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Thema: Jahresfeste


Das Julfest und die Wintersonnenwende

Einige Neuheiden haben uns Altheiden dahingehend kritisiert, daß wir uns bei der Lage des Julfestes geirrt hätten. Das Julfest sei Mitte Januar begangen worden, nicht zur Wintersonnenwende.

Diese Ansicht ist falsch.

In der Heimskringla – Hákonar saga góða ist folgendes zu lesen:

    >Er [Hákon] gab ein Gesetz, daß das Julfest der Heiden künftig zu derselben Zeit abgehalten werden sollte, wie das christliche Julfest. Da sollte jeder ein bestimmtes Maß Bier brauen oder sonst Strafe zahlen, und er sollte die Zeit heilig halten, solange das Bier reichte. Vorher hatte das Julfest aber in der Hökunótt, das war die Mittwinternacht begonnen, und dann wurde Jul drei Tage lang gefeiert.<


Es ist also die Frage, ob die Hökunótt bzw. Mittwinternacht die Nacht der Sonnenwende ist, oder eine andere im Januar. Die Hökunótt (Habichtsnacht) ist tatsächlich die Wintersonnwendnacht, denn noch in späterer Zeit war das in Schweden bekannt:

In einem alten schwedischen Dialekt bezeichnet die "Hökenatt" die dritte Nacht vor Weihnachten, also die Wintersonnenwende. Quelle: Festskrift til Henning Frederik Feilberg, 1911.

Und in einem schwedischen Wörterbuch, dem „Ordbok öfver svenska spraket“, Band 1, (1830) finden wir unter "Hökenatt":
>Sa kallade fordom längsta natten pa aret eller den tredja före jul< („Die früher so bezeichnete längste Nacht des Jahres oder die dritte vor Jul“).

In der "Deutschen Monatsschrift" von 1793, Band 3, steht folgendes:
>Die längste Nacht war der Anfang der Julfreude, und man nannte sie Habichtsnacht oder Mutternacht ... Der erste Tag des Festes war in den Runenkalendern mit einem Horn ... bezeichnet ... am 6ten Jänner stand wieder ein Horn, und am 13ten war es umgekehrt, zum Zeichen, daß die Freude ein Ende habe.<

Der schwedische Diplomingenieur Sven Fagerberg schrieb übrigens vor über 50 Jahren einen Roman, in dem es um die Hökenatt geht. Er schrieb, der Name bedeute "Habichtsnacht" und dies sei die längste Nacht des Jahres, in der man vor Zeiten, um die Wiederkehr des Lichts zu beschwören, einen Habicht opferte (schwed. hök = Habicht).

Und natürlich ist die Mittwinternacht analog zur Mittsommernacht die Sonnenwende. Noch heute finden wir in alten deutschen Volksliedern den Begriff „Mittentag“ für Mittwintertag, Wintersonnenwende.

Was hatte Hákon also verschoben? Das christliche Julfest hatte sich ja längst von der Wintersonnenwende auf den 25. 12. verschoben, nun verschob er auch das heidnische Julfest vom 22. auf den 25., damit beide Feste gleichzeitig stattfinden können. Da es nur eine geringe Verschiebung war, gab es dagegen auch keinen heidnischen Widerstand – der wäre aber sicher entstanden, wenn man ein Fest von Mitte Januar so weit vorverlegt hätte. Und übrigens kann im Januar gar kein Julfest gewesen sein, weil in diese Zeit (Mitte Januar bis Mitte Februar) das Vollmondfest des Dísablóts fiel. Und dieses Fest ist gut bezeugt, weil mehrere Schaltregeln erhalten sind:

    >När trettondags nyt i fylle gár,
    dá disating i Upsala stár.<
    (Wenn Dreizehntetags Neu- zu Vollmond geht,
    Dann Disating in Upsala steht.)


Hätte es ein Julfest 4 Wochen nach der Wintersonnenwende gegeben, dann wäre dieses sehr häufig mit dem Disablót zusammengefallen, aber oft auch direkt nebeneinander gewesen. Das ist sehr unwahrscheinlich. Dazu kommt, daß „Mitte Januar“ in einem Mondkalender gegenüber dem Sonnenlauf keine feste Angabe ist. Je nach Mondlauf kann der Januar auch zur Wintersonnenwende liegen.

Die Bräuche des Julfestes sind eindeutig von der Sonne bestimmt: Freys Wiederkehr, der goldborstige Eber, die Sonne. Es wäre unpassend, derartige Bräuche nicht auch an einem besonderen Punkt im Sonnenlauf zu zelebrieren.

In meinem Buch „Die Wurzeln von Weihnacht und Ostern“ (KC-Verlag, 2006, ISBN 3-89423-132-7) habe ich den germanischen Kalender erklärt.

Mit Lichtgruß
Allsherjargode Géza von Neményi




Zuletzt bearbeitet: 24.07.14 14:28 von Administrator


Die Neuheiden haben eben keine Ahnung von den Abläufen in der Natur, sonst würden sie nicht solche abstrusen Behauptungen aufstellen. Diese Leute sind naturentfremdet und begreifen die einfachsten Abläufe in der Natur nicht. Es genügt auch, wenn wir Altheiden es wissen.



Ich möchte noch ergänzen, daß ich die Deutung Hökunótt als "Habichtsnacht" für falsch halte. Die Schweden des 18. Jh. haben das wahrscheinlich nur spekuliert. Habichte hat man auch nie geopfert - dazu gibt es zu wenige und diese dürften schwer zu fangen sein. Wissenschaftler vermuten, daß Hökunótt "Haunacht" bedeutet, weil da den Opfertieren der Kopf abgehauen wurde. Auch das scheint mir nicht so schlüssig. Ich würde den Namen eher mit dem Odinsnamen Hökuberaht (Hackelbernd), "Mantelträger" zusammenbringen.

Mit Lichtgruß
Géza von Neményi



Das Osterfest

Zur Frühlingsgleiche wird das heidnische Ostarafest gefeiert. Es ist der Zeitpunkt, wo die Tage wieder länger werden als die Nächte und somit die Sonne den Kampf gegen die Winterriesen endgültig gewonnen hat. Es ist der Beginn des Frühlings, welcher dann im Mai vom Sommer abgelöst wird.

Die wichtigsten Gottheiten des Ostarafestes sind natürlich Ostara, Thorr und Tyr. Thorr erwacht von seinem Winterschlaf und holt sich seinen Hammer aus dem Reich der Riesen zurück (siehe Thrymskvidha). Das erste Thing des Jahres wird in dieser Zeit abgehalten.

An Opfergaben zu Ostern sind überliefert: Eier (besonders rot bemalte), Osterzopf, Brezeln und allerlei österliches Backwerk. Für Donar/Thorr sind auch Schafs- oder Ziegenkäse gut als Speise geeignet.
Ein wichtiger Brauch ist das Osterwasserschöpfen, was noch vor Sonnenaufgang erfolgen muß. Man muß dabei schweigen und darf sich auf dem Weg nicht umdrehen. Diese Wasser ist geheiligt und magisch; man kann es als Weih- und Waschwasser verwenden.

Das Mittsommerfest

Die Mittsommernacht ist voller Zauber. Es erblühen magische Kräuter, versunkene Dörfer tauchen auf, Schätze können gehoben werden, Geister erscheinen.

Es ist der Höhepunkt des Lichtes und der Sonnenkraft. Der Lichtgott Baldr stirbt in der Blüte seines Lebens, denn von nun an werden die Tage wieder kürzer. Das Mittsommerfeuer heißt im Norden "Baldrs Bal" (Baldrs Bühle=Scheiterhaufen). Andere wichtige Gottheiten dieses Festes sind Wodan, Donar, Frija und Sunna.

Man tanzt um den Mittsommerbaum und das Sonnenwendfeuer, bindet sich Gürtel aus Beifuß um und springt damit über die Flammen, um gesund zu bleiben. Das Feuer reinigt nämlich und vertreibt Krankheitsgeister.

An Opfergaben eignen sich Sonnengebäcke, Brot und Kuchen (besonders Hollerküchlein aus Holunderblüten), Butter, Käse, Johannisbeeren, Erdbeeren, Kirschen. Man trinkt Bier und/oder Met.

Das Herbstfest

Zum Dank bäckt man nach der Ernte für das Herbstblot besondere Gebildbrote, die den Göttern geopfert werden. Früher ließen die Bauern auch einige Halme des Getreides für die Roggenmuhme (die Erdgöttin) stehen, damit sie überwintern und im nächsten Jahr wieder ihre schützenden Arme über der Saat ausbreiten konnte.

Gebete vor und nach der Ernte, Aufheben der ersten geschnittenen Garben oder Weihe des Getreides sind heute noch manchenorts verbindliche Bräuche. Auch kleidet man sich in vielen Gegenden wie früher besonders festlich mit der typischen Tracht, wenn der Tag der Ernte gekommen ist, um damit die Freude über den reichen Segen zum Ausdruck zu bringen. Es werden Tänze aufgeführt, Bier getrunken und das Herbstfest fröhlich gefeiert.

Welcher Bauer zu gierig war und sein Feld vollständig aberntete, wurde im nächsten Jahr vom Unglück verfolgt. Das zu einer Figur, dem Wold, aufgestellte Getreide erinnert an eine Menschenform, die einstmals als erster oder letzter Schnitt unter Geläut und mit Bändern geschmückt als "Erntegeist" hoch auf dem Wagen eingefahren und verehrt wurde. Es ist ein Sinnbild des Gottes Wodan, für den man zum Herbstfest singt, tanzt und blotet.

Kreuzweise (Gibu-Rune!) zum Erntedank an den Giebel genagelte Getreidehalme schützen das Haus vor Blitzschlag. Auch die Tiere werden zum Erntedank geschmückt und bekommen ihre besondere Hafergarbe; so erhält auch Wodans Roß eine solche Garbe.

Die den Göttern nachgebildeten Brote werden verzehrt, damit deren Kraft in die Menschen übergehen kann. Die Götter werden gütig gestimmt werden, um die Ernte im darauf folgenden Jahr wieder so reich ausfallen zu lassen.

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