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Thema: Das Schicksal


Ich hatte auch immer argumentiert, daß es eine "Todesstrafe" nicht geben kann, denn der Tod macht alle gleich, er steht uns allen bevor, Heiligen oder Mördern. Also kann der durch die Justiz herbeigeführte Tod keine wirkliche Strafe sein.

Bleibt bei der Todesstrafe also nur die Verkürzung des Lebens. Aber haben wir diese Macht überhaupt? Sowohl das Heidentum, als auch das Christentum lehren, daß unseres Lebens Länge vorherbestimmt sei. Somit vollzieht der Henker nur etwas, was schon lange bestimmt ist. Würde der Hinrichtungskandidat aus irgendeinem Grund entkommen, dann stirbt er vielleicht durch einen Verkehrsunfall, wenn es ihm bestimmt ist.

Oder wenn die Schlinge des Henkers reißt, dann nahm man das in früheren Zeiten als Zeichen, daß es dem Kandidaten noch nicht bestimmt war, zu sterben, und begnadigte ihn. Es war ein Zeichen höherer Mächte.
Das bedeutet nicht, daß wir uns untätig mit Berufung auf die Schicksalsbestimmung zurücklehnen, und alle Verbrecherverfolgung beenden können. Nein, das Schicksal plant auch uns ein, als Helfer, Handlanger, Erfüllungsgehilfen.

Bei der Berechnung von Karma hat man es sehr schwer, weil unzählige Fakten früherer Zeiten zu berücksichtigen sind, die wir gar nicht kennen. Wir wissen nicht, warum die Menschen in Japan an den Atombomben sterben mußten - selbstverschuldet? Vielleicht, aber wann und wo wissen wir nicht. Japan hat eine recht blutige Geschichte, da gibt es viele Möglichkeiten.

Nehmen wir ein überschaubareres Beispiel: Der 1. Weltkrieg wurde im Pulverfaß Serbien ausgelöst. Das führte zu einem großen Krieg, die alten Kaiserreiche gingen unter. Und Serbien als Auslöser wurde im neuen Staat Jugoslawien eigentlich eher mit Unabhängigkeit belohnt. Und da scheint mir der Zerfall Jugoslawiens, der Kosovokrieg usw. ein karmischer Ausgleich zu sein. Aber auch das ist nur eine auf das vergangene Jahrhundert begrenzte karmische Sicht, bei der also noch frühere Dinge (Missionierung der Goten, Besetzung durch die Türken usw.) nicht berücksichtigt sind.

Aber - wie Catrin schon sagte - die Frage des Todes ist entscheidend. Ich selbst bin in meinem Leben schon mindestens 3 Mal beinahe gestorben. Ich weiß aus dieser Erfahrung, daß es so schnell geht, daß man praktisch nichts spürt. Den Tod fürchte ich daher nicht. Er ist keine Strafe, sondern ein Durchgang in eine andere Welt. Es hieße, dem Schicksal seine Macht abzusprechen, wenn man meint, die Menschen könnten den Tod anderer herbeiführen. Wenn es nicht bestimmt ist, können sie das nicht. Aber sie machen sich zu Handlangern des Schicksals, und das muß man nicht ohne Gegenwehr hinnehmen, zumal man erst am Ende weiß, was das Schicksal wirklich beschlossen hatte.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi



Ich erkenne in der Geschichte mit dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko auch die Auswirkung eines Völkerkarmas: Die USA hatten den Irak wegen des Öls überfallen. Nun bekommen sie das Öl vor die Haustüre - kurioserweise im Süden, wo ein "Bush" Gouverneur ist und wo die meisten Wähler des Kriegspräsidenten George W. Bush leben.

Lichtgruß,
Géza von Nemenyi



Nur sind die Leidtragenden vor allem die Tiere und die Umwelt dort - und die haben nichts mit den üblen Machenschaften der Menschen zu tun. Die Übeltäter wird es leider am wenigsten treffen.



Das Karma einer so großen Gruppe, wie sie ein Volk bildet, ist mMn. nur sehr schwer einzuschätzen. Schon das Karma eines einzelnen Menschen ist von so vielen Faktoren beeinflusst, dass man zwar allgemeine Gesetzmäßigkeiten hinsichtlich Ursache und Wirkung beschreiben, aber unmöglich im konkreten Einzelfall eine genaue Karma-Analyse vornehmen kann. Der allgemeinen Gesetzmäßigkeit folgend könnte man also einem Volk empfehlen seinen Nachbarn gegenüber friedfertig, wohlwollend und hilfsbereit zu sein, oder die Natur seines Landes zu pflegen, vegetarisch zu leben usw. Das gibt gutes Karma. Aber die Summe von Millionen Einzelkarma zu berechnen ist wohl zum Scheitern verurteilt. In Abwandlung eines Spruches aus dem Koran (ich ersetze da 'Allah' durch 'Karma') bringe ich an solchen Stellen gerne den Satz: Wie immer der Mensch auch rechnet - Karma ist der bessere Rechner!


Zuletzt bearbeitet: 04.06.10 06:42 von Robert_S


Robert_S:
Das Karma einer so großen Gruppe, wie sie ein Volk bildet, ist mMn. nur sehr schwer einzuschätzen. Schon das Karma eines einzelnen Menschen ist von so vielen Faktoren beeinflusst, dass man zwar allgemeine Gesetzmäßigkeiten hinsichtlich Ursache und Wirkung beschreiben, aber unmöglich im konkreten Einzelfall eine genaue Karma-Analyse vornehmen kann. ... Wie immer der Mensch auch rechnet - Karma ist der bessere Rechner!

Ich glaube nicht, daß "Karma" einfach nur stur nach Regeln funktioniert. Die Geister lehren es anders, sie sagen, daß ein Teil der Schuld immer schon ohne weiteres vergeben wird.
Daß es sicher schwer ist, ein Karma genau einzuschätzen, ist mir klar. Nichtsdestotrotz sollte man es versuchen. Natürlich ist es willkürlich, einen Punkt (z. B. Beginn des Irak.-Krieges) festzusetzen und ab diesem Punkt das Karma zu berechnen. Der Anfangspunkt ist ja willkürlich gesetzt, und man würde zu einem anderen Ergebnis kommen, setzte man ihn früher oder später an. Aber es gibt eben auch sehr eindeutige, karmabildende Handlungen, die auch zu eindeutigen Anworten führen. Sozusagen die Extrempunkte auf der Kurve der Karmalinie. Und da kann man schon einmal ansetzen und nur diese Extrempunkte nehmen, um das Karma zu erkennen. Ein Berechnen im Voraus ist es ja nicht, sondern ein Aufarbeiten im Nachhinein: Der Irak-Krieg ist gewesen, das Öl läuft aus. Es wäre sicher ungleich schwieriger, ein Karma im Voraus zu berechnen. Etwa nach dem Irakkrieg um das Öl würde man wohl nicht auf den Gedanken kommen, daß als karmische Folge nun Öl die USA verschmutzen wird. Aber wenn es bereits geschehen ist (oder noch geschieht), kann man sich schon seine Gedanken darüber machen, warum, ob es die Auswirkung eines Karmas ist usw.

Mir wurden in meinem Leben bisher drei Fahrräder gestohlen, die ich nie mehr zurückbekommen hatte. Als das geschehen war, habe ich auch über Karma nachgedacht und fand heraus, daß mir auch insgesamt drei Fahrräder "umsonst" zugekommen sind: Eines wurde mir geschenkt, zwei weitere erhielt ich frei, da es herrenlose Fahrräder waren. Somit ist das Karma bezüglich der Fahrräder in meinem Leben wieder ausgeglichen. Ähnliche Berechnungen erwiesen sich auch bei anderen Gebieten als stimmig.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi



Ich möchte noch genauer erläutern, was ich mit "Vergeben" gemeint habe. Das soll nicht heißen, daß der Verbrecher straffrei ausgehen soll, ganz im Gegenteil: Ein solcher gehört auf alle Fälle unschädlich gemacht. Mit "Vergeben" meine ich das Loslassen, damit wir uns selbst nicht emotional zu sehr an die geschehene Tat klammern, denn sonst verstricken wir unser Schicksal noch mehr mit dem des Täters, mit seinem Unheil. Vergeben bedeutet hier also "Loslassen können", sich nicht mit Geschehnissen der Vergangenheit emotional belasten, nach vorne schauen und sich nicht durch ein schlimmes Ereignis psychisch noch weiter belasten lassen. Nicht weiter an den Täter denken, vor allem nicht emotional. Wenn man dafür gesorgt hatte, daß er unschädlich gemacht wurde, dann ist damit die Sache abgehakt und sollte nicht weiter das Leben belasten.



Hallo,
es sind wohl nur noch Catrin und Geza als Diskutanten von damals hier im Forum. An sich ein Thema, zu dem ich eine Menge zuschießen könnte, aber meine Hände sind gefesselt, es besser bleiben zu lassen.

Aber, im Sterben bin ich Profi und es gibt wohl leichtes Sterben und/oder quälende Stunden. Zweiteres kenne ich auch. Kann sagen, das hat kein Spaß gemacht, aber es war eine Prüfung, die es zu bestehen galt...ich habe sie bestanden. Das heißt, ich war verwundert, am nächsten Morgen wieder auf zu wachen. Dafür waren der Tag und der Folgende schlimm zu durch stehen, ich war wie gerädert und fix-und-fertig und wollte mich mit nichts beschäftigen. Das hat unglaublich Energie gekostet. Das ist aber schon zeitlich länger her, für die Gutmenschen!!!

Ich denke: Man stirbt wie man gelebt hat...das eigene Schicksal ist dem eigenen Charakter (Karma-Spuren in der Seele) zugemessen...Schicksal ist sehr individuell, man kann es ertragen oder auflehnen bis zum geht-nicht-mehr.

Edit: Geza, du hast das Thema mit Steilvorlage für mich frei gegeben. Nicht das es missverstanden wird.


Zuletzt bearbeitet: 19.08.14 10:59 von Administrator


Text: Theodor Körner 1813

Ahnungsgrauend, todesmutig
bricht der große Morgen an
und die Sonne, kalt und blutig
leuchtet unsrer blutgen Bahn
In der nächsten Stunden Schoße
liegt das Schicksal einer Welt
und es zittern schon die Lose
und der ehrne Würfel fällt
Brüder, euch mahne die dämmernde Stunde
mahne euch ernst zu dem heiligsten Bunde
treu so zum Tod, wie zum Leben gesellt

Hinter uns, im Graun der Nächte
liegt die Schande, liegt die Schmach
liegt der Frevel fremder Knechte
der die deutsche Eiche brach
Unsre Sprache ward geschändet
unsre Tempel stürzten ein
unsre Ehre ist verpfändet
deutsche Brüder, löst sie ein
Brüder, die Rache flammt. Reicht euch die Hände
daß sich der Fluch der Himmlischen wende
Löst das verlorne Palladium ein

Vor uns liegt ein glücklich Hoffen
liegt der Zukunft goldne Zeit
steht ein ganzer Himmel offen
blüht der Freiheit Seligkeit.
Deutsche Kunst und deutsche Lieder
Frauenhuld und Liebesglück
alles Große kommt uns wieder
alles Schöne kehrt zurück
Aber noch gilt es ein gräßliches Wagen
Leben und Blut in die Schanze zu schlagen
nur in dem Opfertod reift uns das Glück

Nun, mit Gott, wir wollen wagen
fest vereint dem Schicksal stehn
unser Herz zum Altar tragen
und dem Tod entgegen gehen.
Vaterland, dir wolln wir sterben
wie dein großes Wort gebeut
Unsre Lieben mögen´s erben
was wir mit dem Blut befreit
Wachse, du Freiheit der deutschen Eichen
wachse empor über unsere Leichen!
Vaterland, höre den heiligen Eid

Und nun wendet eure Blicke
noch einmal der Liebe nach
scheidet von dem Bütenglücke
das der giftge Süden brach
Wird euch auch das Auge trüber
keine Träne bringt euch Spott
werft den letzten Kuß hinüber
dann befehlt sie eurem Gott
Alle die Lippen, die für uns beten
alle die Herzen, die wir zertreten
tröste und schütze sie, ewiger Gott

Und nun frisch zur Schlacht gewendet
Aug und Herz zum Licht hinauf
Alles Irdsche ist vollendet
und das Himmlische geht auf
Faßt euch an, ihr deutschen Brüder
jeder Nerve sei ein Held
Treue Herzen sehn sich wieder
Lebewohl für diese Welt
Hört ihr´s, schon jauchzt es uns donnernd entgegen
Brüder, hinein in den blitzenden Regen
Wiedersehn in der besseren Welt

Es geht nun mal um das Thema "Schicksal" und ich habe den Verdacht, das dies nicht ganz verstanden wurde!

Wehrstand/Nährstand/Lehrstand...wie mag man da über "gleiches" Definieren von Schicksal reden? Das geht nicht!

Ich weis nicht, wie Catrin und Geza als Leute des Lehrstandes sehen, was für sie Schicksal bedeutet, aber als Wehrständler wurde das über Jahrhunderte der Schrift hier in Europa immer und immer wieder ausformuliert!
Dieser Text darüber steht als Begleittext zu einem Liedermacher, der diesen Text vertont hat...und viele Leute kommentieren nun diesen YouTube-Film mit Argumenten, die zeigen, das der Text zwar "brachial" daher kommt, aber eigentlich nicht verstanden wird. Erstens ist es ein rein heidnischer Text, einige Stellen habe ich fett gedruckt eingestellt und Zweitens behandelt er eine Ethik, die auf Verzeihen derer, die sich töten wollen, aufbaut. Wehrständler sind keine Monster, sondern Menschen, die sich in Bereiche waagen, die zur Routine werden, wo andere einmal erlebt, dieses für immer Spuren in ihnen hinterläßt. Die Soldaten von Heute, die nach Ausscheiden aus der Armee psychische Dauerbetreuung brauchen, haben eigentlich den falschen Beruf, wenn man nicht einschränkend bemerken sollte: Heutige Kriege sind eher Schlachthöfe-für-Mensch-und-Tier", wo man krank sein muß, sich das an zu tun, überhaupt hin gehen zu wollen.
Für einen Wehrständler ist Sterben-Müssen Teil des Ganzen, für alle Stände aber gilt: Sterben-können! Das heißt nicht nur, davor nicht zu scheitern, sondern die Hoffnung auf das Überleben darf ausgeschöpft werden. Ein Krieger/Wehrständler weis vorher, das seine Aufgabe die letzte sein wird, weil es so sein muß.



Ich weis nicht, wie Catrin und Geza als Leute des Lehrstandes sehen, was für sie Schicksal bedeutet


Schicksal ist das uns von den Göttern Bestimmte und von den Nornen Zugemessene, unser Los. Was uns zugemessen wurde, entscheidet sich aufgrund unserer Gedanken, Worte, Handlungen.
Etwa 75% unseres Lebens sind von Geburt an vorherbestimmt, Schicksal, aufgrund unseres Verhaltens in der Vergangenheit. Etwa 25% können wir frei gestalten. Hierin besteht die große Herausforderung für jeden Menschen, dieses Viertel so gut und vernünftig zu gestalten, wie nur möglich. Und das kann jeder seinem Stande entsprechend tun, ehrenvoll und wahrhaftig.


Zuletzt bearbeitet: 21.08.14 13:39 von Administrator


..hmmm, so hatte ich die Frage nicht gemeint. Eher, ob diese Berufung zum Lehrstand, die bestimmte Lebenssituationen beschneidet, wie sich mit Gewalt zur Wehr zu setzen, oder sein Talent für die (Stammes)Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, ob das nicht ab einem Punkt hin zur "Perfektion" einfach durch die anderen Leute zur Last wird. Und ob man dann lieber "Halt" sagt, oder sich der Berufung trotz aller Widrigkeit weiter widmet?

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