu viele Überschneidungen. Zunächst also die Überlieferungen. In der Breta Sögur, einer altnordischen Übersetzung von Geoffrey of Monmouths' Historia regum Britanniae, lesen wir:
    >Sie behaupteten, Merkur habe sie hierher gewiesen. Der König fragte, was Merkur sei. Heingest antwortet: "Manche nennen ihn Odin, und unsere Vorfahren haben an ihn ebenso geglaubt wie an Thor und Tyr, Frigg und Freyja. Wir glauben, daß sie die Welt und die Geschicke der Menschen lenken".<
Derartige Stellen gibt es viele, z. B. auch diese hier:
    >Und sollten uns die Götter persönlich zur Sklaverei bestimmt haben, werden wir uns dem mit aller Macht widersetzen.<
Die Götter also bestimmen das Schicksal, nicht die Nornen, nicht die Menschen selbst. Aber der Mensch kann dennoch dagegen ankämpfen, muß nicht alles widerspruchslos hinnehmen. Das steht übrigens auch in der Gylfaginning.

Und die Nornen? Sie sitzen unter der Weltesche und legen Lose. Dann legen sie auch das individuelle Schicksal den Menschen in die Wiege. Sind es die Nornen, die es sich ausgedacht haben? Nein, denn wenn man lost, wendet man sich an höhere Wesen und will von diesen etwas erfahren. Die Nornen bräuchten ja keine Lose, wenn sie selbst das Schicksal frei bestimmen würden. Aber sie losen, sie wenden sich somit an die Götter, erfahren deren Bestimmungen und setzen das um. Deswegen losen die Nornen gerade dort, wo auch die Götter Ihre Gerichtsstätte haben.
Die Nornen haben aber offenbar auch einen gewissen Spielraum, wie uns ja das Märchen "Dornröschen" zeigt. Hier kann die 12. Fee (Fee = Fatum = Schicksalsfrau) die bösen Bestimmungen der 13. nicht mehr aufheben, aber doch abschwächen. Statt dem Tod ist nun Dornröschen ein hundertjähriger Schlaf bestimmt.
Dadurch erklärt sich nun, daß die Germanen auch den Nornen um ein gutes Schicksal opferten. Nornen sind Geistwesen, und eine Norne heißt altnord. Urdr, altengl. Wyrd und ihr Name steht stellvertretend für "Schicksal".

Und das eigene Karma (Örlög)? Es spielt mit hinein, wie uns das "Frau-Holle-Märchen" zeigt: Frau Holle (= Frigg) bestimmt das Schicksal der Menschen mit, wie die andern Götter. Der Pechmarie bestimmt Sie ein schlechtes Schicksal, da diese sich im irdischen Leben und sogar noch im Jenseits als so schlecht gezeigt hat. Also ist hier auch Karma berücksichtigt. Das bedeutet, die Götter bestimmen ein Menschenschicksal nicht willkürlich, sondern berücksichtigen dessen früheres Leben und sein bisheriges Tun, also unser eigenes Verhalten. Das zeigt sich auch in der Starkather-Episode, wo Odinn dem, Starkather Gutes, Thorr ihm aber immer Schlechtes bestimmt, weil seine Mutter lieber einem Riesen zugeneigt war, als dem Donnergott, wie es heißt. Also auch hier kein willkürliches Schicksal, sondern eine Berücksichtigung von "Karma", in diesem Falle dem Karma der Eltern.
Die Gestirne sind nur Anzeiger für das, was die Götter bestimmen, die Gestirne selbst also nur materielle Werkzeuge, um spirituelle Entscheidungen umzusetzen.

Bleibt die Frage, inwieweit unser Schicksal bis ins kleinste Detail festgelegt ist bzw. wieviel Entscheidungsfreiheit wir tatsächlich haben. Da hilft die Astrologie etwas weiter: Unser Geburtshoroskop zeigt unsere charakterlichen Anlagen, zeigt unsere Fähigkeiten und unsere Defizite. Es ist natürlich von unseren früheren Leben mit geprägt (es gibt sogar Karma-Horoskope) und entspricht der Bestimmung durch die Götter.
Die Transite, die verschiedenen Einflüsse und Aspekte, entsprechen wohl dem, was die Nornen dazugeben, es sind die Ereignisse, die uns im Leben begegnen, die Prüfungen und Aufgaben.
Die Nornen weben aus den göttlichen Vorgaben unsern Lebensfaden, und verweben ihn im großen Gewebe des Schicksals: Parallel laufende Fäden sind die Menschen, die unsern Weg mitgehen, näher oder entfernter. Querverwebte Fäden sind diejenigen Menschen, auf die wir im Leben nur einmal treffen, die wir kreuzen.

Hier noch drei Zitate aus den Quellen. In den Skirnisför der Edda 13 heißt es:
    >Bis auf einen Tag ist mein Alter besimmt
    Und meines Lebens Länge.<
Und in der Völsunga saga 32 finden wir diese Vorstellung:
    >Jetzt ist das in Erfüllung gegangen, was vor langem geweissagt worden war, und wir haben nicht daran glauben wollen - aber keiner kann sich dem Geschick entziehen.<
In der Prests-saga Gudmundar Goda 3 werden diese Aussprüche isländischer Frauen überliefert:
    >,,Sag mir, wen du am liebsten zum Freier haben möchtest: denn das möcht ich glauben, daß wir nicht ewig unverheiratet zu Hause sitzen". ,,Ich halte das für zwecklos", sagte die jüngere Thora, ,,denn alles ist vorher bestimmt, und es nutzt nichts, sich darüber Gedanken zu machen oder darüber zu schwatzen." ,,Gewiß", sagte die ältere Thora, ,,ist alles bestimmt, selbst Geringeres als die Schicksale der Menschen" ... ,,Unser Schicksal wird sich doch so gestalten, wie es bestimmt ist".<
Lichtgruß,
Geza von Nemenyi



Ja, das meiste widerspricht nicht meinen Ausführungen, außer der Punkt, daß die Menschen ihr Schicksal nicht selbst schaffen würden. Natürlich schaffen sie es selbst durch ihre Taten, Gedanken und Worte. Sie erschaffen sich so ihr Karma. Und die Götter teilen den Menschen aufgrund dieses Karmas ein entsprechendes Schicksal zu. Und somit sind wir für alles, was uns geschieht, selbst verantwortlich.


Zuletzt bearbeitet: 02.05.10 10:34 von Administrator


Wenn das so wäre, dann bräuchten wir die Götter gar nicht, denn das Schicksal würden wir uns selbst schaffen. Und Gebete, Opfer, Kulte wären überflüssig. Die Götter wären bloße Umsetzer dessen, was wir geschaffen haben.
Das widerspricht unsern Überlieferungen. Es sind eben doch noch weitere Faktoren (außer unserm selbstgeschaffenen Karma), die hier mit zum Tragen kommen. Die Götter haben die Macht, unser Schicksal trotz unseres Karmas zu ändern, Sie sind nicht gebunden daran, nur unser Karma umzusetzen.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi



Wenn Du einen Gott um Hilfe bittest, dann ist dies doch auch Deine Tat. Durch diese Bitte wirkst Du doch bereits auf Dein Schicksal ein. Du bist ja schließlich nicht allein auf der Welt; Dein Schicksal ist mit dem vieler anderer Wesen verwoben, und jeder kann eingreifen, wenn Du es zuläßt. Das Annehmen von Hilfe durch einen Freund oder durch eine Gottheit ist bereits ein schicksalbestimmender Akt. Die Götter greifen nie grundlos in unser Schicksal ein, sondern aufgrund unseres Verhaltens. Also sind auch wieder wir die letzendliche Ursache für ein solches Eingreifen.

Die Götter schufen die Gesetze, nach denen das Schicksal wirkt. Einmal geschaffen erfüllen sich diese Gesetze von selbst. Die Sterne wandeln im ewigen Rhythmus ihre Bahnen, seit die Götter sie dorthin setzten.



Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Europa vor allem durch die theosophische Bewegung eine Lehre vom Karma verbreitet, in der die Autonomie des Menschen radikal zu ende gedacht wurde. Wenn zum Beispiel bei einer Katastrophe Menschen starben, wurde schon versucht, dass mit ihrem Karma aus früheren Leben zu erklären, allerdings nur, um die Autonomie des Menschen zu verteidigen. Dieses Karma-Verständnis hat bis heute überlebt, wird aber in der heutigen Welt als "Zynismus" missverstanden. So war es aber nie gemeint. Im Gegenteil! Die Menschen sahen früher einen Trost darin, denn diese Katastrophen berührten die Menschen früher viel tiefer als uns heute. Besonders das Schreckliche einer Schicksalsentscheidung durch Zufall, die Sinnlosigkeit des Verlustes lieber Menschen belastete die Menschen sehr. Daher wurde und wird die Lehre von Karma und Reinkarnation immer gemeinsam betrachtet. Karma bietet eine Erklärung an, wie es zu einem schlimmen Ereignis kommen konnte, und die Reinkarnationlehre vermittelt, dass niemand verloren geht, und alle sich immer wieder begegnen werden. Tod und Leid bekommen durch die Lehren einen Sinn, einen persönlichen Sinn für die Opfer. Gleichzeitig begründen beide Lehren die Verpflichtung der Menschen, sich gegenseitig zu helfen. Denn anderen Menschen in der Not beizustehen, ergibt gutes Karma, aber wegsehen und/oder sich das Leid anderer Wesen wegphilosophieren erzeugt negatives Karma. Wenn man nichts zur Aufhebung des Leides unternimmt, wird es den Tatenlosen in späterer Zeit ebenfalls treffen. Karma wird somit zu einem tiefen ethischen Antrieb.

Das die Götter unser Schicksal bestimmen, ist für mich ebenso deutlich. Die Götter schufen unser Universum. Also haben sie dann auch das Gesetz des Karma geschaffen, innerhalb dessen wir unsere Entwicklung über die Inkarnationen hin selbst verursachen. Aus dem Karma resultiert so unsere ethische Belehrung. Es kann daraus direkt gefolgert werden: "Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füge auch keinem anderen zu!" Die Lehre vom Karma wirkt also erziehend auf die Reinkarnierenden ein. Die Hinweise, Empfehlungen oder auch Gebote der Götter verstehe ich als Hilfestellung. Wie sollen wir richtig handeln, um schlechtes Karma zu vermeiden? Woher soll man das aus eigener Erkenntnis wissen, wenn einem die früheren Inkarnationen nicht offenbar sind? Man folgt daher am besten den Göttern - je nach eigener Erkenntnis.



Zuletzt bearbeitet: 24.05.10 14:21 von Robert_S


Ein wenig ist das sogar bis ins Christentum gedrungen, wenn es da heißt:
>Und vergib uns unsere Schuld, (in dem Maße,) wie auch wir vergeben unsern Schuldigern<.
Wenn wir also anderen ihre Übeltaten vergeben, dann ändert das unser Karma so, daß auch uns unsere Übeltaten vergeben werden.

Was mir noch nicht so ganz logisch erscheint: Wie groß ist der Einfluß der Götter im Verhältnis zu unserem Karma?
Denken wir die Karmalehre konsequent zu Ende, dann sind wir allein es, die unser eigenes Schicksal zu verantworten haben. Andererseits sagen wir, daß die Götter das Schicksal bestimmen. Die Götter sind aber sicherlich nicht nur Handlanger oder Umsetzer unseres Karmas. Offenbar kommt da also noch ein anderer Faktor mit hinein. Wie kann man diesen Faktor genauer bestimmen?

Und dann stellt sich auch noch die Frage, nach dem Schicksal der Götter Selbst. Die Griechen sehen die Götter den Moiren untergeordnet, d. h. die Moiren schaffen auch das Schicksal der Götter, wenn ich das richtig verstanden habe. Bei uns aber sind die Nornen den Göttern untergeordnet und können das Schicksal der Götter nicht bestimmen. Bestimmen Sich die Götter das Schicksal selbst duch Ihre eigenen Handlungen? Jede Tat hat ja Folgen, und das könnte auch bei den Göttern so gelten.

Lichtgruß,
Géza von Neményi



GezavN:
Wie groß ist der Einfluß der Götter im Verhältnis zu unserem Karma?
Denken wir die Karmalehre konsequent zu Ende, dann sind wir allein es, die unser eigenes Schicksal zu verantworten haben. Andererseits sagen wir, daß die Götter das Schicksal bestimmen. Die Götter sind aber sicherlich nicht nur Handlanger oder Umsetzer unseres Karmas. Offenbar kommt da also noch ein anderer Faktor mit hinein. Wie kann man diesen Faktor genauer bestimmen?


Die Frage ist für mich dann, ob die Asen und Wanen das All mit allen seinen Gesetzen (inklusive des Karma-Gesetzes) erschufen, oder waren die Gesetze des Alls schon vor den Asen und Wanen da. Letzteres würde bedeuten, dass die Götter gemäß ihrer Einsicht in die Gesetze des Universums handeln. Aber wessen Willen sind dann diese Gesetze?

Man könnte sich in dieser Variante Karma auch so denken: Die Götter schaffen unser Universum entsprechend den schon bestehenden Gesetzen des Alls. Es gibt aber im All Wesen (z.B. riesische Kräfte), die diese Werke der Götter nicht mögen, und ihnen zuwider handeln. Dadurch bringen sie das Universum aus dem Gleichgewicht und es entsteht negatives Karma. Nun muss durch entsprechend große gute Handlungen (positives Karma) das Universum wieder in sein Gleichgewicht gebracht werden. Das führen die Götter durch, gemeinsam mit allen Wesen, die sich ihrem Wirken verbinden. Sie wirken in vollkommener Einheit mit dem Karma-Gesetz. Darum sind die karmischen Ereignisse in unserem Leben (die wir selber verursacht haben) gleichzeitig auch immer der Beschluss der Götter. (So stelle ich mir das vor.)



Nach meiner Vorstellung erschufen die Götter das All und legten dort auch die Gesetze fest. Die Materie als Ort, in dem wir Erfahrungen machen können, die wir in einer rein spirituellen Welt nicht machen könnten.

Da die materielle Welt von der Welt der Götter unterschieden ist, wirken in ihr auch Kräfte, die primär nicht göttlich sind, die Riesen. Es ist dabei egal, ob man die Riesen als eigene Kräfte (z. B. der Materie, oder als Dämonen) versteht, oder einfach nur als "Abwesenheit der Götter". Um sich in einer Welt frei entwickeln zu können, um die Möglichkeit der freien Wahl haben zu können, muß es diese Polarität geben. Eine Welt, in der nur die Götter allein wirken würden, wäre ein Paradies, ohne irgendetwas Böses. Wir hätten keine Entscheindungsfreiheit (zwischen gut und böse oder richtig-falsch, aufbauend-zerstörerisch usw.) und könnten uns also auch nicht weiterentwickeln, wären unfrei. Deswegen muß es die Riesen auch geben, damit das ganze Gefüge funktioniert.
Der Mythos in der Gylfaginning der Jüngeren Edda kennt folgende Abfolge:

    1. Zuerst ist die Feuerwelt Muspellsheimr da (Götterwelt);
    2. Die Dunkelwelt Niflheimr entsteht (aus Muspellsheimr);
    3. Zwischen beiden Urpolen entstehen Riesen (Materie);
    4. Götter verkörpern Sich in der Materie;
    5. Götter gestalten die Materie und schaffen weitere Welten und deren Gesetze (Hel);
    6. Götter schaffen die Menschen;
    7. Götter schaffen die Stände.
Die Entstehung von Niflheimr kann nur aus Muspellsheimr geschehen sein, da ja noch nichts anderes war. Da aber Muspellsheimr bewacht wurde gegen alle die, die dort nicht Heimstätte hatten (es aber gerne wollten), muß man davon ausgehen, daß es eine hohe spirituelle Welt, eine Götterwelt ist, während Niflheimr eine Welt der Verdichtung, der Materie, des Dunkels und Todes ist. Da liegt ja auch die schlimme Niflhel (Nebelhölle). Deswegen vergleiche ich diese Entstehung mit dem biblischen Engelssturz (Sündenfall), wo die rebellierenden Engel und ihr Anhang auf die Erde und in die Unterwelt gestürzt wurden. Dante spricht von einem großen Krater in der Erde, an dessen tiefster Stelle der gestürzte Satan sitzt (allerdings hat sicher auch der Mythos vom Sturz des Saturn durch Zeus mit hineingespielt).

Lichtgruß,
Géza von Neményi




Man bedenke auch, daß der Tod unser aller Schicksal ist. Er ist etwas natürliches wie die Geburt. Nur die Trennung eines geliebten Wesens ist eben schmerzlich, daher ist der Tod für die Hinterbliebenen schmerzlicher als für den Verstorbenen selbst. Wenn wir uns aber klar machen, daß jegliches Leid wieder vergeht und keine Trennung für immer ist, dann wird manches leichter. Ohne Schatten kein Licht. Freude und Schmerz zusammen ergeben erst die Harmonie in der Schöpfung. So verband sich der Gott des schrecklichen Krieges (Ares) mit der Göttin der Liebe (Aphrodite). Ihr gemeinsames Kind hieß HARMONIA. Die Seele muß also sowohl durch die freudenvollen wie auch durch die schmerzvollen Erfahrungen gehen, um Ganzheit, um vollkommene Harmonie zu erlangen. Dies schmälert jedoch die Untat eines Verbrechers keineswegs und entbindet ihn nicht von seiner Schuld.

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