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Thema: Germanische Stämme


Schon des öfteren hörte ich Leute aus dem Berliner und Brandenburger Raum fragen, ob ihre Ahnen nun eigentlich Semnonen oder Wenden wären. Dazu möchte ich gerne etwas schreiben, um mehr Klarheit zu schaffen.

Ursprünglich waren in diesem Gebiet bis hinunter in den Wittenberger Raum die Semnonen beheimatet, ein Unterstamm der Sueben. Während der Völkerwanderungszeit zog ein Teil der Sueben in die Gegend, die wir heute als Schwaben kennen und die nach den Sueben/Sveben benannt wurde. Ein Teil der Sueben aber blieb in der alten Heimat. Östlich der Oder lebte der Nachbarstamm der Vandalen, die auch Wenden hießen. Sie waren ursprünglich aus Schweden gekommen und hatten sich östlich der Oder als Nachbarn der Semnonen angesiedelt. Als dann die Völkerwanderungszeit kam, zog ein Teil der Vandalen/Wenden westlich über die Oder und vermischte sich mit den dortigen Semnonen. Die Wenden, die östlich der Oder blieben, sind die Vorfahren der heutigen Polen und Ostdeutschen. Die Berliner und Brandenburger sind Nachkommen sowohl der Semnonen als auch der Wenden, haben teilweise auch etwas flämisches Blut durch die Besiedlung der Flamen im Mittelalter. Dazu kommen in Berlin noch geringfügige keltische Einflüsse durch die Ansiedelung der französischen Hugenotten durch Friedrich dem Großen.

Die Wenden gelten heutzutage bei vielen Leuten als "slawisches" Volk, was natürlich falsch ist. Es gibt kein slawisches Volk, lediglich eine slawische Sprache, die aus dem Altbulgarischen entstand und von der Ostkirche im frühen Mittelalter verbreitet wurde.

Nun aber zu den Quellen, die belegen, daß Wenden Vandalen sind:
Im frühmittelalterlichen Salomoglossar und in den Wessobrunner Glossen heißt es: >Vandalus id est Vinid< >Vandalus, das ist ein Wende<.
Im 10. Jh. findet sich im Chronicon Vedastinum der Satz: >Vandalos, quos nunc appellant Guénedos.< >Die Vandalen, die man jetzt Wenden nennt.<
Adam von Bremen setzt im 11. Jh. in der Gesta hammaburgensis ecclesia pontificum Wenden und Vandalen gleich: >Sclavi qui olim dicti sunt Vandali< >Die Sklaven, die früher Vandalen genannt wurden<, ebenso tut dies Helmold von Bosau in seiner sogenannten "Slawenchronik" im 12. Jh.
Die Chronica Polonorum aus dem 12. Jh. weist die Polen als Nachkommen der Vandalen aus. Gleiches findet sich im Geschichtswerk des Jan Dlugosz aus dem 15. Jahrhundert: >Vandali, qui nunc Poloni dicuntur< >Die Vandalen, die nun Polen genannt werden.<
In der hochmittelalterlichen Enzyklopädie des Gottfried von Viterbo steht: >Guandali dicuntur Sclavi in Latino, in lingua vero Theotonica vocantur Guinidi.< >Die Vandalen, die man Sklaven im Lateinischen nennt, werden in deutscher Sprache Wenden geheißen.<

Die Quellen sprechen eine deutliche Sprache: Die Wenden sind die Nachkommen der germanischen Vandalen, dasselbe gilt für die Polen, die allerdings nicht rein vandalisch, sondern auch gotisch und sarmatisch sind. Denn das litauische Wort "Gudai" = Goten bezeichnet die benachbarten Polen und Weißrussen. Im westlichen Polen finden wir vandalische und im östlichen Polen mehr gotische Einwohner; die Goten sind die östlichen Nachbarn der Vandalen.
Die Vandalen befinden sich jedenfalls noch heute auf ihren alten Stammgebieten.



Dankeschön für diese wertvollen Informationen! Ich habe Deinen Text mit viel Interesse gelesen. Dabei habe ich viel gelernt! Mich interessiert die Geschichte (indo-)germanischer Stämme sehr. Durch Deinen Beitrag wird klar, wie sehr heutige "Nationen" konstruiert sind. Dein Beitrag klärt, was sich hinter dem recht modernen Begriff "Pole/Polen" verbirgt.
Danke! Asenheil!


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