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Thema: Weltuntergangsformulierungen


Prof. Simek "Religion und Mythologie der Germanen", Darmstadt 2003 (S. 181) schreibt:

"Andere Termini für den Untergang der Welt in den Eddas außer Ragnarök/Ragnarökr sind aldar rok (Weltende, Vafprúðnismál Str. 39), tíva rok (Götterschicksal, Vafprúðnismál Str. 38/42), þa er regin deyja (wenn die Götter sterben, Vafprúðnismál Str. 47), unz um riúfask regin (wenn die Götter vernichtet werden, Vafprúðnismal Str. 52; Lokasenna Str. 41; Sigrdrífomál Str. 19), þá er Muspellz-synir herja (wenn die Muspell-Söhne in den Krieg ziehen, Gylfaginning Str. 18, 36), aldar rof (Weltuntergang, Helgakvida Hundingsbana II Str. 41) und regin þrjóta (Götterende, Hyndluljód Str. 42). Alle diese Begriffe weisen auf den Untergang der Götter (und deren relative Passivität dabei) und der Welt,nicht der Menschen hin, aber alle genannten Texte sind in christlicher Zeit entstanden, sodass man sich fragen muss, ob die christlichen Verfasser hierbei nicht ganz bewusst die Vergänglichkeit der heidnischen Götter hervorheben wollten."


Untersuchen wir zunächst einmal die einzelnen Formulierungen.

Ragnarök/Ragnarökr: Prof. Simek schreibt in “Religion u. Mythologie der Germanen“ 2003 auf S. 179: „Endschicksal der Götter“.
Er schreibt aber in „Die Edda“ 2007, S. 14: „Gericht der Götter“ (desgl. S. 31 und 51).
Bleiben wir also bei der neuesten Übersetzung, die ich im Netz und auch in meinem Buch „Die Wurzeln von Weihnacht und Ostern“ (2006) S. 241 schon vor Prof. Simek veröffentlicht hatte: „Gericht der Götter (Regin)“

Tíva rök: Ist somit genauso zu übersetzen: „Gericht der Götter (Tívar)“.

Aldar rök: Rök ist wiederum „Gericht“, Aldar bedeutet „Leben“ oder „Menschen, Menschheit, Welt, Zeitalter“. Also zu deuten als Gericht über die Menschen/Lebenden bzw. über die Welt.

Aldar rof: Rof = Zerreißung, Zerstörung, Aldar wie vor: Zerstörung der Welt. Vielleicht auch nur eine Verschreibung für „Aldar rök“.

Þa er regin deyja: Da die Götter sterben (wobei das Wort deyja zu ahd. touwan gehört und noch andere Bedeutungen hat). Diese Bezeichnung bezieht sich aber auf den beim Göttergericht stattfindenden Kampf, in dem einige Götter sterben werden.

Unz um riúfaz regin (Vm. 52: þá er riúfaz regin?; Ls. 41: unz riúfaz regin; Sd. 19: unz riúfaz regin). Riúfa bedeutet Reißen, Zerreißen, Zerstören, Zerschlagen. Regin sind die Götter, die Ratenden. Aber in der Verbindung „riúfaz regin“ kann – laut G. Neckel/ H. Kuhn (Edda II, Wörterbuch, 1968, S. 165) – regin auch einfach nur „göttliche Ratschlüsse“ bedeuten: Bis die göttlichen Ratschlüsse vergehen. Es ist eine Formulierung, die poetisch das Wort „ewig“ umschreibt. „Etwas besteht, bis die Götter vergehn“ bedeutet: „Etwas besteht ewig“.

At regn um þrjóti: Wenn die Regin verdrießen/zu Ende gehen. Zu Regin siehe vorstehend.

þá er Muspellz-synir herja (Gylf. 13: Þá er Múspells synir herja; Gylf. 37: Þá er Múspellssynir fara og herja): „Wenn Muspellz Söhne (fahren und) heeren“.

Es fällt nun zunächst auf, daß die meisten der Untergangs-Zitate aus dem Eddalied Vaþrúðnismál stammen. Dann kann man auch klar sehen, daß alle Zitate eben auch in einem Kontext verstanden werden können, in dem die Götter nicht untergehen. Die Götter gehen mit der Welt ins Gericht (Ragnarök/ Ragnarökr/ Tívar rök/ aldar rök). Es findet ein Kampf statt, bei dem die Welt oder Weltordnung zunächst zerstört wird (Aldar rof). Einige wenige Götter (nämlich nur Óðinn, Þórr, Freyr, Týr, Heimdallr und die Göttin Sól) werden dabei „fallen“, wobei die Mythen andeuten, daß Sie gar nicht wirklich tot sind, nämlich etwa bei Þórr oder Týr. Daß Víðarr dem Wolf den Rachen aufreißt, hat auch nur den Zweck, daß Óðinn wieder lebendig heraustritt (wie bei „Der Wolf und die sieben Geislein“ oder „Rotkäppchen“).
Es ist natürlich ein uralter zyklischer Mythos vom Untergang von Lichtgöttern durch Dunkel (Winter-) Wölfe: Óðinn – Fenrir, Týr – Garmr, Sól – Sköll.

Die Mythen berichten eindezutig von der Wiederkehr zweier großer Götter (der „Starke von Oben“ und der andere „Starke“, wobei sich diese Strophen nur noch in der Handschrift der Hauksbók erhalten haben, im Codex Regius fielen sie der Zensur zum Opfer). Natürlich ist es die Wiederkehr von Óðinn und Þórr.

Das altbayerische Gedicht Muspilli hat Teile des heidnischen Mythos integriert und nimmt indirekt darauf bezug. Es wäre wohl ein Umdrehen der Tatsachen, wenn man dieses Gedicht als Ursache der eddischen Schilderungen annehmen würde. Es ist wohl eher umgekehrt, also beide Quellen beziehen sich auf einen uralten Untergangsmythos, den wir ansatzweise ja schon in der indogermanischen Mythologie der Parsen finden.

Geza v. Neményi



Zuletzt bearbeitet: 31.07.14 14:18 von GezavN


Muspili ist ja auch schon christlich beeinflußt, enthält jedoch noch vieles Heidnische. Hier ein paar Auszüge:

>So entbrennen die Berge, kein Baum mehr stehet,
Nicht einer auf Erden, all Wasser vertrocknet,
Meer verschlingt sich, es schwelt in Lohe der Himmel,
Mond fällt, Mittelgart brennt,
Kein Stein mehr steht. Fährt Straftag ins Land,
Fährt mit Feuer, die Frevler zu richten:
Da kann kein Verwandter vor dem Weltbrand helfen.
Wenn der Erdflur Breite ganz nun verbrennt, -
Und Feuer und Luft ganz leer gefegt sind,
Wo ist die Mark, wo der Mann stritt mit den Magen (Nachkommen)?<


>Wenn laut erhallet das himmlische Horn,
Und sich der Richter anschickt zur Reise,
Dann erhebt sich mit ihm gewaltige Heerschar,
Da ist alles so kämpflich, kein Mann kann ihm trotzen.
So fährt er zur Richtstatt, wo errichtet der Markstein,
Da ergeht das Gericht, das dorthin man berufen,
Dann fahren die Engel hin uber die Marken,
Wecken die Toten, weisen zum Thinge.
Dann wird erstehen vom Staube männiglich,
Sich lösen von Grabes Last; dann wird das Leben ihm kommen,
Daß all seine Sache er sagen müsse,
Und nach seinen Werken ihm werde das Urteil.<


Die "Engel" dürften ursprünglich Disen oder Valkyren gewesen sein.



Dann wird erstehen vom Staube männiglich,
Sich lösen von Grabes Last; dann wird das Leben ihm kommen,


Für uns Wiedergeburtsgläubige gibt es kein Tod für Körper und Seele (Hippi-Gammelzeit im kühlen Grab..ha, ha ), darum ist diese Zeile umgedichtet Richtung Bibelunfug!

Ich behaupte oder besser gesagt, ich gehe davon aus, das es zwei Varianten geben wird, wie die Götter und die Göttinnen auf den unhaltbaren Zustand der Welt reagieren.

Das Seherin Gesicht ist meiner Meinung nach die Weibliche als auch die Männliche Variante, den Bilder sind vieldeutbar. Das wird also passieren, was aber real und was Umschreibung für etwas ist, könnt ihr euch den Kopf zerbrechen, ich schärfe in Gedanken die Axt und ich höre dennoch auf die Tiergeschwister, die das nicht wollen.

Edit Admin: Themenfremdes gelöscht.


Zuletzt bearbeitet: 03.08.14 16:18 von Administrator


was aber real und was Umschreibung für etwas ist, könnt ihr euch den Kopf zerbrechen


Sagen wir besser: Was sich auf der einen Ebene abspielt und was auf der anderen; real ist alles, was die Seherin voraussieht. Die Bewohner Asgards werden diese, und die Bewohner Midgards jene Dinge erfahren/wahrnehmen. Jeder nimmt die Dinge von seinem eigenen Blickwinkel aus wahr, je nach Bewußtseinszustand (Ebene). Wir nehmen nur einen kleinen Bruchteil von dem wahr, was wirklich geschieht in der Welt. Wir könnten noch mehr wahrnehmen, doch schränken wir unser Bewußtsein ein und erfahren vieles nur mit 5 Sinnen. Die Seherin aber hat ihr Bewußtsein erweitert (wie es auch die Schamanen in Sibirien tun) und kann daher in mehrere Welten blicken und sehen, was sich auf den unterschiedlichen Ebenen/in den verschiedenen Welten abspielt beim Gericht der Götter.



...na ja, allgemein könnte man dies so erklären. Ein ABC-Schütze kann kaum die Segnungen, denn die mathematische Gesetzmäßigkeit, einer Differentialgleichung höherer Ordnung begreifen, noch erklärt werden.

Aber Obacht: Jeder bekommt (meiner Erfahrung nach) die Geschichte-des-Lebens so erzählt, das er sie verstehen kann. Und danach würde ich es schaffen, würde ich diese beiden Geschichtchen meines Lebens hier einstellen im Forum, das ebay mit wertlosem Tand wie Kruzifixe, Gebetsteppiche und bebaute Grundstücke mit wertlosen Gebäuden überschwemmt würde...wetten??!!


Zuletzt bearbeitet: 04.08.14 21:27 von Administrator


Die Breite Masse funktioniert ganz "normal", so wie breite Massen - Gnuherde; Büffelherde; Pferdeherde - das auch tun. Es gibt halt unter den Herdentieren-Tieren und den Herdentieren-Menschen ein Unterschied:
Bestimmte Fähigkeiten einzelner , die aus der Masse heraus stechen, werden nicht mehr - aus Gleichmacherei = Friedliche Welt-Logik - geduldet. Jeder ist mal mies drauf und macht diese Art von Fehlern, aber wenn man es merkt oder darauf gestoßen wird, sollte man reagieren. Und das tut das Monstermensch-Individuum nicht mehr, der 99,99% der Herdentiere stellt. Jede Herde hat Mitglieder, die über das alltägliche hinaus den Schutz bieten, das die Herde intakt bleibt. Als diese Leute, die in ihrer Gruppe solche und solche haben, der Logik der Herde sich gebeugt haben, hatten alle verloren!

Wenn ein feiger Mensch merkt, andere sind noch feiger - dann wird er mutig. Aber das Resultat ist vernichtend: Abbau von Frust und nicht-ausgelebter-Aggression - an seinesgleichen, statt da in der Ersten Reihe stehen, wo es Not tut. Preussens Ideale waren akzeptabel, die Preussen selber nicht mehr. Und selbst dieses Niveau konnte man nicht halten.

F e i g h e i t ist das Grundübel unserer Gesellschaft und das Resultat Göttergericht - was so oder so ausfallen kann, es ist aber eine Bilanz mit dickem Filzstift geschrieben, die ist natürlich unausweichlich, selbst wenn Geza und andere das Wort Ragnarök nicht kennen noch interpretieren könnten...da ist irgend etwas fällig, die Religion der Ahnen beschreibt es für uns am besten!


Zuletzt bearbeitet: 07.08.14 10:30 von Administrator
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