* Forum World of Animals *
In Memoriam Hartmuth Wiedenroth († 03.06.2011)

Seiten: Anfang ... 49 50 51 52 53 ... Ende Zurück zur Übersicht
Autor
Thema: Fischadler – Dyfi - Montgomeryshire - WALES


Walisische Fischadler, DNA und Genetik - Teil I
geposted: Samstag 23. September 2017 von Emyr MWT



Von Gastschreiber und DOP Voluntär, Dr. Helen Ougham

Emyr, zweifellos die überzeugendste Person, die ich je kennengelernt habe, überzeugte mich, dass ich ein oder zwei Blogbeiträge schreiben sollte („oder drei oder vier“ wie er kürzlich unheilvoll verkündete) – ich bin als Volontär bei DOP, so viele von Ihnen werden mich mit meinem roten Oberteil getroffen haben, ich bin auch Genetiker im Hintergrund und natürlich bekam ich im Laufe der Jahre großes Interesse an Fischadler Genen. So hier ist der erste meiner zwei (oder mehr!?) Blogs.

Was ist Genetik überhaupt?
Einige Wörterbücher definieren es als das Studium von Genen, was stimmt, aber nicht unbedingt sehr hilfreich ist. Es ist nützlicher es als Studium der Vererbung zu betrachten, oder wie Individuen Eigenschaften von ihren Eltern erben. In unserem Fall könnte das bedeuten ob wir gerades oder welliges oder lockiges Haar haben, oder ob wir Brokkoli lieben oder ablehnen (Genetik bedeutet, dass es für manche Menschen unangenehm bitter schmeckt, es für andere aber köstlich ist). Es bestimmt auch, warum ein Mädchen sehr wie ihre Mutter aussieht und ihre Schwester ganz anders, obwohl sie beide dieselben Eltern haben. Mehr als das stellt es auch sicher, dass wir alle Menschen sind, während Monty und Glesnis Junge immer Fischadler und nicht Adler oder Kuckuck sind.

Merin, Celyn und Brenig 2015 – definitiv Fischadler


Bei Fischadlern und anderen Vögeln ist die Genetik auch für viele Verhaltensweisen die wir sehen verantwortlich. Ein gravierendes Beispiel ist die Migration.
Als die Jungen dieses Jahres, Aeron, Menai und Eitha im August zu ihrem Flug nach Afrika aufbrachen werden sie 6000 km über Land und Meer fliegen um an das Ziel zu kommen, dass sie nie vorher gesehen haben und ohne jegliche Hilfe ihrer Eltern. Woher wissen sie, wohin sie fliegen sollen? Es ist in ihren Genen kodiert als Richtlinien, die sie von Monty und Glesni geerbt haben. Genauso wird die Mehrzahl der flügge gewordenen Fischadlerjungen wahrscheinlich noch nie vor ihrer großen Reise gefischt haben (obwohl wir wissen, dass Eitha das zweimal gemacht hat), aber jetzt müssen sie sich selbst ernähren – ihre Gene werden ihnen sagen wie man einen Fisch entdecken und ihn mit ihren wunderbaren Krallen festhalten kann.

Eitha mit ihrem Fang, aber die meisten jungen Fischadler fangen ihren ersten Fisch auf der Migration


Wie funktioniert die Genetik?
Die kurze Antwort ist "DNA". Erst in den 1940-iger Jahren bewiesen Forscher, dass DNA (kurz für DeoxyriboNucleic Acid) die Substanz ist, die die genetische Information in den Genen fast aller Lebewesen auf diesem Planeten, einschließlich Pflanzen, Pilzen und Tieren trägt. Du und ich, Monty und Glesni haben alle eine DNA, und das in fast allen Zellen unseres Körpers.

DNA verwendet eine Art Code – in der Tat als genetischer Code bekannt – um die Information zu tragen. Man kann sich das als Folge von Buchstaben vorstellen, von denen jede nur A, C, T oder G sein kann (die Buchstaben sind die Kurzformen der chemischen Verbindungen aus denen das DNA- Molekül besteht). Aber diese Buchstaben können in einer enormen Anzahl verschiedener Arten kombiniert werden und eine Sequenz, die beispielweise CTAGGCAGT lautet gibt sehr unterschiedliche Auskünfte zu TACCGTTAG.


Jedes Gen besteht aus mehreren Tausend dieser Buchstaben, oder DNA Basen, wie sie im Handel bekannt sind; doch es gibt auch eine Menge DNA, die nicht in Form von Genen ist. Insgesamt hat jede Zelle in unseren Körpern rund 3,000,000,000 – drei Billionen – dieser Basen. Die meisten Vögel haben ungefähr eine Billion DNA Basen in jeder Zelle, weniger als wir haben, da sie nicht so viele der „Nicht- Gene“ DNA haben.

Wenn Sie nach der DN in einer unserer Zellen, oder einer von Monty suchen würden, würden sie die meisten davon im Kern finden, eine Struktur innerhalb der Zelle, die von der eigenen Membran eingeschlossen ist. Die DNA, zusammen mit dem Protein liegt in Form von Chromosomen vor.
Ein Mensch hat normalerweise 46 Chromosomen – 23 jeweils von Mutter und Vater. Vögel haben mehr als das; eine typische Zahl ist 80, aber Fischadler haben 74. Das bedeutet, dass jedes Küken 37 Chromosomen von Glesni und 37 von Monty geerbt hat. Hier ist ein Bild wie Fischadler Chromosomen in einem bestimmten Stadium des Lebens der Zelle aussehen (die Leute, die die Arbeit geschrieben haben machten ein Bild, ordneten es dann so, dass die Chromosomen ordentlich paarweise angeordnet sind:


Aus dem Karyotyo des Fischadlers, Pandion haliaetus (Aves: Falconiformes) veröffentlicht 1987 von H. Ryttman, H. Tegelström, K. Fredga & J. Sondell, im Journal Genetica, Ausgabe 74 Seiten 143-147.

Warum sind wir daran interessiert die Genetik der Fischadler zu studieren?
In erster Linie und v.a. wollen wir wissen, wie verwandt die Walisischen Fischadler miteinander sind, und wie verwandt mit anderen Fischadlern in GB.
Nur einer der brütenden Altvögel in den vier Walisischen Nestern die wir kennen, ist beringt. Glesni, die in einem Nest nahe dem Rutland Gewässer in Leicestershire geschlüpft ist und beringt wurde, wie auch Blue 24 und wie es auch Montys erste Partnerin Nora war. Woher kommen die anderen Walisischen Brutvögel?

Das Männchen von Glaslyn, Aran, mit einem Hornhecht, ist er verwandt mit Monty?


Fortsetzung




Durch das Studium, ihrer DNA können wir in der Lage sein, diese Frage zu beantworten. Die Arbeit wird von Dr. Matt Hegartys Gruppe in der Aberystwyth Universität in Zusammenarbeit mit dem Team der Sheffield Universität unter Leitung von Dr. Deborah Dawson, einer Expertin für Vogelgenetik, die freundlicherweise Material („Primer“) zur Verfügung gestellt hat, dass Matt und seine Kollegen verwenden. Ich werde im nächsten Blog mehr zu diesen Primers und was mit ihnen und unserer Fischadler DNA gemacht wird, schreiben.

Unsere andere oberste Priorität ist es, das Geschlecht von jedem von unserer Küken zu überprüfen – wir wissen, dass das Gewicht eines jeden Kükens ein guter Hinweis darauf ist, ob es ein Weibchen (schwerer) oder eine Männchen (leichter) ist, aber manchmal ist es schwer zu sagen wenn das Gewicht irgendwie in der Mitte liegt, wie es bei Merin 2015 war. Die DNA wird uns Sicherheit geben. Auch hier werde ich mehr im nächsten Blog schreiben.

Merin wurde 2015 gewogen. Sie ist ein Weibchen, obwohl sie fast 10% leichter war als ihre (2 Tage) jüngere Schwester, Celyn.


Längerfristig gibt es jedoch so viel mehr, die uns die Genetik und DNA beantworten können.
Warum sind die Füße der Fischadler unterschiedlich zu denen der meisten Greifvögel? Wie gelingt es ihnen ganze Fische, Schuppen, Knochen, Flossen und alles zu verdauen (abgesehen von dem Operculum das die Kiemen bedeckt)? Welche Gene sagen unseren Fischadlern, dass sie nach Afrika fliegen sollen, während andere Fischadler nur bis Südspanien fliegen? Dies sind keine Fragen, die in naher Zukunft beantwortet werden können, aber je mehr wir über die Genetik der Fischadler wissen umso größer ist unsere Chance. Wer weiß, vielleicht finden wir sogar heraus, warum Montys Augen dunkel-Bernsteinfarben sind anstatt gelb.

Monty (links) und Nora 2011


Wie bekommt man eine Probe von Fischadler DANN?
Einer der besten Wege ist genau dieselbe Methode, die beim Menschen angewandt wird – ein Wangenabstrich.
Dies ist eine Technik, die beim Vaterschaftstest angewendet werden kann, bei der die DNA eines potentiellen Vaters mit der des Babys verglichen werden kann, bei dem die Vaterschaft im Zweifel ist; oder bei strafrechtlichen Ermittlungen, wenn die Polizei herausfinden muss, wer am Tatort Beweise in Form von Blut, Speichel oder anderem Körpermaterial hinterlassen hat.
„Bukkal“ bedeutet „es hat etwas mit der Wange zu tun“, besonders der Innenseite und das ist eine Stelle wo es leicht ist, Körperzellen zu sammeln, zusammen mit Speichel, da die Innenseite unserer Wangen ständig Zellen abwerfen und durch neue ersetzen. Dasselbe gilt für Fischadler (und andere Vögel und Tiere). So wenn man also sanft mit einem Tupfer abwischt, der ein weiches Schaumende hat, können einige der Zellen unserer Fischadlerküken gesammelt werden ohne die Vögel zu verletzen:


In GB, wie auch in vielen Ländern darf das nur unter Lizenz und von jemandem mit der richtigen Qualifikation und Erfahrung gemacht werden. Ich bin immer wieder beeindruckt von dem Mut eines jeden, der bereit ist, an diese furchteinflößenden Schnäbel zu gehen um die Wangenzellen zu sammeln, doch das ist genau wo die Akinese Antwort so hilfreich ist. Monty und Glesnis Alarmrufe werden den Küken gesagt haben sich tot zu stellen und sie liegen flach und (ziemlich) still, während sie gewogen werden, gemessen und ihnen ihre Darvic- und Metallringe angelegt werden. Den Wangenabstrich in diesem Moment zu nehmen macht es sowohl für die jungen Fischadler, als auch für die Person, die die Proben entnimmt, sicher.

Was passiert als nächstes?
Der Tupfer wird in ein Plastikröhrchen gegeben, das eine Konservierungsflüssigkeit enthält und dann wird es kühl gelagert, bis es gebraucht wird. DNA ist eigentlich ziemlich widerstandsfähig – das ist der Grund warum es forensischen Wissenschaftlern gelingt an alten Fällen zu arbeiten um sie aus alten Blutproben zu bekommen und für Biologen manchmal um die DNA von ausgestorbenen Tieren zu studieren, indem sie die DNA aus Knochen erhalten. Das ist auch, warum die zerbrochene Schale eines der von Blue 24 2016 gelegten Eier genug DNA ergeben hat, um damit zu arbeiten, obwohl sie erst ein Jahr später gefunden wurde.

Kim rettet Blue 24's Eischale in diesem Sommer, 13 Monate nachdem das Ei gelegt wurde


Im Moment warten die Wangenproben von Aeron, Menai und Eitha (zusammen mit denen aus zwei der drei anderen Walisischen Nester) im Kühlschrank der Aberystwyth Universität bis Matt Hegarty und seine Kollegen sie analysieren können, wie sie es schon mit den 2016 Proben gemacht haben. Im nächsten Blog erzähle ich Ihnen, was sie machen werden und wie wir hoffen die Ergebnisse verwerten zu können.

Wird es uns eines Tages gelingen zu erfahren woher Monty stammt?



Viele Grüße von
Brit
http://www.worldofanimals.de




Walisische Fischadler, DNA und Gene - Teil II
geposted: Sonntag 29. Oktober 2017 von Emyr MWT

In meinem vorigen Blog erklärte ich, wie man Wangenabstriche vom Inneren der Fischadlerküken Wangen zur Beringungszeit nimmt und sie in kleinen, verschlossenen Plastikröhrchen im Kühlschrank aufbewahrt bis die Wissenschaftler bereit sind sie zu bearbeiten. Was passiert als nächstes?

Aeron (und seine beiden Schwestern Menai und Eitha) haben im Sommer freundlicherweise einige ihrer DNA gespendet


Nun die Wangenabstriche werden eine Mischung von Fischadler Wangenzellen und Fischadler Speichel sein, wahrscheinlich mit Resten ihrer letzten Mahlzeit und anderen Sachen, die sie von Mama und Papa während der Fütterung bekommen haben – Gras? Ameisen? Wer weiß….? Was wir wirklich wollen ist die DNA daraus.

Der Abstrich wird mehr als nur Fischadler DNA enthalten!


Im Prinzip ist es nicht so schwierig DNA aus lebenden Zellen zu extrahieren. Wenn Sie das zum Spaß mit ihren Kindern oder Enkeln ausprobieren möchten, ist der einfachste Weg Früchte wie Kiwi, Bananen oder Erdbeeren zu benutzen, aber es funktioniert auch gut mit Blattgemüse, getrockneten Erbsen oder Bohnen und Fleisch wie Leber. Abgesehen von gewöhnlichen Küchenutensilien brauchen Sie nur noch Spülmittel, Salz und etwas Alkohol – entweder Methylalkohol oder Isopropylalkohol („Reibungs-Alkohol“) ist am leichtesten zu bekommen. Es gibt viele Webseiten die Ihnen sagen, wie man es machen kann; diese von der Universität von York ist gut, mit vielen Illustrationen.

Am Ende eines solchen Experiments werden Sie und die Kinder etwas weißes, faserig-aussehendes Material haben – und das ist die DNA von der Frucht oder dem Gemüse, das Sie verwendet haben.

Hier ist ein Foto von DNA von der Webseite der Universität von Utah von der Extraktion von Schälerbsen, eine weitere schöne Seite.


Forsetzung



Die Methode, die für Obst, Schälerbsen, Leber usw. funktioniert, funktioniert auch für Fischadlerzellen …. aber hier gibt es einen Haken. Jeder Wattetupfer hat nur eine kleine Probe von Fischadler Wangenzellen. Wie reduzieren wir den Extraktionsprozeß um DNA aus unserem Abstrich zu holen?

Die Antwort darauf ist, Kits zu verwenden, die speziell für den Umgang von kleinen Proben entwickelt wurden. Heutzutage gibt es einige Firmen, die das produzieren. Eine der bekanntesten ist Qiagen (ich war nie ganz sicher, wie man das richtig ausspricht).

Sie stellen eine Reihe von Kits her, die entwickelt wurden, um die besten Resultate mit verschiedenen Proben zu erzielen – Blut, Pflanzenmaterial, Bakterien usw. Sie stellen sogar ein Kit her um DNA aus Kot (oder „DNA Stuhl Mini Kit“ wie sie es höflicher ausdrücken). Chris Packham von Springwatch würde das wahrscheinlich lieben!


Die Kits von dieser Firma werden in den Labors von Aberystwyth verwendet. Jedes Kit bietet Ihnen einen Satz mit kleinen Fläschchen mit Lösungen und einige spezielle Kunststoffröhrchen in denen die DNA aus den Zellen extrahiert und gereinigt werden kann – hier ist ein Beispiel vom Inhalt der Kits

A QIAamp DNA Mini Kit


In einigen Wochen ist es an der Zeit, dass ich, zum ersten Mal nach einigen Jahren, wieder selbst ins Labor gehe, um einige Fischadler DNA Extraktionen vorzunehmen und ich bin ziemlich aufgeregt! Zum Glück werde ich von Ilze betreut, einer talentierten Wissenschaftlerin, die mit Matt Hegarty an einem Rotmilan Projekt gearbeitet hat und über eine Menge neuerer Erfahrungen verfügt, wie man DNA aus verschiedenen Probenarten gewinnt. Vielen Dank an Matt und Ilze, dass sie mich an der Arbeit teilnehmen lassen.

Ilze Skujina – man kann ihr auf Twitter HIER folgen


Eine der Techniken, die Ilze entwickelt hat, war, einen Weg zu finden, um DNA aus Federn zu gewinnen. Das ist eine größere Herausforderung, als die Arbeit mit Wangenabstrichen, da es weniger Zellen in einer Feder gibt, sie sind schwerer zu bekommen, aber mit Ilzes Methode sollten wir in der Lage sein, DNA aus den vielen Federn, die wir von den verschiedenen Walisischen Standorten gesammelt haben, zu bekommen.

Einige der Federn sind von den Elternvögeln und das wird eine Menge an nützlichen genetischen Informationen zu den Wangenabstrichen, die wir von den Küken gemacht haben, hinzufügen. Natürlich können wir von den Altvögeln keine Wangenabstriche nehmen, da sie nicht in Akinese („sich totstellen“) fallen, wie es die Küken machen; Die Akinese ist es, die das Ganze sicher macht – sowohl für die Küken, als auch die Beringer – um die Beringung und die Wangenabstriche gleichzeitig zu machen. So sind die Federn eine nützliche, wenn auch herausfordernde Alternative.

Clarach und Cerist demonstrieren wunderbar die Akinese 2013


Sobald wir die DNA aus unseren Fischadlerproben extrahiert haben, gibt es immer noch ein paar Schwierigkeiten. Erstens wird die Menge von DNA sehr klein sein - nicht genug um uns all die Studien machen zu lassen, die wir möchten. Zweitens, erinnern Sie sich, dass ich am Anfang des Blogs erwähnt habe, dass die Abstriche nicht nur Fischadlerzellen beinhalten? Sie können auch Fisch aus der letzten Mahlzeit der Küken beinhalten, Stückchen von Pflanzenmaterial, vielleicht Insekten und es gibt Bakterien die im Schnabel der Fischadler leben. All diese Dinge haben eigene DNA. Wie wollen wir sicher gehen, dass wir nur Fischadler DNA und Fischadler Gene betrachten?

Die Antwort darauf ist eine sehr kluge Labormethode, die bereits in den 1980-iger Jahren entwickelt wurde. Sie wird viel in forensischer Wissenschaft und mehr noch in der Medizin und Biologie verwandt und ist unverzichtbar für die Art von Fischadler Genetik an der wir interessiert sind. Es ist kurz als PCR (Polymerase Kettenreaktion) bekannt und im nächsten Blog werden ich ihnen erzählen wie das funktioniert und wie wir es für die Fischadlerproben verwenden.

In der Zwischenzeit wünschen Sie mir bitte Glück im Labor!



Viele Grüße von
Brit
http://www.worldofanimals.de




Walisische Fischadler, DNA und Gene – Teil III
geposted: Sonntag 26. November 2017 von Emyr MWT



Hier ist Dr. Helens dritter Teil unserer Genetikreihe und dieses Mal fangen wir an, greifbare Ergebnisse zu sehen. Nochmals vielen Dank an Helen, Ilze und all die Leute im der Genetikabteilung der Aberystwyth Universität, die diese Arbeiten für uns machen. Wir konnten dafür keine Finanzierung bekommen, so haben sie beschlossen, das umsonst zu machen. Ich werde nächstes Wochenende einen Folge-Blog schreiben, aber für den Moment, hier ist Dr. Helen um die Ergebnisse, die wir während der letzten paar Tage bekommen haben, zu erklären.

In meinem vorhergehenden Blog erwähnte ich die Labormethode, die für die gesamte genetische Analyse, die wir an unseren Fischadler DNA-Proben durchführen, entscheidend ist: die Polymerase-Kettenreaktion ( kurz PCR). Es ist die Möglichkeit eine winzige Menge an DNA in eine Menge zu verwandeln, mit der man arbeiten kann.
Zur gleichen Zeit stellt es sicher, dass man nur den richtigen Teil der DNA von der Spezies betrachtet, der einen interessiert - in unserem Fall natürlich Fischadler – anstatt die DNA von anderen Pflanzen- und Tiermaterial zu kontaminieren. Wie ich das letzte Mal sagte, es könnten von allen möglichen DNA im Schnabel eines Fischadlers sein!

Clarach's Speichel – da ist mehr als nur Fischadler DNA drin.


Die erste Analyse, die Ilze und ich durchgeführt haben, um das Geschlecht unserer Fischadler-Küken zu bestimmen und zu sehen, ob unsere Ergebnisse mit dem Geschlecht übereinstimmen, das das Beringungsteam auf Grund von Größe und Gewicht vermutet – Weibchen sind durchschnittlich größer und schwerer als Männchen. So spreche ich über PCR mit Fischadler Gewicht als Beispiel. Das ist nur eine kurze Erklärung, die viele Details auslässt; wenn Sie mehr über PCR wissen möchten, hinterlassen Sie eine Nachricht auf Facebook oder den Kommentaren unten.

Ein Fischadler hat, wie alle anderen Vögel, zusammen mit allen anderen Chromosomen, ein Paar Geschlechtschromosomen, eines von der Mutter und eines vom Vater. Menschen sind ähnlich. Jeder von uns hat ein X-Chromosom von unserer Mutter und entweder ein X oder ein Y von unserem Vater. Menschen mit 2 X-Chromosomen, wie ich, sind weiblich, Menschen mit einem X und einem Y Chromosom sind männlich (es gibt ein paar Ausnahmen, da die Biologie kompliziert ist, aber grundsätzlich bedeutet beim Menschen XX weiblich und XY männlich). Bei Vögeln ist es etwas anders; ihre Geschlechtschromosomen werden Z und W genannt. Vögel mit zwei Zs, einer von jedem Elternteil, sind männlich; diejenigen mit einem Z vom Vater und einem W von der Mutter sind weiblich.

Geschlechtschromosomen Unterschiede zwischen Vögeln und Säugetieren

So hat z.B. Clarach, die dieses Jahr zum ersten Mal in ihrem Nest in Schottland gebrütet hat, ein Z Chromosom von Monty geerbt und ein W Chromosom von Glesni und sie wird das W an all ihre weiblichen Küken weitergeben.

Clarach in ihrem Nest mit ihren Küken 2017

Um das Geschlecht eines Fischadlers mit Hilfe der Genetik zu erklären, brauchen wir etwas, von dem wir wissen, dass es bei Frauen immer anders sein wird, als bei Männern. Zum Glück gibt es einen kleinen Teil des Fischadler Geschlechtschromosoms, das genau diese Bedürfnisse erfüllt. Es ist sowohl in der DNA von beidem, dem Z und dem W Chromosom, doch ist es in diesen zwei Fällen leicht unterschiedlich. Dr. Deborah Dawson und ihr Team haben in der Sheffield Universität dieses nützliche Stück des Chrosoms entdeckt und haben uns freundlicherweise das Material geschickt, das wir brauchen um das selbst herauszufinden, die Primer.

Primer, die paarweise vorkommen, sind Unterlängen von DNA, die an einer DNA Probe haften. Die Primers, die wir benutzen kleben einer auf beiden Seitendes Teils des Geschlechtschromosoms das sich in der Z und W Form unterscheidet – was wir Geschlechtsmarker nennen. Sobald die Primers fest sind, ist es einem bestimmten Enzym möglich – der Polymerase in „PCR“ – mitzugehen und eine Kopie der DNA zwischen dem, wo die Primers sich festgesetzt haben. Das tut es nicht sofort, entweder: wenn es einmal eine Kopie gemacht hat, wenn man die DNA erhitzt und dann abkühlen lässt, kann man die Primer wieder ankleben lassen, aber dieses Mal an die original DANN und die Kopie

Wie Primers (in rot) arbeiten


Die Polymerase macht wieder ihre Arbeit, und jetzt haben wir das Original und drei Kopien, vier insgesamt. Und die nächste Runde, man hat acht der DNA-Teile, an denen man interessiert ist. Und wieder …. 16 …. wieder …. 32 und so weiter. Zu dem Zeitpunkt an dem dieser Zyklus 10 Mal abgelaufen ist, gibt es 1024 Kopien der originalen DNA- Teile.

Im Labor durchlaufen wir den Zyklus tatsächlich dreißig Mal. Das bedeutet, dass wir am Ende mehr als tausend Millionen Kopien von der Geschlechtsmarkierung der DNA haben, was viel ist, um damit zu arbeiten. Der Prozess wird als Polymerase-Kettenreaktion (PCR) in Analogie zu einer nuklearen Kettenreaktion bezeichnet, da die Menge der DNA klein anfängt, aber schnell größer wird.

Hier ist ein Bild von einem der Maschinen, die das Heizen und Abkühlen für uns übernimmt: ein Thermozykler. Dies ist Ilzes Glücksmaschine – als sie an dem Rotmilanprojekt gearbeitet hat, bekam sie immer gute Ergebnisse. So mussten wir sie auch in der Fischadlerforschung einsetzen. Auf diesem Bild, hat sie für uns zehn der 30 Zyklen gedreht.

Fortsetzung




Das Einrichten einer Reaktion ist ziemlich zeitaufwendig und es ist heikle Arbeit, wir müssen winzige Flüssigkeitsmengen, die DNA von Fischadlern beinhalten, bedienen, Primers, die Polymerase und ein paar andere Dinge, die für die Reaktion benötigt werden. Es ist als ob man einem Rezept folgt, aber ins ehr kleinem Maßstab – die Flüssigkeitströpfchen sind so winzig, dass man sie kaum sehen kann. Hier bin ich im Labor beim Einrichten einer Reihe von PCRs. Ich sehe sehr ernst aus und das kommt daher, weil ich mich so sehr darauf konzentriere um keine der wertvollen Proben zu verlieren.

Dr. Helen im Labor (Ed – achten Sie auf die Ohrringe!!!!)


Bevor wir mit dem nächsten Schritt fortfahren, müssen wir überprüfen, dass unsere POCR Reaktionen in Ordnung waren. Diese Fotografie zeigt, dass die meisten unserer Reaktionen mit dem Primers zur Geschlechtsbestimmung funktioniert haben; außerdem einen ganz links, zeigt jede Spalte auf dem Foto DNA, vervielfacht aus der Probe eines walisischen Fischadlerkükens. Ich war so froh das zu sehen, dass ich meinem Mann, Sid, sofort mit der Kopie des Bildes und einem großen Smiley eine Message schickte.


Jetzt geben wir eine kleine Menge von jeder der PCR Mischungen Caron, die sie durch einen DNA Analysator laufen lässt – eine Maschine die in der Lage ist, die Größe von DNA Stückchen sehr genau zu messen. Das ist es was wir brauchen, denn der Abschnitt des Geschlechtsmarkierers für Chromosomen ist nur etwas unterschiedlich in der Größe von Z und dem W Chromosom.
Hier ist, wie die Ergebnisse aussehen: wenn da zwei blaue Spitzen sind, bedeutet das dass sowohl die Z erfassten Marker und die W-erfassten Marker da sind, so muss das Küken von dem die Probe stammt weiblich sein. Wenn es nur eine Spitze gibt, muss das Küken männlich sein.

Caron hat die Proben von 25 walisischen Fischadlern durch den genetischen Analysator laufen lassen und bisher haben wir gute Ergebnisse für 20 unserer 25 (wir sind ziemlich sicher, dass wir die OPCRs wiederholen können und bessere Resultate für mindestens drei der verbliebenen fünf zu bekommen).

Und hier ist, worauf sie alle gewartet haben:
In 19 von den 20 Fällen, passt das Geschlecht von unserer genetischen Analyse mit dem Geschlecht das das Beringerteam den Küken zugewiesen hat, zusammen. So, z.B., letztes Jahr am Dyfi, Ceri war tatsächlich weiblich und Tegid ist männlich. Dieses Jahr, ja, Aeron ist männlich und Menai weiblich (wir müssen die Analyse für Eitha wiederholen). Dasselbe trifft für die Proben aus den anderen walisischen Nestern zu. Und Ceulan, der ganz besondere Fischadler, der die 2012 Überflutung überlebt hat und unglücklicherweise in einem Fischnetz in Afrika ums Leben gekommen ist? Wir entnahmen aus einer von Ceulans Federn DNA und bestätigen, dass er ein Männchen war.
Vorbereitungen um DNA aus Federn zu gewinnen


Diese Ergebnisse zeigen, wie gut die lizensierten Beringer sind. Sie wiegen und vermessen die Küken bei der Beringung und benützen diese Informationen (Ed – und andere Parameter, mehr dazu nächste Woche) um das Geschlecht jedes Jungen zu bestimmen – und sie haben bei 19 von 20 Jungen, die sie während der letzten drei Jahre beringt haben, Recht gehabt.
Tegid wird 2016 gewogen


Aber was ist mit dem anderen Küken, dem einen wo die Einschätzung des Beringerteams nicht gestimmt hat?
Hier wird es wirklich interessant – OK, ich bin vielleicht etwas voreingenommen! Für diejenigen, die noch relativ neu auf dieser Seite sind: beim Dyfi Projekt 2015 das Erstgeschlüpfte Küken von Monty und Glesni, Merin (der mit einem blau/weißen Ring, Nummer W 1 beringt wurde) lag mit seinem Gewicht in der Mitte, was, auf einer Seite, typisch für Männchen ist und für Weibchen auf der anderen. Merin wog 1450 Gramm.

Am Ende wurde Merin als möglicherweise Weibchen, möglicherweise Männchen aufgeführt, Doch letztendlich mussten wir uns für eines entschließen und blieben bei Weibchen. Doch stand es wirklich 50:50, da Merin ein typischer „Mittendrin“ war.
Merin bei der Beringung 2015


Jetzt haben wir die Ergebnisse der DNA Analyse und …
Warten darauf …..

Merin ist ein Männchen! So ist eines der drei Küken von Monty und Glesni 2015 – von denen alle zu starken gesunden Fischadlern heranwuchsen und auf ihre Migration nach Afrika flogen – ein (Celyn) Weibchen und zwei (Brenig und, wie wir gerade erfahren haben, Merin – Männchen)
Mädchen – Bub – Bub


Die Situation für Fischadler in Wales ist immer noch prekär, mit nur vier Brutpaaren soweit wir wissen. Jedes Küken, das schlüpft, flügge wird und auf Migration in sein Winterquartier geht ungeheuer wertvoll. Doch haben wir in Wales in den letzten Jahren besonders wenige Männchen und Männchen tendieren viel mehr als Weibchen dazu dorthin zurückzukehren, wo sie geschlüpft sind (lesen Sie Emyrs Blog über Clarach, wo am Ende mehr über Ortstreue zu lesen ist).

Und natürlich bedeutet das, dass, wenn sie sich mit geeigneten Weibchen binden sie in der Gegend selbst brüten werden. So, das zu erfahren von Merin, das es da definitiv ein weiteres walisisches Männchen gibt, sind großartige Neuigkeiten für die Fischadler Population in Wales und darüber hinaus.

Fortsetzung



In meinem nächsten Blog, irgendwann im Neuen Jahr, werden ich über die andere Genanalyse, die wir machen, von der wir hoffen, dass sie uns erzählen wird, wie die verschiedenen walisischen Fischadler miteinander und mit Fischadlern in England, Schottland und dem europäischen Festland verwandt sind, sprechen. Ich muss zurück ins Labor und ein paar PCRs zu wiederholen, die beim ersten Mal nicht gut funktioniert haben, und dann herausfinden, was all die Ergebnisse bedeuten; dieser Teil ist etwas komplizierter als die Geschlechteridentifikation, so wird das einige Wochen dauern.

In der Zwischenzeit wünsche ich allen für die Feiertage alles Gute und vielen Dank für all die freundlichen Kommentare zu meinen Postings.

Glesni & Monty – wir fangen endlich an mehr über ihre Nachkommen zu verstehen



Viele Grüße von
Brit
http://www.worldofanimals.de




2018: Letzte Kameratests beendet
geposted: Sonntag 18. März 2018 von Emyr MWT



Fast fertig ....
Großartige Neuigkeiten
Wir haben die letzten Tests für alle Dyfi Kamera- und Mikrophonsysteme heute früh, Sonntag, 18. März abgeschlossen und wir sind zu 100% zufrieden.
Ein kleines Biest aus dem Osten half uns heute gar nicht, aber gab uns zumindest die Möglichkeit, einige kleine Änderungen unter sehr herausfordernden Bedingungen zu machen.
Danke an Alle, die bisher zum 2018 Kameraaufruf gespendet haben, wir haben schon ein Drittel in nur einer Woche erreicht.
Morgen übergeben wir das System unseren IT Technikern, die die Server in ein paar Tagen für die Live Übertragung 2018 starten werden .

Sind Sie bereit?

[url=http://www.dyfiospreyproject.com/blog/emyr-mwt/2018/03/18/2018-final-camera-test-complete][img] [/url]


Viele Grüße von
Brit
http://www.worldofanimals.de




Blue 24 ist zurück

https://twitter.com/DyfiOspreys







Ferenz, Berlin


Hab ich auch grade gelesen. Hoffentlich ist es am Dyfi nicht sooo kalt. Wenn man liest, was die Störche (und sicherlich noch viele andere Vögel und Tiere) grade in Bulgarien erleben, ziemlich grauenhaft!

Viele Grüße von
Brit
http://www.worldofanimals.de


Seiten: Anfang ... 49 50 51 52 53 ... Ende Zurück zur Übersicht

WebMart Homepage Tools: Eigenes Forum kostenlos starten