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Thema: Heimdallr, Mannus, Manu


Der Vergleich der Rigsþula mit anderen Mythen setzt die Deutung von Heimdallr als Mondgott voraus. Für Heimdalls Mondbezug sprechen verschiedene Einzelheiten, so wird Er der „weiße Ase“; genannt (die weiße Mondgestalt), besitzt das Gjallarhorn (Mondsichelsymbol), hört das Gras wachsen (Wachstumsaspekt), wacht an der Götterbrücke (Mondgott als Wächter des Totenreichs), hat einen feuchten Rücken (Mond-Wasser Aspekt, Mondtau), erzeugt Nachkommen (Mond-Volk Aspekt der Astrologie), hat neun Mütter (Mond-Mutter Aspekt), die Mütter sind die Wellen (Mond-Meer), ist in Seehundsgestalt (Mond-Meer), ist Lokis Feind (wäßriger Mond gegen Wildfeuer) und trinkt Met (Mond-Rausch). Er wird von einem Manneshaupt entzweigehauen (Halbmond), genau wie der baltische Mondgott Meness, dem er entspricht.

Sehen wir uns nun die parallelen Mythen an. Bei den Indern ist es der Gottkönig Manu(s). Er ist der Stammvater der Menschen und erzeugt die drei Kasten, die Kastengesetze finden sich in ihm zugeschriebenen Gesetzbuch des Manu.

Der indische Manu(s) entspricht dem biblischen Noah. Auch Noah hat drei Söhne, von denen die Völker stammen, Sem, Ham und Japheth (Genesis 10, 1f). Von Sem stammen die Semiten (Orientalen), von Ham die Hamiten (Afrikaner) und von Japheth die Japhethiten (Indogermanen) (so deuten es noch heute die Moslems). In der Bibel ist auch eine unterschiedliche Stellung dieser drei Stammväter festgelegt (Gen. 9, 25-27), und zwar sollen Sems Nachkommen das Land besitzen, Japheths Nachkommen sollen dort wohnen, Hams Nachkommen aber Knechte sein.

Noah selbst ist übrigens ein Weinbauer, seine rArche Noahr0; deute ich als gebogenes Mondschiff; am Himmel.

Bei den Germanen trägt der göttliche Stammvater den Namen Mannus (Tacitus), und dieser Mannus entspricht dem Gott Heimdallr. Mannus hat drei Söhne, die schon Tacitus auf drei Stämme deutete, ich beziehe sie aber auf drei Stände, die Ingväonen, Istävonen und Herminonen. Ingävonen sind „Kinder des Fruchtbarkeitsgottes Ing“; und damit der Nährstand, Istävonen sind „Kinder des Eschengottes“; und damit der Lehrstand, Herminonen sind „Kinder des Kriegsgottes Irmin“; und damit der Wehrstand. Diese Bezeichnungen bedeuten nicht etwa, daß z. B. Ing der Nachkomme Mannus sei, sondern „Kinder des Ing“; bezeichnet die Landwirte ähnlich, wie man etwa tanzende und singende Menschen „Kinder der Venus“; nennt. Heimdall ist Sohn Óðins, also muß auch Mannus Sohn Wodans sein, und tatsächlich entspricht der Name des Vaters von Mannus, Tuisco, dem Óðinsnamen Tveggi (beide bedeuten: Der Zwiefache).

Die gleiche Situation finden wir nun in der Rigsþula vor, wo Heimdallr drei Söhne erzeugt, die den drei Söhnen des Mannus entsprechen. Außerdem ist noch überliefert, daß Heimdallr Sohn der neun Mütter ist. Es handelt sich um die Wellen, wie ihre Namen verdeutlichen, und diese entsprechen wiederum den neun Töchtern Ägirs/Hlers, des Meeresriesen.

Und nun ziehen wir noch eine celtische Fassung hinzu: Hier heißt der Mondgott, dessen Mondbezug schon verlorengegangen scheint, Manannán mac Lir, das wäre germanisch: Mannus, Mage (Sohn) von Hler, da Hler und Lir sich entsprechen.

Also entspricht der Mythos bei Tacitus dem in der Rigsþula, außerdem dem biblischen Abstammungsmythos, sowie dem indischen.

Bei den Balten gilt Meness übrigens als erster Wissenschaftler, weil er als Mondgott seine Kinder, die Sterne, zählen muß. Ähnlich wurde nach meiner Deutung auch der germanische Mannus-Heimdallr gesehen, denn die dem Mannus zuzuordnende Rune mannaz wird im Rúnatalsþáttr Óðins gerade dazu verwendet, die Namen der Asen und Alfen zu kennen, und die Asen als Seelen werden ja im Volksglauben mit den Sternen identifiziert.

Zuletzt sei daran erinnert, daß Vsp. 1 die Menschen „Nachkommen Heimdalls“; nennt, mithin der Abstammungsmythos von Heimdallr schon älter sein muß, als erst das 14. Jh.

Tacitus deutete seine Ing-, Ist- und Herminonen auf drei Stämme oder Stammesverbände, die Bezeichnungen lassen aber erkennen, daß ursprünglich drei Stände (übrigens gleichberechtigt) gemeint waren. Bei den Indern sind drei Stände (die Kasten) gemeint, ursprünglich bezogen sich die Kasten aber auf verschiedene Völker, Indogermanen und Einheimische, in der Bibel sind drei Stämme und zusätzlich drei Stände, in der Rigsthula drei Stände gemeint. Selbst die Slawen haben mit ihren drei Brüdern Lech, Czech und Rus diesen Mythos (in sehr junger Form) beibehalten.

Geza von Nemenyi




Im Beowulf-Epos heißt Heimdall auch Hama oder Heime:

>Davon ich je erfuhr bei den Völkern der Erde.
Nie hört' ich unterm Himmel von herrlicherm
Horte der Helden seit Hama (Heime) forttrug
Zu der blinkenden Burg der Brosinga Mene,
Schmuck und Geschmeide. Den schnöden Haß erwarb er
Ermenrichs, erkor ewiges Heil.<

Hier ist Hama der Dienstmann des Königs Ermenrich. Ermenrich deute ich als Irmin/Jörmun, als Allvater Wodan. Die Brosinge sind wohl die Breisacher, die Harlungen.

So wie Heimdall das Brisingamen zur Götterburg zurückträgt, so tut dies hier Hama mit dem Brosinga Mene. Auch der Name Hama/Heime gemahnt an Heimdall.

Brising bedeutet "leuchten, glühen"; so ist das Brisingamen das leuchtende Halsband (die Mondsichel), die Heimdall in den Himmel (Götterreich) zurückbrachte.


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