Seiten: 1 2 3 Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Heidentum = Naturreligion


In letzter Zeit finde ich immer wieder Distanzierungen, wonach Heidentum nichts mit "Öko" oder dergleichen zu tun habe. Gleichzeitig wird der Begriff "Naturreligion" für das Heidentum, aber auch für alle anderen Volks- und Stammesreligionen abgelehnt. Man spricht nun eher von "ethnischen" Religionen, wenn man die Kulte der Naturvölker bezeichnet.

Grund genug für uns also, den Begriff "Naturreligion" für uns genauer zu definieren.

Naturreligion bedeutet zweierlei: 1. eine natürlich gewachsene Religion im Gegensatz zu einer künstlich von einem Stifter erdachten und dann relativ unverändert weitergegebenen Religion.
Wie wächst eine Religion natürlich? Nun, irgendwelche Offenbarungen von höheren Wesen in der Vorzeit werden genauso tradiert, wie spätere dazugekommene Offenbarungen, das Ganze wird im täglichen Gebrauch von den Anhängern ausgeformt und so von Generation zu Generation weitergegeben. Es entspricht damit dem Empfinden der Menschen und steht im Einklang mit den Vorgängen in der Natur. Jede Generation bringt dabei eigene Aspekte mit hinein, ohne aber den Sinn der Tradition zu verfälschen. Man kann das mit einem Bild vom Gott Wodan vergleichen: Jede Zeit hat Ihn anders dargestellt, in der Gründerzeit ähnelte der Stil der Darstellung eher dem antiker griechischer Bilder, im Jugendstil finden wir dann die etwas pathetisch wirkenden Haltungen usw. Aber die Attribute (Speer, Einäugigkeit, Wölfe, Raben) hat niemand irgendwie verfälscht.

Ich will nun diesen 1. Bereich der Naturreligion verlassen und zum wichtigeren, 2. Bereich kommen.

Naturreligion ist eine Religion, deren wesentliche Kulte und Riten in der freien Natur ausgeübt werden und in der die Natur eine besondere Rolle spielt. Wir verstehen die Natur als Äußerung der Götter, wir erkennen das Wirken der Götter in unserer materiellen Welt zuerst in der Natur, wir deuten Mythen auf Vorgänge in der Natur und wir kennen den Kult von Naturgeistern. Ohne die Natur ist ein traditionelles Heidentum gar nicht möglich. Dabei möchte ich den Begriff "Natur" (es ist ja ein Fremdwort) einmal übersetzen: "Wesenwelt" - das ist vielleicht genauer, als wenn man nur von "Natur" spricht. Die Welt der Wesen ist keine tote Welt, ist keine bloße unbelebte Materie, ist keine "Umwelt". "Umwelt" klingt nämlich so, als wäre die Natur nur um uns herum, aber nicht auch genau dort, wo wir gerade sind. Nein, die Natur, die Wesenwelt durchdringt auch uns, ja, wir sind ein Teil dieser Welt. Pflanzen und Tiere gehören genauso zu dieser Welt, wie Geistwesen, Riesen und Götter.

Unsere Religion ist nicht die Lehre irgendeines Religionsgründers. Unsere Religion beruht auf der Beobachtung der Natur und der in ihr wirkenden Wesenheiten, auch der Götter. Die Götter offenbaren sich durch Wesen der Natur, geben uns Zeichen, nutzen dazu die uns sichtbaren Wesen der Natur. Die Kommunikation mit den Göttern erfolgt also zum größten Teil durch die Natur. Das Wachstum, die Fruchtbarkeit (der Natur), all das schreiben wir unsern Göttern als Urheber zu, wogegen das Sterben, das Töten den Riesen zugeordnet wird. Wenn wir also Natur zerstören (etwa für ein Bauprojekt) betätigen wir uns auf riesische Weise, wirken gegen die Götter. Säen wir aber aus, pflanzen an und erhalten Natur, betätigen wir uns im Sinne der Götter.

Deswegen kann Naturzerstörung nicht heidnisch sein, im Gegenteil, Naturschutz und -erhaltung ist heidnisch. Man kann aber die Natur nicht erhalten, wenn man gleichzeitig ein Atomkraftwerk befürwortet, welches allein durch seine "normale" Strahlung Menschen, Tiere und Pflanzen schädigt.
Im Heidentum steht der Mensch auch nicht als Herrscher über der Natur, sondern ist nur ein Teil derselben. Auch über dem Tier steht er nicht. Im Christentum dagegen soll der Mensch über die Natur herrschen, der Gott wird in einem fernen Jenseits vermutet.

Heidentum ist also eindeutig eine Naturreligion und das sollten wir nicht vergessen.

Lichtgruß,
Geza von Nemenyi




Unter Naturreligion wird heute meistens die Religion der Naturvölker verstanden. Dabei werden in Europa heute als Naturvölker nur die Samen, Nenzen und Wespen gezählt. Nur deren Religion wird heute als Naturreligion wahrgenommen. Dagegen werden von älteren religionswissenschaftlichen Autoren die germanische, slawische und keltische Religionen als Naturreligion bezeichnet. Nur wird dann immer auf die alten Religionen vor der Christianisierung gesehen, und es sind nicht die heute existierenden Gruppen gemeint. Das ist auch schwierig, weil heutige Gruppen nicht die alte Religion repräsentieren, sondern im besten Fall Rekonstruktionen der alten Religionen sind. Im weniger guten Fall pendeln die Gruppen zwischen Phantasiereligion und Reenactment hin und her. Das bleibt Religionswissenschaftlern natürlich nicht verborgen. Die ernsthaften Gruppen wie die GGG werden dagegen weniger betrachtet, weil dies Ausnahmen sind, und Wissenschaftler das ihrer Meinung nach allgemeine und typische herausarbeiten. Ich muss auch sagen, dass ich z.B. die Anfang der 1940er Jahre begründete Wicca-Bewegung nicht für eine richtige Naturreligion halte. Ich denke, diesen Kult hat es vor Gardner und Crowley so nicht gegeben, es sind aber sicher ältere Elemente in den Wicca-Kult eingeflossen. Viele Gruppen bezeichnen sich selbst als "naturreligiös" ohne genau und ausführlich mitteilen zu können, was das eigentlich heißen soll. Daher ist eine Definition aus Sicht der germ. Religion bestimmt sinnvoll.

Das Naturreligion zum einen natürlich gewachsene Religion sind, scheint mir wenig hilfreich für eine Definition. Denn dies bedeutet ja, dass alle anderen Religion unnatürlich gewachsen sein müssten. Ich sehe einen solchen Gegensatz nicht s o stark ausgeprägt, dass er die Naturreligionen von den sogenannten Stifterreligionen gut abgrenzen könnte. Eigentlich gibt es nur drei Stifterreligionen: Judentum, Christentum und Islam. Der ursprüngliche Buddhismus ist eigentlich gar keine Religion, da er auf Götter usw. gar keinen Bezug nimmt. Er ist eher eine lebensphilosophische Praxis mit starker Konzentration auf Meditation. Der Stifter des Judentums ist eine mythische Gestalt, die es so gar nicht gab. Erst nachträglich wurde ihm die prophetisch orientierte jüdische Gesetzes-Religion untergeschoben. Jesus ist halb mythisch und halb historisch. Er soll die Religion gestiftet haben, welche die Kirche vertritt. Ob das stimmt? Wohl eher nicht. Dafür hat das Christentum den Begriff des Stifters erfunden (Jesus als Stifter eines Neuen Bundes). Von da aus haben sie dann alle Religionen unter anderem in Stifterreligionen und Naturreligionen eingeteilt. Meiner Meinung nach ist der einzige wirkliche „Religions“-Stifter Mohammed, und der hat für den Koran auf die jüdischen und christlichen Mythen zurückgegriffen, der Rest ist Wille zur Macht und keine Religion. Ob er eine Religion stiften wollte, kann auch bezweifelt werden, da er seine "Offenbarungen" nie schriftlich festhielt, und scheinbar seine Nachfolge nicht geregelt hat. Meiner Meinung nach sind sämtliche "Stifter" erst von ihren späteren Anhängern dazu gemacht worden. Viele Sektengründer bemühen sich ebenfalls Religionsstifter zu sein. Der Begriff Stifterreligion ist also an sich zweifelhaft. Eine stichfeste Definition des Begriffes "Naturreligion" sollte vielleicht nicht den Begriff "Stifterreligion" verwenden.

Es ist eigentlich auch nicht so ganz einzusehen, was z.B. das Christentum genau von dem im 1. Punkt aufgezeigten Charakter einer Naturreligion unterscheiden soll. Auch hier gab es verschiedene Überlieferungen aus der Vorzeit die tradiert wurden, und durch neue Offenbarungen immer wieder erweitert und mit neuen Aspekten versehen wurden. Es gab verschiedene Lehrstätten und Schulen, die über mystische Wege neue Erkenntnisse gewannen. Allerdings wurde der gewaltige Fehler gemacht, nicht weiterhin die Religion der germ. Vorfahren zu tradieren. Diese Traditionen wurden von den christlichen Kirchen über Jahrhunderte versucht abzuwürgen. Stattdessen wurde ein Teil der jüdischen Tradition missverstanden tradiert. Seit der Reformation wurde dann die Offenbarung verstärkt widernatürlich auf die Bibel begrenzt (Schriftprinzip). Da erst entsteht mMn. die „christliche Religion“ die angeblich von Jesus gestiftet wurde, und deren Offenbarung angeblich mit dem Kanon der Bibel für allezeit abgeschlossen sein soll. Seitdem darf ausstrahlend von den reformierten Kirchen nur noch gedeutet werden (und nur im Rahmen der Dogmen).

Der zweite Punkt trifft es meiner Meinung nach. In dem vom Selbstverständnis der germ. Religion hinsichtlich der Natur ausgegangen wird, kann man auf die fragwürdigen Begriffe, die aus einer christozentrischen Sicht stammen, verzichten.

Ich möchte hier ergänzen, dass ganz klar Naturschutz und Schutz der Tierrechte an sich keiner Religion bedürfen, da sie auch aus einer lebendigen, lebensfreundlichen Vernunft heraus als sehr wichtig erkannt werden können und auch immer mehr werden. Bereits dem egoistischen Verstand müsste es einleuchten, dass Tier- und Pflanzenwelt, Schutz der Ökosysteme usw. für das eigene Überleben absolut wichtig sind – allerdings haben viele Menschen soviel Verstand offensichtlich nicht – jedenfalls nicht, wenn es darum geht, sich vegetarisch zu ernähren oder das Fahrrad anstatt dem Auto zu nutzen. Der Verstand ist schwach und die Bequemlichkeit groß. Das Seltenere wäre dann noch die selbstlose Vernunft, die alle Wesen und die Öko-Systeme um ihrer selbst willen, auch ohne eigenen Vorteil schützen und pflegen will, da sie aus der selbstlosen Hingabe an die Erkenntnis der Natur durch diese dazu veranlasst wird. Bei hochentwickelten Philosophen oder auch weißen Okkultisten gibt es so etwas. Auch das Gefühl der Liebe zu den Tieren, Pflanzen, Flüssen und Wäldern usw. kann die richtige Einsicht vermitteln. Das gilt prinzipiell für alle Menschen (und somit auch für Heiden). Sollten also Heiden abstreiten, dass aus der germ. Religion usw. der Schutz der Natur direkt hervorgehen muss, und sie auf das Essen von Tierleichen, Autovergasung der Umwelt usw. verzichten sollten, da sie einer Naturreligion angehören, dann sind sie auch ohne diese Religion klar zum Umweltschutz verpflichtet, weil dies in Verstand, Vernunft und Liebe zur Natur wurzelt. Ob sie wollen oder nicht, sie können die Forderungen der Natur (d.h. der Götter) nicht wegdiskutieren.

1/2


Zuletzt bearbeitet: 30.11.10 16:42 von Robert_S


Andererseits ist es sehr günstig, wenn der Schutz des Lebens der Erde auf unverhandelbaren Werten der Religion beruht. Denn es ist ja ein Unterschied, ob z.B. die religiösen Texte des Christentums als Ideologie kapitalistischer Naturausbeutung missbraucht werden können, weil die Natur nicht als beseelt beschrieben wird, oder ob eine Naturreligion hinter jedem sichtbaren und unsichtbaren Phänomen der Natur seelisch-geistige Wesen weiß, die den Schmerz fühlen, wenn z.B. ein Baum gefällt wird, oder Wasser verschmutzt wird.

Ich versuche auch einmal eine Definition für Naturreligion, ausgehend von der Definition für Religion von Helmuth von Glasenapp. Dieser definiert:

"Religion ist die im Erkennen, Denken, Fühlen. Wollen und Handeln betätigte Überzeugung von der Wirksamkeit persönlicher oder unpersönlicher transzendentalen Mächte. Bei den ethischen Hochreligionen ist diese Überzeugung verbunden mit dem Glauben an eine sittliche Ordnung der Welt." (aus dem Gedächtnis)

Auf die germ. Religion bezogen würde ich abwandeln:

Germanische Religion ist die im Erkennen, Denken, Fühlen, Wollen und Handeln betätigte Überzeugung von der Wirksamkeit der Asen und Wanen, der Riesen und einer Vielzahl anderer Naturwesen in und durch die Natur, zu der auch der Götterfunken im Menschen gehört. Diese Überzeugung ist verbunden mit dem Glauben an eine zur sittlichen Ordnung bestimmten Menschenwelt und an die Lebensrechte der Natur und den in ihr wirkenden Wesen.

Das wäre mein Vorschlag einer Definition.

Alles Gute
Robert

2/2


Zuletzt bearbeitet: 30.11.10 16:40 von Robert_S


Damit kann man arbeiten. Allerdings denke ich zeichnet die biblischen Religionen schon eine Stifterpersönlichkeit aus, sei es Mosis, Jesus, Paulus oder Mohammed. Das kennen die Naturreligionen und ethnischen Religionen nicht (oder kann man Krishna als Stifter bezeichen? Ich glaube nicht. Aber schon bei Zarathustra oder Konfuzius bin ich mir nicht mehr so sicher).

Gleichzeitig muß ich in einem heidnischen Forum über den Unsinn der Jagd diskutieren, weil da Leute die Jagd gutfinden weil es ihnen "Lust" bereitet. Ich nenne es "Mordlust". Ein anderer in diesem Forum findet Atomkraftwerke gut und stört sich an meiner eher ökologischen Sicht des Heidentums. Das ist die Realität, die Dummheit und Ignoranz herrscht überall vor.

Mit Lichtgruß,
Geza von Nemenyi



Das ist schon traurig mit solchen Atomkraft-Jäger-Heiden. Darin spiegelt sich eben leider der Durchschnitt an Meinungen der Bevölkerung. Vermutlich ist "Unwissenheit" die vornehmere Bezeichnung dafür.(Man weiß ja trotzdem, was gemeint ist). Es sind in jedem Falle persönliche Defizite. Das Problem in vielen Foren (und damit auch in heidnischen Foren) ist wohl, dass nicht alle Forumsmitglieder mit annähernd gleichem Ernst bei der Sache sind. Auch die verschiedenen Lebensalter sind in Foren meistens unsichtbar. Ärgerlich ist eben nur, wenn man auf Menschen trifft, die nicht "das Herz auf dem richtigen Fleck haben". Denn das Herz ist ja von Intelligenz und Alter unabhängig. Oft habe ich den Eindruck, dass in heidnischen Foren viele Mitglieder nicht aus dem Gefühl der Verantwortung für ihre Religion und die Natur schreiben, sondern eher nach dem Motto: "Was könnte ich denn heute mal so posten?" Es macht ihnen einfach Spaß, irgend eine Meinung zu vertreten - egal welche! Hauptsache sie unterscheidet sich von den Aussagen in anderen Beiträgen. Dann gibt es eben auch noch viele Nutzer deren Ernst darin besteht, ernsthaft ihrem gesteigerten Geltungsbedürfnis zu frönen, oder wertvolles herabzusetzen, um sich nicht so klein fühlen zu müssen. Das wird manchmal gerade von Heiden mit erbittertem Ernst betrieben. Das ist aber leider nicht der Ernst, der für ein religiöses Leben benötigt wird. Aber vielleicht tröstet, dass ich inzwischen aus ganz verschiedenen Strömungen immer wieder höre, dass sich in Foren Menschen, die sich sonst gut kennen, und hohe Bildung besitzen, so sehr zerstreiten, dass es zu Gerichtsprozessen kommt. Das dies ein vor allem neuheidnisches Problem sei, muss ich aufgrund dieser Nachrichten also zurücknehmen.

Ich bin sehr froh, dass in "Kvasirs Halle" nicht jeder schreiben darf. Ich habe mich vor einiger Zeit in einem spanischsprachigen Forum angemeldet, und musste auf eine Bestätigungsentscheidung der Administratorin warten. Es erschien dann der Satz: "Die Mitgliedschaft ist von Weisheit abhängig!" Dafür brauchte ich dann auch keine Regeln zu bestätigen. Hat man die richtige Auswahl an Mitglieder, braucht man viele Regeln gar nicht aufstellen, weil vieles einfach selbstverständlich ist, oder sich im Gespräch klärt.

Mit den Stifterreligionen ist das vielleicht so, dass eine Stifterreligion eben eine solche ist, deren Mitglieder an einen Stifter glauben. Dadurch wird die Stifter-Frage abhängig vom Selbstverständnis der Gläubigen. Bei den Vaishnavas (Krishna-Verehrer), Zoroaster-Anhänger usw. gibt es diesen Begriff des Stifters nicht im eigentlichen Sinne. Gerade in Indien geht es z.B. immer darum, einen erleuchteten Lehrer in der Gegenwart zu kennen, dessen direkter Schüler man zu werden strebt. Dieser Lehrer sollte dann nach Möglichkeit einer Guruparampara entstammen d.h. einer ununterbrochenen Kette von gottgeweihten Lehrern und Schülern, wobei die Lehrer ihre Schüler soweit spirituell führen, dass diese durch eigenen Kontakt zu den Göttern selber ein guter Lehrer werden können usw. Ich vermute, dass dies bei den indogerm. Völkern allgemein so war, und die Lehrer-Schüler-Linien sich mit konkreten heiligen Orten verbanden. Es könnten dann, ähnlich den Gegebenheiten in Indien, bestimmte Linien auf eine bestimmte Göttin / Gott gerichtet gewesen sein, weil sie mit dieser besonders verbunden waren.

Vielleicht wollte der "Stifter" des Christentums auch nur eine solche Linie aufbauen. Mir scheint, dass die Stifterreligionen nur durch nachträglichen, willkürlichen (machtpolitischen?) Minimalismus zu einem Stifter kamen. Man hat die Vielzahl der Linien verneint, und nur die eine Linie, der man angehörte, für die einzig wahre erklärt. Der Gründer dieser Linie wurde nachträglich zu einem Stifter verklärt. So denke ich, dass weder Zoroaster, noch Buddha, Mahavira usw. Stifter von Lehren waren. Sie traten jeweils als Schüler einer Lehre auf, die sie nur von neuem wieder in die Welt brachten. Allein bei Buddha zählt die südliche Tradition 23 Vorläufer, frühere Buddhas, die immer Schüler eines bereits zum Buddha gewordenen Lehrers waren. So ist es auch mit den Vishnu-Avataren. Krishna lehrt eine Lehre, die seiner Aussage nach schon immer da war, und zuerst dem Sonnengott verkündet wurde. Zoroaster gilt eher als Reformator und hatte auch Vorläufer.

Monotheismus ist mMn. Leugnung der Vielfalt, zuerst der Götter, dann aber auch der Kulturen und Völker (die z.B. allesamt mit "Heiden" usw. bezeichnet wurden). Es wundert dann auch nicht, dass monotheistisches Denken zu der Konsequenz führt, die Vielfalt der Arten zu leugnen bzw. zum Artensterben beizutragen. Wenn nur das Eine wichtig ist, z.B. der Mensch und seine Interessen, dann ist alles andere z.B. Tiere, Gewässer, Wälder usw. egal. Sie sind dann zwar schön aber nicht wichtig. Man fährt am Wochende mit dem umweltvergasenden Auto aus der Stadt in die "Natur" an Wäldern vorbei, und sagt sich "Schöner Wald!" Oder man streichelt Haustiere, und isst danach die Produkte der Fleisch- und Wurstindustrie. Das ist m.E. unbewusster Monotheismus, der die Pluralität der Welt leugnet, oder anders gesagt: Monotheismus ist extremer Egoismus auf religiösem Gebiet. Monotheismus und Egoismus fördern sich gegenseitig.

Egoistische Heiden, denen der Schutz der Natur gleichgültig ist, sind in einer Religion die viele Götter verehrt und viele Naturwesen kennt noch gar nicht richtig angekommen. Es könnte sein, dass sie die germ. Religion, die Götter usw. genauso ernst nehmen, wie der oben genannte Autofahrer den "Schönen Wald". Ihre Götter-Verehrung ist zum Teil eher nur Ausdruck ihrer persönlichen Belange. Sie sind auf der Suche nach einer Religion, die mit ihrer Lebenshaltung in Übereinstimmung steht. Zufällig trafen sie auf die heutige germanische Religion. Nun wollen sie aber nichts von verbindlicher Ethik oder Pflichten des Naturschutzes hören. Sowas haben sie doch nicht gesucht! Damit bleibe man ihnen vom Halse! Das ist ja dogmatisch!, fast Katholizismus!, Nazi-Diktatur!...bla,bla...
Ich fürchte, sie glauben nicht so sehr an die Götter, denn sonst wäre ihnen klar, dass die Götter unabhängig von ihren allzumenschlichen Interessen existieren, und von den Menschen auch etwas verlangen. Und Naturschutz ist ja auch wirklich nicht zuviel verlangt, weisen doch auch Verstand, Vernunft und Gefühl auf die Wichtigkeit des Schutzes der Natur hin.

Alles Gute
Robert




Zuletzt bearbeitet: 01.12.10 17:05 von Robert_S


Was die Stifter betrifft, so denke ich, könnte man so einteilen: Wer eine eigene Vision oder Offenbarung vorweisen kann, der ist Stifter. Wer dagegen z. B. ältere Überlieferungen neu zusammenstellt, ist eine Art Kompilator, zwar wichtig für die religion, aber kein Stifter.

Zarathustra ist also dann kein Stifter, wie auch Snorri nicht. Jesus und Mohammed sind Stifter, wie auch Moses. Paulus ist Kompilator.

Was die Neuheiden betrifft: Ich teile Deine Einschätzung. Es ist ein Bildungsproblem genauso, wie ein Altersproblem.

Mit Lichtgruß,
Géza von Neményi



Egoistische Heiden, denen der Schutz der Natur gleichgültig ist, sind in einer Religion die viele Götter verehrt und viele Naturwesen kennt noch gar nicht richtig angekommen. Es könnte sein, dass sie die germ. Religion, die Götter usw. genauso ernst nehmen, wie der oben genannte Autofahrer den "Schönen Wald". Ihre Götter-Verehrung ist zum Teil eher nur Ausdruck ihrer persönlichen Belange. Sie sind auf der Suche nach einer Religion, die mit ihrer Lebenshaltung in Übereinstimmung steht. Zufällig trafen sie auf die heutige germanische Religion. Nun wollen sie aber nichts von verbindlicher Ethik oder Pflichten des Naturschutzes hören. Sowas haben sie doch nicht gesucht! Damit bleibe man ihnen vom Halse!


Sehr gut beschrieben!
Ja, genauso sehe ich einen Großteil der Heiden. Sie suchen etwas, das zu ihnen paßt und formen sich dabei die Religion so, daß diese verzerrt wird. Das ist sehr bedauerlich.



..hmmm???..."Kühlwalda, meine Vertraute"...so sagt mit tiefem ernst Catweazle zu einer Kröte, die in seiner Behausung lebt.

Das ist Naturreligion! Ein Tier oder Pflanze hat zu dir eine Seelenbeziehung, die weder von der Umwelt angezweifelt wird, noch läßt man diese Seelenbeziehung leichtfertig kaputt gehen. Kühlwalda ist wichtiger als eine volle Geldbörse, wenn man bei der Flucht nur noch eine Hand frei hat. Das ist Naturreligion.

Diese Kröte wird als "Vertraute" bezeichnet, also eine Bezugs"person", die sehr wichtig ist...und sie ist für Dummis nur eine Kröte, die platt gefahren, kein Himmel "scheinbar" einstürzen läßt...na ja, Ausschwitz hat das so "eindeutig" auch nicht geschafft.



Unsere Religion hat sich aus der Beziehung zur Natur heraus entwickelt. Der Mensch nahm die hiesige Natur auf die Art und Weise wahr, die wir heute als germanisches Altheidentum bezeichnen. Ohne diese besondere Sichtweise auf die Natur kann eine Naturreligion gar nicht entstehen, nicht existieren. Die Natur mitsamt ihrer Wesen ist der Dreh- und Angelpunkt jeder Naturreligion. Wer also nicht verbunden ist mit den Naturwesen, wer diese Sichtweise unserer heidnischen Ahnen auf die Welt nicht hat, der hat mit germanischem Heidentume nichts zu tun.
Um Erwins Beispiel aufzugreifen: Grade die Kröte (wie auch die Natter) galten unseren Ahnen als glücksbringende Erscheinungsformen guter Hausgeister, die man ehrte und fütterte. DAS ist gelebtes Heidentum!


Zuletzt bearbeitet: 08.08.14 17:16 von Administrator


..ich darf noch was schreiben: "Naturreligion" ist ein Sammelbegriff für eine Ethik, der Natur und ihren Bewohnern, als auch dem Planet Erde ("Mutter Erde") einen tatsächlich realen Stellenwert das wir alle hier ein Recht auf Leben haben und das wir alle auf die ein oder andere Art das können, wenn man sich selbst zurück nimmt.

Durch die GGG.e.V. und Geza haben wir unsere eigene Naturreligion so greifbar bekommen, das wir Rituale und hohe Feiertage kennen, um den Göttern zu opfern. Aber unsere Tiergeschwister haben durch unsere Naturreligion die gleichen Rechte wie wir auch und keiner stellt das in Frage. Das ist allen diesen Religionen gleich, so das ich sagen kann: Im Prinziep gibt es zwischen einem Plainsindianer und einem Arminius im Alltäglichen kein Werteunterschied.

Catweazle ist zwar eine Filmfigur, er lebt aber im Film vor, wie ein Schamane eigentlich denkt und lebt(e). Zum Erklären ist die Figur Catweazle gut geeignet, sozusagen der Ehrenpräsident der Altheiden...ho,ho.

Seiten: 1 2 3 Zurück zur Übersicht

WebMart Homepage Tools: Eigenes Forum kostenlos starten

Webdesign - Shop-System - Newsletter-System - Homepage-Verzeichnis