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Thema: Indische und germanische Götter


Die indogermanischen Götter im Rigveda sind: Dyaush ("Licht, der Himmel"), der alte Himmelsgott, Prithivi die Erdgöttin, die Mutter des Indra, Agni und der Ushas und Gemahlin des Dyaush. Ushas die Göttin der Morgenröte, Surya die Sonnengöttin. Später wurde Surya als männlicher Sonnengott (dem Balder entsprechend) angesehen und als Gemahl der Ushas betrachtet. Parjanya ("Regen") ist der Gott des befruchtenden Gewitterregens, Vayu oder Vata ("Wind") der Gott des Windes. Diese Götter haben im Rigveda bereits keinen nennenswerten Sagenkreis oder erscheinen sehr indisch ausgeschmückt.
Die Adityas sind gleichfalls im Rigveda ziemlich verblaßt. Man zählt bis zu acht Adityas, neuerdings gehen einige auch von 12 Adityas aus. An der Spitze steht der Gott Varuna ("Wahrheitswort"?), der auch den Namen Asura trägt. Oft werden die Adityas allgemein auch als Asuras bezeichnet. Das Wort Asuras ist mit dem persischen Ahura (z. B. in "Ahura Mazda" = großer Gott) verwandt und mit unserem Wort "Asen". Allerdings nennen die Inder inzwischen mit dem Namen "sura" die Götter und deuten "a-suras" als "Nicht-Götter" oder Halbgötter. Diese Ableitung ist aber falsch und modern.
Unter den Adityas versteht man die Söhne der Göttin Aditi ("frei, ungebunden"), der Göttin des Firmaments. Die Namen aller Adityas sind: Mitra ("Vertrag, Vertragsbindung"), der als ein Name des Sonnengottes Surya gilt, Aryaman ("Busenfreund"), Bhaga ("Gottheit"), der Gott des Glücks, der Kraft, des Wohlstandes und der Liebe und glückliche Ehe, Savitra ("der Hervorbringer"), der Sonnengott, Varuna, Daksha ("Hervorragend"), Ansa, Indra, Aditya, Dhatri, Vishnu und Marttanda. Diese 12 Adityas sollen auch dem Sonnenstand in jedem Monat des Jahres entsprechen, also den Tyrkreiszeichen. Einige Namen sind daher nur Beinamen des Sonnengottes Surya.
Die Gruppe der Devas ist die wichtigste Gruppe, es sind die eigentlichen nationalen indischen Götter. Das Wort Devas ist etymologisch mit dem germanischen *tiwaz ("Götter") verwandt, die Devas heißen auch Suras ("Götter"). Ihre Zahl wird unterschiedlich mit 8, 12 oder 33 angegeben. Indra oder Pushan der Donnergott, der einen Wagen der von Ziegenböcken gezogen wird, lenkt, steht an der Spitze, Seine Gemahlin Indrani ist Göttin des Himmels, ferner gehören die Asvins, die Sonnengottsöhne, die Maruts (Sturmgeister) mit ihrem Vater, dem einäugigen Gott Rudra, Vishnu, die Ribhus und Yama, der dem Ymir entspricht, aber heute als eine Art Totengott angesehen wird, dazu.

Zu den Priestergöttern schließlich zählen die Götter Agni der Feuergott, Soma der Mondgott und Gott des Rauschtrankes, Brhaspati oder Brahmanaspati, Savitar und Sarasvati die Sonnengöttin. Sie ist ursprünglich eine Göttin des heiligen Flusses und gilt als Göttin der Kunst. Sarasvati ist Brahmas Gemahlin. Es besteht kein Zweifel daran, daß dem Gott Parjanya auch Indra und Pushan entspricht, trotzdem zwischen Ihnen in den zusammengesetzten Liedern unterschieden wird. Auch Rudra und Vata/Vayu entsprechen sich, genauso wie die Göttin Surya der Sarasvati entspricht oder der Gott Surya dem Mitra.

Dyaush entspricht Tius (Týr), Prthivi (Prithivi) entspricht der Jörd/Nerthus oder der Frigg, Ushas ist der altindische Name der Ostara (Freyja), Surya (weiblich), Savitar bzw. Sarasvati ist die Göttin der Sonne, Sunna (Sól), Parjanya, Indra oder Pusan ist der Gewittergott Donar (Þórr); ein Beiname lautet Taranis und entspricht dem Namen des Donnergottes bei den Celten. Die Übereinstimmungen zwischen Indra und Þórr sind auffällig: Beide besitzen riesenhafte Stärke, bekämpfen Trolle und Dämonen und andere Ungeheuer, beide haben eine ungeheuere Wasserschlange als Gegner (nämlich Vritra bzw. die Miðgarðschlange), beide sind Wagenfahrer und große Esser und Trinker und stehen im Gegensatz zum Gott der geistigen Fähigkeiten, des Zaubers und der Weisheit, beide haben rotes Haar und Bart und schleudern eine von zauberkundigen Wesen geschaffene Blitzwaffe, die von selbst zurückkehrt.
Vayu oder Vata ist ein anderer Name des Gottes Rudra (Shiva), der einäugig ist und Windgott, der also klar Wodan (Óðinn) entspricht. Rudra bedeutet "der Furchtbare, Schreckliche" und entspricht damit Óðins Beinamen Yggr ("Schrecker"), wie Rudra auch uccairghosa ("Lärmer") heißt, was zu Óðins Beinamen Ómi (vielleicht auch: "Lärmer") passen könnte. Beide Götter verändern oft Ihre Gestalt, und Rudra heißt daher auch kavi ("Zauberwissen besitzend"). Attribut von Rudra wie Óðinn ist der Speer, bei Rudra aber als Dreizack dargestellt, außerdem ist Rudra Herr der vrata, der menschlichen und himmlischen Kriegerbünde wie Óðinn Herr der Berserker und Einherjar ist. Die Asvins sind die göttlichen Zwillinge, die Söhne des Sonnengottes. Sie entsprechen den Alken (Götterbüdern), die schon Tacitus erwähnt und die ich mit Viðarr und Váli identifiziere. Die Asvins ("Pferdeleute") sind Schutzgötter, die bei der Hochzeit angerufen werden, um der Braut Fruchtbarkeit zu bescheren. Auch bei den Wenden wurden die Götterbrüder als "Ehestandsgötter" angerufen, und beim Umzug in ein neues Haus rief man sie gleichfalls an. Das entspricht dem Zug, wonach Viðarr und Váli das neue Heiligtum (analog zum Haus) der Götter hüten. Sie heilen auch Krankheiten und bringen ewige Jugend. Als ihr Aufenthaltsort werden abwechselnd Erde, Wasser, Luft oder das Himmelsmeer genannt. Sie sind beide mit einer gemeinsamen Frau verheiratet, der Tochter der Sonne, die gleichzeitig ihre Schwester ist. Bei den Balten sind die zwei Söhne des Dievs mit der Sonnenmaid verheiratet, die auch ihre Schwester ist.
Mitra ist der Gott des Tages und entspricht damit Baldur (Baldr), aber ursprünglich kann Mitra auch ein dem Tius entsprechender Gott des Vertrages gewesen sein. Bhaga scheint einfach nur eine Bezeichnung für Gottheit zu sein ("Strahlend, Leuchtend") und bezieht sich dann auf die Sonne. Der Gott Varuna ist ein Gott des himmlischen oder irdischen Meeres und entspricht daher dem Gott Nerd (Njörðr), ursprünglich dem Uranos. Soma ist ein Gott des kultischen Rauschtrankes und des Mondes, entspricht also Heimdall, Agni ist der Gott des Opferfeuers und entspricht wohl Ingwaz (Yngvi-Freyr).

Bei einigen Gottheiten ist zu wenig überliefert, um klare Zuordnungen zu entsprechenden germanischen Gottheiten treffen zu können.
Interessant ist, daß in der vedischen Religion noch kein Hauptgott erscheint. Man rief immer den jeweils zu verehrenden Gott als Hauptgott an, um Ihm zu schmeicheln.

Vishnu war einst ein Begleiter des Indra und übernahm später Indras Funktionen. Vishnu, der in 13 verschiedenen Inkarnationen erschien, u. a. als Rama und als Krishna, entspricht also unserm Gott Donar (Þórr), wenngleich man Ihn auch als ein Gott der Sonne ansieht.





Aus dem modernen Hinduismus fällt uns besonders der elephantenköpfige Gott Ganesha auf. Auch er hat eine germanische Entsprechung, die sich aus dem Mythos ergibt: Heimdallr. Heimdallr ist Wächter an der Bifröst und damit am Himmelstor, Heimdallr ist auch Gott des Wissens und der Wissenschaften (insbesondere der Mathematik), da Er als Mond Seine Kinder, die Sterne, zählen muß.
Die Mythen sind ähnlich, aber nicht identisch. Bei den Indern gibt es drei Götter, die mehr oder weniger dem Heimdallr und dem Mond entsprechen: Chandra (der Mondgott), Manus (der Erschaffer der Kastengesetze) und eben Ganesha. Im Germanischen dagegen ist - wenn man die Identität von Mannus und Heimdallr voraussetzt - die Gottheit des Mondes ungeteilt, es gibt allerdings den riesischen Mond (Máni und Mimir). Dies zeigt, daß unsere Mythologe noch unverfälschter, archaischer ist, als die indische.
Parvati heißt auch Durga ("Unzugänglich") und entspricht der Göttin Frick (Frigg). Kali ("Schwarze") ist Durgas Aspekt als grausame Totengöttin. Der Name Kali entspricht auch etymologisch dem nordischen Hel (Holle).
Bekannt ist weiterhin der Affengott Hanuman, der einst ein General im Heere Vishnus war. Vishnus Gemahlin ist die Göttin des Glücks, Lakshmi. Sie enspricht der Göttin Siva (Sif) unserer Tradition. Die Liebesgöttin trägt den Name Rati ("Liebe") und entspricht der Frova (Freyja), der Liebesgott Kama ("Begehren") entspricht Ing (Freyr). Er ist der Sohn von Vishnu und Lakshmi. Kartikeya Skanda ist der Kriegsgott, Sohn des Shiva, dem Tius entsprechend.

Géza von Neményi





Viele der obigen Zuordnungen kann ich nicht bejahen, weil mir die Unterschiede zwischen dem jeweiligen germanischen Gott und dem hinduistischen Gott zu deutlich sind. Es mag bestimmt einige Gemeinsamkeiten jeweils geben, doch es gibt auch beträchtliche Unterschiede. Natürlich kann man den Götterhimmel der Hindus sehr verschieden interpretieren. Ich denke nicht, dass die Hindus etwas dagegen haben, wenn ihre Götter so interpretiert werden, wie es oben geschieht. So will ich es auch halten, und möchte aber trotzdem auf einige Widersprüche aufmerksam machen.

Obige Darstellung scheint mir zwei Grundannahmen vorauszusetzen:
1. Die germanische Überlieferung ist unverfälschter, und gibt die indogermanische Götterwelt originalgetreuer wieder als die hinduistische Überlieferung.
2. Die vier Veden (insbesondere der Rig-Veda) werden von der Wissenschaft als älteste Dokumente der vedischen Religion datiert, darum ist auch ihr Inhalt älter als der Inhalt anderer hinduistischer Überlieferungen, und somit unverfälschter.

Diese Grundannahmen scheinen mir deshalb getroffen worden zu sein, weil die Betrachtung von der germanischen Religion ausgeht. Würde man in der Betrachtung vom Hinduismus ausgehen, würden sich andere Grundannahmen ergeben. Es scheint ganz klar, dass man auch den Hinduismus als die ursprünglicher gebliebene Religion ansehen kann, weil sie detaillierte Kenntnisse aus der Geschichte der Menschheit überliefert, für die die Wissenschaft noch nicht einmal eine Zeitrechnung hat.
Zu dem zweiten Grundsatz wäre zu sagen, dass es im Hinduismus selbst eine Anzahl konkreter Datierungen der Überlieferungen gibt, und - wie es sich für eine lebendige Religion gehört - der religiösen Überlieferung der Vorzug vor europäischer skeptischer Geschichtsbetrachtung gegeben wird. Zwischen 1800 - 1200 v.u.Zt. soll der Rigveda gemäß den Angaben heutiger Religionswissenschaftler entstanden sein. Aus der religiösen Sicht der Hindus wäre dann der Rigveda wesentlich jünger als der Inhalt der Bhagavad Gita, die die Belehrung von Krishna an Arjuna tradiert, wobei Krishna 3102 v.u.Zt. gestorben ist. Die Bhagavad Gita aber wurde von Vyasa aufgeschrieben. Welche Annahmen einem Vergleich der Götter zugrunde gelegt werden, bestimmt auch das Ergebnis dieses Vergleichs.

Ende Teil 1



Zuletzt bearbeitet: 18.09.10 09:35 von Robert_S


Die Götter offenbaren sich jedem Volke auf die Weise, welche der Mentalität, Lebensweise, Klimazone usw. des jeweiligen Volkes am besten entspricht. Es gibt da im Grunde kein richtig oder falsch. Man wird immer Unterschiede in den Interpretationen der Götter bei den verschiedenen Völkern finden, das ist ganz normal. Da spielt es doch keine Rolle, wer nun näher an der Wahrheit ist. Alle beschreiben die Wahrheit, nur tut dies jeder auf seine spezifische Weise. Der Himmel ist ein Gebäude mit vielen Türen.



Ich versuche mal eine andere Zuordnung zu geben, ohne darauf zu bestehen, dass diese absolut die richtige Zuordnung und Betrachtung sein soll.

Der Himmelsgott Dyaus wird dem Namen nach mit Deus, Zeus, Tius, Tiwaz, Tyr in Verbindung gebracht. Als Gott ist er eigentlich kein Riese. Er erschafft aber etwas riesiges; den gewaltigen steinernden Himmel Vala. Er hat mit der Göttin Savasi (vermutlich Beinahme der Göttin Prthivi) einen gemeinsamen Sohn Indra. Indra tötet Dyaus und zerschlägt Vala, den steinernden Himmel. Aus den Bruchstücken erschafft er die neue Welt. Insofern gleicht er Odin. Später erschlägt Indra mit Hilfe seines Donnerkeils (und mit Hilfe seines Gefärten Vishnu) die riesige Schlange Vrta. Insofern gleicht Indra deutlich Thor. Er ist auch sonst ein kriegerischer Gott, der viele Kämpfe mit seinen Feinden siegreich besteht.

Ein ebenso wichtiger Gott im Rigveda ist Agni. Agni ist im Opferfeuer, wie auch in der Sonne, er lebt selbst in den Lebenskeimen des Wassers - Agni ist in allen Dingen. Es liegt nahe, dass Agni auch im Menschen ist. Denn jedes Ritual hat immer auch Bezug zu den inneren mystischen Vorgängen im Menschen. Agni im Mensch ist dann der Götterfunke. In der germanischen Religion war sicher das Feuer heilig. Ob es einene Gottheit gibt, die Agni entsprechen könnte, weiß ich nicht. Ich würde Agni aber auch mit der Welt des Feuers an sich, mit Muspelheim und Surtur in Verbindung bringen. Dann würde der Untergang der Welten durch die Feuerriesen nicht ihre Vernichtung nach menschlichen Vorstellungen bedeuten, sondern ihr Hineingeatmetwerden in jene Feuerwelt, der unser Götterfunke angehört; ein Hinaufgehoben werden in eine endlose, formlose Welt des Lichtes, aus der alle Dinge periodisch wiederkehren. Daher sterben die Götter auch nicht. Sie gehen in eine höhere Welt ein, um von dort mächtiger, glanzvoller und herrlicher zurückzukehren. Genau betrachtet sterben ja auch Menschen nicht, da sie periodisch wiedergeboren werden. Auch die Erde (selbst eine Göttin) stirbt nicht durch die Feueriesen, sondern kehrt aus einer anderen Seinsart zurück. Die germanischen Götter sind unsterblich. Meine Meinung.

Surya gibt es im Hinduismus sowohl weiblich als auch männlich. Eine der Formen der Surya-Verehrung sieht hier ein Götterpaar - Sonnengott und Sonnengöttin. Dem Namen nach scheint mir Surya am deutlichsten verwandt mit der altsächsischen Sunna. Ob auch Saule in diese Linie gehört, kann ich nicht genau sagen. Es scheint mir aber wahrscheinlich zu sein. Die frühen, erhaltenen Darstellungen von Surya zeigen meistens einen männlichen Gott ohne Sonnenwagen auf einer Art Thron sitzend, obwohl der Wagen auch in der hinduistischen Kultur eine bedeutende Rolle spielt. Es gibt auch mMn. keinen Mythus, demzufolge Surya von einem riesigen Götterfeind verschlungen wird, wie die nordische Göttin Sol. Auch sonst scheint mir Surya dazu zu mächtig zu sein. Suras sind nach meiner (theosophischer) Sichtweise Götter, die zu unserer Sonne gehören. Asuras sind Nicht-Suras. Das scheint zunächst einfach eine neutrale Bezeichnung gewesen zu sein, die eben Wesen bezeichnet, die nicht zur Sonne gehören. Das trifft natürlich auf Wesen zu, die noch höheren Ebenen des Kosmos angehören. Das trifft aber auch auf Wesen zu, die zwar in unserem Sonnenbereich hausen, aber nicht sonniger Natur, weil finsteren dämonischen Charakters sind. Diese letztere Bezeichnung hat sich heute im Hinduismus allein durchgesetzt. So werden natürlich alle Götter der Veden auch als gute, lichte Götter verehrt, aber unter Asuras versteht man hauptsächlich soetwas wie Dämonen. Wenn daher Asuras mit dem Wort Asen verwandt wäre, würde es bedeuten, dass die Asen zu einer Größenordnung göttlicher Wesen gehören, die über der Ordnung der Sonnengötter im All steht. Obwohl solche Einteilung der Götter in verschiedene Größenordnungen letztlich ein Versuch ist, sich die Dinge zu verdeutlichen. Genau betrachtet sind diese Einordnungen sinnlos, weil Menschen die Götter nicht annähernd vollständig erkennen können.

Insgesamt glaubt man im Rigveda drei verschiedene Religionen zusammengeführt: die "Indra-Marut-Religion" (Götter des Kampfes), die "Aditya-Religion" (Götter der Ordnung) und die "Agni-Religion". Das Zentrum der Aditya-Religion im Rigveda ist die Wahrheit, Rta (vermutlich "Rita" ausgesprochen).

Ende Teil 2




Zuletzt bearbeitet: 18.09.10 23:37 von Robert_S


Der Sonnenhalbgott Vivashvant (auch Vaivasvata) brachte zwei Zwillinge hervor: Manu (Vaivasvata Manu) und Yama. Manu ist menschlicher Art und sterblich, Yama ist göttlicher Art und unsterblich. Aber Yama geht freiwillig in das Totenreich, und entdeckt als erster den Weg dorthin und wird der Gott dieses Reiches für unsere Menschheit. Manu wird der Stammvater der Menschheit und ist diese Menscheit selber auch. Vaivasvata Manu erscheint sogar im Alten Testament als Noah. Er gab den Menschen die Weisungen, die im Manusmriti festgehalten sind. Ein Mondgott ist er meiner Kenntnis nach nicht. Woher stammt diese Aussage?
Vielmehr gibt es eine größere Anzahl von Manus, die jeweils eine Menschheit gründen. Unsere Menschheit mit allen ihren verschiedenen Ethnien ist also nicht die erste Menschheit auf unserem Planeten. Unserer Vaivasvata Manu lebte vor etwa 4,32 Millionen Jahre, was somit auch das Alter unserer Menschheit ist. Der Manu gab allerdings keine Kastenregeln, sondern Regeln für die vier Stände (varnas). Das ist etwas grundsätzlich anderes, als die Kastenregeln Indiens, die auf alte, menschlichen Festlegungen von Rechten und Pflichten zwischen Berufsgruppen und manchmal auch ethnischen Gruppen beruhen.

Über Aditi wird nicht viel mitgeteilt. Da sie aber die Mutter kosmischer Götter ist, darf angenommen werden, dass sie "die ewige Mutter" bzw. die erste alle Mütter ist. Hierbei darf man sich die Götter auf keinen Fall anthropomorph vorstellen. Als Aditi verstehe ich das immer unsichtbare göttliche eine Sein, dass den Grund des Alls bilden muss, aus dem alle Wesen hervorgehen, und in das sie wieder zurückkehren. Eventuell könnte man überlegen, ob Aditi dem Ginnungagap entspricht. Aditi bringt die Rita hervor, welches zugleich "Wahrheit" und "Ordnung" bedeutet, und dessen menschliche Form santana dharma (ewige Lebensordnung) ist. Ihre Söhne sind Erscheinungsformen des Göttlichen. Im Hinduismus ist es relativ undogmatisch, welchem Gott letztlich die ganze Fülle von Aditi zugeschrieben wird. Für die Verehrer Vishnus ist es Vishnu, für die Verehrer Shivas ist es Shiva und für die Verehrer Brahmas ist es Brahma usw. Denn man hat jahrtausendelang bis in unsere Tage hinein zu viel direkten Umgang mit den Göttern, zuviel Transformation des philosophischen Denkens in die Spiritualität erfahren, um zu glauben, dass die Formen der Götter welche Mythologien anbieten können, mehr sind als ein wichtigstes Hilfsmittel eine Brücke zur Wirklichkeit der Götter. Sobald die Götter erlebt werden, werden alle Mythologien unerheblich bzw. man weiß dann, wie sie eigentlich gemeint waren. Alle Religion und alle Vorstellungen über Götter sind nur ein Übergang zu göttlichen Höhen und nicht das Ziel selbst.

Ende Teil 3


Zuletzt bearbeitet: 18.09.10 23:18 von Robert_S


Sarasvati ist eigentlich der Name eines mächtigen antiken Flusses, der aber inzwischen versiegt ist. Die Göttin Sarasvati ist eben die Göttin dieses Flusses. Es kann sein, dass der Fluss eine sehr symbolisch-esoterische Bedeutung hat, weil es von ihm heißt, dass er im Himmel entspringe, und das Durchqueren des Flusses eine alte hinduistische Metapher für den spirituellen Weg ist. Die Natur ist für die Hindus zum einen heilig, zum anderen aber in gesteigerter Form heilig, weil die Natur Entsprechungen zu spirituellen Realitäten enthält. Die Göttin wird auch als Regenmacherin bezeichnet. Wenn sie durch die Wolken geht fällt Regen. Weiterhin vermittelt sie Wissen, Wissenachaft, ist eine Göttin der Rede und des Denkens. Sie ist in der Mythologie als Gefährtin (aber auch als Tochter) dem Gott Brahma zugeordnet. Die Asvins sind ihre beiden Söhne (Zwillinge). Zusammen mit ihnen ist Sarasvati für Heilungen zuständig. Das mag nun an Sunna erinnern, deren Schwester sich (vergeblich) um die Heilung von Balders Fohlen bemüht. Es leuchtet mir aber trotzdem nicht ein, warum die Flussgöttin Sarasvati mit der Sonnengöttin Sunna gleichgesetzt wird. Meiner Meinung nach entsprechen sich Sunna und Surya. Zwar ist eines der Symbole der Saraswati die Swastika. Aber das scheint mir nicht zu bedeutetn, dass sie entgegen allen Texten eine Sonnengöttin ist, sondern das sie über die Wissenschaften Licht bringt.
Dagegen hat die Göttin Savitri mit der Sonne zu tun. Savitri bezeichnet in einem der ältesten Gebete der Hindus, der Gayatri Sonnenauf- und Sonnenuntergang und gleichzeitig den Ursprung unseres Universums, was gut auf eine Sonnengöttin passt. Savitri ist auch ein Name einer Heldin aus dem Mahabharata, der Tochter von Yudhishthira. Diese bewirkt durch eine Reise zum Totengott Yama, dass ihr Geliebter (und andere Personen) aus dem Totenreich zurück in das irdische Leben kehren können, in dem sie auf ihre tadellose Einhaltung des Dharma verweist. Das könnte ein etwas versteckter Jahreszeitenmythus sein, und ist vieleicht mit dem Balder-Mythus vergleichbar. Der Geliebte der Königstochter Savitri heißt Satyavan. Darin steckt das Wort "Satya" (= göttliche Wahrheit).


Zuletzt bearbeitet: 19.09.10 11:11 von Robert_S


Indra tötet Dyaus und zerschlägt Vala, den steinernden Himmel.


Ich zitiere hierzu mal Geza aus dem GGG-Forum:

>Nach Rydbergs Darstellung fand Indras Geburt zu einer Zeit statt, als die Mächte des Bösen die Schöpfung mit vereinten Kräften angriffen und sie auch in ihre Gewalt brachten. Im Rigveda entspricht dieses Ereignis dem großen Krieg, der im Avesta von Ahriman gegen Ormuzds Schöpfung eröffnet wird und in dessen Verlauf es den Dämonen gelang, das Böse unter alle Welt-Elemente zu mischen. Die Götter waren nicht mehr mächtig genug, dem Angriff stand zu halten. Die Sonne wurde von den Dämonen geraubt und in ein Gefängnis gesperrt. Desgleichen die Morgenrot-Disen. Die Ordnung, nach welcher der Tag der Nacht folgt, war aufgehoben, das Licht entführt und im Dunkel versteckt. Das Wasser wurde innerhalb der Bergfesten der Dämonen eingeschlossen und dort von dem Drachen Vrtra bewacht. Die Weltgesetze waren bis zum Urgrund erschüttert, die Mächte des Verderbens beherrschten das Universum. Die Götter wußten nicht, daß diese Not auch schon den Keim eines Neubeginns in sich trug. Nicht einmal die Erdgöttin, die mit Indra schwanger ging, wußte dies. Sie übergab ihr Geschöpf, welches sie nun, nach der Erniedrigung der Götter, als Schandfleck betrachtete, den noch verbliebenen Wassern und dort wurde es von der Riesin der Wassertiefen, Kushava, verschluckt. In ihrem Schoß gedieh es gut, denn das Wasser war dem Kinde gnädig. In seinem zweiten Mutterleib wuchs Indra groß und stark heran. Schon zur Stunde seiner Geburt war er der erwachsene Heldengott. Geboren war er zum Verderben der Dämonen und damit auch Vyamsas, dem Mann Kushavas. Zweifells hatten die zauberkundigen Riesen darum gewußt, als er noch in Kushavas Schoß war, denn sie bemühten sich, Indras Hervorkommen zu verhibndern, und umschlossen ihn dort "mit hundert Kupferburgen" (Rv). Als er dennoch diese Burgen mit gewaltiger Kraft gebrochen hatte, stand schon Vyamsa bereit, um ihn gleich in der Geburtsstunde zu töten. Zwischen Vyamsa und dem im Schoße der Riesin arbeitenden Götterkind entstand ein kurzes Zwiegespräch. Vyamsa forderte, daß Indra auf natürliche Weise zur Welt kommen solle. Doch der weiterte sich und brach, eine Hymne anstimmend, aus der Seite seiner Mutter heraus. Vyamsa empfing ihn mit einem Schlag, der Indras Kiefer brach, doch Indra umfaßte seine Füße, warf ihn um und zertrümmerte sein Haupt mit "der strebenden Pumpe", die er in seine Arme genommen hatte.

Also: Indra tötet seinen riesischen bösen Stiefvater in Notwehr, nicht seinen leiblichen göttlichen Vater Dyaush. Der Mythos ist ähnlich von Thorr erhalten, der ja auch von Vingnir und Hlora als riesischen Zieheltern aufgezogen wurde und sie dann tötet.
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Zu Sarasvati: Ich habe schon viele Bilder von ihr gesehen; immer wird sie vor der Sonne sitzend dargestellt. Savitri verkörpert die Sonne zu Mittag, während Sarasvati die untergehende Sonne darstellt.



Ich setze mal die Zuordnungen übersichtlich nebeneinander:

    Asuras = Asen;
    Devas = Tiwar;
    Maruts, Vrata = Ahnenseelen, Einherjar;
    Asvins = Alken;
    Dyaush = Tius (Týr);
    Prithivi = Nerthus (Njörunn) oder Frick (Frigg);
    Ushas = Ostara, Frova (Freyja);
    Surya (weibl.), Savitar, Sarasvati = Sunna (Sól);
    Surya (männl.), Savitra, Mithra = Phol (Baldr);
    Parjanya, Pushan, Indra = Donar (Þórr);
    Vishnu = Donar (Þórr);
    Indrani = Siwa (Sif);
    Lakshmi = Siwa (Síf);
    Rudra, Vata, Vayu, Shiva = Wodan (Óðinn);
    Brahma = Wodan (Óðinn);
    Varuna = Nerd (Njörðr);
    Yama = Ymir.
    Agni = Ing-Fro (Yngvifreyr);
    Soma (Rauschtrank) = Wutreger (Óðrœrir);
    Soma (Mondgott), Chandra = Mannus (Heimdallr);
    Manu = Mannus (Heimdallr);
    Ganesha = Mannus (Heimdallr);
    Parvati, Durga = Frick (Frigg);
    Kali = Hellia (Hel);
    Rati = Frova (Freyja);
    Kama = Ing-Fro (Yngvifreyr);
    Kartikeya Skanda = Tius (Týr).
Da der Hinduismus sich stetig weiterentwickelte und dazu sehr weit verbreitet war, sind Bedeutungen verlorengegangen oder aus einzelnen Gottheiten wurden mehrere. Das ist bei diesem langen Zeitraum nicht verwunderlich. Ich gehe bei der Zuordnung von der Namensetymologie aus, aber auch von der Bedeutung im Mythos. So entspricht Manu dem germ. Mannus vom Namen her (und auch teilweise vom Mythos), aber Ganesha ist nur noch an Seinem Mythos als ursprünglicher Mondgott zu erkennen und wird heute wohl nirgends mehr als Mondgott verstanden.

Lichtgruß,
Géza von Neményi



Brahma = Wodan (Óðinn)


Prajapati ist der ältere Name Brahmas. Prajapati ist auch der Name Purushas, aus dem die Welt entstanden ist. Purusha opferte sich selbst, um aus seinem Leibe die Welt zu schaffen. Dies erinnert an den geopferten Ymir, aus dessen Leibe die Erde erschaffen wurde. In Brahma-Prajapati-Purusha fließen demnach Odhinn und Ymir zusammen. Bei uns schuf Odhinn aus Ymir die Welt.

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