|
* Forum World of Animals *
In Memoriam Hartmuth Wiedenroth († 03.06.2011)
| Autor |
Thema: Wanderfalken - Brüssel |
|
|
18.05.2013 – Ein Samstag im Leben der Falken
Die Falken sind jetzt einen Monat alt und der Zeitpunkt ihres Flügge-werdens rückt immer näher. Doch dazu muss ihr Gefieder voll entwickelt sein. Es ist ein entscheidender Schritt, der viel Energie erfordert. Und das ist der Grund, warum die Eltern ihre Brut 5 bis 6 Mal pro Tag füttern. Außer den Tauben scheinen es hauptsächlich Mauersegler zu sein, die auf dem Speiseplan stehen. Sie scheinen eine Spezialität von Vater Falke zu sein, obwohl die Mauersegler eine der schnellsten Vögel in Europa sind, mit Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.
Gleichzeitig müssen die Küken Muskeln aufbauen. Sonst riskieren sie auf den Boden zu fallen, anstatt in den Himmel zu fliegen … es ist nicht so, weil man als schnellster Vogel der Welt geboren ist und Gefieder entwickelt, dass man automatisch auch die nötige Muskelmasse hat. Sie müssen üben, wenn sie die Gene ihrer Eltern auf die bestmögliche Weise nützen möchten.
Wir sehen also mehr und mehr, dass die Eltern die Küken am Rande der Plattform füttern. Auf diese Art ermutigen sie sie, sich zu bewegen, ihre Flügel zu trainieren und ihre Klauen. Und so hüpfen jetzt alle Falke auf den Balkon: etwas, was einer von ihnen spontan vor einer Woche anfing zu tun. Zahlreiche Beobachter sehen das Geschehen und einige heben besorgt ihre Finger.
Nach dem Füttern (was meist vom Weibchen gemacht wird) fallen die Falken in einen tiefen Schlaf. Sie kuscheln sich auf dem Balkon zusammen. Die Eltern bleiben nicht länger bei ihnen. Sie sind auf der Kathedrale oder weg zum Jagen. Und die Jagd ist in diesen Tagen sehr erfolgreich; gestern Nachmittag hatte die „Speisekammer“ zwei ungerupfte Tauben, eine Turteltaube (auch ungerupft) und fünf andere gerupfte Vögel, wahrscheinlich alle von der Tauben Familie. Keine Wachteln, denn der Regen aus Süd Frankreich hält wahrscheinlich ihren Zug aus Afrika auf. Auch keine Drosseln oder Amseln, denn der Zug ihrer Art ist vorüber.
Der Magen ist bald wieder wach und nach dem Aufwachen beginnen die Falken wieder mit ihren Übungen. Sie gehen auf die Plattform und hüpfen herunter, unterqueren diese und sehen letztlich wie ihre Eltern ankommen. Wenn ihr Vater oder ihre Mutter (oder beide) ankommen, werden die Küken sehr aufgeregt. Doch der erwachsene Falke verliert nie seine Coolness und steht dort zwischen den Pfeilern auf dem Balkon. Und dann füttert der Falke einen nach dem anderen.
Bald wird der Moment kommen, wenn die Altvögel einfach eine Beute auf den Balkon werfen. Das wird die Küken dazu ermuntern selber zu fressen. Doch jetzt werden sie einige Tage manchmal an einem Kadaver, der im Nest übrig geblieben ist, knabbern. Unter Aufsicht eines Altvogels natürlich. Und dann schlemmen sie an einem Taubenbein oder dem Flügel eines Mauerseglers.
Die Videos zeigen einen Samstag im Leben der Falken.
Video 1 : 18/05/2013 06h45, di erste Mahlzeit des Tages, Das Männchen kommt mit Beute und das Weibchen gesellt sich dazu
Video 2 : 18/05/2013 10h54, das Weibchen ermuntert die Küken.
Video 3 : 18/05/2013 16h35, sie wachen auf.
Video 4 : 18/05/2013 18h04, Viel Aufregung nach der Ankunft der Eltern.
VIDEO
Viele Grüße von
Brit
http://www.worldofanimals.de
|
|
Wo bauen die Wanderfalken ihre Nester?
Das Paar auf dem Nest der Kathedrale … auf der Kathedrale! Doch wo bauen andere Wanderfalkenpaare in Belgien ihre Nester?
Vor ihrem Verschwinden aus Belgien am Anfang der siebziger bauten sie nur Nester auf den Klippen. Die Nester wurden in den Tälern von Wallonien und besonders in den Ardennen gefunden. Die schönsten waren in den Tälern von Maas, Ourthe, Amel, Lesse und dem wunderschönen Semois. Hier waren die meisten Nester.
Einige bekannte Ornithologen aus dem neunzehnten Jahrhundert, wie der Baron Edmond de Selys-Longchamp 1842 und Charles-Frédéric Dubois 1854, berichteten, dass ein Wanderfalkenpaar manchmal ein Nest in Kempen gebaut hat. In diesem Fall bauten sie sich kein eigenes Nest, sondern ließen sich in einem verlassenen Nest einer schwarzen Krähe oder eines Habichts nieder. Das ist ein bekanntes Phänomen in Osteuropa. Aber tatsächlich wurde das nur einmal formal in Belgien dokumentiert. Es war der Ritter Van Havre der einen Fall in einer Kiefer in Arendonk im Antwerpener Kempen beschrieben hat. Das ist der einzige Beweis eines Wanderfalkennestes in Flandern vor der jetzigen Zeit und der Installation von zahlreichen Nistkästen.
Heute brüten viele Wanderfalken in Brutkästen auf hohen (oft industriellen) Gebäuden. Die Kühltürme von Elektro- und Kernkraftanlagen haben jeweils ihre eigene Nistbox und (normalerweise) ihr eignes Paar, das dort lebt. Eine geniale Idee, Brutkästen an diesen Strukturen zu befestigen. Das hat zweifellos zur Rückkehr der Wanderfalken 1994 beigetragen. Seitdem wurden zahlreiche Brutkästen installiert. Sogar an Plätzen wo, Ornithologen zufolge, Wanderfalken nie gebrütet haben. Wie an den Poldern. Und das ist wahrscheinlich schade, weil die Gefahr der Störung des ökologischen Gleichgewichtes besteht.
Doch seit 1998 sind die Wanderfalken an Plätze zurückgekehrt, wo sie gebrütet haben bevor das DDT sie vergiftete. In diesem Jahr zählt das Tal der Maas alleine 10 Paare auf Klippen, 3 Paare auf pflanzlichen Türmen, 1 auf einem Industriegebäude und einer auf der Spitze des Pfeilers einer Schrägseilbrücke. Die anderen Täler von Wallonien sind auch wieder bewohnt und neue Standorte, wie zum Beispiel die Steinbrüche von Routnai, wurden natürlich besiedelt. Von den (ungefähr) hundert Paaren, die in Belgien leben, bewohnen ungefähr dreißig (semi-)natürliche Orte (Steinbruch oder Klippe)
Die Vielfalt an Brutplätzen ist sehr groß: Kühltürme, Schornsteine von Fabriken, hohe Industriegebäude (Silos), hohe zivile Gebäude, Appartementgebäude, Viadukte, Wassertürme, Telekommunikationstürme, Kathedralen und Kirchen, ein Glockenturm, das alte Nest einer Krähe, natürliche Klippen, Steinbrüche (verlassen oder aktiv). Seit 1912 wurde nie mehr ein Nest im Baum gefunden; der Fall von Arendonk scheint Geschichte.
Die Wanderfalken nisten somit erfolgreich an verschiedenen Arten von Orten, doch es gibt zwei schwierige Fälle. Auf Appartementblocks, ein Zusammenleben mit Menschen scheint schwierig; der Falke mag nicht belästigt werden, zum Beispiel von Wartungsarbeiten. In alten Krähennestern auf Pfeilern begegnen sie oft Problemen. Die Wanderfalken haben dort kein Dach oder Schutz vor dem Regen.
Bilder werden bald hinzugefügt
Viele Grüße von
Brit
http://www.worldofanimals.de
|
|
|
|