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Thema: Vom Sinn des Blótens (Opferns)


Das überlieferte germanische Heidentum ist eine Naturreligion und eine Opferreligion. Das Blóten (Opfern) gehört zu den Grundbestandteilen dieser Religion. Blóten bedeutet "die Götter stärken". Dieses kann auf mannigfaltige Weise geschehen: Durch Gebete, Hymnen und Lieder an die Götter, durch rituelle Tänze, Räucherungen, Speisen und Trank. Schon in rigvedischer Zeit wurden Götter wie Indra und Agni durch den Somatrank gestärkt. Bei fleischessenden Völker wurde ein Teil des geschlachteten Tieres den Göttern geschenkt. Im Hinduismus legt man einen Teller mit vegetarischer Opferspeise vor dem Götterbilde nieder, damit die Gottheit sich an der Odkraft der Speise stärke, und ißt später dann selbst die von der Gottheit gesegnete Speise. Von den alten Heiden Mitteleuropas wird gesagt, daß sie an heilige Steine, Bäume, Quellen oder an Kreuzwege gingen und dort Speisen und Lichter opferten. Man opfert Dinge, die man selbst verzehrt oder die durch ihre Lebenskraft oder ihre geistige Kraft die Götter stärken.

Meiner Ansicht nach sind alle Wesen voneinander abhängig. Die Götter erschufen und und versorgen uns mit Sonne, Licht, Wasser, Nahrung und anderen Dingen. Wir wiederum stärken die Götter auf die oben geschilderten Weisen. Es ist ein Kreislauf des Gebens und Nehmens. Alles auf der Welt ist voneinander abhängig. Ohne den Vogelgesang würden z. B. die Pflanzen weniger gut gedeihen. Das Lieben auf den Feldern in früheren Zeiten diente dem Wachstum der Feldfrüchte, da die beim Geschlechtsakt freiwerdende Lebenskraft von dieses aufgenommen wird.

Die Götter nähren uns und nähren sich gleichzeitig wieder von uns. So wie es im Hávamál geschrieben steht:

"Die Gabe erfordert stets Gegengabe."

Geist und Materie sind voneinander abhängig und nähren sich gegenseitig.

Heutzutage muß in Mitteleuropa niemand mehr Fleisch essen, da uns das ganze Jahr über genügend pflanzliche Nahrung zur Verfügung steht, deswegen erübrigen sich blutige Opfer. Es gibt genügend andere Möglichkeiten, die Götter mit Gaben zu erfreuen und zu stärken. So wie es die der große Teil der vegetarisch lebenden Hindus tut. Durch pflanzliche Speisen, Milch und Honig, Räucherwerk, Ölungen, heilige Gesänge, Gebete, Rituale und dergleichen mehr.



Sallustios schreibt zwar, daß die Götter die Opfer nicht benötigten, aber er schreibt auch, daß sie den Menschen nutzen. Im Kap. 12 führt er die Opfer bereits positiv auf:
    >Die Künste und Wissenschaften und Tugenden und Gebete und Opfer und Reinigungen, und Gesetze und Polizeien, und Gerichte und Strafen sind alle darum entstanden, damit die Seelen dadurch von dem Sündigen abgehalten werden<.
Im 15. Kap. führt er aus, daß die Tempel eine Nachahmung des Himmels seien, die Opfertiere unser sinnliches Leben nachahmen, und es heißt:
    >Von dem allen wächst den Göttern nicht der geringste Vortheil zu. Denn was für Vorteil oder Gewinn könnte für (einen) Gott statt finden? Für uns aber ist es Vereinigung mit (einem) Gott<.
Und im 16. Kapitel erklärt er den Wert der Opfer:
    >Erstens, da wir alles von den Göttern haben, und billig ist, daß wir den Gebern die Erstlinge von allem darbringen, was sie für uns bescheren, so geben wir ihnen die Erstlinge von dem Geld durch Vergabungen, von den Leibern durch Schmuck, von dem Leben durch Schlachtopfer. Zweitens, die Gebete ohne Opfer sind nur Worte, mit Opfern aber beseelte Worte, da denn die Worte dem Leben Kraft geben, und das Leben die Worte beseele.<
Sallustios spricht sich also schon deutlich auch für die Opfer aus.
Die vedische Religion lehrte, daß Indra durch die Opfer und Gebete tatsächlich gestärkt würde, d. h. je mehr Menschen Ihn derartig verehren, desto mehr Kraft bekommt Er und kann umso mehr erreichen. Das ist die ältere, spirituellere Erklärung, die auch auf die Germanen zutrifft.
Aber die Tieropfer änderten sich in Opfer von Symboldingen und gebackenen Tieren. Da kann man gut ansetzen. Allerdings opfern (d. h. schlachten, Tieropfer waren immer nur einfache rituelle Schlachtungen mit Verzehr des Fleisches beim Fest) die Christen noch heute eine Martinsgans oder ein Osterlamm, auch wenn das Schlachten von Metzgern übernommen wird. Hier auf dem Land sind Hausschlachtungen noch üblich und wären Schlachtungen in ein Ritual eingebunden nichts, was auf Menschen abstoßend wirken würde.
Wir haben den Anspruch, das Heidentum unverfälscht zu vertreten. Deswegen kann bei uns niemand heidnische Tieropfer untersagen. Aber wir selbst (in der GGG) betreiben sie nicht, es kam auch noch keiner auf den Gedanken, so etwas zu wollen. Man muß nicht alles, was erlaubt ist, auch tun. Wir erlauben auch die Vielehe, ohne daß deswegen bisher jemand davon Gebraucht gemacht hätte.

Lichtgruß,
Géza von Neményi




Der Rigveda hat wohl immer noch die ursprünglichste Bedeutung des Opfers (meist das Somatrankopfer) bewahrt. Das Opfer stärkt die Götter, genauso wie unsere Gebete und Hymnen.

    2, 11, 1: >Erhöre den Ruf, o Indra, versieh dich nicht! Wir möchten dir zum Schenken der Güter ausersehen sein, denn diese Stärkungen richten dich auf, die, nach dem Gut verlangend, wie die Ströme rinnen.

    3, 36, 1: >Dieser Darbringung verhilf fein immer wieder im Verein mit deinen Hilfen zum Sieg. Bei jedem Soma hat er sich an den Stärkungen gestärkt, er der durch große Taten hochberühmt wurde.

    6, 21, 2: >Den Indra will ich mit Lobliedern preisen, der bekannt ist, den die Lobreden anziehen, die Opfer stärken.<

    6, 23, 6: >Zum gepreßten Soma wollen wir dir, du Somatrinker, recht zusagende Stärkungen durch Opfer bereiten<.

    6, 34, 4: >Ihn haben die Anrufungen zusammen mit den Opfern gestärkt wie die Wasser einen Mann auf dürrem Lande, wenn sie ihm in den Weg kommen<.

    8, 24, 18: >Der mit Opfern ohne Unterlaß zu stärken ist<.

    6, 38, 4: >Indra, den das Opfer und der Soma stärken möge, das Segenswort, die Lobrede, die Lobgedichte und Gebete stärken mögen.<
Offenbar haben also die alten Inder und Indogermanen das Opfer anders gesehen, als Sallustios, der ja nicht spirituell, sondern philosophisch an die Frage heranging, ob die Götter Opfer benötigten.

Ich will nun noch zu den wirklich sprechenden und sich von selbst bewegenden Götterbildern kommen, die im Heidentum immer wieder erwähnt wurden. Für den Norden ist das das sprechende (und sogar kämpfende) Bild des Freyr in der Episode von Gunnar Helming oder das Svantewit-Bild von Arcona.

Pfarrer Johannes Greber schreibt (S. 178):
    >Auch redeten die Götzenbilder selbst und wirkten Wunder. Das konnten auch die Christen nicht leugnen, da diese Tatsache allgemein bekannt war. Gerade hieraus leiteten die Heiden ihre Überzeugung ab, daß die Götzen, die sie verehrten, lebendige Geistwesen waren, die über eine große Kraft verfügten. Sie sagen: "Aus welchem Grunde vollbringen einige Bilder Wunderwirkungen, wenn es nicht Götter sind, für die wir Bildsäulen errichten?" - Der Christ Athenagoras entgegnet: "Daß in einzelnen Plätzen und Städten und Völkern im Namen der Bilder Wunderwirkungen geschehen, leugnen auch wir Christen nicht. Nur halten wir sie nicht für Götter" (Athenagoras leg. 23 p. 116) ...
    Die bei den Götzenfesten durch die Götzenbilder redenden bösen Geister erzeugten die für menschliche Ohren vernehmbare Stimme dadurch, daß sie das ihnen zur Verfügung stehende Od zur Bildung der sogenannten "direkten Stimme" verwendeten ... Und wie bei dem Sprechen Gottes die erforderliche Odwolke durch das Od des Opferblutes und die Räucherungen beschafft wurde, so war auch das Blut der heidnischen Götzenopfer und die dabei vorgenommene Räucherung die Odquelle für die "direkten Stimmen".<
Der Sinn des Tieropfers war also, Kraft bereitzustellen, um ein direktes Sprechen und Bewegen von Götterbildern zu ermöglichen. So etwas gibt es heute nicht mehr und ich kenne niemanden, der es erlebt hätte. Deswegen benötigt man Blutopfer nicht mehr und kann sich mit Symbolopfern begnügen. Aber man sollte wenigstens wissen, worum es bei dem Blutopfer ging, bevor man darüber entscheidet, ob es sinnvoll ist, oder nicht.

Lichtgruß,
Géza von Neményi





Der Christ Athenagoras spielt hier natürlich auf einen möglichen Sachverhalt an, der in verfallenen Religionsgemeinschaften oft zu beobachten war: Mit dem Blut der Opfertiere wurden ganz andere niedere Wesenheiten angezogen, als jene Götter, die man herbei zu rufen meinte.

In Afrika werden heute noch rituell Opfertiere getötet, und ihr Blut zeremoniell verwendet - aber auch ohne die von Johannes Greber angesprochenen Effekte. Vielmehr verfällt eine Art Priestermedium offenbar in Blut-Trance, und redet irgendwelches Zeug zusammen. Betrachtet man diese Kultus von den Werten der weißen Magie her, dann ist dieses Verfahren eindeutig schwarze Magie, da ein Lebewesen für einen magisch-zeremoniellen Zweck geopfert wird. Die Menschen dort kennen es aber wohl nicht anders, und darum handelt es sich um eine Form natürlicher schwarzer Magie, d.h. eine solche, die aus einer indigenen Kultur resultiert.

Es gibt natürlich auch heute noch Phänomene hinsichtlich einiger Marien-Statuen, denen nachgesagt wird, dass sie bluten. Ich deute ja als ein HeiChri die christlichen Sachverhalte alle konsequent heidnisch aus. Daher sehe ich in der historischen Miriam/Maria auch eine hohe Eingeweihte (vermutlich Avesha) der verdrängten weiblichen Göttin, die jahrtausende auf dem Boden des heutigen Israel und Syriens verehrt wurde: die kanaanitische / phönizische Göttin Athirat (später Aschera). Sie war im kaanäischen Pantheon die gnädige Mutter aller Götter und Menschen, und trug auch den Beinamen Himmelskönigin. Sie wurde in späterer Zeit im Nordreich Israel (Omriden-Dynastie) hauptsächlich von Frauen verehrt. Ihr wurden in Höhenheiligtümern als Opfer süßes Gebäck, Kuchen etc dargebracht. Als Göttermutter könnte sie Ähnlichkeit mit Frigg haben, aber als 'Aschera vom Meer' die aus dem Schaum der Meereswellen entstand, hat sie dann eher Ähnlichkeit mit Aphrodite, vielleicht sogar mit Freya. Sie vereint wohl Eigenschaften von beiden in sich. Das passt auch sonst mit vielen Aspekten des Christentums zusammen, die ich aber nicht alle hier erläutern sollte.

Das die Götter das Od der Opfer benötigten, um sich daran zu nähren, wage ich zu bezweifeln. Ich kann mir nicht denken, dass Götter, die dass Weltall erschaffen, anschließend Menschen benötigen, durch die sie ernährt werden. Ich meine das Opfer vor allem ein Erziehungsmittel der Götter für die Menschen sind. Ein Mensch, der bereit ist etwas Kostbares den Göttern zu opfern, zum Beispiel einen goldenen Armreif, beweist den Göttern, dass er es ernst mit ihnen meint. Ich denke mir, die Götter sind dann über solche Menschen erfreut, und deshalb bei deren Gebeten und Rituale mehr oder weniger anwesend. (Ich glaube sie können das sehr fein dosieren).



Zuletzt bearbeitet: 27.05.10 17:20 von Robert_S


Es war mir schon vor Jahren aufgefallen, daß der Name "Maria" mit dem Beinamen der Aphrodite, "Marina" fast identisch ist. Die "Jungfrau Maria" ersetzt sicher Aphrodite, die "Mutter Maria" aber eher Hera.

Was das Od betrifft: Die Menschen stellen es bereit, damit Geistwesen helfen. Den spirituellen Wesen muß die nötige Kraft zur Verfügung gestellt werden, damit Sie Sich manifestieren können. Odysseus beim Unterweltsseher Teresias brachte auch Opferblut mit. In spiritistischen Sitzungen schlagen die Teilnehmer einen Kraftkreis und die Kraft der Teilnehmer hilft, daß der Geist sich im Medium äußern kann.

Im Idealfall handelt es sich bei den Wesen, die einem helfen, um Götter bzw. Geister im Dienste der Götter. Diese kommen aber nur, wenn die Regeln der Reinheit genau eingehalten werden. Wenn unreine Menschen so ein Ritual machen, kommen nur Dämonen.

Da aber heute die übergroße Mehrheit im Zustand der Unreinheit lebt und überhaupt keine Ahnung mehr von den Reinheitsgesetzen hat, ist so ein Opferkult gar nicht mehr zu verantworten. Dazu bräuchte es wirklich gutgeschulte Priester und Menschen, die beurteilen können, ob diese Priester auch wirklich in Reinheit leben.

Aber die sich bewegenden und sprechenden Götterbilder waren auch in heidnischer Zeit eher selten. Deswegen wurde ja auch darüber berichtet.

Der Hinduismus praktiziert diesen Kult noch ansatzweise: Die Götterbilder werden behandelt, als seien darin die Götter: Gewaschen, gekleidet, Ihnen wird geopfert usw. Es geht also auch ohne Blut. Wir kennen ähnliches nur in Andeutung in der Frithjofs saga fraekna (Salbung des Baldur-Bildes mit Butter) und aus dem Brauchtum um den Hausgeist, der z. B. als Alraunenwurzel ähnlich umsorgt wurde.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi




Dabei ist interessant, dass die z.B. die Vaishnavas (Vishnuiten, z.B. ISKON) zur ersten Weihe eines Deity ein umfassendes Ritual durchführen, damit die jeweilige Gottheit auch in den Deity einzieht. Habt ihr als germanische Priester etwas vergleichbares?

Bekannt ist ja auch der Brauch der kathol. Kirche Gegenstände zu segnen, die dadurch besonders mit Heiligkeit aufgeladen sein sollen, d.h. also dem Inhaber Heil bringen. Es gibt sogar einen besonderen Segen für Ostereier. Das scheint auch ein alter heidnischer Brauch zu sein, den dann die Reformation in ihrem fundamentalistischen Eifer abgeschafft hat. Ich bin mir ganz sicher: die unmittelbaren Apostel Jesu haben keine Ostereier gesegnet.


Zuletzt bearbeitet: 27.05.10 17:47 von Robert_S


Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Was wir ehren und dadurch mit Energie aufladen, wird stärker. Wenn wir einem geistigen Wesen, sei es ein Ahn, ein Naturgeist oder eine Gottheit Gaben weihen, ihm zu Ehren Riten feiern oder ihm Gaben opfern, dann wird es gestärkt. Und je stärker es wird, desto kraftvoller kann es auch in unser Leben eingreifen. Wir stellen ein geistiges Band zur Gottheit her; die Energie kann von uns zur Gottheit fließen und umgekehrt. Jedes Wesen bedarf von Zeit zu Zeit neuer Energie, neuer Aufladung. So ist auch der Mythos von Iduns Äpfeln zu verstehen, durch welche sich die Götter jung halten. Die Götter geben ihre Kraft, um die Welt und uns zu erschaffen und zu erhalten. Wir geben ihnen ein wenig Kraft durch unsere Riten und Opfer zurück, damit sie stark bleiben und gegen die zerstörerischen Kräfte, in der Edda als Thursen oder Jöten bezeichnet, bestehen können.

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