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Thema: Mein Weg mit Gott |
Als stiller Mitleser wird es nun mal langsam Zeit, das ich auch mal was zum Forumsgeschehen mit beitrage.
Zum einen, weil ich Gott auf eine Art und Weise kennengelernt habe, so wie Ihn nur jeder Gläubige unterschiedlich kennengelernt hat.
Jeder auf seine Weise eben.
Der Mensch kann von Glück sagen, so sage ich es heute, das Gott alle Menschen liebt und das dieser Gott gewillt ist auf jeden Menschen individuell einzugehen.
Auch bin ich der festen Überzeugung, das Gott die Zeitlinie eines jeden Einzelnen in seiner spirituellen Entwicklung mit berücksichtigen vermag.
So groß ist mein Gott.
Geboren wurde ich Mitte der 70er im Ruhrgebiet, in einer Zeugen Jehovas Familie.
Meine frühesten Erinnerungen reichen in eine glückliche Phase in meiner Zeit als Kleinkind zurück.
Ich erinnere mich gern an diese Zeit, wo scheinbar noch alles in Ordnung war.
Unser Vater teilte damals noch die Zeit mit meinen großen Bruder und Schwester bevor wir ins Bett gingen.
Er erzählte uns manchmal was über Gott, betete mit uns. Einmal tat ich so als wäre ich beim beten eingeschlafen, was mein Vater aber mit einem liebevollen Kommentar übergang und uns gute Nacht wünschte und das Licht ausmachte.
Einmal scherzte er mit uns herum, indem er so tat als wäre er tot - meine großen Geschwister lachten natürlich "du tust nur so Papa", aber ich war traurig und sagte "Papi, du must wieder aufstehen".
Ich weiß nicht wieso, aber mein Vater stellte dieses meine Verhalten meinen Geschwistern als lobenswert vor.
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Mein Traum, damals war ich ca. 4 Jahre jung.
Eines Nachts träumte ich von den Planeten.
Ich schwebte durch den Weltraum.
Ich sah einen Rot-braunen Planeten aus nächster Nähe und sah einzelne Konturen der Berglandschaft.
Ich hörte sogar das schwirren von der Atmosphäre.
Dann sah ich eine Sonne.
Aus nächster Nähe.
Ich sah wie einzelne Flammen in die Atmosphäre des Alls hinausschossen.
Das verrückte an diesem Traum war, das ich solche Bilder damals als Kleinkind nie zuvor gesehen habe, geschweige irgend eine Ahnung von Bewegungen auf der Sonnenoberfläche, Sonnenerruptionen und Dergleichen.
Einen solchen Traum hatte ich nie wieder und solche Bilder hatte ich erst später bei Star-Trak "the next generation" gesehen.
Wie kam es also, das ich als Kleinkind von solchen Dingen geträumt habe, von denen ich keine Ahnung hatte, das es so was Überhaupt gibt?
Von dem Traum erzählte ich meinen großen Bruder, doch der war bloß irgendwie neidisch.
Heute glaube ich, das mein himmlischer Vater mir diesen Traum geschenkt hatte.
Mein Leben war damals noch in Ordnung.
Und Gott wollte mein Vater sein.
Immer.
Egal was noch passieren sollte.
Und es geschah noch so manches.
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Zwei oder drei Begebenheiten aus meiner Kindheit, mir ist danach sie mit euch zu teilen.
Meine erste Lüge:
Einmal war rote Malfarbe an die Decke des Kinderzimmers gekritzelt.
Ich war es nicht, denn ich war da viel zu klein für.
Dennoch behauptete ich, das ich das gemalt habe - wieso ich das Behauptete weiß ich nicht mehr.
Aber ich habe felsenfest behauptet da hochgeklettert zu sein und gemalt zu haben.
Meine Eltern waren erst entschlossen meinen großen Bruder deswegen zu bestrafen.
Doch weil ich das gemacht haben soll, und ich noch zu klein war um zu wissen das das falsch war, beließen sie es dabei zu sagen "So was darf man nicht machen".
Ohne zu wissen, wer das denn nun damals wirklich war, glaube ich das sich sich mein großer Bruder damals nicht umsonst, eine Zeit lang zumindest, besonders freundlich mir gegenüber verhielt.
Er entkam so einer Prügelstrafe.
Mein erster gesprochender Satz.
Mein großer Bruder hatte damals irgendwelche Sammelkarten, sowie die heutigen Kids eben gerne Pokemonkarten sammelten.
Wie das nunmal bei manchen extremchristlichen Familien so der Fall ist, werden solche Dinge von Manchen Eltern eben nicht toleriert.
Heute bin ich mir gar nicht sicher ob das Star-Wars Sammelkarten waren oder Figuren.
Mein Vater beschlagnamte auf jeden Fall diese Dinge und legte diese in die Schupplade im Badezimmer.
Mein großer Bruder suchte diese natürlich, als der Vater nicht im Hause war.
Mein erster Satz in meinen Leben lautete also "Hat der Papa in der Lublade getan", mit den Finger auf die Entsprechende zeigend.
Mein großer Bruder hatte sich in dem Moment gefreut, das ich so plötzlich reden konnte.
Mein Vater sah in diesem ein Wunder anderer Natur und machte diesbezüglich die Dämonen verantwortlich, die durch mich geredet haben sollen.
Woher ich das weiß?
Jahre Später erzählte mir mein Vater davon - immer noch mit dieser Meinung, welche ich ihm bis heute nicht nehmen kann.
Meine erste tiefgründige Frage.
Damals war ich ca 5 oder 6 Jahre jung.
Ich beobachtete wie mein Vater mit Klatsche immer auf Fliegenjagd ging.
Ich fand die Stubenfliegen toll - ich beobachtete die gerne wie sie im Raum rumsurrten und die kitzelten so toll, wenn man sie auf den Händen rumlaufen ließ.
Einmal fragte ich also meinen Vater, wieso Gott eigentlich die Fliegen gemacht hatte.
Darauf hielt er dann einen kleinen Vortrag über die Bestäubung von Wildblumen usw. wobei ich mir nicht alles merken konnte was er da noch so von sich gab. Jedenfalls hatte Gott schon seine Gründe dafür.
Darauf stellte ich ihm nur eine Frage, worauf ich keine Antwort bekam:
"Und warum schlägst du die Fliegen dann tot?"
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Ich wurde natürlich im Glauben der Zeugen Jehovas erzogen.
Meine Bezugsperson im Himmel, mein himmlischer Vater, heißt also Jehova, wurde es mir gelehrt.
Sein Sohn Jesus.
Bald kommt Harmagedon und alle Nicht-Zeugen-Jehovas, die bösen Menschen, sollen darin umkommen.
Pastoren oder Pfarrer anderer Kirchen waren in Wirklichkeit die Diener des Teufels.
Die Dämonen wollten nicht, das ich Jehova anbete.
Die Welt war böse, sowie alles was einen davon ablenken könnte den Weg eines Zeugen Jehovas zu gehen.
Damals, als ich als Kind in die Grundschule kam, hatte ich all dieses Wissen bereits in mir als "meine Realität" angenommen.
Zu Beginn war dies alles noch eine schöne Zeit mit Gott.
Ich laß in der Bibel sobald ich lesen konnte und führte ein Gebetsleben - ich war richtig glücklich mit meinen Gott.
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Das Paradies!
Wie sehr ich mich doch darauf freute.
Ich war damals sechs oder sieben. Meine Mutter las oft mit mir im "gelben Buch", später in einem rose-farbenen.
Doch Angst hatte ich auch.
Die Dämonen waren in unserer Wohnung - ich konnte nachts die schwarzen Schatten sehen, die durch unsere Wohnung schwebten.
Dabei dachte ich doch, das die Dämonen nur zu den bösen Menschen kommen.
"War ich also in Jehovas Augen böse?" - fragte ich mich.
Diese Angst begleitete mich noch lange Zeit.
Sie gipfelte manchmal dermaßen, das ich wie gelähmt im Bett lag und nicht mal meine Eltern rufen konnte, weil die Dämonen mich festhielten.
Nicht mal Jehova konnte ich rufen.
Als ich ca. 9 war, saß ein grünes Feuer auf meinen Schoß, mit den gleichen Lähmungssymptomen.
Wie sehr ich mich also auf das Paradies freute, kann man sich gar nicht vorstellen.
Denn die Dämonen dürfen nicht ins Paradies...
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Ich kam nicht in den Kindergarten.
Meine Eltern wollten nicht, das ich dort "schlimme Dinge" lerne.
Wie ich darauf komme?
Zitat Wachtturm von 15.April 1977, der gerade damals, zu meiner damaligen Kindergartenzeit rauskam:
Kinder, die im Königreichssaal völlig kostenlos diese fortgeschrittene Schulung erhalten, werden außerdem davor bewahrt, die schlechten Dinge zu lernen, die sie von einigen Kindern lernen könnten, die in den Kindergarten gehen.
Oder das Zitat vom Erwachet 08.12.1977 - ebenso wie der Wachtturm eine weltweit verbreitete Zeitschrift, welche alle ZJ auf denselben "Erkenntnisstand" halten sollte:
Heute dagegen haben viele Kinder Babysitter oder sind tagsüber in Kindergärten. Sie verbringen einen großen Teil des Tages nicht mit ihren Eltern, sondern mit anderen Leuten. Ist das ratsam, sofern es die Umstände nicht erfordern? Viele Leute werfen die Frage auf, ob durch eine solche Lebensweise bei den Kindern nicht geistige Probleme einschließlich Depressionen gefördert worden sind. Die Kinderpsychologin Anne-Marit Duve sagt: „Ich sehe mich durch klinische Erfahrungen zu der Vermutung veranlaßt, daß in vielen jungen Gehirnen viel Kummer schlummert und gärt, da die betreffenden Kinder schon sehr früh die wichtigste Grundlage für ihr Leben verloren haben — ihre Mutter.“
Kein weiterer Kommentar hierzu. Außer vielleicht, das jemand der in der Klinik arbeitet lediglich mit sehr krassen Fällen zu tun hat.
Wie es sich also seiner Zeit für ein ZJ-Kind gehörte, kam ich nicht in den Kindergarten. Statt dessen kam ich in den Genuß der Kindesindoktrinierung einer ZJ-Erziehung.
Als ich in die Schule kam, war es so das die anderen Kinder in der Klasse sich schon alle irgendwie kannten. Als schüchternder kleiner Knirps war ich die ersten Schultage sehr viel alleine in den Pausen, da ich ja auch im Hinterkopf hatte, das Kinder die nicht von ZJ sind ja alle irgendwie "böse" sein sollen.
Doch ich sah, das die Kinder alle ganz normal sind - normaler als ich es war und zum Glück fragten mich andere Kinder ob ich mitspielen wolle.
Doch erschwerend kam hinzu, das meine Eltern der Klassenlehrerin die "Regeln" erklärten.
Kein Weihnachten, keine Geburtstage, kein Ostern, keine Klassensprecherwahl, keine Nationalhymne, kein Fußballverein, keine Schwimmabzeichen usw. usw.
Weder zu diesen Anlässen Basteln oder malen oder mitfeiern.
Damals gaben sie den Lehren eine Schulbroschüre von der Wachtturmgesellschaft mit, welche heute aus Image-Gründen nicht mehr von denen herausgegeben wird.
Die Organisation der ZJ, die Wachtturmgesellschaft legt demnach sehr viel wert ihre Mitglieder von der allgemeinen bürgerlichen Gesellschaft zu desozialisieren.
Schon bei deren Kindern.
Natürlich fühlte man sich deswegen als Außenseiter.
Zuletzt bearbeitet: 11.08.09 18:20 von Jochen
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Es ist nun mal so, das ein Kind alles glaubt was die Eltern einen sagen.
So glaubte ich, das ich nicht ins Paradies komme, wenn ich nicht mit in die Versammlung wolle.
"Wenn du ins Paradies möchtest, musst du aber mit in die Versammlung".
"Wenn du Jehova lieb hast, dann kommst du auch mit in den Predigtdienst".
Ein Kind hinterfragt nicht.
Es reagiert im Idealfall stets auf das was die Eltern von einen Verlangen.
Auch wenn es Dinge sind, die eine Wachtturmorganisation von jemanden abverlangt.
Doch was ist, wenn ein Kind mal nicht hört oder will?
Hier einige Wachtturmzitate, durch die meine Eltern jahrelang sich in der Kindererziehung haben beeinflussen oder haben reinreden lassen:
Wachturm (WT) 1977 S.755
Manchmal haben Kinder die Rute der Zucht nötig, doch ein andermal mag es genügen, mit ihnen ein offenes Wort zu reden und an ihr Gerechtigkeitsempfinden zu appellieren.
WT 15.2.78
An jenem Tag genügte eine mündliche Zurechtweisung nicht. Die „Rute der Zucht“ mußte buchstäblich angewandt werden, wie die Bibel es durch die Worte empfiehlt: „Torheit ist an das Herz eines Knaben geknüpft; die Rute der Zucht ist das, was sie von ihm entfernen wird“ (Spr. 22:15). Von da an gab es keine zerbrochenen Fensterscheiben mehr.
Auszug aus den Erziehungsmethoden von Bruder Paul Petit, der von seinen Erfahrungen als Familienvater erzählt.
Der Junge hatte einen Wutanfall und zerbrach eine Scheibe.
Liest man die Erziehungsmethoden dieses Mannes im ganzen Zusammenhang, so kann ich die kompremierte Wut seines Sohnes gut nachvollziehen, da mir dieselben Zwänge auferlegt wurden.
Bruder Petit machte keinen Hehl daraus - meine Eltern übrigens auch nicht:
Drei kleine Jungen zu erziehen ist nicht leicht. Was die Sache besonders schwierig machte, war der Umstand, daß ich im Jahre 1953 als „Versammlungsdiener“, wie man damals den vorsitzführenden Aufseher einer Christenversammlung nannte, eingesetzt wurde. Die Aufsicht über die Versammlungstätigkeit kostete mich viel Zeit und Kraft, so daß Andrée in den ersten Jahren die Hauptlast der Erziehung der Jungen tragen mußte. Es war nicht leicht, mit ihnen fertig zu werden. Manchmal mußte man mit ihnen während der Zusammenkünfte hinausgehen, um sie zu strafen (Spr. 23:13, 14). (derselbe Wachtturm)
Wachturm 15.07.1979 "Sollten Kinder geschlagen werden"
Doch wie zum Beispiel der enorme Anstieg der Jugendkriminalität beweist, hat die Einstellung, ein Kind zu schlagen sei verkehrt, zu keinen guten Ergebnissen geführt. An wen müssen wir uns also wenden, wenn wir erfahren wollen, welches die vernünftigste Ansicht ist? Bestimmt an Gott, der die Menschen erschaffen hat. Sein inspiriertes Wort erklärt: „Torheit ist an das Herz eines Knaben geknüpft; die Rute der Zucht ist das, was sie von ihm entfernen wird“ (Spr. 22:15). Die Bibel macht deutlich, daß Zucht eine richtige Belehrung und ein gutes Beispiel einschließt. Zeigt sie aber, daß Schläge nicht dazugehören? Nein. Sprüche 23:13 sagt nämlich: „Enthalte doch dem, der noch ein Knabe ist, die Zucht nicht vor. Falls du ihn mit der Rute [oder der Hand] schlägst, wird er nicht sterben.“ (Vergleiche auch Sprüche 13:24.)
Ich könnte leider noch mehrere solcher Zitate bringen.
Auf jeden Fall hatte ich meinen Vater einst als einen liebevollen Mann in Erinnerung, aber da war ich noch klein.
Ich hatte damals noch keinen Schimmer, wie sehr er sich ändern sollte.
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Mache mir gerade Gedanken darüber, ob und wie weit ich mich hier selber zensieren sollte, um die Gemüter nicht all zu sehr zu verfinstern.
Ich kann mir gut vorstellen, das ein Mensch es nur ein einziges traumatisches Erlebnisses bedarf, um den Rest seines Lebens negativ zu beeinflussen.
Doch was ist mit Menschen, die solche Erlebnisse jahrelang mitmachen mussten - sei es als Opfer oder als Beobachter?
Zum Glück gibt es ja Bilder.
Der Mensch wird manchmal mit einem Blatt Papier verglichen; für jede Situation wo er etwas schlimmes erlebt hat, erhält das Blatt Papier eine Knickfalte.
Manche Falten kann man wieder ausbügeln, andere nicht.
Versucht bitte mal folgendes:
Nehmt ein Blatt Papier.
Knüllt es zusammen.
Presst es zu einem Ball, richtig feste.
Zieht festes Schuhwerk an und tretet auf diesen Ball herum, bis die Substanz hart wird.
Lasst dabei, wenn möglich, eure Wut raus.
Dann versucht dieses Papier wieder zu entfalten und geradezubügeln.
Schaut es euch an, ob es noch vom nutzen ist.
.... es ist zwar nur ein Bild. Aber so wie ein solch entfaltetes Blatt Papier, auf das ihr vielleicht gerade rumgestampft seid, fühle ich mich heute.
Das der Mensch sich frei "entfalten" kann, verdankt er anscheinend den Umstand, das er von anderen erst einmal zusammengefaltet wurde - zumindest war es bei mir so.
Doch zunächst wurde ich in eine Form gepresst.
Zuletzt bearbeitet: 13.08.09 10:11 von Jochen
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Das Kind, das ich hätte sein können, wird es niemals geben.
Das einzige, worauf ich im nachhinein in religiöser Hinsicht auf meine Eltern stolz bin, ist, dass sie sich nicht von dem 1975 Trubel haben mitreißen lassen.
Nach Berechnungen der Wachtturmorganisation waren zu diesem Zeitpunkt 6000 Jahre Menschheitsgeschichte zu Ende.
Gott würde aufhören zu "ruhen".
Das Ende seines persönlichen Sabbats wäre nach Ansicht der Organisation dann der beste Zeitpunkt für Harmagedon.
Wachtturm (WT) 01.08.1970 S.469:
Jedermann möchte gerne wissen, wie lange das gegenwärtige System der Dinge noch bestehenbleibt und wann Gottes Wille auf Erden ebenso vollständig geschehen wird wie im Himmel.
.........
Wie nahe wir dem Ende des gegenwärtigen entzweiten Systems der Dinge gekommen sind, kann nicht vorhergesagt werden, denn sogar Jesus sagte, als er auf Erden wirkte, er wisse Tag und Stunde nicht. (Matth. 24:36) Doch gemäß der biblischen Chronologie, nach der Adam im Herbst des Jahres 4026 v. u. Z. erschaffen wurde, wären im Jahre 1975 u. Z. 6000 Jahre Menschheitsgeschichte vergangen, und dann stünden uns noch 1 000 Jahre der Königreichsherrschaft Christi bevor. Wenn wir auch das Datum für das Ende dieses Systems der Dinge nicht kennen, wissen wir doch genau, daß die verbleibende Zeit verkürzt ist und daß es nur noch etwa sechs Jahre sind bis zum Ende der 6 000 Jahre Menschheitsgeschichte.
"Tag und Stunde weiß nur der Herr", sagten sich also meine Eltern.
Doch würde man sie noch heute nach Harmagedon fragen, dann würden sie sagen, das es schon morgen kommen könne.
Zuletzt bearbeitet: 13.08.09 11:23 von Jochen
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Eines Tages ging es los.
Torheit und Bosheit sind in den Herzen der Kinder.
Und Zucht war die Lösung - die "Rute der Zucht".
Es war bei Eltern der Zeugen Jehovas etwas normales seine Kinder zu züchtigen.
Ich kannte Eltern die dies nicht bei ihren Kinder ausführten.
Wie ich die doch beneidete.
Ein Zuhause, wo man sich hätte fallenlassen können.
Ein Leben ohne Rute, Angst, Alpträume und Druck.
Bei uns war es viel mehr ein Stock, wie aus Buchenholz etwa.
Ca. 60-80cm lang und 1-2cm im Durchmesser.
Bei uns gab es das geflügelte Wort "den Stock vom Schrank".
Ich denke mein Vater war überfordert.
Ein Leben als Ältester der ZJ, verbunden mit dem implantieren Denken, das man tun kann was man will, man aber doch erst am Ende der 1000jahrherrschaft vor Gott ein Ansehen als Vollkommender Mensch erhalten kann.
Jeglicher Mensch kann nur durch die Taten, welche von der Wachtturmgesellschaft vorgeschrieben werden, heute in einer gewissen Erwartungshaltung stehen, so eventuell, in Harmagedon von Gott verschont zu werden.
Der Mann fühlte sich also nicht von Jehova angenommen, wobei er doch alles tat, was er doch von "Gottes Organisation" vorgeschrieben bekommen hat.
Depressionen.
Und Wut, die er an uns Kinder ausließ.
Es ist schon ein Ding, wenn ein Mensch mal aus Versehen seine Wut an andere entlädt.
Etwas anderes ist es, wenn ein einst liebevoller Vater, wie meiner es einst war, zu einem Schlagwütigen, -freudigen Fremden mutiert.
Die Wachtturmorganisation versteht es bei ihren Mittgliedern einen inneren Druck aufzubauen, liefert aber in der Kinderzüchtigung gleichzeitig das passende Ventil.
Wie schon gesagt, schlagen nicht alle ZJ ihre Kinder.
Nicht alle Menschen sind durch den Wachtturm gleich manipulierbar - sonst wären ja längst alle Menschen ZJ.
Die Wachtturmgesellschaft bringt dennoch durch ihre subtile Manipulationen solche Neigungen zum Vorschein, die ein wahrer Christ niemals raus lassen würde - und wenn dann trägt er dies bei seinem Herrn im Himmel vor, der diese Last einem ja abnehmen will.
Doch ein Gewaltbereiter Mensch innerhalb der ZJ verwendet eben die Ideologien aus dem Wachtturm dazu, um das Misshandeln von Kindern zu begründen.
Damals wie auch heute, wenn ich dies noch bei meinen ZJ-Freuden beobachten konnte. Deren Eltern haben es nun mal so vorgemacht.
Welch grausamer Autor muss das sein, der gewissenlos Zuchtmaßnahmen in einem Wachtturmartikel befürwortet, ohne Rücksicht auf die unterschiedlichsten Auffassungen des Lesers zu berücksichtigen.
Der eine züchtigt seine Kinder weil er sie wirklich liebt.
Der andere züchtigt seine Kinder, um Dampf abzulassen.
Zuletzt bearbeitet: 15.08.09 00:26 von Jochen
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